14. August 2010 von haftgrund | kein Kommentar
schreibt der Bremer Sprachblogger, um gleich fortzusetzen:
Nein, ich liebe Google. Viele der Politiker, die immer, wenn ihnen sonst gerade nichts einfällt, gegen Google hetzen, kennen das Prä-Google-Internet vermutlich gar nicht. Ich kenne es, und es hat mir keine Freude bereitet. Google hat immer wieder entscheidende Entwicklungen angestoßen, um das Internet benutzbar zu machen.
In einer Analyse der sich autohysterisierenden Google-Street-View-Diskussion wird auch der Punkt genannt, weshalb es mir wie dem Bremer geht:
Ich kann die Bücher zwar nicht online lesen (wie viele Kritiker zu glauben scheinen), aber ich kann sie durchsuchen und muss mir nur die Bücher kaufen, ausleihen oder anderweitig beschaffen, von denen ich weiß, dass dort etwas drinsteht, das ich wissen will. Das Durchsuchen und Kategorisieren von Nachrichtenmeldungen ist kein Umgehen irgendeines „Leistungsschutzes“, sondern ein Instrument, das es dem Konsumenten erlaubt, sich umfassend und vergleichend über das Weltgeschehen zu informieren, ohne dabei dem Filter eines einzelnen Medienunternehmens ausgeliefert zu sein.
Was nichts daran ändert, dass ich Googles Initiative gegen Netzneutralität für völlig Scheisse halte, womit ich mich aber wiederum nicht ins Onkelboot setzen will, sondern lieber mit der FREEPRESS schiffe.
Und noch einmal Fefes Blog, weil der in zwei Sätzen ausgedrückt hat, worum es UNS geht:
Netzneutralität sichert, dass ICH mich im Internet frei äußern kann und die Leute das auch lesen können.
Netzneutralität soll garantieren, dass niemand anderes meine Sendung unterdrücken kann, nur weil er mehr Geld hat.
30. Juni 2010 von haftgrund | kein Kommentar
Das “Neue Deutschland”, ist gar nicht froh, dass die Altbestände der Wiener Nationalbibliothek von Google eingescannt werden. Aber nun zu unterstellen, dass das ehemalige Propagandaorgan der SED und die nun halt sonst irgendwie LINKE-links eingestellte Gazette nur an einer in realsozialistischen Zeiten lieb gewordene Gewohnheit fest halten möchte, dass Druckwerke nur einem exklusiven Kreis zugänglich bleiben sollen, wäre sowas von ungerecht!
In Wahrheit sorgt sich das den Klassenkampf nie aus den Augen verlierende Blatt erstens um den finanziellen Wert der in geordnete Drucksorten geronnenen Arbeit vieler Generationen emsiger BibliothekarInnen, ArchivarInnen etc., den Google nicht ausgleichen muss. Zweitens ist dem “Neuen Deutschland” die ganze Choose sowieso ein neoliberaler Dorn im Auge (dort wo der Klassenkampf wohnt) und drittens wird angeprangert, dass Öffentliches Gut privatisiert wird, indem dass nämlich Schriften, die bisher nur jenen vorbehalten sind, die in Wien wohnen oder einen Wienaufenthalt sich leisten können, nunmehr auch anderen zugänglich werden, nämlich allen, die eine Internetverbindung haben. Privatisierung in ihrer grausigsten Form also:
29.06.2010: Privatisierung kulturellen Erbes (Tageszeitung Neues Deutschland)
Die Zusammenarbeit läuft unter dem neoliberalen Label »Public Private Partnership«. Die Presseaussendung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB) erklärt diese Art der Kooperation folgendermaßen: »Google finanziert die Digitalisierung, die ÖNB trägt die Kosten für die Vorbereitung der Bücher sowie für Speicherung und Zugänglichmachung«. Wohlweislich nicht Vertragsgegenstand ist der immense Aufwand, der in Jahrhunderten der Sammeltätigkeit betrieben worden ist. Generationen von Archivaren und Bibliothekaren, Juristen und Gesetzgebern haben dafür Sorge getragen, dass in Wien eine der größten Bibliotheken weltweit entstanden ist. Die Monetarisierung dieser Arbeit würde die finanziellen Mittel von Google sprengen. Also schenkt die Direktion der ÖNB den Bestand einfach her und sorgt noch dafür, dass die Bücher aus den Speichern zum – übrigens in Bayern ansässigen – Digitalisierungsunternehmen und wieder retour geschickt werden.
Bereits das Wortungetüm »Public Private Partnership« verrät, worum es bei solchen Geschäften geht. Öffentliche – in diesem Fall kulturelle – Infrastruktur wird privatisiert.
In Tat und Wahrheit hat die ÖNB mit der Unterschrift unter den Vertrag kulturelles Erbe an einen privaten Nutzer verschleudert. Daran ändert auch dessen Werbetext nichts, wonach »die freie Zugänglichkeit ein demokratischer Vorgang« sei. Denn zum einen waren die Werke auch zuvor frei zugänglich, und zum zweiten hat sich Google damit für billiges Geld Wissen angeeignet, das in vielfacher Hinsicht verwertet werden kann.
1. Juni 2010 von haftgrund | kein Kommentar
Geht’s euch “browsen”
Österreich setzt beim “E-Government-Browser” auf Microsoft, alternative Anbieter werden nicht berücksichtigt
Mehr als eine Dekade hat die EU-Kommission in Brüssel daran gearbeitet, dem angeblich monopolverdächtigen Internet Explorer von Microsoft das Wasser abzugraben. Aber am Ballhausplatz in Wien gelingt es in kürzester Zeit, das arme EU-gehetzte Unternehmen wieder zu rehabilitieren. Als neues Kernstück von Österreichs E-Government-Initiative.
Sicherheitsbedenken: Google schafft Windows ab
Linux, Mac OS oder doch Chrome OS? Google-Mitarbeiter haben am Arbeitsplatz die Wahl zwischen vielen Betriebssystemen, nur eines soll laut “Financial Times” nun von Google-Rechnern verbannt werden: Windows läuft nur noch mit Sondergenehmigung. Angeblich ist Google das Microsoft-System zu unsicher.
20. September 2009 von haftgrund | 1 Kommentar
Lenin hat bekanntlich davon gesprochen, dass Elektrifizierung plus Sowjetmacht Kommunismus ergebe. Der Falter-Chefredakteur stellt eine ähnliche Gleichung auf:
“Digitalisierung und Deregulierung sind Kinder eines Zeitgeists, sie erschienen zugleich und zuerst in den USA, wo ihnen neokonservative Ideen und Neuerungsfreude den Weg bereiteten.”
Was dem einen der Kommunismus, ist dem anderen ein ebenso schwammiger “Zeitgeist”, der sich aus Finanz- und Medienkrise, aus “Googels Oligopol” und schlechtem Journalismus zusammenwhirlt und im Eigentlichen erst durch die Gleichsetzung von technischer Innovation (Digitalisierung) und politischer Macht (Neoliberalismus) seine Dynamik im Thurnherrschen Gedankenpool zu entwickeln vermag.
Das Ergebnis ist erschreckend:
“Finanzinvestoren, die nicht auf journalistische Kultur Wert legten, sondern auf maximale Rendite”
Dieser aktuelle Befund deckt sich mit den Gedanken eines anderen Autors über die Macht und den Einfluss moderner Medien sowie der Dominanz wirtschaftlicher Aspekte gegenüber den Belangen der Literatur und der Kunst:
“Ein Buch ist Verlegern nichts als eine Kapitalanlage. Je besser ein Buch ist, desto weniger Aussicht auf Absatz hat es.”
Soweit wie dieser Autor, der die Zeitungsredaktionen auch noch als ein Nest von Lügnern und Intriganten bezeichnet, die ihre mediale Macht skrupellos nutzen, geht Armin Thurnherr nicht, doch auch er sieht den seriösen Journalismus in Gefahr:
“Gratisblätter kommen mit Miniredaktionen aus,”
Das ist schlimm genug, doch das Schlimmste kommt erst:
“das Suchmaschinen-Oligopol Google parasitiert überhaupt bloß an dem, was andere publizieren”
Und hier treffen Lenin und Thurnher wieder zusamm’: Hier das oligopolistische Google, dort der monopolistische Kapitalismus mit seinem parasitären, verfaulenden Wesen.
Warum also nicht vom Google-Imperialismus sprechen, dessen Parasitismus bereits auf den Printbereich überschwappt? Denn wie anders ist etwa ein Zitatelexikon zu bewerten, als ein in Buchform gegossener Parasit fremder Geistesfrucht?
Doch wie es in der Russischen Revolution die Sowjets gegeben hat, gibt es heute die Betreiber von Websites, die nicht gewillt sind, sich als Wirtskörper des Googleparasiten missbrauchen zu lassen! Mit widerständiger List und mit raffinierten Tricks gelingt es ihnen immer wieder, nicht auf den Ergebnislisten des Oligopols aufzuscheinen! Auf dass dieser verfaulen möge!
Aus einer anderen Welt dagegen sind folgende Sätze über ein Medium, welches unser Printmediumherausgeber weiterhin nicht ernstzunehmen bereit ist:
“Das Internet hebt den Journalismus auf eine qualitativ neue Ebene. Online müssen Texte, Töne und Bilder nicht mehr flüchtig sein. Sie bleiben abrufbar und werden so zu einem Archiv der Zeitgeschichte. Journalismus muss die Entwicklungen der Information, ihrer Interpretation und den Irrtum mitberücksichtigen, also Fehler zugeben und transparent korrigieren.
Das Internet entlarvt gleichförmige Massenware. Ein Publikum gewinnt auf Dauer nur, wer herausragend, glaubwürdig und besonders ist. Die Ansprüche der Nutzer sind gestiegen. Der Journalismus muss sie erfüllen und seinen oft formulierten Grundsätzen treu bleiben” (Internet-Manifest)
Ob Thurnher verstehen würde, warum diesmal er den FOLM kriegt und nicht sein Klenk?
Der andere Autor mit dem kritischen Blick auf die Medienlandschaft ist übrigens Balzac und der Befund stammt aus “Verlorene Illusionen” und handelt von den Zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts.
6. September 2009 von haftgrund | kein Kommentar
Im Kampf gegen jenen Datenkraken, der sich nicht scheut (vornehmlich tote) Autorinnen dem Verhungern anheim fallen zu lassen, haben sich Institutionen zusammengetan, denen Bürgerinnenrechte und soziales Engagement seit jeher am Herzen liegen, wie Microsoft & Yahoo, wie Online-Buchhändler und Raubkopierer Amazon. Der Börsenverein des Buchhandels ist natürlich auch dabei und nicht zuletzt die Deutsche Bundesregierung. Die bekanntlich dem freien Datenfluss dank Zensursula in einen mitreissenden Strom zu verwandeln gewillt ist. Jene Bundesregierung, die durch den Verzicht auf gesetzliche Rahmenbedingungen das Bibliothekswesen sich frei entfalten hat lassen, wodurch die Bundesländer angehalten wurden, den finanziellen Overkill für die Bibliotheken zu vermeiden, um eine ambitionierte Strukturbereinigung in die Wege leiten zu können.
Gegen diese Achse der ziemlich Guten rotten sich nun die üblichen Verdächtigen, wie selbsternannte Bürgerrechtler, Ewigstudenten und weltfremde Universitätsleitungen zusammen. Ein Spielkonsolen-Dealer ist ebenfalls zu diesem Haufen gestoßen, den nur eines verbindet: eine überaus beschränkte Sichtweise (auch ein Blindenverband ist dabei) hinsichtlich der eigentlichen Bürgerrechte: Eigentum muss Eigentum bleiben, selbst wenn es geistig sein sollte.
heise online: Google-Books-Befürworter formieren sich
Kurz vor Ende der Frist für Eingaben zum so genannten Google Book Settlement haben sich Befürworter der Einigung mit den Urhebern über Buchdigitalisierungen zu Wort gemeldet. Zu ihnen gehören Universitäten, Bürgerrechtler, Studenten und ein Behindertenverband. Wade Henderson, Chef der Leadership Conference on Civil Rights, sagte laut einem BBC-Bericht, seine Organisation unterstütze Google, da das Unternehmen jedem Menschen gleichermaßen Zugang zu Wissen verschaffen wolle. Der verbesserte Zugang zu Informationen ist auch das Argument, das die US Student Association vorbringt. Die National Federation of the Blind rechnet laut Medienberichten damit, dass mit Google Books sehbehinderten Menschen Bücher in einer Anzahl zur Verfügung stehen könne, wie es sie in der Geschichte bisher noch nicht gegeben habe.
Es steht zu hoffen, dass die Achse der ziemlich Guten trotz ihrer allgemein bekannten finanziellen Engpässe ausreichend begleitende Maßnahmen gesetzt hat, um die Angehörigen des Gerichts günstig zu stimmen. Nicht für Microsoft et al, sondern für Vernunft und Freiheit. Besser die Bibliothekskeller bleiben unzugänglich, als dass schon lange gebrechlich gewesene Autorinnen in ihren Gräbern rotieren müssen, weil sie ihres geistigen Eigentums beraubt wurden.
Links:
Aktionsbündnis “Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft”
Increasing Access to Books: The Google Books Settlement
BBC-News – Google books deal battle heats up
Via Bib-Link, Heise, c’t
Nachbemerkung: Natürlich gefällt mir bei weitem nicht alles, was Google so treibt und wie es zu seinem Geld kommt, unter anderem auch deshalb, weil ich von je her Jean-Luc Godards Spruch “Werbung ist Faschismus” nicht für ganz falsch halten kann. Noch weniger gefällt mir allerdings die Heuchelei und die gezielte Desinformationspolitik der Gegner von Googles Digitalisierungs-Projekten.
Zu Open-Source gibts übrigens ein ausgezeichnetes Buch von Sabine Nuss: Copyright & Copyriot
25. August 2009 von haftgrund | kein Kommentar
Dieser erfrischende Artikel aus dem Handelsblatt, jenseits des krokodilstränigen Wehgeschreis von Verlagsvertretern und Apostelliteraten, bringt es auf den Punkt: wollen wir mehr Zugang zu gespeichertem Wissen und zu Kulturquellen oder nicht? Sollen privatwirtschaftliche Verlage darüber bestimmen oder ist uns eine Demokratisierung der Quellen lieber?
Es geht nicht um ein Hohelied auf Google. Doch sollte nicht vergessen werden, dass Larry Page und Sergei Brin sich auch so verhalten hätten können wie jener Geschäftsmann, der mit einem von anderen entwickelten Quick and Dirty Operating System Milliardengeschäfte macht und softwaremäßig die ganze Welt abhängig zu machen versucht …
Google: Neues Leben für alte Bücher
von Thomas Knüwer
Das Ende unserer Wissensgesellschaft ist nah. Zumindest aus Sicht manches Buchverlegers. Der Grund heißt Google. Da digitalisiert der Internetriese einfach die Buchbestände der Welt. Und macht sie öffentlich. Ein Skandal. Oder?
Es ist bemerkenswert, wie honorige Literaturapostel sich in Faktenverdreherei ergehen, geht es um die Google-Buchsuche. Denn was genau tut der Web-Konzern? Er scannt Bücher ein und macht sie, aufgefächert nach Urheberrecht, durchsuchbar. So gibt es einige Bücher vollständig, andere auszugsweise und einige gar nicht. Verdient Google damit Geld? Ja. Doch behält der Konzern selbst 37 Prozent, der Rest geht an eine Gesellschaft, die das Geld unter Autoren verteilt.
Auch ein Blick auf die Art der digitalisierten Bücher ist nötig. Denn Google ist kein Raubkopierer. Der aktuelle Bestseller ist nicht in vollem Umfang lesbar. Experten schätzen, dass in US-Bibliotheken rund 40 Millionen Werke liegen. Doch nur sieben bis neun Millionen davon werden tatsächlich noch gedruckt. 23 bis 25 Millionen unterliegen dem Urheberrecht, doch produzieren die Rechteinhaber sie nicht mehr. Dieser gewaltige Berg ist nur noch in Bibliotheken oder Antiquariaten zu haben. Ist das gut für die Wissensgesellschaft?
Noch immer sträuben sich Buchverlage gegen das 21. Jahrhundert. Dabei wäre es ein Leichtes für sie, wenigstens ihre aktuellen Werke digital aufzubereiten. Ja, sie könnten gar Geld damit machen. Stattdessen ergehen sich vor allem deutsche Verlage darin, digitale Lesegeräte zum Teufelszeug zu erklären. Die vergangenen zehn Jahre, in denen das Internet zur Kulturtechnik, der iPod zum Alltag und Google Milliardenkonzern wurde, sollten klarmachen: Die meisten Menschen empfinden das digitale Zeitalter als Bereicherung. Unternehmen, die glauben, diese Technik aufhalten zu können, gehören zu den Verlierern.
Sicher ist Googles Vorgehen ruppig. Natürlich muss man sich fragen, ob der Konzern zu mächtig wird. Andererseits stünde es jedem offen, ein ähnliches Projekt zu beginnen – sogar den Verlagen selbst. Hier aber ist der Haken: Wer die Gesamtheit aller Bücher digitalisieren will, muss eine Menge Geld mitbringen. Auf mehrere Hundert Millionen Euro taxiert Google selbst den Aufwand. Und das mögen anscheinend weder Unternehmen noch Staaten auf sich nehmen.
So bleibt nur das Unternehmen, dass sich an die Digitalität angepasst hat wie kein anderes: Google. Wer dies nicht akzeptieren mag, sollte etwas Eigenes machen – oder schweigen. Denn die Möglichkeit, die ganze Literatur der Welt nach Wissen zu durchforschen, ist nicht das Ende der Wissensgesellschaft – es ist ihr Anfang.