16. Juli 2010 von haftgrund | kein Kommentar
“Drinnen quirlen zwei Ventilatoren die stickige Luft zwischen den Marmorsäulen. Die Klimaanlage, eigentlich nicht wegzudenken aus schwülheißen Ostküstensommern, läuft nur im Lesesaal mit den Kinderbüchern. Die Bibliothek muss Strom sparen.” (Der Standard)
Zum Glück ersparen wir in den Wiener Büchereien uns so eine Sparmaßnahme, weil es eh keine Klimaanlagen in den Zweigstellen gibt. Die Hauptbücherei hat zwar eine. Doch die wurde aus Ersparnisgründen zu klein dimensioniert. Wer dafür das Goldene Dienstsparschwein gekriegt hat, ist nicht bekannt, fällt wohl auch unter die Magistratsburka.
6. Juni 2010 von haftgrund | kein Kommentar
Ein ehemaliger Steuerhinterzieher sitzt neben einem wegen Urkundenunterdrückung und Beweismittelfälschung Verurteilten an einem Tisch, der eher eckig ausschaut, aber als runder bezeichnet wird. Weil ihnen grad fad ist, spielen sie “Der Gscheite und der Blöde“: Der Steuerhinterzieher schwadroniert über die Ursachen der aktuellen Finanzkrise:
Androsch: Man beklagt zu Recht alle möglichen Spekulationen. Aber: Auch die Politik hat spekuliert – und zwar auf Kosten der Zukunft. Sei es die Finanzierung des Wohlfahrtsstaates, sei es die Bildung. Hier gab es gravierende politische Fehl-Spekulationen, die Politik hat auf die Zukunft gewettet.
Als Miteigentümer und Profiteur eines Glücksspielkonzern weiß er wohl nur allzugut, dass das Wetten nur hilft, wenn einem die Wettmaschinen gehören.
Der Beweismittelfälscher mimt den Blöden und vermisst den großen Horizont:
Blecha: Weder auf die Wirtschafts- und Finanzkrise noch auf die anderen Probleme wurde ausreichend reagiert. Es fehlen die politischen Visionen.
So haben wir nicht gewettet, versucht der Gscheite gegenzusteuern:
Androsch: Allerdings wäre es zu einfach, zu sagen: “Die Politik hat versagt.” Wirtschaft, Gesellschaft, jeder Einzelne – alle tragen Verantwortung. Die Politik trägt aber die größte Verantwortung …
Jetzt darf der Blöde wieder was sagen:
Blecha: Jede Krise ist eine große Chance für Erneuerung und Veränderung. Aber das muss man erkennen und entsprechend nutzen.
Und er hat sie, die Erkenntnis, der Vielfachmillionär und Anhänger von Massensteuern:
Androsch: Man kann immer nur verteilen, was man vorher erwirtschaftet hat.
Schließlich kommt die alles entscheidende Frage:
Haben wir über unsere Verhältnisse gelebt?
Beide: Ja, das haben wir!
Quelle: http://kurier.at/wirtschaft/2006555.php
28. Mai 2010 von haftgrund | kein Kommentar
Standard: Welche Vorschläge haben denn Sie geärgert?
Kopf: Na zum Beispiel die Finanztransaktionssteuer als Alleingang. Und dann das ständige Herumreiten auf den “Besserverdienern”, den “Reichen”, den “G’stopften”, den Besitzenden an sich – die haben ihr Zeug ja nicht gestohlen.
Auch die ständige Ansage, “die Menschen können ja nichts dafür”, ist falsch. Schuld sind nicht die Spekulanten, sondern Ursache ist die riesige Verschuldung zunächst der privaten Haushalte in den USA.
Gegen die verantwortungslose Umwertung aller Werte gilt es natürlich auch anzugehen:
Kopf: Mich irritiert der offenbar erfolgreiche Versuch, wertbehaftete Begriffe wie Sparen, Liberalismus und Kapitalismus madig zu machen, indem man von Kaputtsparen, Neoliberalismus und Turbokapitalismus spricht. Der Kapitalismus ist die Grundlage unseres Wohlstands, Liberalismus bedeutet Freiheit und das Sparen ist eine Tugend
Die Welt kann so einfach und richtig sein. Es braucht nur einige Nägel und ein Brett aus dem Holze Vorarlbergs in diesem Fall.
15. Mai 2010 von haftgrund | kein Kommentar
Es klingt ja recht vielversprechend, dass die Regierungen von Türkei und Griechenland langsam einen zivilisierten Umgang miteinander ins Auge fassen, so z.B.: Griechenland-Türkei wollen teure Scheinluftkämpfe beenden.
Die Hoffnung auf gegenseitige militärische Abrüstung hält sich aber in Grenzen, wie die Presse berichtet:
Dass die beiden Premierminister am Wochenende in Athen eine rigorose Beschneidung der Rüstungskäufe beschließen könnten, hält die Journalistin „für extrem schwierig“. Beide Länder seien bereits die entsprechenden Verpflichtungen eingegangen. Verpflichtungen, an die auch der deutsche Außenminister Guido Westerwelle Anfang des Jahres in Athen erinnert hat. Trotz der wirtschaftlich katastrophalen Lage Griechenlands mahnte er den Kauf von 60 Eurofightern ein. Nach den Besuchen Papandreous in Berlin und Paris zu Gesprächen über die EU-Hilfskredite erhöhte sich eine Bestellung deutscher U-Boote von vier auf sechs und Athen gab bekannt, französische Fregatten bestellen zu wollen. Für Deutschland gehören Griechenland und die Türkei mit einer Abnahme von insgesamt 27 Prozent der deutschen Rüstungsproduktion zu den besten Kunden.
21. April 2010 von haftgrund | kein Kommentar
Warum BWL-Manager Ingenieuren intellektuell unterlegen sind |
Auch »durchschnittlich Begabte« könnten auf vielen Feldern der Betriebswirtschaftslehre durch viel Fleiß, viel Geld und gutes Networking sowie dem Deckmantel der so genannten Kommunikations- und Präsentationsfähigkeiten den Studienabschluss erreichen, obwohl es an Kompetenz mangelt. Somit starteten viele Blender auf der Karriereleiter durch und bringen Schaden über Unternehmen, was das Beispiel vieler Banken zeige oder das des Arcandor-Pleitiers Thomas Middelhoff.
(via SIS-MitarbeiterInnen-Blog)
14. Januar 2010 von haftgrund | kein Kommentar
Vor wenigen Tagen, am 9. Jänner, wäre Kurt Tucholsky 120 Jahre alt geworden. Anlass genug, ein Lied von ihm zu bringen, welches insofern nicht ganz aktuell ist, als noch mit Mark und Pfennig statt Euro und Cent gerechnet wird.
Bürgerliche Wohltätigkeit
Sieh! Da steht das Erholungsheim
einer Aktiengesellschafts-Gruppe;
morgens gibt es Haferschleim
und abends Gerstensuppe.
Und die Arbeiter dürfen auch in den Park …
Gut. Das ist der Pfennig.
Aber wo ist die Mark –?
Sie reichen euch manche Almosen hin
unter christlichen frommen Gebeten;
sie pflegen die leidende Wöchnerin,
denn sie brauchen ja die Proleten.
Sie liefern auch einen Armensarg …
Das ist der Pfennig. Aber wo ist die Mark –?
Die Mark ist tausend- und tausendfach
in fremde Taschen geflossen;
die Dividende hat mit viel Krach
der Aufsichtsrat beschlossen.
Für euch die Brühe. Für sie das Mark.
Für euch der Pfennig. Für sie die Mark.
Proleten!
Fallt nicht auf den Schwindel rein!
Sie schulden euch mehr als sie geben.
Sie schulden euch alles! Die Länderein,
die Bergwerke und die Wollfärberein …
sie schulden euch Glück und Leben.
Nimm, was du kriegst. Aber pfeif auf den Quark.
Denk an deine Klasse! Und die mach stark!
Für dich der Pfennig! Für dich die Mark!
Kämpfe –!
Kurt Tucholsky Arbeiter Illustrierte Zeitung, 1928, Nr. 45, S. 11,
wieder in: Deutschland, Deutschland u. Lerne Lachen,
auch u.d.T. »Wohltätigkeit«.
28. November 2009 von haftgrund | kein Kommentar
denn es wird anderswo gebraucht:
- Die Lüge: „Es wird nichts verschenkt, wir stellen nichts gratis zur Verfügung, sondern es handelt sich um ein beinhartes Geschäft.“(Finanzminister Pröll)
- Die Wahrheit: “Das Finanzministerium muss bereits 200 Millionen Euro aus dem Bankenpaket in den Wind schreiben. Hypo Alpe-Adria und Volksbanken können nicht zahlen. Wie die Kontrollmechanismen der Regierung versagten.”
20. September 2009 von haftgrund | 1 Kommentar
Lenin hat bekanntlich davon gesprochen, dass Elektrifizierung plus Sowjetmacht Kommunismus ergebe. Der Falter-Chefredakteur stellt eine ähnliche Gleichung auf:
“Digitalisierung und Deregulierung sind Kinder eines Zeitgeists, sie erschienen zugleich und zuerst in den USA, wo ihnen neokonservative Ideen und Neuerungsfreude den Weg bereiteten.”
Was dem einen der Kommunismus, ist dem anderen ein ebenso schwammiger “Zeitgeist”, der sich aus Finanz- und Medienkrise, aus “Googels Oligopol” und schlechtem Journalismus zusammenwhirlt und im Eigentlichen erst durch die Gleichsetzung von technischer Innovation (Digitalisierung) und politischer Macht (Neoliberalismus) seine Dynamik im Thurnherrschen Gedankenpool zu entwickeln vermag.
Das Ergebnis ist erschreckend:
“Finanzinvestoren, die nicht auf journalistische Kultur Wert legten, sondern auf maximale Rendite”
Dieser aktuelle Befund deckt sich mit den Gedanken eines anderen Autors über die Macht und den Einfluss moderner Medien sowie der Dominanz wirtschaftlicher Aspekte gegenüber den Belangen der Literatur und der Kunst:
“Ein Buch ist Verlegern nichts als eine Kapitalanlage. Je besser ein Buch ist, desto weniger Aussicht auf Absatz hat es.”
Soweit wie dieser Autor, der die Zeitungsredaktionen auch noch als ein Nest von Lügnern und Intriganten bezeichnet, die ihre mediale Macht skrupellos nutzen, geht Armin Thurnherr nicht, doch auch er sieht den seriösen Journalismus in Gefahr:
“Gratisblätter kommen mit Miniredaktionen aus,”
Das ist schlimm genug, doch das Schlimmste kommt erst:
“das Suchmaschinen-Oligopol Google parasitiert überhaupt bloß an dem, was andere publizieren”
Und hier treffen Lenin und Thurnher wieder zusamm’: Hier das oligopolistische Google, dort der monopolistische Kapitalismus mit seinem parasitären, verfaulenden Wesen.
Warum also nicht vom Google-Imperialismus sprechen, dessen Parasitismus bereits auf den Printbereich überschwappt? Denn wie anders ist etwa ein Zitatelexikon zu bewerten, als ein in Buchform gegossener Parasit fremder Geistesfrucht?
Doch wie es in der Russischen Revolution die Sowjets gegeben hat, gibt es heute die Betreiber von Websites, die nicht gewillt sind, sich als Wirtskörper des Googleparasiten missbrauchen zu lassen! Mit widerständiger List und mit raffinierten Tricks gelingt es ihnen immer wieder, nicht auf den Ergebnislisten des Oligopols aufzuscheinen! Auf dass dieser verfaulen möge!
Aus einer anderen Welt dagegen sind folgende Sätze über ein Medium, welches unser Printmediumherausgeber weiterhin nicht ernstzunehmen bereit ist:
“Das Internet hebt den Journalismus auf eine qualitativ neue Ebene. Online müssen Texte, Töne und Bilder nicht mehr flüchtig sein. Sie bleiben abrufbar und werden so zu einem Archiv der Zeitgeschichte. Journalismus muss die Entwicklungen der Information, ihrer Interpretation und den Irrtum mitberücksichtigen, also Fehler zugeben und transparent korrigieren.
Das Internet entlarvt gleichförmige Massenware. Ein Publikum gewinnt auf Dauer nur, wer herausragend, glaubwürdig und besonders ist. Die Ansprüche der Nutzer sind gestiegen. Der Journalismus muss sie erfüllen und seinen oft formulierten Grundsätzen treu bleiben” (Internet-Manifest)
Ob Thurnher verstehen würde, warum diesmal er den FOLM kriegt und nicht sein Klenk?
Der andere Autor mit dem kritischen Blick auf die Medienlandschaft ist übrigens Balzac und der Befund stammt aus “Verlorene Illusionen” und handelt von den Zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts.
5. September 2009 von haftgrund | kein Kommentar
“Wieso ist der Erhalt von Banken, ÖBB und AUA so wichtig, die Sicherung des Gesundheitssystems aber nicht?”
fragt der Betriebsratsvorsitzende der Medizinuni Wien in einem Leserbrief an die Kronenzeitung und fügt hinzu:
“oder: wie und warum das auf Solidarität aufgebaute Gesundheitssystem kaputt gemacht werden soll.”
Quelle: MUW-Betriebsratsblog