Alle Beiträge mit dem Tag ‘Falter’

Alk gegen Wespen

Das kalte Frühjahr und die dauerhaften Regenfälle der letzten Woche lassen die Presseaussendung mit dem bemüht alarmierenden Titel „Auch heuer wieder starkes Wespenjahr erwartet!“ nicht besonders aktuell wirken. Hat da ein Praktikant eine Meldung vom letzten Jahr irrtümlich versendet? ORF On übernahm jedenfalls den Text und führte als Quelle für diese Prognose anonyme „Experten“ an.

schreibt der stets erfreuliche Falter-Biologe Peter Iwaniewicz, welcher der Kolumne diesmal als Motto die wunderbaren Kampfmethode von Muhamed Ali vorangestellt hat: “„Float like a butterfly, sting like a bee“. Und wer bringt nun die Wespen zum Stechen? fragte sich der Kolumnist:

Als Aussender firmiert eine „Initiative Insektengift“, hinter der wiederum die ALK-Abelló Allergie-Service GesmbH steht. Daher werden in der Aussendung auch die Gefahren eines Wespenstichs in gebotener Dramatik beschrieben, die von „Schwindelgefühl und Herzrasen, Übelkeit, Erbrechen, Schluck- und Sprechbeschwerden“ bis zu „lebensbedrohlichen Atemstörungen sowie völligem Zusammenbruch des Kreislaufs“ reichen. Wird die Menschheit da noch überleben?

Die Menschheit vielleicht nicht, aber ALK.


Jenseits von geschlechtergerecht: Der Falter

Dass der Falter vom Chefredakteur abwärts mit Gendern nix am Hut hat, ist nichts Neues. Hängt möglicherweise mit den Geburtsjahrgängen von einigen Falter-Alphas zusammen. So hatte ja auch der verblichene Krone-Chef die eine oder andere Marotte und brachte sie in einer Weise zum Ausdruck, die ziemlich ewiggestrig wirkte. Was bei Dichand noch nach Krieg und Nachkriegszeit roch, ist beim Falter natürlich jüngeren Datums, aber doch auch schon eine Weile her:
Wenn der Berner Stadtverwaltung für ihr Bemühen um geschlechtergerechte Sprache vom Falter das Etikett “JENSEITS” verliehen wird, dann entspricht das in etwa dem linken männlichen Bewusstseinslevel während der zweiten feministischen Welle der 70er. Also in etwa der Zeit zwischen der Fristenlösung und dem Entkleiden von Harald I., dem Chefredakteur des “Extrablatts“. Anders formuliert: der Falter scheint, was geschlechtergerechte Sprache betrifft, beim gerade noch angezogenen Harald I. stecken geblieben zu sein.
Wenn nun der Falter als Begründung für die Vergabe des “JENSEITS” anführt, dass die Berner und Bernerinnen künftig “Elter” statt “Mutter” und “Vater” zu sagen hätten, dann erinnert das doch wieder an die Methoden des Altmeisters der Kriegsverlierer, nämlich mit glatten Unwahrheiten gegen Missliebiges vorzugehen. Denn im Sprachleitfaden der Berner Stadtverwaltung kommt der Begriff “Elter” gar nicht vor, geschweige denn, dass er zwingend vorgeschrieben würde. Auch im umfangreichen Leitfaden zum geschlechtergerechten Formulieren der Schweizer Bundeskanzlei wird “Elter” nur ein einziges Mal als mögliche Alternative zu “Elternteil” mit dem Zusatz “sehr selten” erwähnt (S. 26) –> PDF (1 MB)
Also auch hier ist kein vom Falter angeprangerter Zwang zu finden.

Bleibt demnach die Frage, wovor sich die älteren Faltermänner so fürchten, dass zu Unwahrheiten gegriffen wird, um ihre Angst zu bedienen?
Sitzt ihnen nach so vielen Jahren noch immer der nackte Harald im Nacken?

Nebenbei: “Elter” ist nicht die Erfindung eines überbordenden Tsunami-Feminismus, sondern, wie ein Blick in Onkel Wiki oder dem Falterschen Gottseibeiuns Google offenbart, längst und aus gutem Grund in der Genetik gebräuchlich.

Weiters (worum es eigentlich geht):

Die Stadt Bern – Geschlechtergerecht kommunizieren – einfach und verständlich
Kommunikation betrifft uns alle, Männer wie Frauen. Beim Sprechen, Schreiben oder bei der Bildwahl sollen darum auch beide Geschlechter angesprochen werden: geschlechtergerecht eben.

Der soeben erschienene Sprachleitfaden „Geschlechtergerecht formulieren“ unterstützt Sie bei der Wahl geeigneter Formulierungen. Mit neun Tipps erläutert er kurz und bündig, worauf Sie achten sollten.

Der Sprachleitfaden ist ein Produkt aus dem Aktionsplan zur Gleichstellung von Frauen und Männer in der Stadt Bern (www.aktionsplan.bern.ch). Er unterstützt die Stadtverwaltung bei der Umsetzung des Grundsatzes der diskriminierungsfreien und geschlechtergerechten Kommunikation (Kommunikationskonzept) und ist für diese verbindlich.

Und schließlich berichtet Luise Pusch, dass auch in der Schweiz die Angsthasen (die mit den Stummelschwänzchen) heftig trommeln:

Der jüngste Erfolg der feministischen Sprachpolitik ist der Leitfaden der Stadt Bern, über den sich derzeit im Internet zahlreiche Schweizer und ein paar Schweizerinnen in ausufernden Kommentaren ereifern. Dazu angestiftet werden sie von hämischen Zeitungsartikeln, die die lobenswerte Berner Initiative als typisch rotgrüne Hirnrissigkeit hinstellen. Sie werden der hechelnden Jagdmeute hingeworfen, und schon hetzt sie los.


Der Falter tief im Pelzgeschäft?

Nach den hasserfüllten und journalistisch grenzwertigen Klenk-Artikeln gegen die angeklagten Tierschützer ist es im Falter bekanntlich sehr still geworden um das Thema. Während die meisten Medien hie und da von diesem inzwischen zum Skandalprozess gewordenen Versuch NGOs generell zu kriminalisieren, berichten, schweigt dieses Blatt, das einst für sein Sensorium bekannt war, wenn es darum ging, staatliche Einschränkungen demokratischer Grundrechte aufzuspüren. Doch dieses Sensorium kommt nur noch fallweise zur Geltung. Zumeist schlittert dieses wöchentliche Ärgernis mehr und mehr in die totale Bobo-Ecke. O.k., mein Abo wird auch irgendwann mal auslaufen, kein Grund, sich darüber aufzuregen. Leider gibt es aber weit und breit keine Alternative dessen, was der Falter einstens war. Was die kritische Öffentlichkeit anlangt, so ist diese immer weniger im Printsektor als in den diversen Politblogs zu finden – eine Entwicklung, die vom auch politisch und journalistisch alternden Chefredakteur negiert wird und der ja überhaupt das ganze moderne Web2.0-Dings so gar nicht goutiert.
Im dieswöchigen Falter besonders auffällig ist einerseits die weitere Enthaltsamkeit bezüglich einer Berichterstattung über den Tierschützerprozess und andererseits der in seiner Reflexions- und Kritiklosigkeit fast schon als Promotion zu bewertender Artikel über einen Pelzschneider:

38 tote Nerze für 1 kurze Jacke:

Nerze, Zobel, Füchse, Chinchilla, Persianer. Tierfelle hängen hier artenspezifisch und farblich geordnet auf Kleiderstangen wie anderswo T-Shirts. „Für einen Nerz zahlst du derzeit 140 Euro, die Preise sind im letzten Jahr gestiegen“, sagt Kirchgrabner und deutet auf eine meterlange Stange mit dutzenden braunen Fellen. „Allein für eine kurze Jacke brauchst du mindestens 38 Stück davon.“

Wer nicht kauft, soll die Goschn halten:

„Fell ist ein tolles Material“, schwärmt Kirchgrabner. „Eines der frühesten Kleidungsstücke des Menschen, 100 Prozent Natur, wärmer als alles andere. In unseren Breitengraden fast etwas zu warm; mit einem langhaarigen Fuchsmantel kriegst hier fast Hitzewallungen. Pelz ist exklusiv. Nicht jeder kann es sich leisten, was auch nicht so sein soll. Deshalb stört es mich, wenn gerade von Jungen, die ohnehin nicht unsere Zielgruppe sind, Vorwürfe kommen wie Pelz sei Mord.

Minderjährige(?) Studentin schädigt das Geschäft und beschränkt dadurch die Freiheit

Anti-Pelz-Demonstranten kann der selbsterklärte Tierfreund und Hundebesitzer nicht verstehen – und beschwert sich über die Demonstranten, die jeden Samstag auf der Mariahilfer Straße vorm Kleiderbauer stehen. „Eine kleine Studentin, die man wegen ihrer Minderjährigkeit noch nicht anzeigen kann, plärrt vorm Laden in ihr Megafon. Und kein Kunde will mehr reingehen. Das ist geschäftsschädigend! Menschen werden in ihrer Freiheit beschränkt. Es gilt doch: leben und leben lassen.“

Jüngstes Gericht für Tiere:

Kirchgrabners neue Kollektion, … heißt „Apokalypse“: (…) Außerdem steht die Apokalypse für das Jüngste Gericht. Passt auch ganz gut zu seinen Kreationen. Zumindest aus tierischer Sicht.


Falter der Woche: Nüchtern

Die anderen ungeputzten Sauschädel, die ich diesmal tüchtig schmähen und ausschimpfen will, produzieren weniger Abgase, sind aber mindestens genauso vertrottelt. Allein schon, wie sie – eingeschweißt in ihre stinkige Radfahrerkluft – auf ihren blöd zu schmal oder zu breit bereiften, gepäckträgerlosen Scheißrädern balancieren, um während einer Rotphase auch ja keinen ihrer vollkommenen verblödeten Füße auf die strunzdumme Straße stellen zu müssen, sieht dermaßen bescheuert aus, dass man sie von ihren verfickten Fahrrädern fotzen könnte. (Nüchtern betrachtet. (Falter 41/09 S. 34)

Für solche Sätze verzeiht Falterleidender viel :-)


Was unterscheidet FALTER und HEUTE?

Fast alles, wäre die gängige Vermutung, wenn, ja wenn es im Falter nicht ein kleines widerständiges Ideologiedorf gäbe, an dem die Zeitläufte abprallen, wie einstens die Römer im generischen Dorf der starken Männer und wo der Bezahl-Falter sich auf dem selben Dorfplatz wiederfindet wie das Gratisblatt:

Heute:

Appell der Kindergärtner: 3056 Pädagogen wollen mehr Geld
… jeder zweite Kindergärtner fordert …

Falter:


Lenin, Thurnher und das Parasitieren

Lenin hat bekanntlich davon gesprochen, dass Elektrifizierung plus Sowjetmacht Kommunismus ergebe. Der Falter-Chefredakteur stellt eine ähnliche Gleichung auf:

“Digitalisierung und Deregulierung sind Kinder eines Zeitgeists, sie erschienen zugleich und zuerst in den USA, wo ihnen neokonservative Ideen und Neuerungsfreude den Weg bereiteten.”

Was dem einen der Kommunismus, ist dem anderen ein ebenso schwammiger “Zeitgeist”, der sich aus Finanz- und Medienkrise, aus “Googels Oligopol” und schlechtem Journalismus zusammenwhirlt und im Eigentlichen erst durch die Gleichsetzung von technischer Innovation (Digitalisierung) und politischer Macht (Neoliberalismus) seine Dynamik im Thurnherrschen Gedankenpool zu entwickeln vermag.
Das Ergebnis ist erschreckend:

“Finanzinvestoren, die nicht auf journalistische Kultur Wert legten, sondern auf maximale Rendite”

Dieser aktuelle Befund deckt sich mit den Gedanken eines anderen Autors über die Macht und den Einfluss moderner Medien sowie der Dominanz wirtschaftlicher Aspekte gegenüber den Belangen der Literatur und der Kunst:

“Ein Buch ist Verlegern nichts als eine Kapitalanlage. Je besser ein Buch ist, desto weniger Aussicht auf Absatz hat es.”

Soweit wie dieser Autor, der die Zeitungsredaktionen auch noch als ein Nest von Lügnern und Intriganten bezeichnet, die ihre mediale Macht skrupellos nutzen, geht Armin Thurnherr nicht, doch auch er sieht den seriösen Journalismus in Gefahr:

“Gratisblätter kommen mit Miniredaktionen aus,”

Das ist schlimm genug, doch das Schlimmste kommt erst:

“das Suchmaschinen-Oligopol Google parasitiert überhaupt bloß an dem, was andere publizieren”

Und hier treffen Lenin und Thurnher wieder zusamm’: Hier das oligopolistische Google, dort der monopolistische Kapitalismus mit seinem parasitären, verfaulenden Wesen.

Warum also nicht vom Google-Imperialismus sprechen, dessen Parasitismus bereits auf den Printbereich überschwappt? Denn wie anders ist etwa ein Zitatelexikon zu bewerten, als ein in Buchform gegossener Parasit fremder Geistesfrucht?

Doch wie es in der Russischen Revolution die Sowjets gegeben hat, gibt es heute die Betreiber von Websites, die nicht gewillt sind, sich als Wirtskörper des Googleparasiten missbrauchen zu lassen! Mit widerständiger List und mit raffinierten Tricks gelingt es ihnen immer wieder, nicht auf den Ergebnislisten des Oligopols aufzuscheinen! Auf dass dieser verfaulen möge!

Aus einer anderen Welt dagegen sind folgende Sätze über ein Medium, welches unser Printmediumherausgeber weiterhin nicht ernstzunehmen bereit ist:

“Das Internet hebt den Journalismus auf eine qualitativ neue Ebene. Online müssen Texte, Töne und Bilder nicht mehr flüchtig sein. Sie bleiben abrufbar und werden so zu einem Archiv der Zeitgeschichte. Journalismus muss die Entwicklungen der Information, ihrer Interpretation und den Irrtum mitberücksichtigen, also Fehler zugeben und transparent korrigieren.
Das Internet entlarvt gleichförmige Massenware. Ein Publikum gewinnt auf Dauer nur, wer herausragend, glaubwürdig und besonders ist. Die Ansprüche der Nutzer sind gestiegen. Der Journalismus muss sie erfüllen und seinen oft formulierten Grundsätzen treu bleiben” (Internet-Manifest)

Ob Thurnher verstehen würde, warum diesmal er den FOLM kriegt und nicht sein Klenk?

Der andere Autor mit dem kritischen Blick auf die Medienlandschaft ist übrigens Balzac und der Befund stammt aus “Verlorene Illusionen” und handelt von den Zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts.


Klenks Recht Unsinn zu schreiben

will Peter Pilz in seinem Blogbeitrag vom 16.9. nicht in Frage stellen.

Der Unsinn findet sich sowohl im Falter als auch in Klenks Blog. Er beginnt mit dem Vergleich der Tätigkeit der Parlamentarier im U-Ausschuss mit einer Einrichtung im Wien des 18. Jahrhunderts, die durch publikumswirksame Tierquälerei Gewinne machte:

“Der U-Ausschuss als Wiener Hetztheater
Die Debatte über die Kontrolle der Justiz entgleist
Das Wiener Hetztheater erlebt seine Renaissance. Diesmal werden Staatsanwälte von Politikern in der öffentlichen Arena des U-Ausschusses gejagt.”

Und er endet mit Zeilen, an denen eigentlich nur stimmt, dass der Autor ein Interview mit der Justizministerin gemacht hat;

“Zum ersten Mal ist es der Legislative also gelungen, durch öffentlichen Druck in ein laufendes Strafverfahren einzugreifen. ‘Es ist ein Wahnsinn, wie hier Stimmung gegen Staatsanwälte gemacht wird’, sagt auch Justizministerin Claudia Bandion-Ortner (siehe Interview, Seite 10).”

Falls man dieses streichelweiche Geplaudere als ein Interview bezeichnen möchte.

Jedenfalls stellt P.P. fest:

“Florian Klenk selbst schreibt derweil Unsinn. Er konstruiert eine ‘Hetze’ gegen die Staatsanwälte, weil wir in offene Verfahren eingreifen würden. Klenk hat den Ausschuss geschwänzt. Es wurden ausschließlich abgeschlossene Verfahren behandelt. Einem Staatsanwalt wurde die Chance gegeben, seine Aussage rechtzeitig zu korrigieren. Wir haben ihm damit ein Verfahren wegen falscher Zeugenaussage erspart.”

Und vielleicht sollte sich Florian K., der sinngemäß schon mal festgestellt hat, dass die Parlamentarier nicht reif genug für eine Kontrolle der Staatsanwaltschaft seien, die folgenden Sätze mal durch den Kopf gehen lassen. Wobei zu hoffen ist, dass er das im letzten Satz formulierte Recht fürderhin nicht über Maßen in Anspruch nimmt:

“Die parlamentarische Kontrolle ist ebenso wichtig wie die Kontrolle durch die Medien. So wie der Falter seriös über Missstände in der Justiz berichtet, so werden wir hier weiter seriös untersuchen. Klenks Recht, ab und zu Unsinn zu schreiben, werden wir dabei nicht in Frage stellen.”

Zu einem faltereigenen FOLM reicht es aber diesmal nicht. Der ist in dieser Falterausgabe (38/09) Chefsache.


So wird man zum falterschen “Hero der Woche”

Unglücklich das Land, das Helden nötig hat, stellte Brecht bekanntlich im Galilei fest. Aktualisert und auf unser little small country bezogen könnte dieser Satz lauten: Ziemlich am Sand das Land der Falter-Heroes und der -Dolme.

Einerseits werden vom Falter viel zu oft Leute zum Dolm erwählt, die durch ihr schieres Sosein bereits jeden Dolmrahmen (Dörfler, Grasser, Doppelpröll …) sprengen und sich jenseits jeder Wertung befinden. Andererseits gibt es Heroes für Leistungen, die eigentlich selbstverständlich wären und dies nur in einer verdolmten Republik nicht sind (wie etwa ein Polizeipräsident, der für 5 Minuten nicht blockiert, wenn es um Verfehlungen von Polizisten geht).

Der vom Falter erwählte Hero dieser Woche wäre so ein Fall, wenn er es nur wäre.
“Der  Vorarlberger Landeschef Herbert Sausgruber will mit der FPÖ nichts mehr zu tun haben” titelt der Falter und meint: “daran könnten sich die anderen Landesfürsten ein Beispiel nehmen”.

Woran?

Sausgruber: Keine Koalition mehr mit FPÖ

  1. Starke Worte
    Egger habe die Chance zur Korrektur dieser völlig inakzeptablen Äußerungen, die an Antisemitismus anstreiften, nicht wahrgenommen. “Daher gilt, was ich dazu gesagt habe, dass wir nicht gemeinsam auf einer Regierungsbank sitzen werden.”
  2. … mit Hintertür
    Das gelte auch für FPÖ an sich, wenn keine Korrektur erfolge: “Die Partei selber hat, wenn ich das richtig verstanden habe, ebenfalls nicht die Chance zur Korrektur wahrgenommen, mit einer Ausnahme – Klubchef Amann hat immerhin eine gewisse Distanz zu diesen Aussagen getätigt”, so Sausgruber.
  3. Außer es geht um die Macht
    Die FPÖ werde nicht in der Regierung sein, wenn die ÖVP einen klaren Auftrag, also eine absolute Mehrheit, bekomme.
  4. Antisemit darf bis zur Wahl in der Regierung bleiben …
    Bereits jetzt die Koalition zu beenden oder Egger aus der Regierung zu entlassen, lehnt Sausgruber weiter ab.
  5. … damit die ÖVP wieder die Absolute kriegt
    Bei der Landtagswahl am 20. September könne der Wähler entscheiden, so der Landeshauptmann.
  6. Und kusch!
    Auch einen Misstrauensantrag der Opposition halte er angesichts der Wahl für “völlig verfehlt”.

Mütter sind keine Engel

Über des Florian Klenks peinliche Performance im Zusammenhang mit der von ihm angenommenen Zensur seiner webseitigen Ergüsse durch das Justizministerium ist hier und in miserable outskirts berichtet worden.
Noch vor Redaktionsschluss der aktuellen Falterausgabe haben sich dieses Zensurgeschrei und der Offene Brief bereits längst als lauwarme Luft erwiesen, was aber weder Stefan Apfl in den “Nachrichten aus dem Inneren”, noch Armin Thurnher in “Seinesgleichen geschieht” daran hindert, das Ganze noch mal aufzuwärmen. Siehe:  Traurige Gestalten.
Stefan Apfl hat in dieser Falter-Nummer aber noch einmal zugeschlagen. In seiner Reportage über Krems-Lerchenfeld wird diese Siedlung ziemlich reißerisch als “Banlieu” bezeichnet und schwulstgesättigt mit “Vorstadt ohne Engel” betitelt. Wer eigentlich fehlt ihm in Lerchenfeld – Shen Te oder Lydia?
Egal welche Engel fehlen, wer sicher nicht zu solchen zählt, kommt in der Reportage in der Stellungnahme einer Sozialarbeiterin klar zum Ausdruck:

Früher seien die Mütter noch zuhause und für die Erziehung zuständig gewesen, heute sitzen sie bis abends an der Supermarktkasse, arbeiten Schicht in der Fabrik oder sind arbeitslos. Der Fernseher und die Nachbarskinder übernehmen die Rolle von Eltern und Großfamilien, Alkoholismus, Gewalt, sexueller Missbrauch gehören zum Alltag.

Egal was passiert, hätte Elfriede Hammerl zu Recht gesagt, Hauptsache die Mütter sind schuld!
Da wird so getan, als hätte es für die arbeitenden Bevölkerung, egal ob in den Dörfern oder in den Städten, für die Frauen je die Möglichkeit gegeben, sich ausschließlich dem Haushalt und der Kindererziehung zu widmen! Es braucht ja nicht mal die Lektüre des “Germinals” oder der “Lage der arbeitenden Klassen in England”, um sich eines Besseren belehren zu lassen. Denn bei den meisten von uns, wenn sie nicht aus sozial höher angesiedeltem Milieu stammen, genügt ein Blick in die eigene Familiengeschichte, um draufzukommen, dass es nie anders war – das Aufwachsen auf der Straße, das Lernen von den Gleichaltrigen und Älteren und die Mütter “in Arbeit”.
Und wegen des fehlenden Engels braucht man sich auch keine Sorgen zu machen. Bekanntlich ist es der Autor des zuletzt genannten Buches :-)


Folm der Woche: Klenk. Wegen Wehleidigkeit

So verdienstvoll die Veröffentlichung der Staatsanwaltschaftakten im vorigen Falter ist, so sehr nervt Klenk nun wieder. Jemand aus der Beamtenschaft des Justizministeriums hattte ihm gesteckt, dass sein Blog sich offenbar in den automatischen Filter des Ministeriums verfangen hat. Solche Filter gibt es wohl in jeder Institution des Öffentlichen Dienstes, so auch im Wiener Magistrat, wo beispielsweise der von der MA 57 empfohlene Link zur Homosexuellenberatung für Magistratsuser gesperrt ist, weil die Maschine sich an Sexworten stößt. Ärgerlich zwar, aber hier von “Zensur” zu schreien, wie Flenk es in Bezug auf seinen Blog tut, wäre weit überzogen. Auch Öffentlich Bedienstete haben die Möglichkeit, sich in der Freizeit alles und jedes via Internet reinzuziehen, wenn es sie danach gelüstet. Sogar Florian Klenks Blog:

Zensur Affäre: Offener Brief an Justizministerin Claudia Bandion-Ortner (Florian Klenks Erkundungen)

(…)Da sich auf dem Weblog weder anstößige “Inhalte aus den Bereichen Glückspiel, Computerkriminalität, Pornografie, Soziale Netzwerke und Phishing” oder sonst irgendwelche anstößigen Inhalte befinden, erachtet der Falter die Sperre als Zensur durch das BMJ.

Peinlich wird es, wenn der Journalist auch noch den Liebesentzug durch das Ministerium beklagt:

Zu dieser Zensurmaßnahme kommt, dass Florian Klenk trotz mehrmaliger Anfragen ganz bewusst nicht mehr zu Hintergrundgesprächen in das Justizressort eingeladen wird.

Während der Vergleich mit den chinesischen Zensurmaßnahmen schon nicht mehr peinlich ist, sondern jenseitig und überdies eine Frechheit gegenüber jenen, die durch die Weitergabe von Informationen tatsächlich Freiheit und Leben aufs Spiel setzen. Klenk gehört nicht dazu:

Der Falter hat kritisch über das Justizministerium berichtet. Kann das der Anlass sein, allen Justizbediensteten kritische Berichterstattung vorzuenthalten und den Zugang zu Falter-Berichten in chinesischer Manier zu blockieren?


 
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