26. August 2010 von haftgrund | kein Kommentar
Das Gespräch der Kleinen Zeitung mit Gerhard Kurzmann, dem Spitzenkandidaten der steirischen Rechtsextremenpartei bot natürlich mehr als die Unbedarftheit der Interviewerin, nämlich Aussagen, die als Ganzes gesehen meiner Meinung nach als Propaganda für Holocaustleugnung anzusehen sind:
Gigler: Sie wissen als Historiker wovon wir sprechen. So ist die SS als verbrecherische Organisation verurteilt worden. Stört sie, dass sie da dabei sind?
Kurzmann: Es steht jeder nur für das, was er selbst getan hat. Kollektivschuldthesen gibt es nicht. Ich sage ja nicht alle Soldaten der roten Armee sind Kriegsverbrecher, weil es viele Vergewaltigungen gegeben hat.
Gigler: Was denken Sie sich bei angeblichen Kollegen, die den Holocaust in Abrede steht, zum Beispiel John Irving?
Kurzmann: Ein paar Bücher habe ich gelesen. Ich bin überzeugt davon, dass in der Wissenschaft die Forschung frei sein muss. Ob er Thesen vertritt, die im Widerspruch zu anderen steht, dass muss die Diskussion aushalten. Im Bereich der Wissenschaft muss Forschung ohne Scheuklappen und Tabu möglich sein.
Gigler: Also glauben Sie dass es ihn gegeben hat?
Kurzmann: Ich weiß es nicht. Ich habe mich mit diesem Kapitel der Geschichte nicht so stark befasst. Mit meiner Funktion als Parteivorsitzender hat das nichts zu tun. Als Politiker interessieren mich die Gegenwartsprobleme und nicht die Vergangenheit. Welche Probleme es gibt und die will ich angehen.
Gigler: Glauben Sie als Historiker an den Holocaust?
Kurzmann: Ich bin überzeugt, dass es die Massenvernichtung gegen hat. Wissenschaftliche Bücher kann man aber nur selbst beurteilen, wenn man die Quellen gelesen hat.
Habe ich etwas übersehen, und es gibt bereits eine klare Absage von steirischer SPÖ und ÖVP an eine Nachwahl-Zusammenarbeit mit dieser Partei und ihrem Führer, der in “Wofür ich stehe” auf seiner “Heimseite” ein Buch von Hellmut Diwald, einem berüchtigten revisionistischen Rechtsextremen, präsentiert?
26. August 2010 von haftgrund | 1 Kommentar
Gigler: Was denken Sie sich bei angeblichen Kollegen, die den Holocaust in Abrede steht, zum Beispiel John Irving?
Kurzmann: Ein paar Bücher habe ich gelesen.
(Von der Interviewerin gemeint war natürlich David Irving, der Reisende in Geschichtsrevisionismus und Holocaustleugnung).
16. Juli 2010 von haftgrund | kein Kommentar
Die „Bibliothek der verbrannten Bücher“ ist nun in der Universität Augsburg erstmals der Öffentlichkeit zugänglich; der Lochhamer Sammler Georg P. Salzmann sieht sein Lebenswerk vollendet und ist glücklich darüber.
(merkur online)
Google, bitte kommen!
13. Juni 2010 von haftgrund | kein Kommentar
Bücherei-Anstrich muss noch warten
Die Rotarier hatten auf Eigeninitiative und ihre Kosten den Altenstadter Künstler Paul Ressl junior mit der Neuplanung der Bücherei-Außenfassade beauftragt, die der Club finanzieren würde. Ressl hatte mehrere Vorschläge abgegeben, von denen einer eine rote Fassade mit aufgemalten Zitaten aus bekannten Meisterwerken der Literatur enthielt und in einer zurückliegenden Bauausschuss-Sitzung genehmigt wurde.
Einziger Haken an der Sache: Da die Bücherei früher ein Heim der Hitlerjugend war, müsse man von der Denkmalschutzbehörde prüfen lassen, ob es sich nicht um ein sogenanntes Einzeldenkmal handele.
Eigentlich unglaublich. Uneigentlich auch.
12. Dezember 2009 von haftgrund | kein Kommentar
“Eine Woche vor seinem 80. Geburtstag war es für den Xantener Kinderbuchautor Willi Fährmann eine Ehrensache, zur Eröffnung der Moerser Grundschule, die seinen Namen trägt, anzureisen und vorzulesen. Er las aus seinen Erinnerungen, wie er als Kind zum Lesen kam. Ein Arbeitsloser, der regelmäßig zu Hause in der Küche den Kindern die Haare schnitt, leitete ehrenamtlich die Bücherei in der Kirche und brachte immer neue Bücher mit, auch einige, die von den Nationalsozialisten verboten waren und im Kleiderschrank versteckt wurden.”
Quelle: http://www.rp-online.de/niederrheinnord/moers/nachrichten/moers/Schwungvoller-Start_aid_794677.html
19. Juli 2009 von haftgrund | kein Kommentar
Es ist der 21. Juli. Ullmann, ein SS-Unterscharführer, führt Zbyszek und mich hinaus. Er ist ein alter Kracher, der fürchterlich nach Pfeife stinkt.
Herrlich ist’s, so ins Grüne hinauszugehen. Bald sehen wir kein Lager mehr und keine SS. Sbyszek
hat die Landkarte in der Hand und zeichnet mit gewichtiger Miene jeden Tümpel ein. Ich lenke den Weg unauffällig so, dass wir in die Gegend kommen, die als Treffpunkt mit den Partisanen vereinbart ist.
Die Partisanen haben den Weg gut beschrieben [...]
Ullmann ist müde. Wir legen uns auf einen Damm zwischen den Teichen in die Sonne [...]
Dann kommt er ins Erzählen. Ich habe schon bemerkt, dass er etwas auf dem Herzen hat.
“Wissen Sie schon? Auf den Führer wurde gestern ein Attentat verübt. Er ist unverletzt, aber ein General und mehrere andere höhere Offiziere sind getötet.”
Ein Attentat! Wenn es gelungen wäre! Im Augenblick kann ich gar nichts sagen.
“Von wem ist es denn ausgegangen?” Zbyszek fragt.
“Von Verrätern in der Wehrmacht, adeligen Offizieren [...]” – Also versuchen die Ratten, das sinkende Schiff zu verlassen.
Die Sonne strahlt auf uns nieder. Grün ist’s ringsherum, Flieder, Vögel, Wolken. Herrlich! Bald werde ich ganz im Grünen sein.
“Auf!”
Wirst nicht mehr lange kommandieren können, du alter Trottel!
“Jawohl!”
Ein Weg zwischen Bäumen, Schilf, Enten im Wasser. In der Ferne die Beskiden. Immer wieder muss ich zu ihnen schauen.
Eine staubige Straße und wieder das Lager. SS auf Fahrrädern. Wenn sie an uns vorbeifahren, müssen wir stramm die Häne anlegen.
Der Ausflug ist zu Ende – unser Ausflug kann beginnen.
Diese Episode des Berichts “Die Stärkeren” von Hermann Langbein fand vor ziemlich genau 65 Jahren statt, als die Häftlingsorganisation von Auschwitz die SS dazu instrumentalisieren konnte, eine Begehung und Vermessung der Umgebung des Lagers zu veranlassen – der eigentliche Zweck für die Häftlinge war die Auskundschaftung des Geländes für die geplante Flucht.
Dieses wenige Jahre nach der Befreiung geschriebene Buch wurde in der Neuauflage nur durch ein Vor- und Nachwort ergänzt, im Übrigen aber unverändert belassen. Es verblüfft nicht nur durch erstaunliche Genauigkeit in der Darstellung von Ereignissen, die Jahre später aus anderen Quellen bestätigt wurde, sondern auch durch die Manifestationen von Kraft und Selbstbewusstsein der politischen Häftlinge, welche selbst in der Todesfabrik Auschwitz imstande sind, eine schlagkräftige Organisation – die “Kampfgruppe Auschwitz” – zu schaffen, welche im Lauf der Zeit sogar die SS-Mannen zum Fürchten bringt. Beispielsweise durch die Veröffentlichung der Namen der in Auschwitz eignesetzten SS-ler durch den britischen Sender: die Namen stammten aus der Lager-Schreibstube, in der Langbein sich Zugang zu den Personalakten zu verschaffen gewusst hatte.
Es ist ein Buch, dessen Lektüre einem Mut vermittelt und Zuversicht, dass sich immer Menschen finden, die gegen ein terroristisches System zu kämpfen bereit sind.
Hermann Langbein hat genau diese Absicht verfolgt, indem er als Anlass für die Abfassung dieses Berichts angibt,
„dass zwar in zahlreichen Artikeln und Broschüren die Martern und Leiden dargestellt wurden, welche die Opfer in den Konzentrationslagern zu erdulden hatten, dass aber kaum etwas über die
Bemühungen der Häftlinge – und ihre dabei erreichten Erfolge – bekannt wurde, die die Kraft gefunden hatten, dem unmenschlichen Regime der SS selbst im Vernichtungslager Auschwitz Widerstand entgegenzusetzen.“
Durch die klare, unverschnörkelte Sprache ist es damals wie heute besonders auch für Jugendliche geeignet, die neben den historischen Fakten ein Gefühl dafür kriegen wollen, wie die Menschen, die sich gegen den Strom stellten, damals dachten und fühlten.
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