14. Mai 2009 von haftgrund | 5 Kommentare
Wenn der Bücherbus auch nicht mehr für seinen eigentlichen Zweck eingesetzt wird, als eines der Aha-Erlebnisse bei der Magistratsschau kann er offenbar immer noch dienen:
“Der Bücherbus wird am 23.5 und 24.5. auf der Leistungsschau am Rathausplatz präsent sein und ersucht um personelle Unterstützung am 24.5. in der Zeit von 10.00 – 18.00 Uhr”.
Und so wird sich der Bus ohne Haltestellen einfügen in die magistratische ERlebniswelt:
Die Reise durch Wiens Servicelandschaft mit über 50 Magistratsabteilungen und städtischen Unternehmen ist unterhaltsam, bunt, informativ und beschert sicher so manchem Wiener ein Aha-Erlebnis.
Von der Teleskopmastbühne, Infos zum Hundeführerschein, der Wasserbar und der EU Lounge geht die Reise zur Gesundheitsstraße, einem Kläranlagenmodell und den Bewegung findet Stadt Mitmachstationen – und noch schnell eine Führung durch das Rathaus – schon geht’s weiter zum zur Pflanzenschutzberatung, dem Wien Quiz, Seilspringen und Beratung zu Lebensmitteln, dem Mietbus bevor die Kinder-Baustelle besucht wird und eine Stadtrundfahrt mehr Einblick in die Bundeshauptstadt erlaubt.
Dass das Ganze rechtzeitig vor der EU-Wahl Stimmung für die Mehrheitspartei dieser Stadt machen soll, vermuten wahrscheinlich nur Miesepeter:
Gerade auch im Vorfeld der EU-Wahl wird der Fokus auf die öffentlichen Leistungen der Stadt gelegt. Denn als Stadt und Region innerhalb der EU hat sich Wien immer dafür eingesetzt, dass es nicht zu einer Privatisierung öffentlicher Leistungen kommen darf.
Dass Wien sich bei der EU gegen Privatisierungen in der EU wendet, mag stimmen, für die EU. Im eigenen Haus geht man damit um einiges lockerer zu:
Quelle: Beispiele der Privatisierung in Wien:
Sozial- und Gesundheitswesen
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Wiener Kinder- und Jugendbetreuung (Verein, der von der Stadt Wien finanziert wird und zum Beispiel für die Nachmittagsbetreuung in den Volksschulen der Stadt Wien zuständig ist)
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usw.
Weitere Beispiele
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Wiener Wohnen - 2 ausgegliederte Unternehmen: Wiener Wohnen – Hausbetreuungs GmbH, Wiener Wohnen – Außenbetreuungs GmbH (Wiener Wohnen ist eine Unternehmung der Stadt Wien)
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Auflösung der medizinisch-technischen Akademien des Krankenanstaltenverbundes und Auslagerung an die Fachhochschule campus wien
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Ausgegliederten, privatisierte Stadtwerke
Wiener Stadtwerke Holding AG mit ca. 14.500 Beschäftigten, dazu gehören zum Beispiel:
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Wien Energie GmbH zum Beispiel mit den Unternehmen
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Wienstrom,
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Wienenergie Stromnetz,
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Wienenergie Gasnetz,
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Fernwärme
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Bestattung Wien zum Beispiel mit den Unternehmen
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Wiener Linien
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und noch viele andere Unternehmen und Beteiligungen
Die (bereits in den 1970er Jahren) ausgegliederte Wienholding GmbH für die Wirtschaftsunternehmen der Stadt Wien
Zur Wienholding GmbH gehören viele Unternehmen und Tochter-Tochterunternehmen und Beteiligungen wie zum Beispiel:
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Entsorgungsbetriebe Simmering,
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Haus der Musik,
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Jüdisches Museum,
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Kabel-TV-Wien GmbH,
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Kunsthaus Wien,
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Mozarthaus,
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Schloß Laxenburg,
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Therme Wien,
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Wiener Hafen,
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Wiener StadtentwicklungsgmbH,
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Wiener Stadthalle,
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Blue Danube Schifffahrt.
20. April 2009 von haftgrund | kein Kommentar
In einer Aussendung der Rathauskorrespondenz wird einiges an Schönrederei und einiges an Desinformation aufgeboten, um das Ende des Bücherbusbetriebes vohrwahlzeitenkompatibel zu machen. Einige Beispiele:
1. Die Überschrift “Eine Institution geht in den wohlverdienten Ruhestand”
suggeriert, dass die Institution “Bücherbus” selber ausgedient hätte. In Wahrheit ist der eine Bus überaltert und hätte durch einen neuen ersetzt werden müssen und der andere war ein glatter Fehlkauf, wodurch die Arbeit der BücherbusbibliothekarInnen seit Jahren ziemlich erschwert worden ist.
Die Entscheidung für den zuständigen Stadtrat war: einen, besser zwei neue Busse kaufen und das Personal nach den Unternehmensberatungseinsparungen wieder aufzustocken oder das Ganze ex.
Es wurde ex.
Das Mitspracherecht der nach-nachgeordneten Teildienststelle Büchereien hielt sich da wohl in Grenzen wie auch ihre fachliche Meinung dazu nicht sonderlich zu interessieren brauchte.
Ob der Einsatz von Bücherbussen in einer mit Öffentlichen Verkehrsmitteln relativ gut erschlossenen Großstadt im Verhältnis zu seinen Betriebskosten Sinn macht, wurde in einem größeren Zusammenhang nie geführt, wenn man von jener dubiosen Studie des KDZ absieht, deren Ergebnis den Anfang vom Ende eines funktionierenden Bücherbusbetriebes einläutete.
2. In der Aussendung wird der Bücherbus als letzter Ausläufer einer Art von Büchereiarbeit stilisiert, die heute obsolet sei:
Schon lange dem einstigen reinen “Entlehnbetrieb” der 1950er-Jahre entwachsen, sehen sich die Büchereien Wien als Bildungsinstitution und Dienstleisterin in Fragen modernster Medien.
Hier wird ausgerechnet für jene Jahre ein “reiner Entlehnbetrieb” behauptet, in denen der Kontakt zwischen BibliothekarInnen und BenutzerInnen in den Büchereien vergleichsweise am intensivsten war, in denen wirklich noch Zeit für umfassende Beratung und oft eine individuelle Begleitung der Leseentwicklung besonders von Kindern und Jugendlichen möglich gewesen ist, wovon heute schon lange nicht mehr die Rede sein kann.
“Reiner Entlehnbetrieb” träfe in diesem Sinne in viel höherem Ausmaß auf die Praxis für die meisten der heute zu “KundInnen” mutierten BüchereibenutzerInnen zu, wobei der “Entlehnbetrieb” in RFID-Büchereien gänzlich ohne Bibliothekarskontakt ablaufen könnte, wenn die Technik so funktionierte, wie bei deren Anschaffung versprochen wurde.
Genau dieser intensivere BenutzerInnen-BibliothekarInnen-Kontakt konnte in den weniger frequentierten Bücherbushaltestellen noch gepflegt werden. Man möge dazu stehen wie man wolle.
Beim Vormittagsbetrieb – Haltestellen vor Volksschulen, die einzelnen Klassen kommen in Schichten nacheinander zum Buchtausch – kann mangels Zeit angesichts der Menge an Ausleihen dagegen eher von einem “reinen Entlehnbetrieb” gesprochen werden.
Die Alternative dazu heißt für die meisten dieser Schulklassen künftig aber “keinen Entlehnbetrieb”, da der Weg zur nächsten Zweigstelle für Schulklassen mit den aufsichtsrechtlichen Rahmenbedingungen weiter ist, als der Blick auf den Stadplan vermuten ließe.
3. Als Argument für das Überflüssigwerden von Bücherbussen wird weiters angeführt: “In der Zwischenzeit verfügen die Büchereien Wien über ein flächendeckendes Netzwerk von rund 40 Zweigstellen”
Noch vor 10 Jahren waren es über 50 Zweigstellen, da hat es auch noch Lehrlingsbüchereien und Spitalsbüchereien gegeben …
Die Reduktion der Zweigstellen außer diesen “Entkernungen” 1) der Büchereien ergaben sich zumeist aus Zusammenlegungen und damit einhergehenden Modernisierungen und Vergrößerungen von Zweigstellen – also eine durchaus positive Entwicklung.
Den minder mobilen BenutzerInnen der geschlossenen Kleinzweigstellen wurde in der Regel mit dem Hinweis auf die nächste Bücherbushaltestelle geholfen …
4. Lügen mit Zahlen: “Starke Rückgänge in den Entlehnstatistiken”
Tatsache ist:
- Die Medienentlehnungen durch Kinder entspricht in der Größenordnung jener der Stützpunktbüchereien, ist im Ranking innerhalb der Büchereizweigstellen also ganz oben angesiedelt.
- Mit Ausnahme der Hauptbücherei wurden die Bücherbusse im gesamten Zweigstellensystem von den meisten Kindern besucht, die auch etwas entlehnten.
- Neu-Anmeldungen von Kindern können die Bücherbus-BibliothekarInnen fast so viel vorweisen wie die Hauptbücherei und mehr als doppelt so viel als die stärkste Stützpunktbücherei …
Es gibt durchaus Gründe, die eher für eine Einstellung der Bücherbusse sprechen. Ein Argument ist einerseits die körperliche Belastung der MitarbeiterInnen durch die Eigenheiten des Fahrbetriebs überhaupt und durch die Bauweise der Fahrzeuge, andererseits die personelle Unterbesetzung, was bei Ausfällen von MitarbeiterInnen eine Überstundentätigkeit in einem aus gesundheitlicher Sicht unverantwortlichem Ausmaß nach sich zog. Dazu kommen organisatorische Probleme, die anscheinend nicht wirklich in den Griff zu bekommen waren.
Die finanzielle Belastung für das Gesamtbudget der Büchereien ist ein weiterer Faktor, der nicht außer acht gelassen werden kann.
Allerdings hätte eine solche Entscheidung im Rahmen eines Gesamtkonzepts der Büchereien erörtert werden müssen und nicht als ad-hoc-Beschluss.
Doch wählte man lieber diesen Weg und gab ihm viele gute Worte mit.
1)Bei der Schließung der Lehrlingsbüchereien 2003 wurde gerne von der “Besinnung auf die Kernaufgaben der Büchereien” geshitbulled.
20. April 2009 von haftgrund | 1 Kommentar
Aus “Reorganisation der Büchereien Wien. Teilprojekt Optimierung des Systems Bücherbus in Wien” (PDF 200kB)
erstellt von: KDZ -Zentrum für Verwaltungsforschung, Managementberatung und WeiterbildungsGesmbH
Dezember 2004.
3.1 Konzeption – Ziele und Strategie
Ausgehend von der grundlegenden Konzeption der Bücherbusse, wie eingangs beschrieben wurde, und den Ergebnissen dieser Untersuchung wird es sicherlich sinnvoll sein, in Zukunft noch intensiver an neuen Strategien für Bücherbusse zu arbeiten: eine Überprüfung der mittelfristigen Zielsetzungen, die zielgruppenorientierte Profilierung und Schwerpunktsetzung im Bereich der Angebote, sowie eine bedarfsgerechte Adaption der Bücherbusrouten sollten Eckpunkte der konzeptionellen Arbeit sein. Ein weiterer Schwerpunkt sollte darin liegen, dem Bücherbus einen „besseren öffentlichen Auftritt“ zu verschaffen: sowohl durch eine moderne Gestaltung der Fahrzeuge und der Stationen als auch durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit kann es gelingen, den Bücherbus als die „schrägste“ Einrichtung der Büchereien Wien entsprechend zur Geltung zu bringen.
Für die weitere strategische Arbeit sollte darüber hinaus berücksichtigt werden:
Potenziale des BB für die Kinder-/Jugendarbeit, die (noch) konsequenter erschlossen werden könnten:
- BB ist gerade für Kinder besonders spannend, weil außergewöhlich (ein Bus wirkt auf Kinder anders als ein Gebäude – Abenteuer Lesen, Buch ausleihen als Spiel)
- gezielte Leseförderung (auch Erschließen von zukünftigen Lesergruppen)
- Präsenz vor Schulen bietet die Möglichkeit, auch Kindern aus Familien, in denen wenig/kein Umgang mit Büchern gepflegt wird, einen einfachen Zugang zu Büchereien zu ermöglichen
- BB bietet gerade für die Zielgruppe der Kinder/Jugendlichen Möglichkeiten, das Ausleihen und Lesen erlebnisreicher und spannender zu gestalten
- Kooperation mit MA 11
- Präsenz bei Kinderveranstaltungen (Werbung)
Zur Umsetzung dieser Ziele wurde von der Unternehmensberatungsfirma unter anderem eine Reduktion des Bücherbuspersonals empfohlen. Was auch geschah.
18. April 2009 von haftgrund | 1 Kommentar

“Die Geschichte der Bücherbusse ist eine Geschichte der permanenten Zwischenlösungen. Statt eine Gesamtlösung anzupeilen, konnte nur defensiv gehandelt werden. Ein Provisorium löste das andere ab.”
Alfred Pfoser, Die Wiener Städtischen Büchereien, 1994, S. 146.
“Die Wiener Antwort auf den Sputnik” nannte ein Redner bei der Eröffnungsfeier 1958 den Ersten Wiener Bücherbus.
Die Worte zum Ende und erste Reaktionen aus der KollegInnenschaft:
“wir möchten Ihnen mitteilen, dass der Regelbetrieb des Bücherbusses mit Ende Juni 2009 eingestellt wird. Diese Entscheidung, getroffen mit der MA 13 Zentrale und der Geschäftsgruppe, ist nicht leicht gefallen, vor allem auch, weil der Bücherbus über die Jahre sehr gute Arbeit geleistet hat. Doch der große Bus ist mittlerweile schon sehr in die Jahre gekommen, was eine prinzipielle Entscheidung über das Fortbestehen der Bücherbusse notwendig machte.
Die KollegInnen des Bücherbusses bleiben uns natürlich weiterhin im Bereich der Büchereien Wien erhalten.
Auch von der LeserInnenseite her haben sich die Anforderungen an eine Bücherei stark verändert, sie gehen weit über den bloßen Entlehnbetrieb hinaus. Schon aus räumlichen Gründen kann der Bücherbus diesen Anforderungen nicht gerecht werden. Wir sehen auch, dass sich durch das wesentlich dichtere Netz der öffentlichen Verkehrsmittel die Erreichbarkeit der Büchereien stark verbessert hat. Wir werden uns bemühen, die Bücherbus-LeserInnen vom Angebot unserer Zweigstellen zu überzeugen und hoffen auch auf Ihre Unterstützung im Bereich Ihrer Möglichkeiten. “
“Wenn eine großflächige Millionenstadt wie Wien auf ihrem Logo die Botschaft lebenswert wie keine andere verkündet, so kann das zumindestens vor dem Hintergrund dieser Massnahme relativiert werden, denn etliche kleinere Städte leisten sich Bibliotheksbussysteme.
Dass die Aufgabe unseres Bücherbusses nicht aus Jux und Tollerei passiert ist, leuchtet mir nach den vorliegenden Informationen ein. Und dennoch bleibt ein schaler und trauriger Beigeschmack. Denn 2003 wurden alle Lehrlings- und Spitalsbüchereien geschlossen. Schon damals galt der Bücherbus als “gefährdeter” Bereich. Die nachfolgende Verkleinerung des Busteams, der Ankauf neuer Busse und die Führerscheinprüfungen der BusbibliothekarInnen konnten als Zeichen des Bekenntnisses zur bibliothekarischen Nahversorgung der großstädtischen Peripherie gewertet werden. Dass dem nicht so war, verrät ein hohes Maß an Konzeptlosigkeit der politischen VerantwortungsträgerInnen und der MA 13.”
“… und ich bin froh nicht hören zu müssen, was jene Leserinnen & Leser in Mauer, Rodaun etc. jetzt murmeln, denen man die Schließung ihrer Zweigstellen mit neuen Haltestellen des Bücherbusses schönzureden versucht hat.”
“das Kerngeschäft in kleinen und mittleren Büchereien ist nach wie vor Ausleihe und Beratung,das hat auch im Bus gut funktioniert. Vor allem die Schulen waren sehr froh über die Möglichkeit quasi vor Ort eine Bücherei zu haben.
Das Ende der Busse damit zu begründen, dass sich die Anforderungen geändert hätten, ist zumindest im letzt genannten Fall nicht zutreffend. Für viele Schulkinder hat sich damit das Thema Büchereien erledigt, im Grunde ein bildungspolitisches Desaster, wieder einmal… “
12. April 2009 von haftgrund | kein Kommentar
sagte die Queen abends zu ihrem Gatten. “Kommt jeden Mittwoch.”
“Feine Sache. Es gibt noch Wunder.”
Wenn man den vielen Blogeinträgen glauben darf – Netbib und Lonely Librarian sind da nur zwei von Unzähligen – dann bin ich wohl der letzte Bibliothekar, der die märchenhafte Geschichte vom Bücherbus und der Königin noch nicht gelesen hat. Hatte:
Es handelte sich um den Bücherbus der Bezirksbibliothek der City of Westminster, einen große Lieferwagen, der nach Spedition aussah und neben den Abfalleimern vor einer der Küchentüren parkte.
Die Hoffnung des Bibliothekars, dass eine erhöhten Wahrnehmung durch die Öffentlichkeit – in diesem Fall sogar durch die höchste Öffentlichkeit, dem leibhaftigen Souverän – sich positiv auf die Bibliothek auswirken könnte, wirkt allerdings sehr realistisch [dass der Bibliothekar hofft, nicht die Hoffnung selbst]:
Der Stadtrat drohte ständig, der Bibliothek die Mittel zu kürzen, und eine so namhafte und distinguierte Entleiherin (oder Benutzerin, wie der Stadtrat sie nannte) konnte da sicher nicht schaden.
Dieser Realismus wird zur knallharten Wirklichkeit, wie im richtigen Leben:
Eines Mittwochnachmittags war er nicht da, und in der folgenden Woche ebenso wenig. Norman nahm sich der Sache sofort an, doch man teilte ihm lediglich mit, die Tour zum Palast sei wegen allgemeiner Mittelkürzungen eingestellt worden.
Norman ließ nicht locker und trieb den Bücherbus schließlich in Pimlico auf, wo er Mr. Hutchings, immer noch beharrlich Bücher etikettierend, auf einem Schulhof entdeckte.
Mr. Hutchings klärte ihn auf, obegleich er der zuständigen Abteilung der Bibliothek mitgeteilt habe, dass Ihre Majestät zu seinen Entleihern gehöre, habe er die Bezirksverwaltung damit nicht beeindrucken können, denn diese hatte ihrerseits Erkundigungen bei Hofe angestellt, und dort hatte man jegliches Interesse an der Sache dementiert.
Hiermit scheidet der Bücherbus aus der Geschichte aus, auch Norman, der Lesebegleiter der Queen, wird von Amts wegen entfernt. Staats- und Hofbibliotheken bleiben ihr allerdings noch erhalten.
Nachdem ihr mitgeteilt wurde, dass ein zurückgelassenes Buch in der königlichen Kutsche wahrscheinlich vom Sicherheitsdienst gesprengt worden sei, weil es für eine Bombe gehalten wurde, konnte die Königin nur bestätigen:
“Ja. Genau das ist es auch. Ein Buch ist ein Sprengsatz, um die Phantasie freizusetzen”.