Alle Beiträge mit dem Tag ‘Folm’

Lenin, Thurnher und das Parasitieren

Lenin hat bekanntlich davon gesprochen, dass Elektrifizierung plus Sowjetmacht Kommunismus ergebe. Der Falter-Chefredakteur stellt eine ähnliche Gleichung auf:

“Digitalisierung und Deregulierung sind Kinder eines Zeitgeists, sie erschienen zugleich und zuerst in den USA, wo ihnen neokonservative Ideen und Neuerungsfreude den Weg bereiteten.”

Was dem einen der Kommunismus, ist dem anderen ein ebenso schwammiger “Zeitgeist”, der sich aus Finanz- und Medienkrise, aus “Googels Oligopol” und schlechtem Journalismus zusammenwhirlt und im Eigentlichen erst durch die Gleichsetzung von technischer Innovation (Digitalisierung) und politischer Macht (Neoliberalismus) seine Dynamik im Thurnherrschen Gedankenpool zu entwickeln vermag.
Das Ergebnis ist erschreckend:

“Finanzinvestoren, die nicht auf journalistische Kultur Wert legten, sondern auf maximale Rendite”

Dieser aktuelle Befund deckt sich mit den Gedanken eines anderen Autors über die Macht und den Einfluss moderner Medien sowie der Dominanz wirtschaftlicher Aspekte gegenüber den Belangen der Literatur und der Kunst:

“Ein Buch ist Verlegern nichts als eine Kapitalanlage. Je besser ein Buch ist, desto weniger Aussicht auf Absatz hat es.”

Soweit wie dieser Autor, der die Zeitungsredaktionen auch noch als ein Nest von Lügnern und Intriganten bezeichnet, die ihre mediale Macht skrupellos nutzen, geht Armin Thurnherr nicht, doch auch er sieht den seriösen Journalismus in Gefahr:

“Gratisblätter kommen mit Miniredaktionen aus,”

Das ist schlimm genug, doch das Schlimmste kommt erst:

“das Suchmaschinen-Oligopol Google parasitiert überhaupt bloß an dem, was andere publizieren”

Und hier treffen Lenin und Thurnher wieder zusamm’: Hier das oligopolistische Google, dort der monopolistische Kapitalismus mit seinem parasitären, verfaulenden Wesen.

Warum also nicht vom Google-Imperialismus sprechen, dessen Parasitismus bereits auf den Printbereich überschwappt? Denn wie anders ist etwa ein Zitatelexikon zu bewerten, als ein in Buchform gegossener Parasit fremder Geistesfrucht?

Doch wie es in der Russischen Revolution die Sowjets gegeben hat, gibt es heute die Betreiber von Websites, die nicht gewillt sind, sich als Wirtskörper des Googleparasiten missbrauchen zu lassen! Mit widerständiger List und mit raffinierten Tricks gelingt es ihnen immer wieder, nicht auf den Ergebnislisten des Oligopols aufzuscheinen! Auf dass dieser verfaulen möge!

Aus einer anderen Welt dagegen sind folgende Sätze über ein Medium, welches unser Printmediumherausgeber weiterhin nicht ernstzunehmen bereit ist:

“Das Internet hebt den Journalismus auf eine qualitativ neue Ebene. Online müssen Texte, Töne und Bilder nicht mehr flüchtig sein. Sie bleiben abrufbar und werden so zu einem Archiv der Zeitgeschichte. Journalismus muss die Entwicklungen der Information, ihrer Interpretation und den Irrtum mitberücksichtigen, also Fehler zugeben und transparent korrigieren.
Das Internet entlarvt gleichförmige Massenware. Ein Publikum gewinnt auf Dauer nur, wer herausragend, glaubwürdig und besonders ist. Die Ansprüche der Nutzer sind gestiegen. Der Journalismus muss sie erfüllen und seinen oft formulierten Grundsätzen treu bleiben” (Internet-Manifest)

Ob Thurnher verstehen würde, warum diesmal er den FOLM kriegt und nicht sein Klenk?

Der andere Autor mit dem kritischen Blick auf die Medienlandschaft ist übrigens Balzac und der Befund stammt aus “Verlorene Illusionen” und handelt von den Zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts.


Klenks Recht Unsinn zu schreiben

will Peter Pilz in seinem Blogbeitrag vom 16.9. nicht in Frage stellen.

Der Unsinn findet sich sowohl im Falter als auch in Klenks Blog. Er beginnt mit dem Vergleich der Tätigkeit der Parlamentarier im U-Ausschuss mit einer Einrichtung im Wien des 18. Jahrhunderts, die durch publikumswirksame Tierquälerei Gewinne machte:

“Der U-Ausschuss als Wiener Hetztheater
Die Debatte über die Kontrolle der Justiz entgleist
Das Wiener Hetztheater erlebt seine Renaissance. Diesmal werden Staatsanwälte von Politikern in der öffentlichen Arena des U-Ausschusses gejagt.”

Und er endet mit Zeilen, an denen eigentlich nur stimmt, dass der Autor ein Interview mit der Justizministerin gemacht hat;

“Zum ersten Mal ist es der Legislative also gelungen, durch öffentlichen Druck in ein laufendes Strafverfahren einzugreifen. ‘Es ist ein Wahnsinn, wie hier Stimmung gegen Staatsanwälte gemacht wird’, sagt auch Justizministerin Claudia Bandion-Ortner (siehe Interview, Seite 10).”

Falls man dieses streichelweiche Geplaudere als ein Interview bezeichnen möchte.

Jedenfalls stellt P.P. fest:

“Florian Klenk selbst schreibt derweil Unsinn. Er konstruiert eine ‘Hetze’ gegen die Staatsanwälte, weil wir in offene Verfahren eingreifen würden. Klenk hat den Ausschuss geschwänzt. Es wurden ausschließlich abgeschlossene Verfahren behandelt. Einem Staatsanwalt wurde die Chance gegeben, seine Aussage rechtzeitig zu korrigieren. Wir haben ihm damit ein Verfahren wegen falscher Zeugenaussage erspart.”

Und vielleicht sollte sich Florian K., der sinngemäß schon mal festgestellt hat, dass die Parlamentarier nicht reif genug für eine Kontrolle der Staatsanwaltschaft seien, die folgenden Sätze mal durch den Kopf gehen lassen. Wobei zu hoffen ist, dass er das im letzten Satz formulierte Recht fürderhin nicht über Maßen in Anspruch nimmt:

“Die parlamentarische Kontrolle ist ebenso wichtig wie die Kontrolle durch die Medien. So wie der Falter seriös über Missstände in der Justiz berichtet, so werden wir hier weiter seriös untersuchen. Klenks Recht, ab und zu Unsinn zu schreiben, werden wir dabei nicht in Frage stellen.”

Zu einem faltereigenen FOLM reicht es aber diesmal nicht. Der ist in dieser Falterausgabe (38/09) Chefsache.


Folm der Woche: Klenk. Wegen Wehleidigkeit

So verdienstvoll die Veröffentlichung der Staatsanwaltschaftakten im vorigen Falter ist, so sehr nervt Klenk nun wieder. Jemand aus der Beamtenschaft des Justizministeriums hattte ihm gesteckt, dass sein Blog sich offenbar in den automatischen Filter des Ministeriums verfangen hat. Solche Filter gibt es wohl in jeder Institution des Öffentlichen Dienstes, so auch im Wiener Magistrat, wo beispielsweise der von der MA 57 empfohlene Link zur Homosexuellenberatung für Magistratsuser gesperrt ist, weil die Maschine sich an Sexworten stößt. Ärgerlich zwar, aber hier von “Zensur” zu schreien, wie Flenk es in Bezug auf seinen Blog tut, wäre weit überzogen. Auch Öffentlich Bedienstete haben die Möglichkeit, sich in der Freizeit alles und jedes via Internet reinzuziehen, wenn es sie danach gelüstet. Sogar Florian Klenks Blog:

Zensur Affäre: Offener Brief an Justizministerin Claudia Bandion-Ortner (Florian Klenks Erkundungen)

(…)Da sich auf dem Weblog weder anstößige “Inhalte aus den Bereichen Glückspiel, Computerkriminalität, Pornografie, Soziale Netzwerke und Phishing” oder sonst irgendwelche anstößigen Inhalte befinden, erachtet der Falter die Sperre als Zensur durch das BMJ.

Peinlich wird es, wenn der Journalist auch noch den Liebesentzug durch das Ministerium beklagt:

Zu dieser Zensurmaßnahme kommt, dass Florian Klenk trotz mehrmaliger Anfragen ganz bewusst nicht mehr zu Hintergrundgesprächen in das Justizressort eingeladen wird.

Während der Vergleich mit den chinesischen Zensurmaßnahmen schon nicht mehr peinlich ist, sondern jenseitig und überdies eine Frechheit gegenüber jenen, die durch die Weitergabe von Informationen tatsächlich Freiheit und Leben aufs Spiel setzen. Klenk gehört nicht dazu:

Der Falter hat kritisch über das Justizministerium berichtet. Kann das der Anlass sein, allen Justizbediensteten kritische Berichterstattung vorzuenthalten und den Zugang zu Falter-Berichten in chinesischer Manier zu blockieren?


Folm der Woche: Wurmdobler und der Schein der Rose

Die inhaltliche Verluderung scheint auch beim Falter unaufhaltsam zu sein. Für diesen Text im Falter hat Wurmdobler den faltereigenen Dolm hoch verdient:

Spendet munter, nein, die Rose kannst behalten. Das Geld ist sicher irre gut investiert, fließt zu 100 Prozent in die schulische Ausbildung der Kleinen, Studium und Zukunft sind gesichert. Von wegen! Die Alten im Schatten, die da ihren Nachwuchs betteln schicken, haben wohl andere Pläne. Wer Romakindern helfen will, kauft keine Rosen zum Schein, sondern unterstützt Hilfsorganisationen.

Dazu gibt es einen ausgezeichneten Kommentar auf miserable outskirts.

Apropos Verluderung: auch Freddy Quinns Anmerkungen zum Seelenleben der Alten-Herren-Riege, welche ORF retten tut, sind vom Feinsten!


Folm der Woche: Klenk

Und zwar wegen Parzivalismus.

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Mahrer: Im vorliegenden Fall wurde der Mann mit einem Dealer verwechselt. Die Beamten versuchten das Opfer der Verwechslung sofort anzurufen, um sich zu entschuldigen.
Klenk: Der Mann lag schon im Spital. Er sagt, er sei mit Faustschlägen traktiert worden.
Mahrer: Die Beamten wandten Körperkraft an. Das steht fest. Nun suchen wir nach Zeugen, um die Angaben von Mike B. zu verifizieren.

und hier endet das Interview und beginnt die Willfährigkeit gegenüber dem Polizeipräsidenten.


FOLM der Woche geht an “RED” des Falters

Rassistische Deix-Karikatur im Falter 2009/07
Diesmal haben sie wirklich und alle ganze Arbeit geleistet. In der Seite-3-Spalte, in der die Redaktion das Heft erklärt, schreibt die “RED”:
“Der Meister” - damit ist Deix gemeint - “befindet sich jedenfalls auf dem Höhepunkt seiner satirischen Kraft”.
Was angesichts dessen, was Deix seit Jahren produziert bzw. von seinen alten Sachen kopiert, zwar nett gemeint sein mag, aber schlicht unzutreffend ist.
Dafür gäbe es aber noch keinen Folm.
Den gibt es dafür, dass eines der Deixschen Höhepunkte auf der Titelseite des Falters gelandet ist, statt im redaktionellen Sondermüll.

Und nein, erklärt wird gar nichts!


FOLM der vorigen Woche: Stefan Apfl

ist noch nachzutragen. Trotz harter Konkurrenz (des Herausgebers Männergschichten, diesmal mit der hardcore-Variante Fleischhacker bettelten schier drum) und trotz der Tatsache, dass es im Laufe der Woche  Trittbrettfahrer des hier genannten Folms (= Falters Eigendolm) - sonder Zahl gegeben hat, für die Falterwoche 5/09 hat es Stefan Apfl für seinen Artikel “Die Islamlehrer” letztendlich souverän geschafft.

Zweifellos stinkt es im Bereich der organisierten religiösen Indoktrination (nicht nur aber gegenwärtig wohl besonders) der kleinen Muslimkinderchen Länge mal Breite; und dies ist sicher einer näheren Betrachtung wert.  Daher ist es auch gut, sich mit einer Studie auseinanderzusetzen, in der versucht wird, den Indoktrineuren auf die Schliche zu kommen.

Und es ist auch gut, dies journalistisch zur Diskussion zu stellen, ohne dass die Hintergründe, die Machtkämpfe, die singulären Interessen etc. noch genauer bekannt sind. Oft ist es ja nur ein kleiner dummer Funke, der den Steppenbrand der Erkenntnis in Gang setzt, wie der alte Vorsitzende einst bemerkte, als er sich eine anqualmte.

Dass so ziemlich alle an höheren Wesen orientierten Gemeinschaften von Kutten-, Kittel-, Kopftuch- und Kaftanträgern im jeweiligen Inner Circle durchwegs aus einer Bande von sozial defizitären, intellektuell reduzierten, dafür in heuchlerischer und demagogischer Hinsicht überaus begabten Psychoheinis besteht - dafür gibt es ein paar tausend Jahre Fallstudien genug, das muss nicht extra bewiesen werden.
Dass sie weiterhin, wenn auch mit Abstrichen, immer noch so viel Macht haben, ist durchaus Anlass zur Unruhe; wenn durch mangelnde Integrationsprozesse den Kinderverführern der islamischen Fraktion viel zu viele Möglichkeiten gegeben werden, ihren gespenstigen Einfluss in die Zukunft hinein auszuüben, umso mehr.

Dann aber seriös und die Zusammenhänge im Auge behaltend:

  • Alleine aus den vom Falter-Redakteur gebrachten Zitaten  (Fragestellungen+Schlussfolgerungen) sind erhebliche Zweifel angebracht, ob diese Studie tatsächlich wissenschaftlichen Ansprüchen genügt bzw. als Diskussionsansatz brauchbar sein kann.
    Wie sich inzwischen gezeigt hat, wird die Skepsis gegenüber der Methode nicht nur von den sich angegriffen Fühlenden geteilt.
    Vom Falter-Autor wäre als Minimum zu erwarten gewesen, dass er die unklaren und Missverständnisse geradezu herausfordernden Fragestellungen zumindestens als solche bezeichnet und sie nicht als die ultimativen Gretchenfragen präsentiert.
  • Ein genauerer Blick auf die Art der Zusammenfassung und der vom Studienautor daraus gezogenen Schlussfolgerungen bringt einiges Hanebüchenes zutage, das von einem Artikelschreiber, der über “Die Islamlehrer” schreibt, zumindestens markiert werden sollte.
  • Ein Blick auf eventuell vorhandene einschlägige Studien in anderen Ländern mit einem Vergleich der Ergebnisse wäre nützlich und seriös gewesen. Vermutung: egal wer und zu welchem politischen Thema im Einzelnen befragt wird, vom Ergebnis her scheint ein gesättigter Bodensatz von plusminus 25% Antidemokraten/Antisemiten/Rassisten/natural Faschos  etc. zu bestehen. Ob Moslembrüder oder Piusschwestern, Windischgarstener Landpfarrer oder Mariahilfer Tschadorfeschisten  befragt werden “stinken tun sie alle”, wie in etwa der Große Heine mal so treffend befunden hat.
  • Die Reduktion auf ein Religionsunterrichtsproblem bzw. auf ein Problem des Lehrkörpers blendet völlig aus, dass die Macht der Religion umgekehrt proportional zur Intensität von Integrationsangeboten  wächst oder sinkt. Damit werden die in Österreich politisch Verantwortlichen für den skandalösen Umgang mit den Zuwanderern elegant exkulpiert. Und wie man sieht, haben diese das Hölzerl auch dankbar aufgenommen und pflustern sich jetzt mächtig maßnahmenpaketlich auf. Der BM von Wien scheint hier am schnellsten und widerlichsten reagiert zu haben, wenn ich nicht irre.
  • Und schließlich diese Kombination von raunendem Untergang-des-Abendlandes-Stil, wie sie ehemalige Presse(chef)redakteure gerne pflegten mit Michael-Jeanneeistischen Abgeschmacktheiten,  die schon öfters unangenehm aufgefallen ist.

Im aktuellen Falter winkt schon der nächste Folm für den selben Autor: Im Rahmen einer ziemlich abstrusen Zusammenfassung von Reaktionen auf seinen Artikel hält er überdies noch ein Plädoyer für die Beibehaltung des staatlich finanzierten Religionsunterrichts, der von allen Menschen, die guten Willens sind, seit jeher als unvereinbar mit der Trennung von Staat und Kirche angesehen wird:

“Ethikunterricht kann die Perspektive von Gottsuchenden erweitern. Den lebendigen Austausch zwischen Religion und Gläubigen außerhalb von heiligen Räumen kann er nicht ersetzen.”

Vor 20 Jahren wäre jemand mit einer solchen Aussage wohl noch mit nassen Fetzen aus der Falterredaktion …


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