Weihnacht der Schreckensmänner
3. Januar 2010 von haftgrund | kein Kommentar
Drei Geräte zum Teil mehrmals aufgesetzt mit XP, Vista und Suselinux drüber, und nichts davon freiwillig, sonder kleinweichbedingt bzw. einem weihnachtlichen Virenbesuch zu verdanken. Zum eigentlich geplanten Vergnügen, den “Spiele”-PC mit Fedora und einigen Ubuntus zu bestücken, bin ich dabei gar nicht gekommen. Weihnachtsfeiertage, wie man sie liebt.
Dazwischen aber auch, ausgehend von Safranskis “Romantik”, Heines “Romantische Schule” und “Wie ward Fritz Stolberg ein Unfreier?” von J.H.Voß und dazu “Die Schreckensmänner” von Arno Schmidt, welcher Voß als einen der deutschen “Schreckensmänner” nannte und von sich selber gesagt hat: “Ich gehöre eben zu jenen Realisten a la Johann Heinrich Voß!”. In diesem Feld liegt noch einiges, mir völlig Unbekanntes. Zum Beispiel die Antwort von Fritz Stolbergs Bruder auf die Voßsche Polemik. Diese war zwar teilweise durch die vielen zeitgenössischen Bezüge mühsam zu lesen. Doch Wikipedia half großzügig aus und letztlich ist der Text ein großartiges Spätaufbegehren eines Altaufklärers gegen den kalten Gang ins normal-Reaktionäre. Und natürlich geben die “Schreckensmänner” einiges her:
“Und ihre Kennzeichen sind mannigfach und immer wieder hübsch gleichmäßig vorhanden: arm geboren sind sie. Unter unglücklichen Familienverhältnissen aufgewachsen. Brennend scharfen Geistes übervoll - und dieser, da auf einen bösen Boden gepflanzt, nichts weniger als angenehm. Ihre spätere Entwicklung ist häufig eine Frage der körperlichen Kosntitution: wem Allah die Knochen eines Ochsen verliehen hat, daß er mit jeder Hand einen Zentner heben kann, überlebt die grausamen Entbehrungen, hat weniger Angst, wird wütender, - wenn auch vielleicht nicht ganz so giftig - als Der, der bei jedem Wort husten muss.[...]
Dadurch, daß an ihnen das Mißverhältnis zwischen einem Geist erster Größenordnung und seiner armseligen Umgebung handgreiflich, - im wahrsten Sinne des Wortes ‘schreiend’ - wird, erhalten sie den Rang von Sprechern des Vierten Standes.[...]
… der große Bürger Johann Heinrich Voss, der freilich als unschätzbares Pfand die Statur des Donnerers Thor mit auf den Lebensweg bekommen hatte; und der - Enkel eines mecklenburgischen Leibeigenen, Sohn eines Dieners - die französische Revolution auch da noch bejahte, wo sich die Hausbesitzer zurückzogen; auch er ein Modellfall schreckensmännisch-deutscher Dichtung und Gelahrtheit.” (Schmidt a.a.O., 392f)
Der nächste Schreckensmann in Gestalt seines Anton Reisers liegt schon auf dem Tisch.