6. Dezember 2009 von haftgrund | kein Kommentar
ZEITmagazin: Lesen Sie?
Allen: Nicht viel. Wegen meiner Brille hält man mich für einen Intellektuellen, der darauf brennt, nach Feierabend Kierkegaard zu lesen oder Bleistiftnotizen in Aufsätze über Hegel zu schreiben. Das ist aber ein Irrtum. Mein erstes Buch las ich mit achtzehn. Und zwar nur, um die Mädchen zu beeindrucken.
Sollte hier das Geheimnis der Berufswahl von Bibliothekaren zu finden sein?
4. Dezember 2009 von haftgrund | kein Kommentar
Heinrich Heine in “Die romantische Schule”:
“Zu seiner Zeit hat man sein Buch gewiß für gottlos und ähnliche Dichtungen, wozu schon der »Lanzelot« gehörte, für gefährlich gehalten. Und es sind wirklich auch bedenkliche Dinge vorgefallen. Francesca da Polenta und ihr schöner Freund mußten teuer dafür büßen, daß sie eines Tages miteinander in einem solchen Buche lasen; – die größere Gefahr freilich bestand darin, daß sie plötzlich zu lesen aufhörten!“
Hintergrund dazu: Um eine Fehde mit der Malatesta-Familie aus Rimini zu beenden, beschloss Guido da Polenta, seine Tochter mit dem Erben des Hauses Malatesta, Giovanni, zu verheiraten. Giovanni war jedoch körperlich entstellt und lahm. Da Guido wusste, dass seine Tochter eine Heirat mit Giovanni verweigern würde, trat Giovannis gutaussehender Bruder Paolo als Vermittler auf. Francesca entdeckte die Täuschung erst am Morgen ihrer Hochzeitsnacht.
Paolo und Francesca verliebten sich ineinander, angeregt auch durch die Lektüre der Geschichte von Lancelot und Guinevere. Giovanni entdeckte die Affäre und tötete die beiden.
28. November 2009 von haftgrund | kein Kommentar
fragt Florian Freistetter im ScienceBlog und bringt dieses Cover:

Weiter lesen (auch der Kommentare) nur für KommunistInnen und AntikommunistInnen, Gläubige und Ungläubige empfohlen :-)
12. November 2009 von haftgrund | kein Kommentar
Das “echo medienhaus“, jene Gesellschaft mit beschränkter Haftung, über deren bis in die Eingeweide der Wiener SPÖ gehende Verstrickung nicht nur das Datum was zu sagen hatte, bewirbt die diesjährige Buch-ins-Volk-Aktion folgendermaßen:
“Das Buch ist allerdings kein x-beliebiges Buch, sondern ein von einem Team des echo medienhauses zusammen mit dem Wiener Bürgermeister eigens für Wiener Leser ausgesuchtes. Das Gratisbuch hat also immer Relevanz für Wien”
Genau so hat es auch Klaus Nüchtern im Falter 46/09 beschrieben. Allerdings mit einer etwas anderen Akzentsetzung:
“Bürgermeister Häupl, Echo-Geschäftsführer Christian Pöttler und Wien live-Herausgeber Helmut Schneider einigen sich auf einen populären, seit Jahren als Taschenbuch auf dem Markt befindlichen Titel, um diesen in einer Auflage von 100.000 Stück und einer hässlicher und billiger gestalteten Ausgabe aufzulegen, die innerhalb von zwei Tagen vergriffen ist.”
Relevant für Wien und seinen maskulin generierten Lesern also. “Zart anfeudalisierte Eventisierung von Literatur” nennt das K.N.
Und der Bibliothekar einer der gut versteckt gelegenen und daher vom “Lesergut” im Allgemeinen weniger frequentierten Büchereien findet angesichts des jährlichen Nicht-LeserInnenansturms zu folgender unbibliothekarischen Ausdrucksweise: “kaum gibts was gratis, finden die Trotteln plötzlich unsere Hütte…”
Die Wahrheit liegt, wie so oft, irgendwo, aber nicht dazwischen.
10. Oktober 2009 von haftgrund | kein Kommentar
Der belgische Choreograf Sidi Larbi Cherkaoui leitet mit dem Stück “Apocrifu” das Tanzprogramm des Festspielhauses St. Pölten ein.
Ein Spiel mit in Büchern verfassten Manifesten des Glaubens und der Politik:
Die Texte ihrer Lieder korrespondieren mit jenen Büchern, die Cherkaoui als besonders bedeutend einordnet: religiöse und weltliche Schriften, die Herrschaftsansprüche über Menschen formulieren.
Wegen dieser Bücher können Menschen zu Marionetten werden. Cherkaoui geht davon aus, dass sich die großen Glaubensschriften häufig aus den Apokryphen von Konkurrenzideologien entwickelt haben. Apokryphen sind Texte außerhalb des offiziellen Programms einer Ideologie. Der Choreograf kritisiert mit seiner Reflexion dieses Phänomens die Alleinherrschafts- und Wahrheitsansprüche in dem kulturdarwinistischen Konkurrieren von Ideologien.
Quelle: http://derstandard.at/fs/1254311057066/Festspielhaus-St-Poelten-Hoellentanz-der-Buecher-und-Schwerter
9. Februar 2009 von haftgrund | kein Kommentar
Der im Freitag übersetzte Artikel aus dem Guardian läßt jeden alt aussehen, der nicht umgehend zum Elektrobuch greift und damit die Chance ergreift, seinen schmierigen ökologischen Fußabdruck zu verkleinern, wie es der Untertitel suggeriert (im Text wird allerdings das Gegenteil nachgewiesen).
Weg mit den alten unglänzenden rororos und fitabus, bei denen “der Klebstoff im Rücken der Einbände … sich in bröselige Flocken verwandelt” hat, was das “eingebaute Verfallsdatum” dieses Produkts, dessen Produktion ungefähr dem Auswurf eines 20-Meilen-Fluges entspricht, so richtig ins Bewusstsein treten läßt.
Hin zur sinnlich blinkenden, mit Umblätterschalter versehenen und im unaufgeregten Design gehaltenen Buchstabenreproduktionsmaschine; und oh Überraschung: “Immerhin sind die Worte die gleichen, egal in welchem Format ich sie lese. Und schließlich sind es doch die Worte, auf die es ankommt”.
Die Schönheit des digitalen Buches
Das gefürchtete “E-Book” ist nicht nur wahnsinnig sinnlich. Es ist auch eine ökologische Alternative zum gedruckten Buch. Protokoll eines Sinneswandels
Ich habe nie an E-Books geglaubt. Wie sollte ein Elektrogerät die Schönheit des gedruckten Buches ersetzen, fragte ich mich. Und wie die Eleganz dessen Gestalt, die taktilen Sinneseindruck beim Umblättern der Seiten, den Geruch hochwertigen Papiers? Ich liebe Bibliotheken. Ich liebe Buchhandlungen. Ich liebe den Geruch von Ledereinbänden und muffigen Seiten. Die bloße Anwesenheit einer großen Anzahl von Büchern löst bei mir tiefes Wohlbehagen aus. All dies hat sich nie geändert. Allerdings trage ich mich seit einiger Zeit mit dem Gedanken, E-Book-Lesegeräte könnten eine ökologisch verträglichere Alternative zum gedruckten Wort darstellen. Dieser Verdacht hat sich erhärtet, seit ich angefangen habe, selbst eines zu benutzen.
Weiter zum Artikel im “Freitag”