Alle Beiträge mit dem Tag ‘Buch’
14. August 2010 von haftgrund | kein Kommentar
Zeit-Magazin: 99 Fragen an Hans Magnus Enzensberger
(Die Zeit:) Ihre letzte Straftat?
(Enzensberger:) Als Student habe ich Bücher geklaut. Nie in Bibliotheken!
(Die Zeit:) Haben Sie einen Trick gefunden, wie man die vielen Bücher wieder loswird?
(Enzensberger:) Ja, wegwerfen!
15. Juli 2010 von haftgrund | kein Kommentar
Schon wieder ein Krimi, bei denen die Gefährtin nach der ersten Seite aus der Badewanne ruft: Nein, nein, bitte einen anderen!
Dabei ists pure Poesie:
“Nur die leicht vibrierende Glasscheibe verhinderte, dass er durchs Fenster gezogen wurde wie Fleisch durch einen Strohhalm, hinaus ins Vergessen”
(Zane Radcliffe, Todesgruß)
Doch der Hausbibliothekar gehorcht und eilt zur Wanne, mit frischen Morden im Arm.
27. Juni 2010 von haftgrund | kein Kommentar
Dieser an Seltsamkeiten und kafkaesken Absurditäten überreiche Tierschutz-Prozess hat nun auch was für uns BibliothekarInnen: Der Hauptangeklagte musste über seine privaten Bücher Rede und Antwort stehen:
Die Richterin begann dann etwa 20 Fotos von Büchern von DDr. Balluch an die Wand zu projizieren, die von der SOKO bei der Hausdurchsuchung aufgenommen worden waren. Da war z.B. das Buch „Die Frauen der Nazis“ von Ana Maria Siegmund zu sehen, oder „Das Mordschloss“, eine Dokumentation über die Vergasungen Behinderter im Schloss Hartheim in Oberösterreich. DDr. Balluch kommentierte die Fotos und erklärte, um was es sich bei diesen Büchern handeln würde. Ein Foto zeigte ein zweibändiges Werk, das die gesamte Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager wissenschaftlich aufarbeitet. Dann war auch die Serie der Dokumentationen von Guido Knopp über die Größen des Dritten Reichs zu sehen. Und es wurden Bücher über den Austrofaschismus und den Ständestaat gezeigt. DDr. Balluch kommentierte das am Ende mit den Worten, er fände es sehr seltsam, dass in diesem Prozess auch seine Bücher und seine geschichtlichen Interessen, die nichts mit Tierschutz zu tun hätten, thematisiert würden. Das zeige, wie sehr Ermittlungen nach § 278a in die Privatsphäre eindringen würden und dass alles als verdächtig und gefährlich ausgelegt werden könne. Umgekehrt gebe es aber nichts, das als entlastend angesehen werde.
Tierschutzprozess 34. Tag
14. April 2010 von haftgrund | kein Kommentar
Bei der stückweisen Ablesung des während meiner Kurabwesenheit sich angesammelt habenden Druckpapiers fand ich heute in der Zeit Nr. 15 (leider nicht online) eine reizende Buchbesprechung von Sibylle Lewitscharoff über die erstmalige Gesamtausgabe der Werke Jean-Henri Fabres auf deutsch (über 80 Jahre nach der japanischen Übersetzung):
“Hier hat man es einmal nicht zu tun mit der faden Jammerware der heutigen Biologen, die alle nicht schreiben können, weil der forschende Reduktionismus, die Aufteilung in immer kleinere Segmente, kein sinnerfülltes Ganzes mehr ergibt, in dem die Sprache schwelgen könnte. Wohl wahr, die neuen Kameras bringen schier unglaubliche Tierbeobachtungen vor die Augen des Publikums, aber die begleitende Sprache ist dürr oder seifig, besonders wenn launisch menschelnd über die Bilder hinweggequasselt wird. Nichts davon bei Fabre.”
Und sie zitiert auch aus Fabre selbst:
“Oh meine schönen Grabwespen: fliegt ohne Furcht aus meinen Röhren, Schachteln, Flaschen und Behältern! Fliegt in diesen warmen Sonnenschein, den die Zikaden so lieben, brecht auf, hütet euch vor der Gottesanbeterin, die auf blühenden Distelköpfen auf euer Verderben sinnt, hütet euch vor der Eidechse, die euch auf sonnigen Höhen auflauert! Zieht hin in Frieden, grabt eure Höhlen, erdolcht eure Grillen wissenschaftlich, und erhaltet eure Art, um eines Tages anderen das zu gewähren, was ihr mir verschafft habt: einige der wenigen Glücksmomente in meinem Leben!”
Fabres, Jean-Henri: Erinnerungen eines Insektenforschers 1: Souvenirs Entomologiques
In den Wiener Büchereien verfügbar sind einige Auswahlbände:
- Bilder aus der Insektenwelt
– Wunder des Lebendigen
– Die verborgene Welt der Insekten (Bilband mit Texten von F.)
6. Dezember 2009 von haftgrund | kein Kommentar
ZEITmagazin: Lesen Sie?
Allen: Nicht viel. Wegen meiner Brille hält man mich für einen Intellektuellen, der darauf brennt, nach Feierabend Kierkegaard zu lesen oder Bleistiftnotizen in Aufsätze über Hegel zu schreiben. Das ist aber ein Irrtum. Mein erstes Buch las ich mit achtzehn. Und zwar nur, um die Mädchen zu beeindrucken.
Sollte hier das Geheimnis der Berufswahl von Bibliothekaren zu finden sein?
4. Dezember 2009 von haftgrund | kein Kommentar
Heinrich Heine in “Die romantische Schule”:
“Zu seiner Zeit hat man sein Buch gewiß für gottlos und ähnliche Dichtungen, wozu schon der »Lanzelot« gehörte, für gefährlich gehalten. Und es sind wirklich auch bedenkliche Dinge vorgefallen. Francesca da Polenta und ihr schöner Freund mußten teuer dafür büßen, daß sie eines Tages miteinander in einem solchen Buche lasen; – die größere Gefahr freilich bestand darin, daß sie plötzlich zu lesen aufhörten!“
Hintergrund dazu: Um eine Fehde mit der Malatesta-Familie aus Rimini zu beenden, beschloss Guido da Polenta, seine Tochter mit dem Erben des Hauses Malatesta, Giovanni, zu verheiraten. Giovanni war jedoch körperlich entstellt und lahm. Da Guido wusste, dass seine Tochter eine Heirat mit Giovanni verweigern würde, trat Giovannis gutaussehender Bruder Paolo als Vermittler auf. Francesca entdeckte die Täuschung erst am Morgen ihrer Hochzeitsnacht.
Paolo und Francesca verliebten sich ineinander, angeregt auch durch die Lektüre der Geschichte von Lancelot und Guinevere. Giovanni entdeckte die Affäre und tötete die beiden.
28. November 2009 von haftgrund | kein Kommentar
fragt Florian Freistetter im ScienceBlog und bringt dieses Cover:

Weiter lesen (auch der Kommentare) nur für KommunistInnen und AntikommunistInnen, Gläubige und Ungläubige empfohlen :-)
12. November 2009 von haftgrund | kein Kommentar
Das “echo medienhaus“, jene Gesellschaft mit beschränkter Haftung, über deren bis in die Eingeweide der Wiener SPÖ gehende Verstrickung nicht nur das Datum was zu sagen hatte, bewirbt die diesjährige Buch-ins-Volk-Aktion folgendermaßen:
“Das Buch ist allerdings kein x-beliebiges Buch, sondern ein von einem Team des echo medienhauses zusammen mit dem Wiener Bürgermeister eigens für Wiener Leser ausgesuchtes. Das Gratisbuch hat also immer Relevanz für Wien”
Genau so hat es auch Klaus Nüchtern im Falter 46/09 beschrieben. Allerdings mit einer etwas anderen Akzentsetzung:
“Bürgermeister Häupl, Echo-Geschäftsführer Christian Pöttler und Wien live-Herausgeber Helmut Schneider einigen sich auf einen populären, seit Jahren als Taschenbuch auf dem Markt befindlichen Titel, um diesen in einer Auflage von 100.000 Stück und einer hässlicher und billiger gestalteten Ausgabe aufzulegen, die innerhalb von zwei Tagen vergriffen ist.”
Relevant für Wien und seinen maskulin generierten Lesern also. “Zart anfeudalisierte Eventisierung von Literatur” nennt das K.N.
Und der Bibliothekar einer der gut versteckt gelegenen und daher vom “Lesergut” im Allgemeinen weniger frequentierten Büchereien findet angesichts des jährlichen Nicht-LeserInnenansturms zu folgender unbibliothekarischen Ausdrucksweise: “kaum gibts was gratis, finden die Trotteln plötzlich unsere Hütte…”
Die Wahrheit liegt, wie so oft, irgendwo, aber nicht dazwischen.
10. Oktober 2009 von haftgrund | kein Kommentar
Der belgische Choreograf Sidi Larbi Cherkaoui leitet mit dem Stück “Apocrifu” das Tanzprogramm des Festspielhauses St. Pölten ein.
Ein Spiel mit in Büchern verfassten Manifesten des Glaubens und der Politik:
Die Texte ihrer Lieder korrespondieren mit jenen Büchern, die Cherkaoui als besonders bedeutend einordnet: religiöse und weltliche Schriften, die Herrschaftsansprüche über Menschen formulieren.
Wegen dieser Bücher können Menschen zu Marionetten werden. Cherkaoui geht davon aus, dass sich die großen Glaubensschriften häufig aus den Apokryphen von Konkurrenzideologien entwickelt haben. Apokryphen sind Texte außerhalb des offiziellen Programms einer Ideologie. Der Choreograf kritisiert mit seiner Reflexion dieses Phänomens die Alleinherrschafts- und Wahrheitsansprüche in dem kulturdarwinistischen Konkurrieren von Ideologien.
Quelle: http://derstandard.at/fs/1254311057066/Festspielhaus-St-Poelten-Hoellentanz-der-Buecher-und-Schwerter
9. Februar 2009 von haftgrund | kein Kommentar
Der im Freitag übersetzte Artikel aus dem Guardian läßt jeden alt aussehen, der nicht umgehend zum Elektrobuch greift und damit die Chance ergreift, seinen schmierigen ökologischen Fußabdruck zu verkleinern, wie es der Untertitel suggeriert (im Text wird allerdings das Gegenteil nachgewiesen).
Weg mit den alten unglänzenden rororos und fitabus, bei denen “der Klebstoff im Rücken der Einbände … sich in bröselige Flocken verwandelt” hat, was das “eingebaute Verfallsdatum” dieses Produkts, dessen Produktion ungefähr dem Auswurf eines 20-Meilen-Fluges entspricht, so richtig ins Bewusstsein treten läßt.
Hin zur sinnlich blinkenden, mit Umblätterschalter versehenen und im unaufgeregten Design gehaltenen Buchstabenreproduktionsmaschine; und oh Überraschung: “Immerhin sind die Worte die gleichen, egal in welchem Format ich sie lese. Und schließlich sind es doch die Worte, auf die es ankommt”.
Die Schönheit des digitalen Buches
Das gefürchtete “E-Book” ist nicht nur wahnsinnig sinnlich. Es ist auch eine ökologische Alternative zum gedruckten Buch. Protokoll eines Sinneswandels
Ich habe nie an E-Books geglaubt. Wie sollte ein Elektrogerät die Schönheit des gedruckten Buches ersetzen, fragte ich mich. Und wie die Eleganz dessen Gestalt, die taktilen Sinneseindruck beim Umblättern der Seiten, den Geruch hochwertigen Papiers? Ich liebe Bibliotheken. Ich liebe Buchhandlungen. Ich liebe den Geruch von Ledereinbänden und muffigen Seiten. Die bloße Anwesenheit einer großen Anzahl von Büchern löst bei mir tiefes Wohlbehagen aus. All dies hat sich nie geändert. Allerdings trage ich mich seit einiger Zeit mit dem Gedanken, E-Book-Lesegeräte könnten eine ökologisch verträglichere Alternative zum gedruckten Wort darstellen. Dieser Verdacht hat sich erhärtet, seit ich angefangen habe, selbst eines zu benutzen.
Weiter zum Artikel im “Freitag”