Alle Beiträge mit dem Tag ‘Bibliotheken’

Faymann in der Wien-Bibliothek

Profil deckt auf:

Der Bürgermeister (…) hatte sogar einmal Werner Faymann aus der Bibliothek im Rathaus kommen sehen, damals, als der Werner noch ganz frisch sein Amt als Wohnbaustadtrat angetreten hatte und in den ersten Wochen überall hinfand, nur nicht in die Kantine.


Nebensächliches wie Internet-Terminals in Büchereien

In Helge’s Blog ist zu den eineinhalb Jahre geschlummert habenden Ergebnissen der sogenannten Internet-Offensive u.a. zu lesen:

Vor allem im Bildungsbereich stehen da viele sinnvolle Dinge drin. Andere Bereiche bleiben unklar: Zur Verbesserung der Breitbandversorgung ist nur Nebensächliches wie Informationskampagnen, verbilligte Sozialpakete und Internet-Terminals in Büchereien zu finden.

Was auch immer unter Neben- oder Hauptsächlichkeiten gemeint sein wird, Tatsache ist, dass die Büchereien und Bibliotheken in dieser Frucht des aus einem “nationalen Schulterschluss” geborenen Geistes nur marginal vorkommen. “Büchereien” überhaupt nur einmal:

Öffentliche Zugänge mit optionalen Beratern schaffen
Um allen Bevölkerungsgruppen die Teilhabe an der Informationsgesellschaft zu ermöglichen, sind freie Zugänge zum Internet bei öffentlichen Knotenpunkten (z. B. bei Behörden, AMS, Büchereien etc.) einzurichten. Dort stehen auch Berater zur Verfügung, die Menschen im Umgang mit dem Internet schulen.

Den Schulterschließern dürfte entgangen sein, dass in den größeren Büchereisystemen Österreichs der freie Zugang zu Internetarbeitsplätzen schon seit geraumer Zeit und kostenlos möglich ist. Konsequenterweise wird daher in der Auflistung der zu diesem Thema bestehenden Initiativen zwar den Pensionsversicherungsanstalten, den Terminals der Wiener Linien u,.a., aber nicht den Büchereien Erwähnung getan. Nebensächlichkeiten eben.

Die allgemeinen Feststellungen der Initiative (PDF) sind zum einen der übliche Bullshit, zum anderen ein Sammelsurium bereits bestehender, wünschenswerter oder bereits in Umsetzung begriffener Maßnahmen (kein Wunder, stammt das Ganze ja aus dem Jahr 2008), die dem selbst gesteckten Ziel, die österreichische Internetaktivitäten an die Spitze zu hieven, Genüge tun sollen. Etliche sind, wie Helge festgestellt hat, unfreiwillig komisch.
Putzig finde ich auch: “Maturaprüfung mit Laptops (auch mündlich) soll Standard werden
Kriminalistisch dagegen: “meinungsbildende Personen identifizieren und sie ausbilden
Eher gefährliche Drohung: “Schaffung eines zentralen Zugangsportals für BürgerInnen“.
Dass es der Initiative im Abschnitt “Netkultur” ein Anliegen ist, “Formate für Industrie (zu) finden“, klingt irgendwie nett und schal.
Und schließlich sorgen sich die Initiatoren auch um die Lagerung ihrer Vorschläge, daher fordern sie auch, ein
“Nationalmuseum der Netzkultur einzurichten”.

Ins Nationalmuseum der Netzkultur, die sie meinen, gehört wohl auch das Geschlechterverhältnis der an diesem Prozess Beteiligten.
Zurecht werden für die verschiedenen, thematisch orientierten Arbeitsgruppen SchirmHERREN genannt (gekürzt auf Vornamen unter Weglassung von Titeln und Institutionen):

Bildung und Generationen (Schirmherr Thomas), Gesundheit und Soziales (Schirmherr Rudolf I), Kultur und Medien (Schirmherr Rudolf II), Sicherheit und Konsumentenschutz (Schirmherr Mathias), Wirtschaft, Infrastruktur und e-Government (Schirmherr René), Wissenschaft und Forschung (Schirmherr Peter), Green ICT (Schirmherr Dietmar).

Hinter den sich selbst als “beste Köpfe” bezeichnenden Schirmherren stehenden UPC, Hewlett-Packard, Arbeiterkammer, WKO - Fachverband Telekom/Rundfunk, Uni Wien, Nokia Siemens.

Der einzigartige nationale Schulterschluss (”Österreich-Faktor” ) findet eine wunderbare Fortsetzung im “Kompetenzzentrum Internetgesellschaft“, für den Hanspeter Lehofer die schöne Abkürzung KoZIG gefunden hat. Um die Internationalität dieses Kompetenzzentrums zu illustrieren und die Kompetenzen zu bündeln, könnte man es am besten in der Nähe eines anderen Kompetenzzentrums ansiedeln, dem “Kompetenzzentrum für aufenthaltsbeendende Maßnahmen“.
In dieser kreativen Umgebung kann auch das gemeinsame Ziel optimal verwirklicht werden, wie es Robert Hackl von Tele 2 im Begleitvideo so erfrischend benannt hat:

“die Internetpenetration in Österreich zu erhöhen und voranzutreiben”


Spass mit der Bibliothek 2.0

Sehr gute Präsentation. Zum Thema siehe auch Blog des Autors:
Bibliothek 2.0 und mehr. Innovative Ideen für Bibliotheken, Freie Inhalte und Interessantes aus dem Web


Charité-Bibliothek besetzt

aus dem Tagesspiegel (via Netbibeintrag “Bildung statt Fachidiotie” von Jürgen Plieninger):

Etwa hundert Medizinstudierende haben am Mittwochabend nach eigenen Angaben die Bibliothek der Charité im Bettenhochhaus in Mitte besetzt. Sie wollten damit gegen eine bevorstehende Einschränkung der Öffnungszeiten protestieren, erklärte Sebastian Lange von der Fachschaftsinitiative der Charité. (zum Artikel)


Googles Fünfte Kolonne

Im Kampf gegen jenen Datenkraken, der sich nicht scheut (vornehmlich tote) Autorinnen dem Verhungern anheim fallen zu lassen, haben sich Institutionen zusammengetan, denen Bürgerinnenrechte und soziales Engagement seit jeher am Herzen liegen, wie Microsoft & Yahoo, wie Online-Buchhändler und Raubkopierer Amazon. Der Börsenverein des Buchhandels ist natürlich auch dabei und nicht zuletzt die Deutsche Bundesregierung. Die bekanntlich dem freien Datenfluss dank Zensursula  in einen mitreissenden Strom zu verwandeln gewillt ist. Jene Bundesregierung, die durch den Verzicht auf gesetzliche Rahmenbedingungen das Bibliothekswesen sich frei entfalten hat lassen, wodurch die Bundesländer angehalten wurden, den finanziellen Overkill für die Bibliotheken zu vermeiden, um eine ambitionierte Strukturbereinigung in die Wege leiten zu können.

Gegen diese Achse der ziemlich Guten rotten sich nun die üblichen Verdächtigen, wie selbsternannte Bürgerrechtler, Ewigstudenten und weltfremde Universitätsleitungen zusammen. Ein Spielkonsolen-Dealer ist ebenfalls zu diesem Haufen gestoßen, den nur eines verbindet: eine überaus beschränkte Sichtweise (auch ein Blindenverband ist dabei) hinsichtlich der eigentlichen Bürgerrechte: Eigentum muss Eigentum bleiben, selbst wenn es geistig sein sollte.

heise online: Google-Books-Befürworter formieren sich

Kurz vor Ende der Frist für Eingaben zum so genannten Google Book Settlement haben sich Befürworter der Einigung mit den Urhebern über Buchdigitalisierungen zu Wort gemeldet. Zu ihnen gehören Universitäten, Bürgerrechtler, Studenten und ein Behindertenverband. Wade Henderson, Chef der Leadership Conference on Civil Rights, sagte laut einem BBC-Bericht, seine Organisation unterstütze Google, da das Unternehmen jedem Menschen gleichermaßen Zugang zu Wissen verschaffen wolle. Der verbesserte Zugang zu Informationen ist auch das Argument, das die US Student Association vorbringt. Die National Federation of the Blind rechnet laut Medienberichten damit, dass mit Google Books sehbehinderten Menschen Bücher in einer Anzahl zur Verfügung stehen könne, wie es sie in der Geschichte bisher noch nicht gegeben habe.

Es steht zu hoffen, dass die Achse der ziemlich Guten trotz ihrer allgemein bekannten finanziellen Engpässe ausreichend begleitende Maßnahmen gesetzt hat, um die Angehörigen des Gerichts günstig zu stimmen. Nicht für Microsoft et al, sondern für Vernunft und Freiheit. Besser die Bibliothekskeller bleiben unzugänglich, als dass schon lange gebrechlich gewesene Autorinnen in ihren Gräbern rotieren müssen, weil sie ihres geistigen Eigentums beraubt wurden.

Links:
Aktionsbündnis “Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft”
Increasing Access to Books: The Google Books Settlement
BBC-News - Google books deal battle heats up

Via Bib-Link, Heise, c’t

Nachbemerkung: Natürlich gefällt mir bei weitem nicht alles, was Google so treibt und wie es zu seinem Geld kommt, unter anderem auch deshalb, weil ich von je her Jean-Luc Godards Spruch “Werbung ist Faschismus” nicht für ganz falsch halten kann. Noch weniger gefällt mir allerdings die Heuchelei und die gezielte Desinformationspolitik der Gegner von Googles Digitalisierungs-Projekten.
Zu Open-Source gibts übrigens ein ausgezeichnetes Buch von Sabine Nuss: Copyright & Copyriot


Bibliothekarische Zukunft wie sie war

It could be the last time: Wiederholung der erfolgreichen Veranstaltung von Monika Bargmann und Robert Buchschwenter: “Lesen auf der Enterprise” in der Wien Bibliothek:

Von der mächtigen Oberbibliothekarin Zarvora bis zum
Roboter-Bibliothekar, von den Jedi-Archiven bis zur USS Enterprise
Library, vom Kabinett von Saraogh auf Zentapher bis zur zerebralen
Bibliothek - ein audiovisueller Ausflug zu utopischen Bibliotheken und
 phantastischen BibliothekarInnen.
Textpassagen und Filmausschnitte illustrieren, wie sich Autorinnen und
Autoren phantastischer Literatur die Aufgaben und Fähigkeiten von
Bibliothekspersonal, die Veränderung der Speichermedien und
Bibliotheken als Räume und Organisationen vorstellen. Die Bibliothek
der Zukunft taucht dabei unter anderem als Bedrohung für die
MachthaberInnen, als Gedächtnis verschwundener Kulturen, als
Verwaltungszentrale und als Pforte zwischen Wirklichkeit und Fiktion
auf. In utopischen Erzählungen vergangener Jahrzehnte werden auch
technische Entwicklungen wie DVDs, Suchmaschinen und Computernetze
vorweggenommen. Und BibliothekarInnen treten als Roboter, als Klone,
als Hologramme auf, die sich allerdings zum Großteil gewisse Klischees
aus der Gegenwart über die Jahrhunderte bewahren.

Ein Vergnügen für BibliothekarInnen aus Vergangenheit und Zukunft sowie praktische Orientierungshilfe für BibliotheksbenutzerInnen von gestern und morgen!

Ort und Zeit: 16. Juni 2009, 19 Uhr, Wienbibliothek im Rathaus,
Musiksammlung, Bartensteingasse 9, 1. Stock, 1010 Wien, freier Eintritt.

http://www.wienbibliothek.at/veranstaltungen-und-ausstellungen/veranstaltungen/enterprise.html


“Wir haben einen Bücherbus”

sagte die Queen abends zu ihrem Gatten. “Kommt jeden Mittwoch.”
“Feine Sache. Es gibt noch Wunder.”

Wenn man den vielen Blogeinträgen glauben darf - Netbib und Lonely Librarian sind da nur zwei von Unzähligen - dann bin ich wohl der letzte Bibliothekar, der die märchenhafte Geschichte vom Bücherbus und der Königin noch nicht gelesen hat. Hatte:

Es handelte sich um den Bücherbus der Bezirksbibliothek der City of Westminster, einen große Lieferwagen, der nach Spedition aussah und neben den Abfalleimern vor einer der Küchentüren parkte.

Die Hoffnung des Bibliothekars, dass eine erhöhten Wahrnehmung durch die Öffentlichkeit - in diesem Fall sogar durch die höchste Öffentlichkeit, dem leibhaftigen Souverän - sich positiv auf die Bibliothek auswirken könnte, wirkt allerdings sehr realistisch [dass der Bibliothekar hofft, nicht die Hoffnung selbst]:

Der Stadtrat drohte ständig, der Bibliothek die Mittel zu kürzen, und eine so namhafte und distinguierte Entleiherin (oder Benutzerin, wie der Stadtrat sie nannte) konnte da sicher nicht schaden.

Dieser Realismus wird zur knallharten Wirklichkeit, wie im richtigen Leben:

Eines Mittwochnachmittags war er nicht da, und in der folgenden Woche ebenso wenig. Norman nahm sich der Sache sofort an, doch man teilte ihm lediglich mit, die Tour zum Palast sei wegen allgemeiner Mittelkürzungen eingestellt worden.
Norman ließ nicht locker und trieb den Bücherbus schließlich in Pimlico auf, wo er Mr. Hutchings, immer noch beharrlich Bücher etikettierend, auf einem Schulhof entdeckte.
Mr. Hutchings klärte ihn auf, obegleich er der zuständigen Abteilung der Bibliothek mitgeteilt habe, dass Ihre Majestät zu seinen Entleihern gehöre, habe er die Bezirksverwaltung damit nicht beeindrucken können, denn diese hatte ihrerseits Erkundigungen bei Hofe angestellt, und dort hatte man jegliches Interesse an der Sache dementiert.

Hiermit scheidet der Bücherbus aus der Geschichte aus, auch Norman, der Lesebegleiter der Queen, wird von Amts wegen entfernt. Staats- und Hofbibliotheken bleiben ihr allerdings noch erhalten.
Nachdem ihr mitgeteilt wurde, dass ein zurückgelassenes Buch in der königlichen Kutsche wahrscheinlich vom Sicherheitsdienst gesprengt worden sei, weil es für eine Bombe gehalten wurde, konnte die Königin nur bestätigen:

“Ja. Genau das ist es auch. Ein Buch ist ein Sprengsatz, um die Phantasie freizusetzen”.


“Schurken meiden Bibliotheken”

Bibliotheken sind ein Wunder, sind Tradition ohne Schlamperei,” meint Kurt Scholz in einem Gastkommentar in der “Presse” und fährt in seinem Hohelied auf Bibliotheken, insbesondere auf die Nationalbibliothek, fort:

“Will man dem besseren Teil der Menschheit begegnen, muss man in Bibliotheken gehen. In Lesesälen wird nichts Böses ausgeheckt, keine Kriege, keine Hedgefonds. Schurken meiden Bibliotheken. Selbst Karl Marx war im British Museum dreißig Jahre lang nicht mehr als ein freundlicher Wissenschafter.”

Könnte es sein, dass der seinerzeit dank der SPÖ-”Familie” ehemalig gewordene Stadtschulratspräsident von der Schurkenfreihet von Bibliotheken deswegen so überzeugt ist, weil er vermutlich nie jemanden aus dieser “Familie” an einem solchen Ort getroffen hat?


Lesen auf der Enterprise. Ein audiovisueller Ausflug ins Fiktive

“Whenever the Enterprise made rendezvous with any other starship or starbase, or returned to Starfleet Command, the ship’s librarian automatically requested updates and upgrades for all library sections, freely trading whatever unclassified information was requested in exchange. The Enterprise also routinely gathered libraries from other sources as well, particularly from whatever alien cultures they encountered in their patrols” (David Gerrold: The galactic whirlpool. Bantam 1997, S. 81)

Von Batgirl bis zum Roboter-Bibliothekar, von den Jedi-Archiven bis zur USS Enterprise Library, von der Stadt der träumenden Bücher bis zur zerebralen Bibliothek - ein audiovisueller Ausflug zu utopischen Bibliotheken und phantastischen BibliothekarInnen von Monika Bargmann und Robert Buchschwenter.

Donnerstag, 12. März, 19.30 Uhr

Wienbibliothek im Rathaus, Lesesaal

1010 Wien, Eingang Lichtenfelsgasse 2, Stiege 6 (Lift), 1. Stock

hingehen und genießen!


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