Alle Beiträge mit dem Tag ‘Büchereien’
29. September 2009 von haftgrund | 1 Kommentar
Im Augustin, Wiens Straßenzeitung gibt es einen Artikel in der Rubrik “Lokalmatador” über eine Bibliothekarin, die seit fast 40 Jahren in einer Bücherei im 2. Bezirk arbeitet. Es beginnt quasi nostalgisch:
“Maria Hirsch leitet die städtische Bücherei in der Zirkusgasse Nr. 3. Sie begann hier im September 1970, wenige Wochen nach der Matura. Brasilien war Weltmeister im Fußball. Bruno Kreisky schon Weltmeister der Sozialdemokraten. Und auch ihr Vater, der Industriearbeiter, der mit seiner Frau und seinen drei Töchtern der Arbeit quer durch Niederösterreich gefolgt war, gab sich mit der Welt zufrieden: Schön, dass es auch seine Maria zu etwas bringen wollte.”
Im Artikel wird weiters darüber berichtet, dass diese Bibliothekarin auch Personalvertreterin ist und sich als solche mehr zu sagen trauen kann, als andere Bedienstete (legendär ist ihr Schreiduell im Rathaus mit der Stadträtin, als diese eine Unterschriftenaktion in den Büchereien untersagt hatte), und dies auch im Interview unter Beweis stellt:
“Wenig Freude hat sie heute auch mit jenen Vorgesetzten, die zu den Lesern „Kunden“ sagen und dabei nicht merken, wie sie den neoliberalen Kurs mittragen.
Heute ärgert sie sich über jenen Kommunikationsoffizier der MA 13, den man ihr aus der Zentrale als Interview-Wächter geschickt hat. Was wird er wohl dem Amt für positive Berichterstattung berichtet haben? Wurscht.”
Dieses “wurscht” kann als fast typisch für Maria Hirsch bezeichnet werden, wenn die Frage auftaucht: “Dürfen wir das überhaupt? Und was werden die Vorgesetzten sagen?” – egal, ob es sich um Angelegenheiten der Bücherei oder um Personalvertretungsaktivitäten handelt. Die Vorgesetzten war nicht immer amused und ohne ihre Funktion als Personalvertreterin wäre sie in all den Jahren schon mehrfach “abgeschossen” worden, wenn die Abteilung nicht einen Aufstand innerhalb der Kolleginnenschaft und auch der Personalvertretung befürchten hätte müssen.
So auch bei der “Schmutzigen Geschichte” (siehe Links), bei der der Abteilungsleiter, dem sie eine Offene Mail geschickt hatte, erbost feststellte: “Generell kann ich Ihrem Schreiben nicht entnehmen, ob mir eine Personalvertreterin oder eine Büchereileiterin schreibt.”
Im Augustin-Interview nimmt sie nur kurz Bezug auf diese Auseinandersetzung, indem sie von Entscheidungen der Vorgesetzten berichtet, die sie nicht mittragen könne:
“Die „Ausbeutung der Putzfrauen“ sei so eine Entscheidung. Berichtet Hirsch mit funkelnden Augen. (Und man kann sich dabei ungefähr ausmalen, wie sie der einst mächtigen Stadträtin die Stirn bot.) Es sei eine Frechheit, mit wie wenig Geld die Schwächsten in der Hierarchie abgefertigt werden: „Gerade von einer Stadt wie Wien sollte man etwas Anderes erwarten.“
Nächstes Jahr wird Maria Hirsch wieder für die Personalvertretung kandidieren – Bibliothekarin und Personalvertreterin, eine untrennbare Einheit.
8. September 2009 von haftgrund | kein Kommentar
25. August 2009 von haftgrund | kein Kommentar
Dieser erfrischende Artikel aus dem Handelsblatt, jenseits des krokodilstränigen Wehgeschreis von Verlagsvertretern und Apostelliteraten, bringt es auf den Punkt: wollen wir mehr Zugang zu gespeichertem Wissen und zu Kulturquellen oder nicht? Sollen privatwirtschaftliche Verlage darüber bestimmen oder ist uns eine Demokratisierung der Quellen lieber?
Es geht nicht um ein Hohelied auf Google. Doch sollte nicht vergessen werden, dass Larry Page und Sergei Brin sich auch so verhalten hätten können wie jener Geschäftsmann, der mit einem von anderen entwickelten Quick and Dirty Operating System Milliardengeschäfte macht und softwaremäßig die ganze Welt abhängig zu machen versucht …
Google: Neues Leben für alte Bücher
von Thomas Knüwer
Das Ende unserer Wissensgesellschaft ist nah. Zumindest aus Sicht manches Buchverlegers. Der Grund heißt Google. Da digitalisiert der Internetriese einfach die Buchbestände der Welt. Und macht sie öffentlich. Ein Skandal. Oder?
Es ist bemerkenswert, wie honorige Literaturapostel sich in Faktenverdreherei ergehen, geht es um die Google-Buchsuche. Denn was genau tut der Web-Konzern? Er scannt Bücher ein und macht sie, aufgefächert nach Urheberrecht, durchsuchbar. So gibt es einige Bücher vollständig, andere auszugsweise und einige gar nicht. Verdient Google damit Geld? Ja. Doch behält der Konzern selbst 37 Prozent, der Rest geht an eine Gesellschaft, die das Geld unter Autoren verteilt.
Auch ein Blick auf die Art der digitalisierten Bücher ist nötig. Denn Google ist kein Raubkopierer. Der aktuelle Bestseller ist nicht in vollem Umfang lesbar. Experten schätzen, dass in US-Bibliotheken rund 40 Millionen Werke liegen. Doch nur sieben bis neun Millionen davon werden tatsächlich noch gedruckt. 23 bis 25 Millionen unterliegen dem Urheberrecht, doch produzieren die Rechteinhaber sie nicht mehr. Dieser gewaltige Berg ist nur noch in Bibliotheken oder Antiquariaten zu haben. Ist das gut für die Wissensgesellschaft?
Noch immer sträuben sich Buchverlage gegen das 21. Jahrhundert. Dabei wäre es ein Leichtes für sie, wenigstens ihre aktuellen Werke digital aufzubereiten. Ja, sie könnten gar Geld damit machen. Stattdessen ergehen sich vor allem deutsche Verlage darin, digitale Lesegeräte zum Teufelszeug zu erklären. Die vergangenen zehn Jahre, in denen das Internet zur Kulturtechnik, der iPod zum Alltag und Google Milliardenkonzern wurde, sollten klarmachen: Die meisten Menschen empfinden das digitale Zeitalter als Bereicherung. Unternehmen, die glauben, diese Technik aufhalten zu können, gehören zu den Verlierern.
Sicher ist Googles Vorgehen ruppig. Natürlich muss man sich fragen, ob der Konzern zu mächtig wird. Andererseits stünde es jedem offen, ein ähnliches Projekt zu beginnen – sogar den Verlagen selbst. Hier aber ist der Haken: Wer die Gesamtheit aller Bücher digitalisieren will, muss eine Menge Geld mitbringen. Auf mehrere Hundert Millionen Euro taxiert Google selbst den Aufwand. Und das mögen anscheinend weder Unternehmen noch Staaten auf sich nehmen.
So bleibt nur das Unternehmen, dass sich an die Digitalität angepasst hat wie kein anderes: Google. Wer dies nicht akzeptieren mag, sollte etwas Eigenes machen – oder schweigen. Denn die Möglichkeit, die ganze Literatur der Welt nach Wissen zu durchforschen, ist nicht das Ende der Wissensgesellschaft – es ist ihr Anfang.
25. August 2009 von haftgrund | kein Kommentar
Jetzt wissen wir, wohin die in Klagenfurt fehlende Bücherei verschwunden ist. Holt sie da raus!
Klagenfurt (
OTS) – Der Spalt im BZÖ wird immer größer, stellt heute der Klubobmann der SPÖ-Kärnten, LAbg. Herwig Seiser angesichts der sich immer öfter widersprechenden Hauptakteure Uwe Scheuch und Gerhard Dörfler fest. Nach der völlig entgegengesetzten Auffassung über den Rückbau des EM-Stadions zeige die Diskussion um das Ulrichsbergtreffen einmal mehr und in aller Deutlichkeit, dass zwischen Scheuch und Dörfler längst kein Blatt Papier sondern eine ganze Bücherei passt.
Quelle: http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20090825_OTS0207
16. August 2009 von haftgrund | 1 Kommentar
Wieder hat Josef Winkler bei einem öffentlichen Auftritt auf die fehlende Stadtbücherei in Klagenfurt hingewiesen:
Winkler: “Verantwortliche sollen abhauen”
Winkler geriet bei seiner Rede, wie bei seiner Eröffnungsrede zum Ingeborg-Bachmann-Preis, in Rage: “Man darf nicht vergessen, dass die Stadt Klagenfurt seit vier Jahrzehnten kein Geld für Bücher hat”, erinnerte er an das Fehlen einer Stadtbibliothek. Das sei einzigartig in Europa, zumindest der Bund könnte diesen Missstand beheben.
Winklers Appell: Sollten die kritisierten Zustände in Kärnten andauern, sollten die Unzufriedenen auf die Straße gehen: “Wir wollen diesen Terror nicht mehr.” Und passt es den Verantwortlichen nicht, “dann sollen sie abhauen. Dann sollen sie sich einen Hubschrauber buchen”, so Winkler. “Es kommt bestimmt Besseres nach.”
9. August 2009 von haftgrund | 1 Kommentar
Im dieswöchigen “Album” des Standards wird auf die Publikation der Klagenfurt-Rede Josef Winklers im Suhrkampverlag hingewiesen und ein wenig daraus zitiert. Da darin die Stadtbibliothek von Klagenfurt/Celovec vorkommt bzw. die Nicht-Existenz einer solchen, habe ich die Rede gegoogelt – und siehe da, auf Wunsch des Autors, wie auf der Homepage des Klagenfurter Lesebewerbs mitgeteilt wird, sei der Wortlaut der Rede wieder gelöscht worden. In der Presse gibt es nur eine 404-Fehlermeldung.
Seltsam, für das Halten der Rede hat Josef Winkler sicher Geld bekommen. Für die Publikation wird er wieder Geld kriegen. Die Rede ist öffentlich gehalten worden, hat eine gewisse politische Brisanz und war in etlichen Online-Medien abrufbar.
Nach dem Willen des Autors soll sie künftig aber nur noch käuflich erwerbbar sein, wobei ja nichts gegen eine Publikation und den daraus fließenden Einnahmen zu sagen ist. Allerdings ist diese Rede durch ihren Inhalt und durch die darauf folgende öffentliche Diskussion in gewisser Weise “vergesellschaftet” worden und soll nun “privatisiert” werden. Cash as cash can.
Hier die leicht gekürzte Stelle mit der fehlenden Stadtbibliothek:
Diese Stadt Klagenfurt, die sich seit über dreißig Jahren, jährlich im Juni, in der Zeit der Lindenblüte, als deutschsprachige Literaturhauptstadt feiern lässt, ist wohl die einzige Stadt Mitteleuropas mit 100.000 Einwohnern, in der es keine eigene Stadtbibliothek gibt. (…) Das gigantische Stadion, das für drei Europameisterschaftsspiele gebaut wurde, hat über 70 Millionen Euro, also eine Milliarde Schilling gekostet, und der Villacher Steuerberater hat für seine zwei Monate lange mündliche Beratung, 6 Millionen Euro, also 84 Millionen Schilling, eingestreift. Aber für eine Stadtbibliothek in der Landeshauptstadt, wie es sie in jeder Stadt Mitteleuropas gibt, hatten die erwähnten Politiker1) in den letzten Jahren, und eigentlich seit dieser Literaturwettbewerb existiert, kein Geld. Sie haben kein Geld für eine Bibliothek für Kinder und Jugendliche. Sie haben kein Geld für Bücher. Sie haben kein Geld für die Bücher von Ingeborg Bachmann. Sie haben kein Geld für den “Guten Gott von Manhattan”. Sie haben kein Geld für die “Anrufung des Großen Bären“. Sie haben kein Geld für “Die gestundete Zeit“. Sie haben kein Geld für “Malina“, für “Das dreißigste Jahr“. Seit über dreißig Jahren haben sie kein Büchergeld für die Jugend dieser österreichischen Stadt!
Beim Nachschauen im BVÖ scheinen übrigen 5 Büchereien bzw. Bibliotheken in Klagenfurt/Celovec auf.
Drei sind Kleinstbüchereien, von denen die eine eine Pfarrbücherei ist, die anderen zwei in Klagenfurt-Umgebung angesiedelt sind. Eine große mit über 80.000 Medien ist die Arbeiterkammer-Bibliothek (knapp 10.000 Medien sind Kinderbücher) und die größte Bibliothek mit über 120.000 Medien (28.000 davon Kinderliteratur) ist die “Slovenska studijska knjiznica/Slowenische Studienbibliothek“.
Man sieht, wo in Kärnten der Geist wohnt … Und wo nicht.
Klagenfurt/Celovec hatte übrigens von 1945 bis 1973 SP-Bürgermeister, bis 2009 solche von der ÖVP und nunmehr ist wieder an die Tradition vor 1945 angedockt worden: Seit den diesjährigen Wahlen gibt es einen Bürgermeister aus der Haider-Gebetsliga-Partei, dem BZÖ.
5. August 2009 von haftgrund | kein Kommentar
heißt es in einer weiteren Ausgabe der Serie “Büchereizweigstellen, heiter betrachtet“. Beim Anklicken auf die Zweigstellenlinks müssen sich die Userinnen allerdings vorerst durch so Profanes wie Erreichbarkeit und Öffnungszeiten durcharbeiten, ehe sie zum eigentlichen Leseerlebnis gelangen:
“Und nicht ans Glas klopfen. Das heißt jetzt nicht, dass es verboten wäre, dem Personal mit einer Aufmerksamkeit in Schokoladeform eine Freude zu machen. Oder dass sie nicht ans Fenster klopfen dürfen, wenn draußen die Liebe Ihres Lebens an einer fremden Hand vorbeispaziert. Nein, nicht füttern dürfen Sie die zwei afrikanischen Riesenschnecken, die sich im Terrarium räkeln, an das Sie nicht klopfen dürfen. Gesichtsausdruck ist beim Betrachten grundsätzlich jeder erlaubt – zumal Sie hier ja nicht zwei ganz alltägliche Bücherei-Haustiere vor sich haben.
Schuld daran, dass es bei uns zuweilen etwas eng wird, sind allerdings nicht die Schnecken (so riesig sind sie auch wieder nicht). Vielmehr kann diese Zweigstelle … usw.“
27. Juli 2009 von haftgrund | kein Kommentar
Im aktuellen Geo wird gefragt: “Was werden wir morgen lesen? Die digitale Kulturrevolution und was sie verändern wird”. Es wird unter anderem auch ein Bild der Bücherei in Alaverdi in Armenien gezeigt, wo die Digitalisierung noch nicht mit voller Wucht hereingebrochen ist, sondern auf bewährte Muskelkraft und uraltes Bibliothekarinnengedächtnis vertraut wird.

5. Juli 2009 von haftgrund | kein Kommentar
Dieser in einem Mailverteiler gefundene Reisebericht über die Amsterdamer Central Bibliotheek hat mit einem anderen, in einem Blogbeitrag gefundenen das eine gemein, dass diese größte Bibliothek Europas unterm Strich weder mit dem Flair der Bibliothek in Krefeld noch mit der Tiefe und der Mission der Wiener Hauptbücherei konkurrieren kann.
Ein eher unerwartetes Ergebnis, welches allerdings den Vorzug hat, dass es den Geld zu gebenden Instanzen unter dem Stichwort “lieber kleiner aber tiefer” eine budgetschonende Argumentation bei künftigen Bibliotheksausgaben vorlegt.
Man geht durch dieses 28 000 qm große Haus und ist zunächst von der Weite der Bibliotheksebenen , von der Sicht auf die Amsterdamer Hafenbucht und auf die Stadt, vom bis ins kleinste Detail durchgestylte Haus sprachlos gemacht vor Bewunderung.
Beim zweiten Besuch schaut man dann schon genauer hin und sieht,
- dass fast alle der 600 Internetplätze besetzt sind,
- dass auf den 7 Ebenen der Bibliothek in den vielen geschmackvoll ausgesuchten Sitzmöbeln
- aber relativ wenig Leute sitzen.
Das erklärt man sich mit 26 Grad und herrlichem Sonnenschein in Amsterdam.
Die Besucherzahlen für das 28 000 qm Haus :
- 5000 unter der Woche,
- 7000 am Samstag und Sonntag,
erscheinen auf den ersten Blick viel, auf den zweiten Blick in Relation gesetzt zu den Quadratmetern und Öffnungszeiten und BesucherInnenzahlen der Wiener Hauptbücherei, ist das gar nicht mehr viel.
Wir machen mit
- deutlich weniger Öffnungszeiten,
- deutlich weniger Fläche,
- deutlich weniger Arbeits- und Internetplätzen
3000 Besucherinnen pro Tag. (Samstag ist nicht vergleichbar, die Central Bibliotheek hat auch am Samstag 12 Stunden offen, wir haben 6 Stunden offen)
Wenn man die Aktivitäten anschaut, die inhaltlichen Angebote neben dem Medienbestand (mit dem weniger Entlehnungen erzielt werden als in der Hauptbücherei in Wien), dann fehlt es mir hier an Tiefe.
D.h. die Bibliothek in Amsterdam
- zeigt einerseits richtig vor, dass das Verhältnis zwischen Regalen/Medien und Arbeitsplätzen in Zukunft zugunsten der Arbeitsplätze geändert werden muss,
- die Bibliothek in Amsterdam zeigt richtig vor, dass umfangreiche Öffnungszeiten per se ein interessantes Angebot der Bibliothek sind (einem Faktum, das auch in Zukunft nicht ignorieren werden können/sollten),
aber:
- in der Tiefe der inhaltlichen Angebote für die NutzerInnen,
- in der Mission
hat diese Bibliothek große Defizite, die wir nicht haben.
Und dass das so ist, ist Eurer/Ihrer Arbeit zu verdanken, die dafür sorgt,
- dass wir einen Medienbestand haben, der keinen Vergleich zu scheuen braucht,
- dass wir im Großen und Ganzen ein sehr gutes KundInnenservice haben,
- ein sehr gutes Beratungsangebot an den Infotheken,
- tolle Veranstaltungen für Kinder und Erwachsene,
- sehr gute Kooperationen mit vielen Einrichtungen und Institutionen in der Stadt
- und viele Menschen im Team die an einem Strang ziehen und sich auch gegenseitig stützen, wenn es nötig ist. (ein Klima, das auch nicht überall gegeben ist)
28. Juni 2009 von haftgrund | 1 Kommentar
Offenbar werden in den Wiener Büchereien die auf der Büchereien-Homepage befindlichen Texte zu den einzelnen Zweigstellen einer Revision unterzogen. Da diese Texte von den jeweiligen Teams ohne sonderliche Vorgaben und je nach literarischer Ader so oder naja so gestaltet worden waren, ein durchaus sinnvolles Unterfangen.
Möglicherweise wäre es noch sinnvoller gewesen, sich zu fragen, ob man diesen Platz statt mit launigen Büchereibeschreibungen mit jenen Informationen füllt, weswegen die BenutzerInnen die Zweigstelle anklicken, also Öffnungszeiten, Kontaktmöglichkeiten, Medienschwerpunkte … und dann erst Stuff für den Büchereientexte-Fanclub bereitzustellen. Und nicht umgekehrt wie jetzt, wo man sich richtig hinunterlesen muss, um zur Info zu gelangen.
Hier einige Auszüge der ersten Ergebnisse des literarischen Relaunches:
Rätselrallye
Wenn man die Brünner Straße vom Franz-Jonas-Platz stadtauswärts und in den Hof in den Floridsdorfer Markt hineingeht, findet man dort keine Bücherei-Beschilderung, obwohl da eine Bücherei ist.
Luxuskeller
Fangen wir unten an: Wir haben einen Keller!
Wir geben es zu: Dieser Keller ist – wenn man von seinem behindertenfeindlichen Zugang absieht – der pure Luxus.
Aber Bescheidenheit ist angesichts der Entwicklung im umliegenden Stadtgebiet – Leitmotiv „Klotzen statt Kleckern“ – nicht angebracht.
Niederschwellig
Obwohl wir unsere BesucherInnen gern mit gut geputzten Fensterscheiben beeindrucken, möchten wir Ihnen in Hinkunft die harte Probe aufs allzu durchsichtige Exempel ersparen; daher wurde auch der Glaseingang mit einer Folie beklebt – auf dass wir Sie durch den offenen Teil des Eingangs und ohne Beule am Kopf willkommen heißen dürfen.
Klogeschichte
Damals wussten die Architekten auch noch, wie man schöne helle Räume gestaltet. Was die damals nicht wussten, ist, dass der ideale Zugang zur Toilette nicht durch Büro und Sozialraum führt.
Aber Sie kommen in erster Linie ja nicht zu uns, um die Toilette zu besuchen.
Never ending Nudelsuppe
… reputabel. Das ist ein Fremdwort,
das scheußlich klingt, aber eine brauchbare Überleitung dazu ist,
dass wir bei fremdsprachigen Büchern
auch nicht auf der Nudelsuppe
dahergeschwommen kommen.
Diese Wortschöpfung ist nun wiederum sehr billig,
aber auch sehr österreichisch und als solche
willkommen, um darauf hinzuweisen, dass wir auch im Österreichischen
recht firm sind. „Firm“ ist nun wiederum ….
Alle Texte auf einen Blick.