Alle Beiträge mit dem Tag ‘Herrschaftsdummheit’
30. August 2010 von haftgrund | 2 Kommentare
“Maul halten!” ruft Tobias Kniebe in der Süddeutschen den Theos und Guidos zu, denn:
“Es ging um die Frage, woher Sarrazins viel zitierte, im Brustton der Faktizität vorgetragene Behauptung eigentlich kommt, dass siebzig Prozent der türkischen und neunzig Prozent der arabischen Bevölkerung Berlins den Staat ablehnten und in großen Teilen weder integrationswillig noch integrationsfähig seien. Sarrazin gab zu, dass er keinerlei Statistiken dazu habe. Er gab zu, dass es solche Statistiken auch gar nicht gibt.
Bisher hat schlichtweg kein Meinungsforscher der türkischen und arabischen Bevölkerung Berlins diese Frage gestellt. Thilo Sarrazin behauptet also etwas, von dem er schlicht und einfach nichts weiß. Wenn man aber keine Zahl hat, erklärte Sarrazin dem Reporter weiter, muss »man eine schöpfen, die in die richtige Richtung weist, und wenn sie keiner widerlegen kann, dann setze ich mich mit meiner Schätzung durch«. Danke dafür. Hier zeigt das, was wir derzeit »Debatte« nennen, wenigstens einmal seine erschreckende Fratze.
Es geht darum, schwachsinnige, ideologische, gefährliche Pseudofakten in die Welt zu setzen und irgendjemand anderem die mühsame und kostspielige Arbeit zu überlassen, den Schwachsinn faktisch und wissenschaftlich zu widerlegen. Was natürlich unmöglich ist. Leute wie Sarrazin und Westerwelle können Pseudfoakten mit einer Geschwindigkeit in die Welt setzen, die jede Nachprüfung und Widerlegung unmöglich macht.”
Wann endlich traut sich ein österreichischer Journalist den Straches, Fekters, Pröllprölls ein schlichtes “Goschn haltn!” anzuempfehlen?
30. Juli 2010 von haftgrund | kein Kommentar
Rot-Weiß-Rot-Card: Fekter will keine “Analphabeten aus Bergdorf”:
Derzeit behandle man den “unqualifizierten Analphabeten aus einem Bergdorf” genauso wie einen hochqualifizierten Diplomingenieur. Statt dessen müsste man “die Bürokratie verstrengern für Unqualifizierte, die nicht Deutsch können, und die Bürokratie etwas lockern für jene, die hochqualifiziert sind und die wir haben wollen.”
Ich finde dagegen, dass man ein mit Ausdrucksschwäche behaftetes Wesen aus der Schottergrube nicht über Menschenschicksale bestimmen lassen darf!
27. Juni 2010 von haftgrund | kein Kommentar
Der Staatsanwalt legte dann triumphierend ein Email vor, das von DDr. Balluch stammte und den Titel hatte „Pelz, ein Thema für politisch Engagierte?“. Auffällig sei an diesem Text, so der Staatsanwalt, dass darin das Wort „tierisch“ vorkomme. Das sei ja ein Wort, das DDr. Balluch angeblich ablehne. Das sei richtig, er verwende das Wort „tierisch“ nicht, kommentierte DDr. Balluch. Dann zeigte der Staatsanwalt den Text des Emails an der Wand.
Dieser Text würde genau seine Behauptung stützen, sagte DDr. Balluch verwundert. Darin werde gesagt, dass „tierisch ungehemmt“ mit „menschlich feinfühlig“ ein Gegensatzpaar bilde. Deshalb würde er „tierisch“ ablehnen. Es sei doch nicht möglich, in einem Text zu erklären, dass man das Wort „tierisch“ ablehne, ohne es dabei zu erwähnen und zu verwerfen. Dass der Staatsanwalt diese Erwähnung im Kontext der Verwerfung als Hinweis sehe, dass er, DDr. Balluch, dieses Wort doch benutze, sei doch lachhaft!
Tierschutzprozess 34. Tag
11. Juni 2010 von haftgrund | kein Kommentar
nämlich damit:
Sarrazin: Zuwanderung macht Deutsche dümmer
Jedenfalls einen.
6. Juni 2010 von haftgrund | kein Kommentar
Ein ehemaliger Steuerhinterzieher sitzt neben einem wegen Urkundenunterdrückung und Beweismittelfälschung Verurteilten an einem Tisch, der eher eckig ausschaut, aber als runder bezeichnet wird. Weil ihnen grad fad ist, spielen sie “Der Gscheite und der Blöde“: Der Steuerhinterzieher schwadroniert über die Ursachen der aktuellen Finanzkrise:
Androsch: Man beklagt zu Recht alle möglichen Spekulationen. Aber: Auch die Politik hat spekuliert – und zwar auf Kosten der Zukunft. Sei es die Finanzierung des Wohlfahrtsstaates, sei es die Bildung. Hier gab es gravierende politische Fehl-Spekulationen, die Politik hat auf die Zukunft gewettet.
Als Miteigentümer und Profiteur eines Glücksspielkonzern weiß er wohl nur allzugut, dass das Wetten nur hilft, wenn einem die Wettmaschinen gehören.
Der Beweismittelfälscher mimt den Blöden und vermisst den großen Horizont:
Blecha: Weder auf die Wirtschafts- und Finanzkrise noch auf die anderen Probleme wurde ausreichend reagiert. Es fehlen die politischen Visionen.
So haben wir nicht gewettet, versucht der Gscheite gegenzusteuern:
Androsch: Allerdings wäre es zu einfach, zu sagen: “Die Politik hat versagt.” Wirtschaft, Gesellschaft, jeder Einzelne – alle tragen Verantwortung. Die Politik trägt aber die größte Verantwortung …
Jetzt darf der Blöde wieder was sagen:
Blecha: Jede Krise ist eine große Chance für Erneuerung und Veränderung. Aber das muss man erkennen und entsprechend nutzen.
Und er hat sie, die Erkenntnis, der Vielfachmillionär und Anhänger von Massensteuern:
Androsch: Man kann immer nur verteilen, was man vorher erwirtschaftet hat.
Schließlich kommt die alles entscheidende Frage:
Haben wir über unsere Verhältnisse gelebt?
Beide: Ja, das haben wir!
Quelle: http://kurier.at/wirtschaft/2006555.php
28. Mai 2010 von haftgrund | kein Kommentar
Standard: Welche Vorschläge haben denn Sie geärgert?
Kopf: Na zum Beispiel die Finanztransaktionssteuer als Alleingang. Und dann das ständige Herumreiten auf den “Besserverdienern”, den “Reichen”, den “G’stopften”, den Besitzenden an sich – die haben ihr Zeug ja nicht gestohlen.
Auch die ständige Ansage, “die Menschen können ja nichts dafür”, ist falsch. Schuld sind nicht die Spekulanten, sondern Ursache ist die riesige Verschuldung zunächst der privaten Haushalte in den USA.
Gegen die verantwortungslose Umwertung aller Werte gilt es natürlich auch anzugehen:
Kopf: Mich irritiert der offenbar erfolgreiche Versuch, wertbehaftete Begriffe wie Sparen, Liberalismus und Kapitalismus madig zu machen, indem man von Kaputtsparen, Neoliberalismus und Turbokapitalismus spricht. Der Kapitalismus ist die Grundlage unseres Wohlstands, Liberalismus bedeutet Freiheit und das Sparen ist eine Tugend
Die Welt kann so einfach und richtig sein. Es braucht nur einige Nägel und ein Brett aus dem Holze Vorarlbergs in diesem Fall.
4. März 2010 von haftgrund | kein Kommentar
Es ist schier unglaublich, wessen die Angeklagten im Prozess gegen die TierschutzaktivistInnen – unabhängig von der Anklage wegen des Mafiaparagraphen, was für sich ja bereits ein Skandal ist – konkret beschuldigt werden. Wegen sowas wurde dreieinhalb Jahre lang eine großangelegte Abhör- und Ermittlungsaktion betrieben und die Betroffenen mehrere Monate in Untersuchungshaft gesteckt:
- “Ein Angeklagter hätte durch Anrufe und Emails zwei Bekleidungsfirmen dazu zu nötigen versucht, aus dem Pelzhandel auszusteigen; er hätte Reptilienshowankündigungstafeln zerstört, einem Nazitreffen die Scheiben eingeworfen, durch Weglaufen bei einer unangemeldeten Kundgebung Widerstand gegen die Staatsgewalt ausgeübt und Informationen über eine Angestellte ausgekundschaftet.
- Ein weiterer Angeklagter hätte 1997 Nerze aus einer Pelzfarm und 2008 Schweine aus einer Schweinefabrik befreit.
- Ein anderer Angeklagter hätte mit einer Stinkbombe geworfen.
- Zwei Angeklagte hätten Informationen zu Wohnadressen von politischen GegnerInnen ausgekundschaftet.”
(http://tierschutzprozess.at/)
18. Januar 2010 von haftgrund | kein Kommentar
Unter dem zutreffenden Titel “Verspätung eingeplant” wird in der “Zeit” von der von den Bahnverantwortlichen mit Absicht hergestellten größeren Unzuverlässigkeit der Deutschen Bahn berichtet, deren Sprecher vom sibirischen Winter spricht, wenn es 15 Grad plus hat.
Im Anschluss erklärt aber der Verkehrspsychologe Bernhard Schlag von der TU Dresden im Interview, dass wir im Grunde selber schuld seien an der Verkehrsmisere zur Winterszeit, weil “Gewohnheiten geben wir erst auf, wenn es nicht mehr anders geht”. Auf die Nachfrage, ob sich damit die Verspätungen der Bahn erklären ließen meint der Psychologe schlicht:
“Eigentlich geht man davon aus, dass Unternehmen rationaler handeln als Individuen. Aber offensichtlich trifft das nicht immer zu. Dort sitzen eben auch Menschen, die Entscheidungen treffen. Und die unterliegen der gleichen Verzögerung in der Verhaltensanpassung”
Jedenfalls mögen sich die Menschen beim Warten auf den Zug oder im Stau mit einem guten Buch erfreuen “oder eine interessante Sendung im Autoradio hören” (die gibts ja immer, wenn man sie gerade braucht). Als der Interviewer daraufhin etwas süffisant fragte: “Heißt das, eine Verspätung kann auch glücklich machen?” erhielt er eine Antwort, die eigentlich eingerahmt in jedem Bahnhof hängen sollte:
“So weit würde ich nicht gehen. Aber wenn mein Zug komplett einschneit, dann werde ich mich den Rest des Lebens daran erinnern, das Ereignis trägt zur Identität bei. Ein Leben, das immer in den gleichen Bahnen [sic !] verläuft und immer zum gleichen vorhersehbaren, kontrollierbaren Moment passiert, wäre ziemlich langweilig.”
27. September 2009 von haftgrund | 2 Kommentare

Schüssels Günstling Andreas Unterberger, Chefredakteur und Kolumnist der Wiener Zeitung, will die letzten Tage vor seiner Ablöse offenbar noch voll seine soziale Kompetenz heraushängen lassen. Nichts eignet sich dazu besser als der Equal Pay Day. Denn nirgendwo ist so offensichtlich, welche Gruppe zu den wahren Benachteiligten unserer Gesellschaft gehört: die Männer.
Aus der langen Liste der Männer-Diskriminierungen, welche Unterberger in seiner heutigen Kolumne anführt, scheint besonders der Punkt 6 dazu angetan zu sein, die Herzen des in Wirklichkeit schwächeren Geschlechts vor ohnmächtigem Zorn erbeben zu lassen – sind darin doch gleich drei Sachverhalte angeführt, welche eindrucksvoll die soziale Schieflage anzeigen, welche durch eine hemmungslose Frauenpolitik zur traurigen Realität geworden ist:
Sechstens sei auf die enormen Steuerverschwendungen unter dem Titel “Gender” verwiesen, auf die frauenlastige Scheidungsjudikatur oder auf
Mineralwasserfirmen, die gerne für Brustkrebs-, aber nie für die Prostatakrebsbekämpfung spenden.
Und da wundere sich mal einer, dass Männer lieber zum Bier als zum Mineralwasser greifen!
29. August 2009 von haftgrund | kein Kommentar
Unglücklich das Land, das Helden nötig hat, stellte Brecht bekanntlich im Galilei fest. Aktualisert und auf unser little small country bezogen könnte dieser Satz lauten: Ziemlich am Sand das Land der Falter-Heroes und der -Dolme.
Einerseits werden vom Falter viel zu oft Leute zum Dolm erwählt, die durch ihr schieres Sosein bereits jeden Dolmrahmen (Dörfler, Grasser, Doppelpröll …) sprengen und sich jenseits jeder Wertung befinden. Andererseits gibt es Heroes für Leistungen, die eigentlich selbstverständlich wären und dies nur in einer verdolmten Republik nicht sind (wie etwa ein Polizeipräsident, der für 5 Minuten nicht blockiert, wenn es um Verfehlungen von Polizisten geht).
Der vom Falter erwählte Hero dieser Woche wäre so ein Fall, wenn er es nur wäre.
“Der Vorarlberger Landeschef Herbert Sausgruber will mit der FPÖ nichts mehr zu tun haben” titelt der Falter und meint: “daran könnten sich die anderen Landesfürsten ein Beispiel nehmen”.
Woran?
Sausgruber: Keine Koalition mehr mit FPÖ
- Starke Worte …
Egger habe die Chance zur Korrektur dieser völlig inakzeptablen Äußerungen, die an Antisemitismus anstreiften, nicht wahrgenommen. “Daher gilt, was ich dazu gesagt habe, dass wir nicht gemeinsam auf einer Regierungsbank sitzen werden.”
- … mit Hintertür
Das gelte auch für FPÖ an sich, wenn keine Korrektur erfolge: “Die Partei selber hat, wenn ich das richtig verstanden habe, ebenfalls nicht die Chance zur Korrektur wahrgenommen, mit einer Ausnahme – Klubchef Amann hat immerhin eine gewisse Distanz zu diesen Aussagen getätigt”, so Sausgruber.
- Außer es geht um die Macht
Die FPÖ werde nicht in der Regierung sein, wenn die ÖVP einen klaren Auftrag, also eine absolute Mehrheit, bekomme.
- Antisemit darf bis zur Wahl in der Regierung bleiben …
Bereits jetzt die Koalition zu beenden oder Egger aus der Regierung zu entlassen, lehnt Sausgruber weiter ab.
- … damit die ÖVP wieder die Absolute kriegt
Bei der Landtagswahl am 20. September könne der Wähler entscheiden, so der Landeshauptmann.
- Und kusch!
Auch einen Misstrauensantrag der Opposition halte er angesichts der Wahl für “völlig verfehlt”.