12. Dezember 2009 von haftgrund | kein Kommentar
“Eine Woche vor seinem 80. Geburtstag war es für den Xantener Kinderbuchautor Willi Fährmann eine Ehrensache, zur Eröffnung der Moerser Grundschule, die seinen Namen trägt, anzureisen und vorzulesen. Er las aus seinen Erinnerungen, wie er als Kind zum Lesen kam. Ein Arbeitsloser, der regelmäßig zu Hause in der Küche den Kindern die Haare schnitt, leitete ehrenamtlich die Bücherei in der Kirche und brachte immer neue Bücher mit, auch einige, die von den Nationalsozialisten verboten waren und im Kleiderschrank versteckt wurden.”
Quelle: http://www.rp-online.de/niederrheinnord/moers/nachrichten/moers/Schwungvoller-Start_aid_794677.html
6. Dezember 2009 von haftgrund | kein Kommentar
ZEITmagazin: Lesen Sie?
Allen: Nicht viel. Wegen meiner Brille hält man mich für einen Intellektuellen, der darauf brennt, nach Feierabend Kierkegaard zu lesen oder Bleistiftnotizen in Aufsätze über Hegel zu schreiben. Das ist aber ein Irrtum. Mein erstes Buch las ich mit achtzehn. Und zwar nur, um die Mädchen zu beeindrucken.
Sollte hier das Geheimnis der Berufswahl von Bibliothekaren zu finden sein?
29. September 2009 von haftgrund | 1 Kommentar
Im Augustin, Wiens Straßenzeitung gibt es einen Artikel in der Rubrik “Lokalmatador” über eine Bibliothekarin, die seit fast 40 Jahren in einer Bücherei im 2. Bezirk arbeitet. Es beginnt quasi nostalgisch:
“Maria Hirsch leitet die städtische Bücherei in der Zirkusgasse Nr. 3. Sie begann hier im September 1970, wenige Wochen nach der Matura. Brasilien war Weltmeister im Fußball. Bruno Kreisky schon Weltmeister der Sozialdemokraten. Und auch ihr Vater, der Industriearbeiter, der mit seiner Frau und seinen drei Töchtern der Arbeit quer durch Niederösterreich gefolgt war, gab sich mit der Welt zufrieden: Schön, dass es auch seine Maria zu etwas bringen wollte.”
Im Artikel wird weiters darüber berichtet, dass diese Bibliothekarin auch Personalvertreterin ist und sich als solche mehr zu sagen trauen kann, als andere Bedienstete (legendär ist ihr Schreiduell im Rathaus mit der Stadträtin, als diese eine Unterschriftenaktion in den Büchereien untersagt hatte), und dies auch im Interview unter Beweis stellt:
“Wenig Freude hat sie heute auch mit jenen Vorgesetzten, die zu den Lesern „Kunden“ sagen und dabei nicht merken, wie sie den neoliberalen Kurs mittragen.
Heute ärgert sie sich über jenen Kommunikationsoffizier der MA 13, den man ihr aus der Zentrale als Interview-Wächter geschickt hat. Was wird er wohl dem Amt für positive Berichterstattung berichtet haben? Wurscht.”
Dieses “wurscht” kann als fast typisch für Maria Hirsch bezeichnet werden, wenn die Frage auftaucht: “Dürfen wir das überhaupt? Und was werden die Vorgesetzten sagen?” - egal, ob es sich um Angelegenheiten der Bücherei oder um Personalvertretungsaktivitäten handelt. Die Vorgesetzten war nicht immer amused und ohne ihre Funktion als Personalvertreterin wäre sie in all den Jahren schon mehrfach “abgeschossen” worden, wenn die Abteilung nicht einen Aufstand innerhalb der Kolleginnenschaft und auch der Personalvertretung befürchten hätte müssen.
So auch bei der “Schmutzigen Geschichte” (siehe Links), bei der der Abteilungsleiter, dem sie eine Offene Mail geschickt hatte, erbost feststellte: “Generell kann ich Ihrem Schreiben nicht entnehmen, ob mir eine Personalvertreterin oder eine Büchereileiterin schreibt.”
Im Augustin-Interview nimmt sie nur kurz Bezug auf diese Auseinandersetzung, indem sie von Entscheidungen der Vorgesetzten berichtet, die sie nicht mittragen könne:
“Die „Ausbeutung der Putzfrauen“ sei so eine Entscheidung. Berichtet Hirsch mit funkelnden Augen. (Und man kann sich dabei ungefähr ausmalen, wie sie der einst mächtigen Stadträtin die Stirn bot.) Es sei eine Frechheit, mit wie wenig Geld die Schwächsten in der Hierarchie abgefertigt werden: „Gerade von einer Stadt wie Wien sollte man etwas Anderes erwarten.“
Nächstes Jahr wird Maria Hirsch wieder für die Personalvertretung kandidieren - Bibliothekarin und Personalvertreterin, eine untrennbare Einheit.
23. September 2009 von haftgrund | kein Kommentar
Beim Löschen von nicht ausgeführten Entwürfen ist mir dieser untergekommen, in dem ich eigentlich nur den Hinweis von Netbib auf einen langen, gut gemeinten Artikel anläßlich der Pensionierung einer offenbar überaus verdienten Bibliothekarin wiedergebe. Aber es ist zu schön :-)
Harfensolo aus der Stille
Bibliothekarinnen leben gemeinhin ein Leben im Stillen, ihre Bewegungen gedämpft von den vielen Büchern.
12. August 2009 von haftgrund | kein Kommentar
Via Library Mistress, aus der Policy on Library Personnel Practices der American Library Association zum
Workplace Speech:
Libraries should encourage discussion among library workers, including library administrators, of non-confidential professional and policy matters about the operation of the library and matters of public concern within the framework of applicable laws.
… schafft zwei, drei viele Bibliothekarinnen-Blogs zum Beispiel :-)
27. Juli 2009 von haftgrund | kein Kommentar
Im aktuellen Geo wird gefragt: “Was werden wir morgen lesen? Die digitale Kulturrevolution und was sie verändern wird”. Es wird unter anderem auch ein Bild der Bücherei in Alaverdi in Armenien gezeigt, wo die Digitalisierung noch nicht mit voller Wucht hereingebrochen ist, sondern auf bewährte Muskelkraft und uraltes Bibliothekarinnengedächtnis vertraut wird.

16. Juni 2009 von haftgrund | 2 Kommentare
| Stella: |
Was sind Sie von Beruf? |
| Sally: |
Bibliothekarin. |
| Stella: |
Na ja, der Bücherstapel in Ihren Händen weist darauf hin. Mir geht es jetzt um Ihr Kostüm. Ein Kostüm kann subtil oder aufdringlich wirken, wenn es auf einen Beruf hinweisen soll. Sie tragen eine bunte Bluse und weiße Strümpfe. Eigentlich sind das zu viele Requisiten, aber Ihre Kleidung wirkt einfach nicht stimmig. Sie hat die falschen Farben. In Ihnen sehe ich keine Bibliothekarin. Sie sollten keine bunten Sachen tragen. Die Bücher sind das, was Farbe hereinbringt. Sie sollten hinter ihnen verschwinden |
Aus: Stella Adler, Die Schule der Schauspielkunst. The Art of Acting. 22 Lektionen.
10. Juni 2009 von haftgrund | 2 Kommentare
It could be the last time: Wiederholung der erfolgreichen Veranstaltung von Monika Bargmann und Robert Buchschwenter: “Lesen auf der Enterprise” in der Wien Bibliothek:
Von der mächtigen Oberbibliothekarin Zarvora bis zum
Roboter-Bibliothekar, von den Jedi-Archiven bis zur USS Enterprise
Library, vom Kabinett von Saraogh auf Zentapher bis zur zerebralen
Bibliothek - ein audiovisueller Ausflug zu utopischen Bibliotheken und
phantastischen BibliothekarInnen.
Textpassagen und Filmausschnitte illustrieren, wie sich Autorinnen und
Autoren phantastischer Literatur die Aufgaben und Fähigkeiten von
Bibliothekspersonal, die Veränderung der Speichermedien und
Bibliotheken als Räume und Organisationen vorstellen. Die Bibliothek
der Zukunft taucht dabei unter anderem als Bedrohung für die
MachthaberInnen, als Gedächtnis verschwundener Kulturen, als
Verwaltungszentrale und als Pforte zwischen Wirklichkeit und Fiktion
auf. In utopischen Erzählungen vergangener Jahrzehnte werden auch
technische Entwicklungen wie DVDs, Suchmaschinen und Computernetze
vorweggenommen. Und BibliothekarInnen treten als Roboter, als Klone,
als Hologramme auf, die sich allerdings zum Großteil gewisse Klischees
aus der Gegenwart über die Jahrhunderte bewahren.
Ein Vergnügen für BibliothekarInnen aus Vergangenheit und Zukunft sowie praktische Orientierungshilfe für BibliotheksbenutzerInnen von gestern und morgen!
Ort und Zeit: 16. Juni 2009, 19 Uhr, Wienbibliothek im Rathaus,
Musiksammlung, Bartensteingasse 9, 1. Stock, 1010 Wien, freier Eintritt.
http://www.wienbibliothek.at/veranstaltungen-und-ausstellungen/veranstaltungen/enterprise.html
9. Juni 2009 von haftgrund | kein Kommentar
Gerade gefunden bei John Dos Passos: Das Land des Fragebogens. 1945: Reportagen aus dem besiegten Deutschland:
Der Bürgermeister war ein drahtiger, weißhaariger Mann, seine Züge schienen wie aus Granit gemeißelt. Ein alter Sozialdemokrat, den die Amerikaner irgendwo in der Abstellkammer gefunden und entstaubt hatten.
Der Captain hatte dafür gesorgt, daß mehrere Kinosäle geöffnet würden. Er hatte dafür gesorgt, daß der Berliner Pianist, der im Kreis Konzerte geben wollte, die Erlaubnis dazu bekam, vorausgesetzt, er hatte die richtigen Antworten auf seinen Fragebogen geschrieben. Er würde demnächst die öffentliche Bücherei wiedereröffnen.
Ganz offenbar machte es ihm Freude, diesen anständigen Leuten hier endlich auch einmal einige gute Nachrichten überbringen zu können. Darauf stießen wir an. Wir setzten uns aus den deutschen und englischen Worten die Geschichte zusammen, die sie uns über die Bücher der Bücherei zu erzählen versuchten. Um die Zeit der Bücherverbrennungen war es den Einwohnern dieses Ortes gelungen, ungefähr 300 Bände verschwinden zu lassen. Einer mauerte seine Bibliothek mit einer Backsteinwand zu. Und alle diese alten Bücher der Vornazi-Zeit würden jetzt wieder zugänglich werden.
“Schön, sagen Sie der Bibliothekarin, sie soll morgen früh um elf in meinem Büro sein”, sagte der Captain. “Wir werden dann alles regeln … und keine Sekunde später … wenn sie will, daß ihre Bücherei öffnet, hat sie Interesse, pünktlich zu sein.”
6. Mai 2009 von haftgrund | kein Kommentar
meint Tom Schaffer zu sein, weil ihm dieses widerfuhr:
Ich war gerade Fußball spielen. Wurde dabei mit dem Sicherheitsdienst konfrontiert. Eine keifende Bibliothekarin rief ihn. Und während sie auf ihn wartete, machte sie sich noch die Freude, uns anzufauchen.
Ich denke, mit ein bißchen Fauchen und Sicherheitsdienst rufen läßt sich noch keine Nation machen. Da sind die Dunklen Bibliothekare schon ein wenig weiter. Und vermutlich verändern wir uns eher von einer Hausmeister- in eine Blockwartnation als in eine andere.