5. August 2009 von haftgrund | kein Kommentar
heißt es in einer weiteren Ausgabe der Serie “Büchereizweigstellen, heiter betrachtet“. Beim Anklicken auf die Zweigstellenlinks müssen sich die Userinnen allerdings vorerst durch so Profanes wie Erreichbarkeit und Öffnungszeiten durcharbeiten, ehe sie zum eigentlichen Leseerlebnis gelangen:
“Und nicht ans Glas klopfen. Das heißt jetzt nicht, dass es verboten wäre, dem Personal mit einer Aufmerksamkeit in Schokoladeform eine Freude zu machen. Oder dass sie nicht ans Fenster klopfen dürfen, wenn draußen die Liebe Ihres Lebens an einer fremden Hand vorbeispaziert. Nein, nicht füttern dürfen Sie die zwei afrikanischen Riesenschnecken, die sich im Terrarium räkeln, an das Sie nicht klopfen dürfen. Gesichtsausdruck ist beim Betrachten grundsätzlich jeder erlaubt – zumal Sie hier ja nicht zwei ganz alltägliche Bücherei-Haustiere vor sich haben.
Schuld daran, dass es bei uns zuweilen etwas eng wird, sind allerdings nicht die Schnecken (so riesig sind sie auch wieder nicht). Vielmehr kann diese Zweigstelle … usw.“
28. Juni 2009 von haftgrund | 1 Kommentar
Offenbar werden in den Wiener Büchereien die auf der Büchereien-Homepage befindlichen Texte zu den einzelnen Zweigstellen einer Revision unterzogen. Da diese Texte von den jeweiligen Teams ohne sonderliche Vorgaben und je nach literarischer Ader so oder naja so gestaltet worden waren, ein durchaus sinnvolles Unterfangen.
Möglicherweise wäre es noch sinnvoller gewesen, sich zu fragen, ob man diesen Platz statt mit launigen Büchereibeschreibungen mit jenen Informationen füllt, weswegen die BenutzerInnen die Zweigstelle anklicken, also Öffnungszeiten, Kontaktmöglichkeiten, Medienschwerpunkte … und dann erst Stuff für den Büchereientexte-Fanclub bereitzustellen. Und nicht umgekehrt wie jetzt, wo man sich richtig hinunterlesen muss, um zur Info zu gelangen.
Hier einige Auszüge der ersten Ergebnisse des literarischen Relaunches:
Rätselrallye
Wenn man die Brünner Straße vom Franz-Jonas-Platz stadtauswärts und in den Hof in den Floridsdorfer Markt hineingeht, findet man dort keine Bücherei-Beschilderung, obwohl da eine Bücherei ist.
Luxuskeller
Fangen wir unten an: Wir haben einen Keller!
Wir geben es zu: Dieser Keller ist – wenn man von seinem behindertenfeindlichen Zugang absieht – der pure Luxus.
Aber Bescheidenheit ist angesichts der Entwicklung im umliegenden Stadtgebiet – Leitmotiv „Klotzen statt Kleckern“ – nicht angebracht.
Niederschwellig
Obwohl wir unsere BesucherInnen gern mit gut geputzten Fensterscheiben beeindrucken, möchten wir Ihnen in Hinkunft die harte Probe aufs allzu durchsichtige Exempel ersparen; daher wurde auch der Glaseingang mit einer Folie beklebt – auf dass wir Sie durch den offenen Teil des Eingangs und ohne Beule am Kopf willkommen heißen dürfen.
Klogeschichte
Damals wussten die Architekten auch noch, wie man schöne helle Räume gestaltet. Was die damals nicht wussten, ist, dass der ideale Zugang zur Toilette nicht durch Büro und Sozialraum führt.
Aber Sie kommen in erster Linie ja nicht zu uns, um die Toilette zu besuchen.
Never ending Nudelsuppe
… reputabel. Das ist ein Fremdwort,
das scheußlich klingt, aber eine brauchbare Überleitung dazu ist,
dass wir bei fremdsprachigen Büchern
auch nicht auf der Nudelsuppe
dahergeschwommen kommen.
Diese Wortschöpfung ist nun wiederum sehr billig,
aber auch sehr österreichisch und als solche
willkommen, um darauf hinzuweisen, dass wir auch im Österreichischen
recht firm sind. „Firm“ ist nun wiederum ….
Alle Texte auf einen Blick.
12. März 2009 von haftgrund | kein Kommentar
Seit dieser Woche stellen die Büchereien ihren Benutzerinnen Indoor-Tragtaschen zur Verfügung. Diese in dezentem Grau mit blauer Beschriftung gehaltenen und auch zum Umschultern verwendbaren Taschen müssen so wie die gelben Ikea-Taschen vor Verlassen der Bücherei wieder abgegeben werden.
Bei Bedarf können Tragtaschen aber auch käuflich erworben werden. Zur Unterscheidung sind sie wie die käuflichen Ikeataschen in blau gehalten. Das Büchereiblau erinnert aber weniger an südliche Meeresträume, sondern an die blue collars eines Schichtwechsels in einem verstaatlichten Betrieb. Sagen die einen. Andere meinen, aus der Kombination mit den in Orange gehaltenen Schriftzeichen den Restposten einer missglückten Vereinigungskonferenz von FPÖ und BZÖ zu erkennen. Das “b” könnte diese These stützen. Ich glaube es aber nicht. Die Wahrheit wird viel einfacher sein: die Farbgestaltung ist Geschmackssache.
Mehr als Geschmackssache scheint allerdings der geballte Einsatz von verschiedenen Schrifttypen zu sein. Das gestalterische Prinzip dürfte sich von der empirisch abgesicherten Tatsache her ableiten, dass eine Bücherei eine Unmenge an verschiedenen Schriften in ihren Regalen beherbergt. Und diese 4 verschiedenen Schriften sollen einen Hauch davon vermitteln.
Ah, da ist ja noch eine. Also sind es fünf. Man sieht, der Schriftenreichtum der Magistratsabteilung 13 bleibt weitgehend unbehelligt von engen typographischen Grenzen.
Von schierer, in ihrer Sinnfreiheit fast jenseitigen Grenzenlosigkeit scheint hingegen das neue, an alle amtlichen Schriftstücke anzuhängende “Logo” zu sein. Dieses ist allerdings nicht aus der MA13-Öffentlichkeitsarbeitsabteilung entsprungen, sondern ein wienweites Produkt amtlichen Erfindungsgeistes und der Beginn des von Der Partei verordneten magistratischen Selbstaufgeilungsprozesses für die Gemeinderatswahlen 2010.
Was aber noch lange kein Grund ist, eines der Anwendungsbeispiele für dieses Logo zu verfremden (in einer Wien-internen Anweisung wird zu Recht extra davor gewarnt), wie hier auf einem Desktop eines Stadt-Wien-Rechners gefunden.
Ich denke, sowas muss wirklich nicht sein!
2. März 2009 von haftgrund | 1 Kommentar

heißt es in einem Bericht in der MitarbeiterInnenzeitung der Wiener Büchereien über das Bestseller-Service in der Hauptbücherei. Die Spielregeln sind denkbar einfach: In einem Regal liegen Bestsellerlisten-Bücher, welche weder im Katalog aufscheinen, noch vorbestellbar sind. Wer eines davon ergattert, darf es für die halbe Entlehndauer der regulären Printmedien behalten, zwei Euro berappen (also durchschnittlich 10% des Neukaufbetrags) und muss es wieder in die Hauptbücherei zurückbringen. Die Einhaltung, wie weiter unten zu sehen ist, schon weniger. Die Erfolgskriterien dieser Aktion werden einerseits am NPM-Bullshit-Begriff “Kundenorientierung” festgemacht, weiters an der Frage, ob sie als spektakuläres Marketinginstrument taugt und schließlich, ob sie sich finanziell selbst trägt – also mit dem Wiener Weg des Neoliberalismus kompatibel ist.

1. Ad “Kundenorientierung”: Der Wunsch nach möglichst rascher Verfügbarkeit von Bestseller-Ware ist zweifellos vorhanden. Bei einem anteilsmäßig wohl eher kleinen Teil der BüchereibenutzerInnen. Für diese gibt es nun eine Art Lotterie, bei welcher der oder die Glückliche in der Folge einige Verpflichtungen einzugehen hat. Die anderen gehen, wie bei Lotterien so üblich, leer aus. Aber alle sollen nun das Gefühl haben, dass sie, wenn sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein sollten, eventuell das Ziel ihrer gerade bei der Lektüre einer Bestsellerliste erweckten Wünsche nach Hause tragen können.
2. Ad “Marketinginstrument“: Wenn angeblich nicht mehr durch die äußerliche Erscheinung der Hauptbücherei “gepunktet” werden kann, wäre es vielleicht an der Zeit, sich eher mit real vorhandenen Defiziten im Umgang mit den BenutzerInnen zu widmen und in die Angebotsverbesserung für die Vielen statt für einige Wenige zu investieren. Das wäre allerdings dann kein Marketinginstrument, sondern eine Erhöhung des Gebrauchswerts der Wiener Büchereien.
3. Ad “Selbstfinanzierung”: Den Einkaufspreisen der Bestsellerbücher von ~ 4.900 € werden die kassierten Bestsellerleihgebühren von ~ 4.400 € gegenübergestellt und die dazu kassierten Verspätungsgebühren von ~ 600 € hinzugerechnet. Damit sei die Vorgabe der Selbstfinanzierung erreicht worden.
Doch, um in der Haltung von Brechts “Lesenden Arbeiter” zu fragen: Haben sich die Bücher selber gekauft, katalogisiert, filmoluxiert und mit wunderschönen “Bestseller”-Aufklebern verziert? Haben sie sich selber zurückgenommen und in das Bestsellerregal zurückgestellt?
Haben sie nicht. Sondern: “Das Team” [bestehen aus 3 Kolleginnen] “sorgte engagiert und tatkräftig für die operative Umsetzung der neuen Serviceleistung”.
Um Gottes Lohn? In der Freizeit?
Gilt wohl auch für die Zeit und für den Energieaufwand von MitarbeiterInnen in den Zweigstellen, welche sich hartnäckigen Rückgabeversuchen tatkräftigst entgegen zu stellen haben. Ebenso nulltarifig ist natürlich auch das Entgegennehmen von Beschwerden über ungenügende Information über Entlehnbedingungen zu berechnen.
Wie dem Foto von miserable outskirts mit dem Taferl am Rande des Bestsellerregals in Kinderaugenhöhe zu entnehmen ist, scheinen die regelmäßigen Beschwerden wegen der mangelhaften Information über die Bedingungen der Bestsellerausleihe nicht ganz unberechtigt zu sein.
Was bleibt? Eine Aktion, die mehr Aufwand als behauptet mit sich bringt, und wohl weniger positive Effekte als erhofft nach sich zieht. Und – was der eigentliche Anlass für diesen Eintrag ist – eher nicht in die Richtung geht, welche für die Büchereiarbeit zukünftig relevant sein sollte.