Alle Beiträge mit dem Tag ‘Falter’

Falter der Woche: Nüchtern

Die anderen ungeputzten Sauschädel, die ich diesmal tüchtig schmähen und ausschimpfen will, produzieren weniger Abgase, sind aber mindestens genauso vertrottelt. Allein schon, wie sie - eingeschweißt in ihre stinkige Radfahrerkluft - auf ihren blöd zu schmal oder zu breit bereiften, gepäckträgerlosen Scheißrädern balancieren, um während einer Rotphase auch ja keinen ihrer vollkommenen verblödeten Füße auf die strunzdumme Straße stellen zu müssen, sieht dermaßen bescheuert aus, dass man sie von ihren verfickten Fahrrädern fotzen könnte. (Nüchtern betrachtet. (Falter 41/09 S. 34)

Für solche Sätze verzeiht Falterleidender viel :-)


Was unterscheidet FALTER und HEUTE?

Fast alles, wäre die gängige Vermutung, wenn, ja wenn es im Falter nicht ein kleines widerständiges Ideologiedorf gäbe, an dem die Zeitläufte abprallen, wie einstens die Römer im generischen Dorf der starken Männer und wo der Bezahl-Falter sich auf dem selben Dorfplatz wiederfindet wie das Gratisblatt:

Heute:

Appell der Kindergärtner: 3056 Pädagogen wollen mehr Geld
… jeder zweite Kindergärtner fordert …

Falter:


Lenin, Thurnher und das Parasitieren

Lenin hat bekanntlich davon gesprochen, dass Elektrifizierung plus Sowjetmacht Kommunismus ergebe. Der Falter-Chefredakteur stellt eine ähnliche Gleichung auf:

“Digitalisierung und Deregulierung sind Kinder eines Zeitgeists, sie erschienen zugleich und zuerst in den USA, wo ihnen neokonservative Ideen und Neuerungsfreude den Weg bereiteten.”

Was dem einen der Kommunismus, ist dem anderen ein ebenso schwammiger “Zeitgeist”, der sich aus Finanz- und Medienkrise, aus “Googels Oligopol” und schlechtem Journalismus zusammenwhirlt und im Eigentlichen erst durch die Gleichsetzung von technischer Innovation (Digitalisierung) und politischer Macht (Neoliberalismus) seine Dynamik im Thurnherrschen Gedankenpool zu entwickeln vermag.
Das Ergebnis ist erschreckend:

“Finanzinvestoren, die nicht auf journalistische Kultur Wert legten, sondern auf maximale Rendite”

Dieser aktuelle Befund deckt sich mit den Gedanken eines anderen Autors über die Macht und den Einfluss moderner Medien sowie der Dominanz wirtschaftlicher Aspekte gegenüber den Belangen der Literatur und der Kunst:

“Ein Buch ist Verlegern nichts als eine Kapitalanlage. Je besser ein Buch ist, desto weniger Aussicht auf Absatz hat es.”

Soweit wie dieser Autor, der die Zeitungsredaktionen auch noch als ein Nest von Lügnern und Intriganten bezeichnet, die ihre mediale Macht skrupellos nutzen, geht Armin Thurnherr nicht, doch auch er sieht den seriösen Journalismus in Gefahr:

“Gratisblätter kommen mit Miniredaktionen aus,”

Das ist schlimm genug, doch das Schlimmste kommt erst:

“das Suchmaschinen-Oligopol Google parasitiert überhaupt bloß an dem, was andere publizieren”

Und hier treffen Lenin und Thurnher wieder zusamm’: Hier das oligopolistische Google, dort der monopolistische Kapitalismus mit seinem parasitären, verfaulenden Wesen.

Warum also nicht vom Google-Imperialismus sprechen, dessen Parasitismus bereits auf den Printbereich überschwappt? Denn wie anders ist etwa ein Zitatelexikon zu bewerten, als ein in Buchform gegossener Parasit fremder Geistesfrucht?

Doch wie es in der Russischen Revolution die Sowjets gegeben hat, gibt es heute die Betreiber von Websites, die nicht gewillt sind, sich als Wirtskörper des Googleparasiten missbrauchen zu lassen! Mit widerständiger List und mit raffinierten Tricks gelingt es ihnen immer wieder, nicht auf den Ergebnislisten des Oligopols aufzuscheinen! Auf dass dieser verfaulen möge!

Aus einer anderen Welt dagegen sind folgende Sätze über ein Medium, welches unser Printmediumherausgeber weiterhin nicht ernstzunehmen bereit ist:

“Das Internet hebt den Journalismus auf eine qualitativ neue Ebene. Online müssen Texte, Töne und Bilder nicht mehr flüchtig sein. Sie bleiben abrufbar und werden so zu einem Archiv der Zeitgeschichte. Journalismus muss die Entwicklungen der Information, ihrer Interpretation und den Irrtum mitberücksichtigen, also Fehler zugeben und transparent korrigieren.
Das Internet entlarvt gleichförmige Massenware. Ein Publikum gewinnt auf Dauer nur, wer herausragend, glaubwürdig und besonders ist. Die Ansprüche der Nutzer sind gestiegen. Der Journalismus muss sie erfüllen und seinen oft formulierten Grundsätzen treu bleiben” (Internet-Manifest)

Ob Thurnher verstehen würde, warum diesmal er den FOLM kriegt und nicht sein Klenk?

Der andere Autor mit dem kritischen Blick auf die Medienlandschaft ist übrigens Balzac und der Befund stammt aus “Verlorene Illusionen” und handelt von den Zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts.


Klenks Recht Unsinn zu schreiben

will Peter Pilz in seinem Blogbeitrag vom 16.9. nicht in Frage stellen.

Der Unsinn findet sich sowohl im Falter als auch in Klenks Blog. Er beginnt mit dem Vergleich der Tätigkeit der Parlamentarier im U-Ausschuss mit einer Einrichtung im Wien des 18. Jahrhunderts, die durch publikumswirksame Tierquälerei Gewinne machte:

“Der U-Ausschuss als Wiener Hetztheater
Die Debatte über die Kontrolle der Justiz entgleist
Das Wiener Hetztheater erlebt seine Renaissance. Diesmal werden Staatsanwälte von Politikern in der öffentlichen Arena des U-Ausschusses gejagt.”

Und er endet mit Zeilen, an denen eigentlich nur stimmt, dass der Autor ein Interview mit der Justizministerin gemacht hat;

“Zum ersten Mal ist es der Legislative also gelungen, durch öffentlichen Druck in ein laufendes Strafverfahren einzugreifen. ‘Es ist ein Wahnsinn, wie hier Stimmung gegen Staatsanwälte gemacht wird’, sagt auch Justizministerin Claudia Bandion-Ortner (siehe Interview, Seite 10).”

Falls man dieses streichelweiche Geplaudere als ein Interview bezeichnen möchte.

Jedenfalls stellt P.P. fest:

“Florian Klenk selbst schreibt derweil Unsinn. Er konstruiert eine ‘Hetze’ gegen die Staatsanwälte, weil wir in offene Verfahren eingreifen würden. Klenk hat den Ausschuss geschwänzt. Es wurden ausschließlich abgeschlossene Verfahren behandelt. Einem Staatsanwalt wurde die Chance gegeben, seine Aussage rechtzeitig zu korrigieren. Wir haben ihm damit ein Verfahren wegen falscher Zeugenaussage erspart.”

Und vielleicht sollte sich Florian K., der sinngemäß schon mal festgestellt hat, dass die Parlamentarier nicht reif genug für eine Kontrolle der Staatsanwaltschaft seien, die folgenden Sätze mal durch den Kopf gehen lassen. Wobei zu hoffen ist, dass er das im letzten Satz formulierte Recht fürderhin nicht über Maßen in Anspruch nimmt:

“Die parlamentarische Kontrolle ist ebenso wichtig wie die Kontrolle durch die Medien. So wie der Falter seriös über Missstände in der Justiz berichtet, so werden wir hier weiter seriös untersuchen. Klenks Recht, ab und zu Unsinn zu schreiben, werden wir dabei nicht in Frage stellen.”

Zu einem faltereigenen FOLM reicht es aber diesmal nicht. Der ist in dieser Falterausgabe (38/09) Chefsache.


So wird man zum falterschen “Hero der Woche”

Unglücklich das Land, das Helden nötig hat, stellte Brecht bekanntlich im Galilei fest. Aktualisert und auf unser little small country bezogen könnte dieser Satz lauten: Ziemlich am Sand das Land der Falter-Heroes und der -Dolme.

Einerseits werden vom Falter viel zu oft Leute zum Dolm erwählt, die durch ihr schieres Sosein bereits jeden Dolmrahmen (Dörfler, Grasser, Doppelpröll …) sprengen und sich jenseits jeder Wertung befinden. Andererseits gibt es Heroes für Leistungen, die eigentlich selbstverständlich wären und dies nur in einer verdolmten Republik nicht sind (wie etwa ein Polizeipräsident, der für 5 Minuten nicht blockiert, wenn es um Verfehlungen von Polizisten geht).

Der vom Falter erwählte Hero dieser Woche wäre so ein Fall, wenn er es nur wäre.
“Der  Vorarlberger Landeschef Herbert Sausgruber will mit der FPÖ nichts mehr zu tun haben” titelt der Falter und meint: “daran könnten sich die anderen Landesfürsten ein Beispiel nehmen”.

Woran?

Sausgruber: Keine Koalition mehr mit FPÖ

  1. Starke Worte
    Egger habe die Chance zur Korrektur dieser völlig inakzeptablen Äußerungen, die an Antisemitismus anstreiften, nicht wahrgenommen. “Daher gilt, was ich dazu gesagt habe, dass wir nicht gemeinsam auf einer Regierungsbank sitzen werden.”
  2. … mit Hintertür
    Das gelte auch für FPÖ an sich, wenn keine Korrektur erfolge: “Die Partei selber hat, wenn ich das richtig verstanden habe, ebenfalls nicht die Chance zur Korrektur wahrgenommen, mit einer Ausnahme – Klubchef Amann hat immerhin eine gewisse Distanz zu diesen Aussagen getätigt”, so Sausgruber.
  3. Außer es geht um die Macht
    Die FPÖ werde nicht in der Regierung sein, wenn die ÖVP einen klaren Auftrag, also eine absolute Mehrheit, bekomme.
  4. Antisemit darf bis zur Wahl in der Regierung bleiben …
    Bereits jetzt die Koalition zu beenden oder Egger aus der Regierung zu entlassen, lehnt Sausgruber weiter ab.
  5. … damit die ÖVP wieder die Absolute kriegt
    Bei der Landtagswahl am 20. September könne der Wähler entscheiden, so der Landeshauptmann.
  6. Und kusch!
    Auch einen Misstrauensantrag der Opposition halte er angesichts der Wahl für “völlig verfehlt”.

Mütter sind keine Engel

Über des Florian Klenks peinliche Performance im Zusammenhang mit der von ihm angenommenen Zensur seiner webseitigen Ergüsse durch das Justizministerium ist hier und in miserable outskirts berichtet worden.
Noch vor Redaktionsschluss der aktuellen Falterausgabe haben sich dieses Zensurgeschrei und der Offene Brief bereits längst als lauwarme Luft erwiesen, was aber weder Stefan Apfl in den “Nachrichten aus dem Inneren”, noch Armin Thurnher in “Seinesgleichen geschieht” daran hindert, das Ganze noch mal aufzuwärmen. Siehe:  Traurige Gestalten.
Stefan Apfl hat in dieser Falter-Nummer aber noch einmal zugeschlagen. In seiner Reportage über Krems-Lerchenfeld wird diese Siedlung ziemlich reißerisch als “Banlieu” bezeichnet und schwulstgesättigt mit “Vorstadt ohne Engel” betitelt. Wer eigentlich fehlt ihm in Lerchenfeld - Shen Te oder Lydia?
Egal welche Engel fehlen, wer sicher nicht zu solchen zählt, kommt in der Reportage in der Stellungnahme einer Sozialarbeiterin klar zum Ausdruck:

Früher seien die Mütter noch zuhause und für die Erziehung zuständig gewesen, heute sitzen sie bis abends an der Supermarktkasse, arbeiten Schicht in der Fabrik oder sind arbeitslos. Der Fernseher und die Nachbarskinder übernehmen die Rolle von Eltern und Großfamilien, Alkoholismus, Gewalt, sexueller Missbrauch gehören zum Alltag.

Egal was passiert, hätte Elfriede Hammerl zu Recht gesagt, Hauptsache die Mütter sind schuld!
Da wird so getan, als hätte es für die arbeitenden Bevölkerung, egal ob in den Dörfern oder in den Städten, für die Frauen je die Möglichkeit gegeben, sich ausschließlich dem Haushalt und der Kindererziehung zu widmen! Es braucht ja nicht mal die Lektüre des “Germinals” oder der “Lage der arbeitenden Klassen in England”, um sich eines Besseren belehren zu lassen. Denn bei den meisten von uns, wenn sie nicht aus sozial höher angesiedeltem Milieu stammen, genügt ein Blick in die eigene Familiengeschichte, um draufzukommen, dass es nie anders war - das Aufwachsen auf der Straße, das Lernen von den Gleichaltrigen und Älteren und die Mütter “in Arbeit”.
Und wegen des fehlenden Engels braucht man sich auch keine Sorgen zu machen. Bekanntlich ist es der Autor des zuletzt genannten Buches :-)


Folm der Woche: Klenk. Wegen Wehleidigkeit

So verdienstvoll die Veröffentlichung der Staatsanwaltschaftakten im vorigen Falter ist, so sehr nervt Klenk nun wieder. Jemand aus der Beamtenschaft des Justizministeriums hattte ihm gesteckt, dass sein Blog sich offenbar in den automatischen Filter des Ministeriums verfangen hat. Solche Filter gibt es wohl in jeder Institution des Öffentlichen Dienstes, so auch im Wiener Magistrat, wo beispielsweise der von der MA 57 empfohlene Link zur Homosexuellenberatung für Magistratsuser gesperrt ist, weil die Maschine sich an Sexworten stößt. Ärgerlich zwar, aber hier von “Zensur” zu schreien, wie Flenk es in Bezug auf seinen Blog tut, wäre weit überzogen. Auch Öffentlich Bedienstete haben die Möglichkeit, sich in der Freizeit alles und jedes via Internet reinzuziehen, wenn es sie danach gelüstet. Sogar Florian Klenks Blog:

Zensur Affäre: Offener Brief an Justizministerin Claudia Bandion-Ortner (Florian Klenks Erkundungen)

(…)Da sich auf dem Weblog weder anstößige “Inhalte aus den Bereichen Glückspiel, Computerkriminalität, Pornografie, Soziale Netzwerke und Phishing” oder sonst irgendwelche anstößigen Inhalte befinden, erachtet der Falter die Sperre als Zensur durch das BMJ.

Peinlich wird es, wenn der Journalist auch noch den Liebesentzug durch das Ministerium beklagt:

Zu dieser Zensurmaßnahme kommt, dass Florian Klenk trotz mehrmaliger Anfragen ganz bewusst nicht mehr zu Hintergrundgesprächen in das Justizressort eingeladen wird.

Während der Vergleich mit den chinesischen Zensurmaßnahmen schon nicht mehr peinlich ist, sondern jenseitig und überdies eine Frechheit gegenüber jenen, die durch die Weitergabe von Informationen tatsächlich Freiheit und Leben aufs Spiel setzen. Klenk gehört nicht dazu:

Der Falter hat kritisch über das Justizministerium berichtet. Kann das der Anlass sein, allen Justizbediensteten kritische Berichterstattung vorzuenthalten und den Zugang zu Falter-Berichten in chinesischer Manier zu blockieren?


Klassenjustiz Regierungsjustiz durch Unterlassung

Wenn angesichts der seltsamen Begründungen für die Einstellung von Verfahren gegen die Kärntner Ortstafelverrückten allenthalben eine Weisungsfreiheit für Staatsanwälte gefordert wird, geht dies weit an den Gepflogenheiten der österreichischen Realverfassung vorbei. Es ist glaubhaft, dass weder direkte noch indirekte Weisungen von seiten des Ministeriums erteilt wurden, sondern dass die Staatsanwälte von selber alles daran setzten, die in Kärnten regierenden Rechtsextremen vor gerichtlicher Sanktionierung zu schützen.
Klassenjustiz Regierungsjustiz *) durch Unterlassung.
Die de facto exekutive Funktion der Staatsanwaltschaft kann verhindern, dass Rechtsbrüche von hohen politischen FunktionsträgerInnen überhaupt vor einem unabhängigen Gericht landen.
Deshalb ist der Kritik von Richterseite zuzustimmen, dass die Rechtssprechung zugunsten staatsanwaltlicher Ermittlungen verdrängt wird (Abschaffung der UntersuchungsrichterInnen).
Die sogenannte Vierte Gewalt in Gestalt der österreichischen Journaille ist in einem noch jämmerlicheren Zustand als die Legislative. Neben der Verhaberung aller mit allen - oder vielleicht eben dadurch - ist seit Jahren auch eine intellektuelle Talfahrt  zu beobachten, die nicht nur auf den Dirigismus der Medieneigentümer zurückgeführt werden kann.
Lichtblick unter den Medien ist nur der Falter (wie jetzt wieder durch das “Staatsanwältegate” unter Beweis gestellt), trotz seiner gelegentlichen Abstürze in ärgerliche Niederungen. Unter den Politikerinnen ist es wohl ausschließlichPeter Pilz, der sich traut die Dinge konkret zu benennen, und auch die intellektuelle Fähigkeit dazu hat.

Da ich nicht schreiben will, dass wir möglicherweise in einen Berlusconismus ohne Berlusconi schlittern, fehlt nun ein Schluss-Satz.

*)© P.Pilz


Thurnhers Goebbels’ und Apfls Finkelstein

Gut gemeint ist nicht immer gut erwischt. Wenn Armin Thurnher zu Recht vorschnelle Vergleiche mit Begriffen oder Gestalten des Nationalsozialismus für bedenklich hält - weil sie letztendlich aus dem Subtext heraus eine verharmlosende Wirkung entfalten, so hat er im letzten Falter mit einer solchen Kritik am Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde, Ariel Muzicant, arg daneben getroffen:

“Wenn der Präsident der Kultusgemeinde, zu Zeiten selbst Opfer antisemitischer Schmähungen, meint, der Autor der ehemaligen Haider- und nunmehrigen Strache-Sprüche sei eine Art Goebbels, dann trifft das ebenfalls nicht. Man soll den Verharmlosern nicht dadurch entgegentreten, dass man sie ins Maßlose aufbläst. Ein skrupelloser, wendiger Propagandist ist noch kein Massenmörder”

Gerade in jenem Interview, auf das sich Thurnher bezieht, hat Muzicant besonders sorgfältig differenziert, wie jederzeit nachgelesen werden kann und eben nicht den rechtsextremen Sprücheschreiber als Goebbels bezeichnet, sondern auf die Frage:
“Stimmen Sie dem Wiener Bürgermeister zu, der die Methoden der FPÖ mit denen der Nazis verglichen hat?” geantwortet:

“Ja, das kann man sagen. Und wenn ich den Herrn Kickl (Herbert, Generalsekretär der FPÖ, Anm.) höre, erinnert mich dieses Gehetze und die Sprache an Joseph Goebbels.”

Es macht - und darauf legt in anderen Kommentaren der Chefredakteur des Falter immer wieder höchsten Wert - einfach einen Unterschied aus, ob man jemanden mit einer Person identifiziert (“sei eine Art Goebbels”) oder ob man bestimmte Methoden miteinander vergleicht. Letzteres haben Muzicant und auch Häupl zurecht und zutreffend getan.
Übrigens, warum kritisiert Thurnher in diesem Zusammenhang nicht auch den Bürgermeister?

Eine Seite weiter vermeint Stefan Apfl eine Lanze für die Redefreiheit brechen zu müssen: er verwahrt sich dagegen, dass die Israelitische Kultusgemeinde und andere Organisationen gegen einen geplanten Vortrag Norman Finkelsteins auf der Uni Wien protestierten und daraufhin die Uni Wien plötzlich keinen Saal frei gehabt hätte.
“Warum ist das höchst bedenklich?” fragt Apfl und behauptet in der Folge, das Finkelstein ein “umstrittener, aber anerkannter Historiker” sei.
Gerade das ist er aber nicht. Seine Bücher werden von Fachhistorikern als generell unwissenschaftlich und im Detail als mit falschen Behauptungen gespickt eingeschätzt, und er selber als gehaltloser Polemiker angesehen, mit dem kein ernsthafter wissenschaftlicher Diskurs möglich sei. Mehrfach und im Detail belegt wird darauf hingewiesen, dass Finkelstein in seinen maßlosen Anwürfen und relativierenden Argumentationsketten antisemtische Klischees bediene, die natürlich - und eben nicht zufällig - die Rechtsextremen dazu veranlasst, ihn mit offenen Armen zu empfangen.
In den USA ist er schon lange kein Thema mehr, im deutschsprachigen Raum wurde er eine zeitlang durchs Feuilleton aufgeblasen, heute ists, außer in rechtsextremen Kreisen, auch eher ruhig um ihn geworden.
Wenn nun kritisiert wird, dass ein Auftritt an der Uni diesem Provokateur und Relativierer eine nicht zustehende (wissenschaftliche) Reputation bringen würde, dann ist dies für mich nachvollziehbar. Die Behauptung des Falter-Redakteurs, dass im Falle Finkelstein das freie Wort nicht zugelassen würde, und damit “Finkelsteins provokanten Thesen Recht” gegeben würde, ist eine Frechheit.
Erstens hat sich umgehend ein anderer Vortragsort gefunden, aber eben nicht im universitären Rahmen und zweitens wird Unsinn auch dann nicht wahrer, wenn er nicht überall gesagt werden kann.

Es macht nicht sehr froh, dass sich sogar bei Redakteuren des Falters, die erwiesenermaßen nichts mit dem rechten Scheiss am Hut haben, argumentative Muster einschleichen, die die Sache schwächen, für die sie eigentlich eintreten.


Folm der Woche: Klenk

Und zwar wegen Parzivalismus.

verifizieren2mahrer_small1

Mahrer: Im vorliegenden Fall wurde der Mann mit einem Dealer verwechselt. Die Beamten versuchten das Opfer der Verwechslung sofort anzurufen, um sich zu entschuldigen.
Klenk: Der Mann lag schon im Spital. Er sagt, er sei mit Faustschlägen traktiert worden.
Mahrer: Die Beamten wandten Körperkraft an. Das steht fest. Nun suchen wir nach Zeugen, um die Angaben von Mike B. zu verifizieren.

und hier endet das Interview und beginnt die Willfährigkeit gegenüber dem Polizeipräsidenten.


blank info