Alle Beiträge mit dem Tag ‘Sprache’

Zeige mir deine Mitglieder

und ich sage dir, was du bist:

Äußerungen über Ausländer: Gabriel legt Sarrazin SPD-Austritt nahe

Grundsätzlich wolle er sich mit Sarrazins Thesen zur Einwanderung ja “intellektuell” auseinandersetzen, sagt Gabriel. Aber sie seien teilweise “sprachlich so was von gewalttätig”, dass eine Auseinandersetzung schwer in Frage komme. “Wenn Sie mich fragen, warum der noch bei uns Parteimitglied sein will – das weiß ich auch nicht”, sagt Gabriel.

Die indirekte Botschaft des Vorsitzenden: Sarrazin, Sozialdemokrat, ehemaliger Berliner Finanzsenator und heutiger Bundesbank-Vorstand, soll sich bitte eine neue politische Heimat suchen.

Eine Sozialdemokratie mit einem Funken an Sozial- und Demokratiebewusstsein hätte diesen Typen längst hinausgetreten – und nicht “indirekt”, sondern mit direktem Tritt in den Arsch – meine ich mal, und ausnahmsweise mit Verzicht auf  “intellektuelle Auseinandersetzung”.


Im Überschwall des Sprechdurchfalls

über die hohe Schwelle der deutschen Sprache gestolpert:

… fordert die Wiener FPÖ nach wie vor eine unabhängige Kommission, die jenen Missbrauchopfern unterschwellig zu Verfügung stehen muss, die bisher aus Scham geschwiegen haben, so der Kinder- und Jugendsprecher der FPÖ-Wien, Gemeinderat Mag. Johann Gudenus in einer Stellungnahme. (OTS)


Loyal-verdient

Vor einiger Zeit hat sich die Kultur/Medien-Gewerkschaft mit jener der Gemeindebediensteten zusammengeschlossen. Die Hoffnung, dass dies eine günstige Auswirkung auf Grammatik und Stil gewerkschaftlicher Stellungnahmen haben könnte, hat sich bislang zwar nicht erfüllt, doch zu originellen Wortkombinationen reicht es allemal, wie in der Stellungnahme des Betriebsrats angesichts des Umgangs mit dem von Wrabetz geschassten Dr. Buchner zu lesen ist:

Skandalöser ORF-Hinauswurf des loyal-verdienten Dr. Buchner

Hernach werden einige Details im Umgang mit dem Loyal-Verdienten präsentiert, welche eine ziemlich miese Betriebs- und Leitungskultur im ORF zeigen, die zu Recht angeprangert gehört. Wenn Betriebsrat Fiedler in seinem offenen Brief aber damit schließt:

“Alles in allem eine Vorgangsweise, die an die dunkelsten Kapitel europäischer Geschichte erinnert”

so stutzt man, bei aller Solidarität mit dem zu Unrecht Entlassenen, doch und fragt sich, ob es nicht gerade für Gewerkschafter angebracht wäre, sich über die politische Verhältnismäßigkeit ihrer Aussagen Gedanken zu machen.
Würde sagen, höchste Zeit, dass in dieser Gewerkschaft auch KIVlerInnen kandidieren, wozu bei den gemeinsamen Gewerkschaftswahlen von Gemeindebediensteten und den Angehörigen von Kunst-Medien-Sport-freie Berufe Gelegenheit ist :-)


Das Lächeln der Fischi und die Träume des Pum

1

Es war ein extrem schweres Rennen.
Die sich darauf einstellen konnten, sind vorne.
Ich habe mich nicht optimal eingestellt und es nicht entsprechend umgesetzt.
Aber du kannst halt nichts erzwingen.
Ich habe dann gekämpft, dass ich schön über dem Ski bleibe,
das war mein größtes Problem.

Aber wenn du oben schon einen Fehler machst,
oder nur fährst und schaust,
bist du nicht dabei.

Gerade im Speedteam ist der Schuss nach hinten losgegangen.
Das tut mir auch für das Umfeld leid.
Für uns alle ist es eine Überraschung, dass es so in die Hose gegangen ist.
Wir müssen uns hinsetzen und das genau analysieren.
Wie hat “Fischi” das gemacht?

2

Alpin-Direktor Hans Pum lehnte an einem Zaun. Bleich.
So etwas habe ich mir in meinen schlimmsten Träumen nicht erwartet.
Österreicher werden abgeworfen,
Und das summiert sich dann.
Was für ein Albtraum.

Lächeln war woanders zuhause.
Gold-Fischi frisst sie alle.

3

Im Super-G waren wir ein starkes Team, leider ist es nicht aufgegangen.
Und er schüttelte den Kopf.
Unsere Burschen wollten es erzwingen, sie sind mit der Brechstange gefahren.
“Fischi” will sich die Weltcup-Kugel geben.


Quellen: Zweite Medaille für Svindal und MillerRückschlag statt zurückgeschlagen | kurier.atÖSV-Alpinchef Pum: “Keine Trainerdiskussion” | kurier.atDie bitterste Stunde bei Olympia – ÖSV erlebte Debakel > Kleine ZeitungSuper G der Damen – derStandard.at › Sport


Wohnzimmerbücherei. Modernst.

Anlässlich der Neueröffnung einer Bücherei packt der Öffentlichkeits-Bearbeitungsbereich der Bildungs- und Jugendabteilung der Stadt Wien wieder einmal seine sprachliche Toolbox (Korrekturlesen ist was für Warmduscher) aus. Unangefochten von stilistischen Bedenken widmen sich die Textgestalterinnen der Aufgabe, darüber hinwegzuschreiben, dass in einem der einwohnerreichsten Bezirke Wiens keine Großbücherei existiert. Und weil die Stadtpolitik nicht bereit ist, weitblickend zu planen, sind die Büchereien gezwungen, aus der Not eine Tugend zu machen und – wie im Falle der ziemlich kleinen und verkehrstechnisch ungünstig gelegenen Bücherei Hasengasse – wegen gebäudetechnischer Gebrechen eine Rundumerneuerung im Kleinen zu versuchen, um das Innere der Bücherei luftiger und attraktiver zu gestalten. Dies scheint recht gut gelungen zu sein, allerdings bleibt das Manko der den heutigen Anssprüchen nicht mehr genügenden Kleinräumigkeit.
Dieser Bug wird in der Aussendung der Rathauskorrespondenz aber zum Feature definiert:

” … Spektrum an Medien zur Verfügung, das sie in der neu renovierten Zweigstelle in Wohnzimmeratmosphäre konsumieren können”

Wem das Angebot, in einem Wohnzimmer ein Spektrum konsumieren zu müssen, aber eher als gefährliche Drohung denn als Einladung zu einem Büchereibesuch erscheint, den ereilt ein anderer Lockruf:

“des insgesamt 39 Zweigstellen umfassenden Netzwerks”

Dies hat den Vorteil, dass Netzwerk immer irgendwie stimmt und vielfach den Büchereien nicht zugetraut wird, dass sie sich der gängigen technischen Mittel bedienen. Also möglicherweise neugierig macht. Um aber einer Verwechslungsgefahr mit dem Handwerkszeug eines alten Fischers vorzubeugen, wird noch ein “modernst” draufgesetzt:

  • mit modernster Technologie ausgestattet
  • auf modernste Büchereiarbeit ausgerichtet
  • niederschwelligen Zugang zu Büchern wie auch zu modernsten Technologien zu ermöglichen

Zum “modernst” dazugepappt gehört natürlich das angeberische “Technologie“, wenn eigentlich Technik gemeint ist.
Wenn nun diese modernste Technologie  “ein [in Ziffern: 1] PC-Arbeitsplatz mit Internetzugang” ist, dann steht zu befürchten, dass selbst modernste Büchereiarbeit nur einen eher unterschwelligen Zugang zu modernsten Technologien ermöglicht und die “hohe Akzeptanz der Zweigstelle bei den KundInnen” (bislang weit unter tausend Besucherinnen pro Monat) nicht entschieden gesteigert werden kann.

Fazit:
Natürlich tun hier wie in den anderen Zweigstellen die Bibliothekarinnen ihr Bestes und werden es weiter tun. Doch der Wirkungsgrad wird notgedrungen bescheiden bleiben, weil die Stadt nicht die notwendigen Mittel bereitstellt, um die

“Sicherstellung von flächendeckenden, bedarfs- sowie stadtteilorientierten und lebensbegleitenden Bildungs- und Freizeitangeboten für die Bevölkerung in Wien”

zu gewährleisten, wie es in der Aufgabendefinition der den Büchereien überstülpten Magistratsabteilung heißt.


Unter-Frauen

Naturhistorisches Museum

37 Bewerber für Lötsch-Nachfolge

11. September 2009, 14:57

Unter den Bewerbungen sind elf Frauen

Quelle: http://derstandard.at/fs/1252037144397/Naturhistorisches-Museum-37-Bewerber-fuer-Loetsch-Nachfolge


“Kompetenzzentrum für aufenthaltsbeendende Maßnahmen”

sowas muss einem erst mal einfallen. Sollte man darüber nachzudenken beginnen, ob sich eine Art “bürokratischer Faschismus” zu entwickeln beginnt, welcher an seinen sprachlichen Festlegungen zu erkennen ist?

Der Zusammenhang, in dem dieser Beamtenjargonausdruck gefallen ist, weist so recht das Ausmaß des Elends aktueller sozialdemokratischer Politik aus:

“Zuletzt präsentierte Innenministerin Maria Fekter für die ÖVP bei der Regierungsklausur mit der SPÖ in Salzburg die Schwerpunkte zum Fremdenrechtsänderungsgesetz. Norbert Darabos saß am Podium neben Fekter und nickte Punkt für Punkt ab. Die ÖVP verschärft das Gesetz, die SPÖ nickt dazu – auch nicht unbedingt eine Schärfung der sozialdemokratischen Position. Die Zustimmung zu dieser Verschärfung der Asylgesetzgebung könnte auch als Kniefall vor der FPÖ verstanden werden. Das vom Innenministerium geplante neue Schubhaftgefängnis nennt sich im Beamtenjargon “Kompetenzzentrum für aufenthaltsbeendende Maßnahmen” . Was den einen als menschenverachtender Zynismus erscheint, läuft bei anderen unter “Effizienzsteigerung” . Darabos nickte dazu. Jetzt tüftelt er selbst an einem Konzept. (Michael Völker, DER STANDARD, Printausgabe, 25.9.2009)”


Schuh Sprache Jelinek

Ein Tag, der mit solchen Sätzen beginnt, kann nicht ganz verloren sein:

Sehr wahr kommt mir vor, dass man die Sprache nicht verwerfen und “zerstö­ren” soll, bloß weil man glaubt, damit könnte man zeigen, wie zerstört die Sprache bereits ist. Man sollte nicht glauben, ein Kunstwerk ist schlecht, und das ist gut, weil es gerade durch seinen schlechten Zustand vor Augen führt, wie schlecht die Welt ist.
Das Zeigen selbst, vor allem wenn ein Werk daraus werden soll, hat seine eigenen Gesetze; das Schlechte zeigt sich nicht im Werk, das selbst schlecht gemacht ist. Allerdings ist die Sprache “mehr” als jenes “eigentliche Sprechen”, das man gerne für die Sprache hält.

Aber Franz Schuh setzt noch eins drauf für alle jene, die es immer noch nicht kapiert haben, exemplifiziert am Beispiel von Jelineks “Die Liebhaberinnen” und schafft damit eine der schönsten Werkzugänge, die ich kenne:

Man/frau lese zum Beispiel Elfriede Jeli­neks “Die Liebhaberinnen”: Die Spra­che in dem Buch besteht exklusiv aus verwerf­lichem Sprachgebrauch, aus Formeln, Floskeln, aus gar nichts Individuellem. Es ist eine gesellschaftlich produzierte Sprache, die die Wünsche der handelnden Personen anonym programmiert – sie handeln und denken, wie’ s im Buche steht. Man liest, wie die Reduktion von Menschen auf die Eindimensionalität der Phrasen funktioniert. Und aus kleinen Abwei­chungen, aus Übertonungen, aus Wiederho­lungen, aus Verschiebungen, aus Understate­ments, aus scheinbaren Ungeschicklichkeiten, aus Vereinfachungen und überraschenden Verkomplizierungen geht hervor, dass der Text ganz und gar ungehorsam gegenüber der Befehlssprache ist, die alle kommandie­ren will, auch die Romankunst. Und in dieser Ungehorsamkeit äußert sich die Sprache, die ihre Armut nur deshalb so gut beweisen kann, weil die Autorin den Sprachgebrauch virtuos abhört und benutzt. Bei dieser Übung ist die Autorin allerdings keine einsame Ausübende der Sprachgewalt, sondern an ihrer Montage arbeitet das gesellschaftliche Leben, das seine sprachschöpferischen Seiten hat, manchmal auch an führender Stelle mit. Aber das ist artistisch bewältigt und ist ein Teil der Konstruktion. Es hat nichts mit der schlampigen Vermischung der Zei­chen zu tun.


 
WordPress | YAML | Green | Admin | TOP