Alle Beiträge mit dem Tag ‘Büchereien’

Haare kürzen, Bildung bringen

“Eine Woche vor seinem 80. Geburtstag war es für den Xantener Kinderbuchautor Willi Fährmann eine Ehrensache, zur Eröffnung der Moerser Grundschule, die seinen Namen trägt, anzureisen und vorzulesen. Er las aus seinen Erinnerungen, wie er als Kind zum Lesen kam. Ein Arbeitsloser, der regelmäßig zu Hause in der Küche den Kindern die Haare schnitt, leitete ehrenamtlich die Bücherei in der Kirche und brachte immer neue Bücher mit, auch einige, die von den Nationalsozialisten verboten waren und im Kleiderschrank versteckt wurden.”

Quelle: http://www.rp-online.de/niederrheinnord/moers/nachrichten/moers/Schwungvoller-Start_aid_794677.html


Für Wiener Leser ausgesucht: gratis mit Relevanz.

Das “echo medienhaus“, jene Gesellschaft mit beschränkter Haftung, über deren bis in die Eingeweide der Wiener SPÖ gehende Verstrickung nicht nur das Datum was zu sagen hatte, bewirbt die diesjährige Buch-ins-Volk-Aktion folgendermaßen:

“Das Buch ist allerdings kein x-beliebiges Buch, sondern ein von einem Team des echo medienhauses zusammen mit dem Wiener Bürgermeister eigens für Wiener Leser ausgesuchtes. Das Gratisbuch hat also immer Relevanz für Wien”

Genau so hat es auch Klaus Nüchtern im Falter 46/09 beschrieben. Allerdings mit einer etwas anderen Akzentsetzung:

“Bürgermeister Häupl, Echo-Geschäftsführer Christian Pöttler und Wien live-Herausgeber Helmut Schneider einigen sich auf einen populären, seit Jahren als Taschenbuch auf dem Markt befindlichen Titel, um diesen in einer Auflage von 100.000 Stück und einer hässlicher und billiger gestalteten Ausgabe aufzulegen, die innerhalb von zwei Tagen vergriffen ist.”

Relevant für Wien und seinen maskulin generierten Lesern also. “Zart anfeudalisierte Eventisierung von Literatur” nennt das K.N.

Und der Bibliothekar einer der gut versteckt gelegenen und daher vom “Lesergut” im Allgemeinen weniger frequentierten Büchereien findet angesichts des jährlichen Nicht-LeserInnenansturms zu folgender unbibliothekarischen Ausdrucksweise: “kaum gibts was gratis, finden die Trotteln plötzlich unsere Hütte…”

Die Wahrheit liegt, wie so oft, irgendwo, aber nicht dazwischen.


Zum Lesen geboren

Leseförderung: Kinderärzte verleihen Bücher:

Menden. In Italien ist das Leseförderprojekt „Nati per Leggere” bereits seit 1999 in den Alltag der Büchereien, Kinderärzte und Eltern integriert. Nun bringt das aus Italien stammende Ehepaar Maria Anna und Giuseppe Giambusso die Aktion „Zum Lesen geboren” nach Menden.
In Unna engagiert sich das Ehepaar Giambusso bereits seit 2005 für ein verstärktes Interesse von Vorschulkindern an Büchern. Eine Schlüsselrolle im Förderprojekt spielen sowohl die Dorte-Hilleke-Bücherei als auch die drei heimischen Kinderärzte Dr. Michael Berndt, Dr. Thomas Dücker und Dr. Piotr Myslak. Das Konzept ist einfach und einzigartig in Deutschland: Die Kinderärzte geben den Eltern Bücher mit nach Hause, die Eltern geben diese nach dem Vorlesen wieder in der Bücherei ab.

Quelle: http://www.derwesten.de/nachrichten/staedte/menden/2009/11/8/news-140067180/detail.html


Wohnzimmerbücherei. Modernst.

Anlässlich der Neueröffnung einer Bücherei packt der Öffentlichkeits-Bearbeitungsbereich der Bildungs- und Jugendabteilung der Stadt Wien wieder einmal seine sprachliche Toolbox (Korrekturlesen ist was für Warmduscher) aus. Unangefochten von stilistischen Bedenken widmen sich die Textgestalterinnen der Aufgabe, darüber hinwegzuschreiben, dass in einem der einwohnerreichsten Bezirke Wiens keine Großbücherei existiert. Und weil die Stadtpolitik nicht bereit ist, weitblickend zu planen, sind die Büchereien gezwungen, aus der Not eine Tugend zu machen und - wie im Falle der ziemlich kleinen und verkehrstechnisch ungünstig gelegenen Bücherei Hasengasse - wegen gebäudetechnischer Gebrechen eine Rundumerneuerung im Kleinen zu versuchen, um das Innere der Bücherei luftiger und attraktiver zu gestalten. Dies scheint recht gut gelungen zu sein, allerdings bleibt das Manko der den heutigen Anssprüchen nicht mehr genügenden Kleinräumigkeit.
Dieser Bug wird in der Aussendung der Rathauskorrespondenz aber zum Feature definiert:

” … Spektrum an Medien zur Verfügung, das sie in der neu renovierten Zweigstelle in Wohnzimmeratmosphäre konsumieren können”

Wem das Angebot, in einem Wohnzimmer ein Spektrum konsumieren zu müssen, aber eher als gefährliche Drohung denn als Einladung zu einem Büchereibesuch erscheint, den ereilt ein anderer Lockruf:

“des insgesamt 39 Zweigstellen umfassenden Netzwerks”

Dies hat den Vorteil, dass Netzwerk immer irgendwie stimmt und vielfach den Büchereien nicht zugetraut wird, dass sie sich der gängigen technischen Mittel bedienen. Also möglicherweise neugierig macht. Um aber einer Verwechslungsgefahr mit dem Handwerkszeug eines alten Fischers vorzubeugen, wird noch ein “modernst” draufgesetzt:

  • mit modernster Technologie ausgestattet
  • auf modernste Büchereiarbeit ausgerichtet
  • niederschwelligen Zugang zu Büchern wie auch zu modernsten Technologien zu ermöglichen

Zum “modernst” dazugepappt gehört natürlich das angeberische “Technologie“, wenn eigentlich Technik gemeint ist.
Wenn nun diese modernste Technologie  “ein [in Ziffern: 1] PC-Arbeitsplatz mit Internetzugang” ist, dann steht zu befürchten, dass selbst modernste Büchereiarbeit nur einen eher unterschwelligen Zugang zu modernsten Technologien ermöglicht und die “hohe Akzeptanz der Zweigstelle bei den KundInnen” (bislang weit unter tausend Besucherinnen pro Monat) nicht entschieden gesteigert werden kann.

Fazit:
Natürlich tun hier wie in den anderen Zweigstellen die Bibliothekarinnen ihr Bestes und werden es weiter tun. Doch der Wirkungsgrad wird notgedrungen bescheiden bleiben, weil die Stadt nicht die notwendigen Mittel bereitstellt, um die

“Sicherstellung von flächendeckenden, bedarfs- sowie stadtteilorientierten und lebensbegleitenden Bildungs- und Freizeitangeboten für die Bevölkerung in Wien”

zu gewährleisten, wie es in der Aufgabendefinition der den Büchereien überstülpten Magistratsabteilung heißt.


Büchereien online nun auch mit Gebärdensprachevideos

Als eine der ersten Bibliotheken im deutschsprachigen Raum bieten die Büchereien Wien die wichtigsten Benützungsinformationen auch in Gebärdensprache an. Durch auf der Homepage abrufbare Gebärdensprachvideos, die in Zusammenarbeit mit equalizent, dem Qualifikationszentrum für Gehörlosigkeit, Gebärdensprache, Schwerhörigkeit und Diversity Management hergestellt wurden, bekommen gehörlose und hörgeschädigte Menschen die Möglichkeit, sich in ihrer Sprache ein Bild von dem vielfältigen Angebot der Büchereien Wien zu machen. Dieses beinhaltet auch viele Medien, die gehörlose Menschen beim Erwerb von Lesekompetenz und beim Erlernen der deutschen Schreibsprache unterstützen.

Quelle: Rathauskorrespondenz


Bibliothekarin und Personalvertreterin

Im Augustin, Wiens Straßenzeitung gibt es einen Artikel in der Rubrik “Lokalmatador” über eine Bibliothekarin, die seit fast 40 Jahren in einer Bücherei im 2. Bezirk arbeitet. Es beginnt quasi nostalgisch:

“Maria Hirsch leitet die städtische Bücherei in der Zirkusgasse Nr. 3. Sie begann hier im September 1970, wenige Wochen nach der Matura. Brasilien war Weltmeister im Fußball. Bruno Kreisky schon Weltmeister der Sozialdemokraten. Und auch ihr Vater, der Industriearbeiter, der mit seiner Frau und seinen drei Töchtern der Arbeit quer durch Niederösterreich gefolgt war, gab sich mit der Welt zufrieden: Schön, dass es auch seine Maria zu etwas bringen wollte.”

Im Artikel wird weiters darüber berichtet, dass diese Bibliothekarin auch Personalvertreterin ist und sich als solche mehr zu sagen trauen kann, als andere Bedienstete (legendär ist ihr Schreiduell im Rathaus mit der Stadträtin, als diese eine Unterschriftenaktion in den Büchereien untersagt hatte), und dies auch im Interview unter Beweis stellt:

“Wenig Freude hat sie heute auch mit jenen Vorgesetzten, die zu den Lesern „Kunden“ sagen und dabei nicht merken, wie sie den neoliberalen Kurs mittragen.
Heute ärgert sie sich über jenen Kommunikationsoffizier der MA 13, den man ihr aus der Zentrale als Interview-Wächter geschickt hat. Was wird er wohl dem Amt für positive Berichterstattung berichtet haben? Wurscht.”

Dieses “wurscht” kann als fast typisch für Maria Hirsch bezeichnet werden, wenn die Frage auftaucht: “Dürfen wir das überhaupt? Und was werden die Vorgesetzten sagen?” - egal, ob es sich um Angelegenheiten der Bücherei oder um Personalvertretungsaktivitäten handelt. Die Vorgesetzten war nicht immer amused und ohne ihre Funktion als Personalvertreterin wäre sie in all den Jahren schon mehrfach “abgeschossen” worden, wenn die Abteilung nicht einen Aufstand innerhalb der Kolleginnenschaft und auch der Personalvertretung befürchten hätte müssen.
So auch bei der “Schmutzigen Geschichte” (siehe Links), bei der der Abteilungsleiter, dem sie eine Offene Mail geschickt hatte, erbost feststellte: “Generell kann ich Ihrem Schreiben nicht entnehmen, ob mir eine Personalvertreterin oder eine Büchereileiterin schreibt.”

Im Augustin-Interview nimmt sie nur kurz Bezug auf diese Auseinandersetzung, indem sie von Entscheidungen der Vorgesetzten berichtet, die sie nicht mittragen könne:

“Die „Ausbeutung der Putzfrauen“ sei so eine Entscheidung. Berichtet Hirsch mit funkelnden Augen. (Und man kann sich dabei ungefähr ausmalen, wie sie der einst mächtigen Stadträtin die Stirn bot.) Es sei eine Frechheit, mit wie wenig Geld die Schwächsten in der Hierarchie abgefertigt werden: „Gerade von einer Stadt wie Wien sollte man etwas Anderes erwarten.“

Nächstes Jahr wird Maria Hirsch wieder für die Personalvertretung kandidieren - Bibliothekarin und Personalvertreterin, eine untrennbare Einheit.


Deutsch für Ausländer Inländer


Google in der Wissensgesellschaft. Ruppig aber segensreich.

Dieser erfrischende Artikel aus dem Handelsblatt, jenseits des krokodilstränigen Wehgeschreis von Verlagsvertretern und Apostelliteraten, bringt es auf den Punkt: wollen wir mehr Zugang zu gespeichertem Wissen und zu Kulturquellen oder nicht? Sollen privatwirtschaftliche Verlage darüber bestimmen oder ist uns eine Demokratisierung der Quellen lieber?
Es geht nicht um ein Hohelied auf Google. Doch sollte nicht vergessen werden, dass Larry Page und Sergei Brin sich auch so verhalten hätten können wie jener Geschäftsmann, der mit einem von anderen entwickelten Quick and Dirty Operating System Milliardengeschäfte macht und softwaremäßig die ganze Welt abhängig zu machen versucht …

Google: Neues Leben für alte Bücher
von Thomas Knüwer

Das Ende unserer Wissensgesellschaft ist nah. Zumindest aus Sicht manches Buchverlegers. Der Grund heißt Google. Da digitalisiert der Internetriese einfach die Buchbestände der Welt. Und macht sie öffentlich. Ein Skandal. Oder?

Es ist bemerkenswert, wie honorige Literaturapostel sich in Faktenverdreherei ergehen, geht es um die Google-Buchsuche. Denn was genau tut der Web-Konzern? Er scannt Bücher ein und macht sie, aufgefächert nach Urheberrecht, durchsuchbar. So gibt es einige Bücher vollständig, andere auszugsweise und einige gar nicht. Verdient Google damit Geld? Ja. Doch behält der Konzern selbst 37 Prozent, der Rest geht an eine Gesellschaft, die das Geld unter Autoren verteilt.

Auch ein Blick auf die Art der digitalisierten Bücher ist nötig. Denn Google ist kein Raubkopierer. Der aktuelle Bestseller ist nicht in vollem Umfang lesbar. Experten schätzen, dass in US-Bibliotheken rund 40 Millionen Werke liegen. Doch nur sieben bis neun Millionen davon werden tatsächlich noch gedruckt. 23 bis 25 Millionen unterliegen dem Urheberrecht, doch produzieren die Rechteinhaber sie nicht mehr. Dieser gewaltige Berg ist nur noch in Bibliotheken oder Antiquariaten zu haben. Ist das gut für die Wissensgesellschaft?

Noch immer sträuben sich Buchverlage gegen das 21. Jahrhundert. Dabei wäre es ein Leichtes für sie, wenigstens ihre aktuellen Werke digital aufzubereiten. Ja, sie könnten gar Geld damit machen. Stattdessen ergehen sich vor allem deutsche Verlage darin, digitale Lesegeräte zum Teufelszeug zu erklären. Die vergangenen zehn Jahre, in denen das Internet zur Kulturtechnik, der iPod zum Alltag und Google Milliardenkonzern wurde, sollten klarmachen: Die meisten Menschen empfinden das digitale Zeitalter als Bereicherung. Unternehmen, die glauben, diese Technik aufhalten zu können, gehören zu den Verlierern.

Sicher ist Googles Vorgehen ruppig. Natürlich muss man sich fragen, ob der Konzern zu mächtig wird. Andererseits stünde es jedem offen, ein ähnliches Projekt zu beginnen - sogar den Verlagen selbst. Hier aber ist der Haken: Wer die Gesamtheit aller Bücher digitalisieren will, muss eine Menge Geld mitbringen. Auf mehrere Hundert Millionen Euro taxiert Google selbst den Aufwand. Und das mögen anscheinend weder Unternehmen noch Staaten auf sich nehmen.

So bleibt nur das Unternehmen, dass sich an die Digitalität angepasst hat wie kein anderes: Google. Wer dies nicht akzeptieren mag, sollte etwas Eigenes machen - oder schweigen. Denn die Möglichkeit, die ganze Literatur der Welt nach Wissen zu durchforschen, ist nicht das Ende der Wissensgesellschaft - es ist ihr Anfang.


Bücherei in widerlicher Umgebung

Jetzt wissen wir, wohin die in Klagenfurt fehlende Bücherei verschwunden ist. Holt sie da raus!

Klagenfurt (OTS) - Der Spalt im BZÖ wird immer größer, stellt heute der Klubobmann der SPÖ-Kärnten, LAbg. Herwig Seiser angesichts der sich immer öfter widersprechenden Hauptakteure Uwe Scheuch und Gerhard Dörfler fest. Nach der völlig entgegengesetzten Auffassung über den Rückbau des EM-Stadions zeige die Diskussion um das Ulrichsbergtreffen einmal mehr und in aller Deutlichkeit, dass zwischen Scheuch und Dörfler längst kein Blatt Papier sondern eine ganze Bücherei passt.

 

 

Quelle: http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20090825_OTS0207


Beharrlicher Lobbyist für Bücherei

Wieder hat Josef Winkler bei einem öffentlichen Auftritt auf die fehlende Stadtbücherei in Klagenfurt hingewiesen:

Winkler: “Verantwortliche sollen abhauen”
Winkler geriet bei seiner Rede, wie bei seiner Eröffnungsrede zum Ingeborg-Bachmann-Preis, in Rage: “Man darf nicht vergessen, dass die Stadt Klagenfurt seit vier Jahrzehnten kein Geld für Bücher hat”, erinnerte er an das Fehlen einer Stadtbibliothek. Das sei einzigartig in Europa, zumindest der Bund könnte diesen Missstand beheben.

Winklers Appell: Sollten die kritisierten Zustände in Kärnten andauern, sollten die Unzufriedenen auf die Straße gehen: “Wir wollen diesen Terror nicht mehr.” Und passt es den Verantwortlichen nicht, “dann sollen sie abhauen. Dann sollen sie sich einen Hubschrauber buchen”, so Winkler. “Es kommt bestimmt Besseres nach.”


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