Alle Beiträge mit dem Tag ‘Büchereien’

Bibliothek dreht Klimaanlage ab

“Drinnen quirlen zwei Ventilatoren die stickige Luft zwischen den Marmorsäulen. Die Klimaanlage, eigentlich nicht wegzudenken aus schwülheißen Ostküstensommern, läuft nur im Lesesaal mit den Kinderbüchern. Die Bibliothek muss Strom sparen.” (Der Standard)

Zum Glück ersparen wir in den Wiener Büchereien uns so eine Sparmaßnahme, weil es eh keine Klimaanlagen in den Zweigstellen gibt. Die Hauptbücherei hat zwar eine. Doch die wurde aus Ersparnisgründen zu klein dimensioniert. Wer dafür das Goldene Dienstsparschwein gekriegt hat, ist nicht bekannt, fällt wohl auch unter die Magistratsburka.



Hitze, Dreck und die Magistratsburka

Heiß, heißer, 13A

derStandard.at war zwei Stunden zur Mittagspause mit einem Thermometer in Wiener Öffis unterwegs – Eine schweißtreibende Reportage

Vielleicht wäre auch eine Rundreise durch die Büchereien ein lohnendes Reportageziel. In der Bücherei Erdbergstraße beispielsweise hat es seit Tagen 32°, in der Bücherei Schwendermarkt wird es wohl mehr haben, weil die ja eine Glaskuppel besitzen. Diese hat es auch früher gegeben. Vor dem Umbau vor ein paar Jahren wurde aber versprochen, dass es nach dem Umbau keinen kuppeligen Hitzestau und keine direkte Mittagssonneneinstrahlung auf das Verbuchungsgeviert und damit auf die Köpfe der BibliothekarInnen geben werde. War jedoch gelogen.
Bis auf einige Büchereien in alten Gemeindebauten dürften so ziemlich alle anderen Büchereien durch die Kombination aus Architektenschwachsinn und Magistratssparstift auf Kosten von Bediensteten und BenutzerInnen in den Hitzetagen unzumutbare Temperaturen und Kleinklima (stehende, stickige, zum teil übel riechende Luft) haben.
In manchen Fällen würden einige, verhältnismäßig wohlfeile bauliche Maßnahmen helfen, wie Außenjalousien oder Durchlüftungsmöglichkeiten über Nacht. Seit Jahren geschieht aber nichts dergleichen, wie auch nichts dagegen passiert, dass die Büchereien nach und nach verdrecken, weil dem Reinigungspersonal die Reinigungszeit bis um die Hälfte gekürzt wurde.
Alle Zuständigen aber verschwinden unter der großen magistratischen “Verantwortungs- und Zuständigkeitsburka” aus denen ihre Augen bedauernd blitzen.


Der wichtigste Programmpunkt

Wiesbadener Tagblatt – Zwischenstopp auf dem Weg zur Bibliothek

Herbert Messer. Er beginnt jeden seiner Tage in der Snäckeria. Fast jeden! Denn wenn‘s besonders schön ist, fängt der Tag des Ruheständlers mit einem Besuch im Schwimmbad Kleinfeldchen an – ganz ohne Frühstück. (…)
Der Besuch in der Bäckerei Klein ist für ihn nur ein Zwischenstopp. Der wichtigste Programmpunkt eines jeden Vormittags ist für Herbert Messer der Besuch der Landesbibliothek. Dort nimmt er sich nach und nach die Ausgaben der Tagespresse vor. Warum? „Man muss doch informiert bleiben.“


Koma-Forschen

“Koma-Texten”: SMS-Schreiben soll krank machen « DiePresse.com

Eine australische Forscherin hat jetzt zahlreiche Krankheitsbilder entdeckt, die vor allem Teenager beim SMS-Texten heimsuchen können: Textaphrenie, post-textisches Stresssyndrom, “Tangst”gefühle (aus Text und Angst) und Koma-Texten, wie Jennie Caroll, Dozentin für Projektmanagement in Melbourne, am Mittwoch in Rundfunk berichtete.

Diese bemerkenswerte Ergebnisse australischen Forscherinnenschweißes korrespondieren mit meinen langjährigen Privatermittlungen im bibliothekarischen Bereich:

Mahngst = Angst vor Mahngebühren
Präbibliotisches Stresssyndrom = Angst davor, dass die Bücherei gerade dann nicht offen hat, wenn die verspäteten Medien zurückgebracht werden.
Posttraumatischer Erwartungskoller = Unbezwingbare, somatisch identifizierbare (Schüttelfrost) Angst, dass die Post die 3. Mahnung mit Drohung der gerichtlichen Mahnklage bringt.
Astralmediales Trotzsyndrom = tourettemäßig auftretende Beteuerungsabfolgen, dass das gemahnte Medium nie und nimmer entliehen worden sei.

Dass hier nur Symptome aus dem LeserInnengut-Bereich der bibliothekischen Schnittstellen genannt werden, und das weite und tiefe Feld bibliothekarischer Verhaltensauffälligkeiten hier absichtlich ausgespart bleibt, hängt damit zusammen, dass sich die BibliothekarInnenforschung nicht einig werden kann, was bei dieser Berufungsgruppe zu den Bugs oder zu den Features zählt.


Bücherei darf nicht rot werden, weil sie früher braun gewesen ist

Bücherei-Anstrich muss noch warten

Die Rotarier hatten auf Eigeninitiative und ihre Kosten den Altenstadter Künstler Paul Ressl junior mit der Neuplanung der Bücherei-Außenfassade beauftragt, die der Club finanzieren würde. Ressl hatte mehrere Vorschläge abgegeben, von denen einer eine rote Fassade mit aufgemalten Zitaten aus bekannten Meisterwerken der Literatur enthielt und in einer zurückliegenden Bauausschuss-Sitzung genehmigt wurde.

Einziger Haken an der Sache: Da die Bücherei früher ein Heim der Hitlerjugend war, müsse man von der Denkmalschutzbehörde prüfen lassen, ob es sich nicht um ein sogenanntes Einzeldenkmal handele.

Eigentlich unglaublich. Uneigentlich auch.


Haare kürzen, Bildung bringen

“Eine Woche vor seinem 80. Geburtstag war es für den Xantener Kinderbuchautor Willi Fährmann eine Ehrensache, zur Eröffnung der Moerser Grundschule, die seinen Namen trägt, anzureisen und vorzulesen. Er las aus seinen Erinnerungen, wie er als Kind zum Lesen kam. Ein Arbeitsloser, der regelmäßig zu Hause in der Küche den Kindern die Haare schnitt, leitete ehrenamtlich die Bücherei in der Kirche und brachte immer neue Bücher mit, auch einige, die von den Nationalsozialisten verboten waren und im Kleiderschrank versteckt wurden.”

Quelle: http://www.rp-online.de/niederrheinnord/moers/nachrichten/moers/Schwungvoller-Start_aid_794677.html


Für Wiener Leser ausgesucht: gratis mit Relevanz.

Das “echo medienhaus“, jene Gesellschaft mit beschränkter Haftung, über deren bis in die Eingeweide der Wiener SPÖ gehende Verstrickung nicht nur das Datum was zu sagen hatte, bewirbt die diesjährige Buch-ins-Volk-Aktion folgendermaßen:

“Das Buch ist allerdings kein x-beliebiges Buch, sondern ein von einem Team des echo medienhauses zusammen mit dem Wiener Bürgermeister eigens für Wiener Leser ausgesuchtes. Das Gratisbuch hat also immer Relevanz für Wien”

Genau so hat es auch Klaus Nüchtern im Falter 46/09 beschrieben. Allerdings mit einer etwas anderen Akzentsetzung:

“Bürgermeister Häupl, Echo-Geschäftsführer Christian Pöttler und Wien live-Herausgeber Helmut Schneider einigen sich auf einen populären, seit Jahren als Taschenbuch auf dem Markt befindlichen Titel, um diesen in einer Auflage von 100.000 Stück und einer hässlicher und billiger gestalteten Ausgabe aufzulegen, die innerhalb von zwei Tagen vergriffen ist.”

Relevant für Wien und seinen maskulin generierten Lesern also. “Zart anfeudalisierte Eventisierung von Literatur” nennt das K.N.

Und der Bibliothekar einer der gut versteckt gelegenen und daher vom “Lesergut” im Allgemeinen weniger frequentierten Büchereien findet angesichts des jährlichen Nicht-LeserInnenansturms zu folgender unbibliothekarischen Ausdrucksweise: “kaum gibts was gratis, finden die Trotteln plötzlich unsere Hütte…”

Die Wahrheit liegt, wie so oft, irgendwo, aber nicht dazwischen.


Zum Lesen geboren

Leseförderung: Kinderärzte verleihen Bücher:

Menden. In Italien ist das Leseförderprojekt „Nati per Leggere” bereits seit 1999 in den Alltag der Büchereien, Kinderärzte und Eltern integriert. Nun bringt das aus Italien stammende Ehepaar Maria Anna und Giuseppe Giambusso die Aktion „Zum Lesen geboren” nach Menden.
In Unna engagiert sich das Ehepaar Giambusso bereits seit 2005 für ein verstärktes Interesse von Vorschulkindern an Büchern. Eine Schlüsselrolle im Förderprojekt spielen sowohl die Dorte-Hilleke-Bücherei als auch die drei heimischen Kinderärzte Dr. Michael Berndt, Dr. Thomas Dücker und Dr. Piotr Myslak. Das Konzept ist einfach und einzigartig in Deutschland: Die Kinderärzte geben den Eltern Bücher mit nach Hause, die Eltern geben diese nach dem Vorlesen wieder in der Bücherei ab.

Quelle: http://www.derwesten.de/nachrichten/staedte/menden/2009/11/8/news-140067180/detail.html


Wohnzimmerbücherei. Modernst.

Anlässlich der Neueröffnung einer Bücherei packt der Öffentlichkeits-Bearbeitungsbereich der Bildungs- und Jugendabteilung der Stadt Wien wieder einmal seine sprachliche Toolbox (Korrekturlesen ist was für Warmduscher) aus. Unangefochten von stilistischen Bedenken widmen sich die Textgestalterinnen der Aufgabe, darüber hinwegzuschreiben, dass in einem der einwohnerreichsten Bezirke Wiens keine Großbücherei existiert. Und weil die Stadtpolitik nicht bereit ist, weitblickend zu planen, sind die Büchereien gezwungen, aus der Not eine Tugend zu machen und – wie im Falle der ziemlich kleinen und verkehrstechnisch ungünstig gelegenen Bücherei Hasengasse – wegen gebäudetechnischer Gebrechen eine Rundumerneuerung im Kleinen zu versuchen, um das Innere der Bücherei luftiger und attraktiver zu gestalten. Dies scheint recht gut gelungen zu sein, allerdings bleibt das Manko der den heutigen Anssprüchen nicht mehr genügenden Kleinräumigkeit.
Dieser Bug wird in der Aussendung der Rathauskorrespondenz aber zum Feature definiert:

” … Spektrum an Medien zur Verfügung, das sie in der neu renovierten Zweigstelle in Wohnzimmeratmosphäre konsumieren können”

Wem das Angebot, in einem Wohnzimmer ein Spektrum konsumieren zu müssen, aber eher als gefährliche Drohung denn als Einladung zu einem Büchereibesuch erscheint, den ereilt ein anderer Lockruf:

“des insgesamt 39 Zweigstellen umfassenden Netzwerks”

Dies hat den Vorteil, dass Netzwerk immer irgendwie stimmt und vielfach den Büchereien nicht zugetraut wird, dass sie sich der gängigen technischen Mittel bedienen. Also möglicherweise neugierig macht. Um aber einer Verwechslungsgefahr mit dem Handwerkszeug eines alten Fischers vorzubeugen, wird noch ein “modernst” draufgesetzt:

  • mit modernster Technologie ausgestattet
  • auf modernste Büchereiarbeit ausgerichtet
  • niederschwelligen Zugang zu Büchern wie auch zu modernsten Technologien zu ermöglichen

Zum “modernst” dazugepappt gehört natürlich das angeberische “Technologie“, wenn eigentlich Technik gemeint ist.
Wenn nun diese modernste Technologie  “ein [in Ziffern: 1] PC-Arbeitsplatz mit Internetzugang” ist, dann steht zu befürchten, dass selbst modernste Büchereiarbeit nur einen eher unterschwelligen Zugang zu modernsten Technologien ermöglicht und die “hohe Akzeptanz der Zweigstelle bei den KundInnen” (bislang weit unter tausend Besucherinnen pro Monat) nicht entschieden gesteigert werden kann.

Fazit:
Natürlich tun hier wie in den anderen Zweigstellen die Bibliothekarinnen ihr Bestes und werden es weiter tun. Doch der Wirkungsgrad wird notgedrungen bescheiden bleiben, weil die Stadt nicht die notwendigen Mittel bereitstellt, um die

“Sicherstellung von flächendeckenden, bedarfs- sowie stadtteilorientierten und lebensbegleitenden Bildungs- und Freizeitangeboten für die Bevölkerung in Wien”

zu gewährleisten, wie es in der Aufgabendefinition der den Büchereien überstülpten Magistratsabteilung heißt.


Büchereien online nun auch mit Gebärdensprachevideos

Als eine der ersten Bibliotheken im deutschsprachigen Raum bieten die Büchereien Wien die wichtigsten Benützungsinformationen auch in Gebärdensprache an. Durch auf der Homepage abrufbare Gebärdensprachvideos, die in Zusammenarbeit mit equalizent, dem Qualifikationszentrum für Gehörlosigkeit, Gebärdensprache, Schwerhörigkeit und Diversity Management hergestellt wurden, bekommen gehörlose und hörgeschädigte Menschen die Möglichkeit, sich in ihrer Sprache ein Bild von dem vielfältigen Angebot der Büchereien Wien zu machen. Dieses beinhaltet auch viele Medien, die gehörlose Menschen beim Erwerb von Lesekompetenz und beim Erlernen der deutschen Schreibsprache unterstützen.

Quelle: Rathauskorrespondenz


 
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