Alle Beiträge mit dem Tag ‘Gesundheitssystem’

Operation gelungen - sagen die Banken …

“Wieso ist der Erhalt von Banken, ÖBB und AUA so wichtig, die Sicherung des Gesundheitssystems aber nicht?”

fragt der Betriebsratsvorsitzende der Medizinuni Wien in einem Leserbrief an die Kronenzeitung und fügt hinzu:

“oder: wie und warum das auf Solidarität aufgebaute Gesundheitssystem kaputt gemacht werden soll.”

Quelle: MUW-Betriebsratsblog


Im Dialog mit abgelaufenen Arzneien, über sensible Knochenarbeit und: der Schmerz als Wertschöpfung

“Stimmt es, dass die im Hinblick auf die Vogelgrippe angeschafften antiviralen Mittel bereits sämtlich verfallen sind?”, fragt Nadine Weiss in der Gratiskrone den Gesundheitsminister Alois Stöger.

Das ist nicht richtig, die Dauer der Verwendbarkeit der Mittel wurde verlängert

und musste natürlich hinzufügen: “da die Wirkung noch vorhanden ist” - was eine glatte Unwahrheit durch Auslassung ist. Die europäische Arzneimittelkommission hat die Wirkungsdauer von Tamiflu zwar tatsächlich verlängert, das gilt aber nur für neu produzierte Arzneimittel, auf die jetzt lagernden trifft das noch nicht zu. Außerdem sollte es auch bis zu diesem Gesundheitsminister durchgedrungen sein, dass eine neuerliche Pandemie höchstwahrscheinlich von einer Mutation des Virusstamms ausgehen wird, wofür erst nach dem Ausbruch die entsprechenden Arzneimittel hergestellt werden können (daher wurde und wird auch an “Prototypen” antiviraler Mittel gearbeitet, um diesen Prozess zu beschleunigen).
Davon kann bei den derzeit gebunkerten Medikamenten nicht die Rede sein. Nebenbei: wenige Minuten googeln nur wären nötig gewesen, damit die Interviewerin der ministeriellen Antwort etwas Substantielles entgegensetzen hätte können.
Apropos Substantielles. Wie bei allen Gesundheitsministerinnen vor oder nach ihm kommt der weitgehend sinnfreie Stehsatz:

Der Arzt muss Eigenverantwortung übernehmen.

Aber, Völker höret:

Mit den richtigen Signalen, zum Beispiel einem Arznei-Dialog, funktioniert das.

Über einen landesweiten Einsatz des sogenannten “Arzneidialogs” - ein selten dämliches Wort übrigens - hatte er in seiner vorministeriellen Zeit auch schon was zu sagen gehabt:

Oberösterreichische Konzepte, wie der Arzneidialog oder die Zielvereinbarung, seien jedoch nicht unbedingt dazu geeignet, sie in ganz Österreich umzusetzen. Ziel könne es nicht sein, noch so erfolgreiche regionale Ideen einfach allen überzustülpen.

Da dieser Arzneidialog “nichts anderes ist als ein Kontrollmechanimus”, der immer mit Sanktionen verknüpft sei, wie der eine Arzt sagt, aber, wie der andere Arzt meint, für die Ärzteschaft auch eine Steigerung der Abgeltung neuer Leistungen erbracht habe, kommt die Vermutung auf, dass das Ganze ein nutzbringender Deal Dialog zwischen Ärzte- und Krankenkassenbürokratie ist, eingebettet in neoliberale Sprachfloskeln.

Doch es lassen sich auch urmenschliche Züge an diesem Minister finden, dessen Sprachwendigkeit in etwa an seinen Kanzler erinnert, wie auch der Zug um den Mund. Zum Beispiel:

Minister goes Apotheke (wohl zum “Arzneidialog”)

Das Team der Apotheke zeigte Minister Stöger anhand einer Thyrex Kinderdosierung (abgefüllt in Briefchen) wie magistrale Zubereitung funktioniert. Das begeisterte unseren Gesundheitsminister aus Oberösterreich derart, dass wir anschließend eine weitere Kinderspezialanfertigung in Form von Kapseln sowie die „lege artis“- Herstellung von Salben und Augentropfen vorführten.

Stöger: „Ich bin beeindruckt, wie durchdacht, sauber und genau die Arbeitsabläufe hier vor sich gehen!“

Aber nicht nur die Apotheken beeindrucken den Minister, auch die Kaffehäuser - an deren Wesen Österreich eventuell genesen könnte:

„Warum war Österreich in der Zwischenkriegszeit so gut? Weil die eindimensionalen Sichtweisen in den Kaffeehäusern aufgebrochen wurden.“

Mit einer derartigen Weitschau gesegnet schreckt ihn natürlich gar nichts, wie seine Antwort auf die obligate Dummfrage “Hat Sie das Beispiel Ihrer Vorgängerin Andrea Kdolsky abgeschreckt?” beweist:

“Es ist eine Knochenarbeit, die unterschiedlichen Gruppen zusammenzuhalten und die Vielfältigkeit des Gesundheitssystems mitzusteuern. Dazu braucht es Sensibilität.”

Schließlich enthüllt der Minister, der aus dem Mühlviertel kam, auch noch Sinn und Aufgabe des österreichischen Gesundheitswesens, indem er es der ÖVP hineinsagt, dass diese nur Zahlen sehe,

“ohne den Blick auf den entscheidenden Wertschöpfungscharakter, nämlich dass die Schmerzen der Österreicher von unserem Gesundheitswesen abhängen”

Vermutet habe ich das allerdings schon länger.


blank info