Alle Beiträge mit dem Tag ‘BibliothekarInnen’

“Ich werde in die Bibliothek geführt.”

“Rechts erstreckt sich über die gesamte Breite und Höhe der Wand ein Regal voller Bücher und einige Zettel, sowie ein Kartei Kasten. Außerdem sind in der Bibliothek: Ein Drehstuhl, ein kleiner Hocker zum darauf stellen, sowie eine Klappleiter.”

“Beim einsortieren der Bücher stelle ich sehr schnell fest, dass auch die im Regal befindlichen sehr durcheinander stehen. Zwar lassen sich in den oberen beiden Reihen andeutungsweise die Kategorien „Religion”, „Wörterbücher”, „Gesundheit, Ratgeber und Lebenshilfe“ und „Biografien“ ausmachen, doch sind diese sehr durchmischt mit allen möglichen anderen. In den restlichen Regalreihen befinden sich Romane, sowie ganz unten Bücher in Fremdsprachen und Spiele. Doch offensichtlich waren sich bei den Romanen etliche Leute nicht einig, ob Taschenbücher separat stehen sollen oder nicht. Eben so fatal sieht es bezüglich der alphabetischen Sortierung aus.”

“Ich bin erstaunt zwischen den alten Schinken auf einige relativ neue Bücher zu stoßen. Fast bedauere ich, nicht länger hier zu sein und die Bibliothek nutzen zu können.”

Knasttagebuch: Brief Nr. 12 « Knastaufenthalt


Die Einsamkeit eines Langstreckenbibliothekars

Ronald Schneider, Bibliotheksleiter einer wegen Umbaus geschlossenen Bibliothek in Oberhausen berichtet, dass das während der Schließzeit eingerichtete “Besorgungsservice” kaum angenommen wird und er stellt über den Grund durchaus lesenswerte Vermutungen an.
Und im übrigen bekennt er:

“Ganz offen gesagt: Ich fühle mich sehr vereinsamt. Ein Bibliothekschef ohne seine Bibliothek und ohne seine Mitarbeiter fühlt sich doch ein Stück weit seiner selbst entfremdet.”(“Der Westen”)

Im Artikel wird weiters geschrieben, dass Ronald Schneider jahrelang für den Bibliotheksumbau gekämpft hatte, aber bei der Eröffnung bereits in Pension sein wird.


Der Wert der Arbeit toter Bibliothekare sprengt Googles Budget!

Das “Neue Deutschland”, ist gar nicht froh, dass die Altbestände der Wiener Nationalbibliothek von Google eingescannt werden. Aber nun zu unterstellen, dass das ehemalige Propagandaorgan der SED und die nun halt sonst irgendwie LINKE-links eingestellte Gazette nur an einer in realsozialistischen Zeiten lieb gewordene Gewohnheit fest halten möchte, dass Druckwerke nur einem exklusiven Kreis zugänglich bleiben sollen, wäre sowas von ungerecht!
In Wahrheit sorgt sich das den Klassenkampf nie aus den Augen verlierende Blatt erstens um den finanziellen Wert der in geordnete Drucksorten geronnenen Arbeit vieler Generationen emsiger BibliothekarInnen, ArchivarInnen etc., den Google nicht ausgleichen muss. Zweitens ist dem “Neuen Deutschland” die ganze Choose sowieso ein neoliberaler Dorn im Auge (dort wo der Klassenkampf wohnt) und drittens wird angeprangert, dass Öffentliches Gut privatisiert wird, indem dass nämlich Schriften, die bisher nur jenen vorbehalten sind, die in Wien wohnen oder einen Wienaufenthalt sich leisten können, nunmehr auch anderen zugänglich werden, nämlich allen, die eine Internetverbindung haben. Privatisierung in ihrer grausigsten Form also:

29.06.2010: Privatisierung kulturellen Erbes (Tageszeitung Neues Deutschland)

Die Zusammenarbeit läuft unter dem neoliberalen Label »Public Private Partnership«. Die Presseaussendung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB) erklärt diese Art der Kooperation folgendermaßen: »Google finanziert die Digitalisierung, die ÖNB trägt die Kosten für die Vorbereitung der Bücher sowie für Speicherung und Zugänglichmachung«. Wohlweislich nicht Vertragsgegenstand ist der immense Aufwand, der in Jahrhunderten der Sammeltätigkeit betrieben worden ist. Generationen von Archivaren und Bibliothekaren, Juristen und Gesetzgebern haben dafür Sorge getragen, dass in Wien eine der größten Bibliotheken weltweit entstanden ist. Die Monetarisierung dieser Arbeit würde die finanziellen Mittel von Google sprengen. Also schenkt die Direktion der ÖNB den Bestand einfach her und sorgt noch dafür, dass die Bücher aus den Speichern zum – übrigens in Bayern ansässigen – Digitalisierungsunternehmen und wieder retour geschickt werden.

Bereits das Wortungetüm »Public Private Partnership« verrät, worum es bei solchen Geschäften geht. Öffentliche – in diesem Fall kulturelle – Infrastruktur wird privatisiert.

In Tat und Wahrheit hat die ÖNB mit der Unterschrift unter den Vertrag kulturelles Erbe an einen privaten Nutzer verschleudert. Daran ändert auch dessen Werbetext nichts, wonach »die freie Zugänglichkeit ein demokratischer Vorgang« sei. Denn zum einen waren die Werke auch zuvor frei zugänglich, und zum zweiten hat sich Google damit für billiges Geld Wissen angeeignet, das in vielfacher Hinsicht verwertet werden kann.


Koma-Forschen

“Koma-Texten”: SMS-Schreiben soll krank machen « DiePresse.com

Eine australische Forscherin hat jetzt zahlreiche Krankheitsbilder entdeckt, die vor allem Teenager beim SMS-Texten heimsuchen können: Textaphrenie, post-textisches Stresssyndrom, “Tangst”gefühle (aus Text und Angst) und Koma-Texten, wie Jennie Caroll, Dozentin für Projektmanagement in Melbourne, am Mittwoch in Rundfunk berichtete.

Diese bemerkenswerte Ergebnisse australischen Forscherinnenschweißes korrespondieren mit meinen langjährigen Privatermittlungen im bibliothekarischen Bereich:

Mahngst = Angst vor Mahngebühren
Präbibliotisches Stresssyndrom = Angst davor, dass die Bücherei gerade dann nicht offen hat, wenn die verspäteten Medien zurückgebracht werden.
Posttraumatischer Erwartungskoller = Unbezwingbare, somatisch identifizierbare (Schüttelfrost) Angst, dass die Post die 3. Mahnung mit Drohung der gerichtlichen Mahnklage bringt.
Astralmediales Trotzsyndrom = tourettemäßig auftretende Beteuerungsabfolgen, dass das gemahnte Medium nie und nimmer entliehen worden sei.

Dass hier nur Symptome aus dem LeserInnengut-Bereich der bibliothekischen Schnittstellen genannt werden, und das weite und tiefe Feld bibliothekarischer Verhaltensauffälligkeiten hier absichtlich ausgespart bleibt, hängt damit zusammen, dass sich die BibliothekarInnenforschung nicht einig werden kann, was bei dieser Berufungsgruppe zu den Bugs oder zu den Features zählt.


Haare kürzen, Bildung bringen

“Eine Woche vor seinem 80. Geburtstag war es für den Xantener Kinderbuchautor Willi Fährmann eine Ehrensache, zur Eröffnung der Moerser Grundschule, die seinen Namen trägt, anzureisen und vorzulesen. Er las aus seinen Erinnerungen, wie er als Kind zum Lesen kam. Ein Arbeitsloser, der regelmäßig zu Hause in der Küche den Kindern die Haare schnitt, leitete ehrenamtlich die Bücherei in der Kirche und brachte immer neue Bücher mit, auch einige, die von den Nationalsozialisten verboten waren und im Kleiderschrank versteckt wurden.”

Quelle: http://www.rp-online.de/niederrheinnord/moers/nachrichten/moers/Schwungvoller-Start_aid_794677.html


Grund zum Lesen

ZEITmagazin: Lesen Sie?

Allen: Nicht viel. Wegen meiner Brille hält man mich für einen Intellektuellen, der darauf brennt, nach Feierabend Kierkegaard zu lesen oder Bleistiftnotizen in Aufsätze über Hegel zu schreiben. Das ist aber ein Irrtum. Mein erstes Buch las ich mit achtzehn. Und zwar nur, um die Mädchen zu beeindrucken.

Sollte hier das Geheimnis der Berufswahl von Bibliothekaren zu finden sein?


Bibliothekarin und Personalvertreterin

Im Augustin, Wiens Straßenzeitung gibt es einen Artikel in der Rubrik “Lokalmatador” über eine Bibliothekarin, die seit fast 40 Jahren in einer Bücherei im 2. Bezirk arbeitet. Es beginnt quasi nostalgisch:

“Maria Hirsch leitet die städtische Bücherei in der Zirkusgasse Nr. 3. Sie begann hier im September 1970, wenige Wochen nach der Matura. Brasilien war Weltmeister im Fußball. Bruno Kreisky schon Weltmeister der Sozialdemokraten. Und auch ihr Vater, der Industriearbeiter, der mit seiner Frau und seinen drei Töchtern der Arbeit quer durch Niederösterreich gefolgt war, gab sich mit der Welt zufrieden: Schön, dass es auch seine Maria zu etwas bringen wollte.”

Im Artikel wird weiters darüber berichtet, dass diese Bibliothekarin auch Personalvertreterin ist und sich als solche mehr zu sagen trauen kann, als andere Bedienstete (legendär ist ihr Schreiduell im Rathaus mit der Stadträtin, als diese eine Unterschriftenaktion in den Büchereien untersagt hatte), und dies auch im Interview unter Beweis stellt:

“Wenig Freude hat sie heute auch mit jenen Vorgesetzten, die zu den Lesern „Kunden“ sagen und dabei nicht merken, wie sie den neoliberalen Kurs mittragen.
Heute ärgert sie sich über jenen Kommunikationsoffizier der MA 13, den man ihr aus der Zentrale als Interview-Wächter geschickt hat. Was wird er wohl dem Amt für positive Berichterstattung berichtet haben? Wurscht.”

Dieses “wurscht” kann als fast typisch für Maria Hirsch bezeichnet werden, wenn die Frage auftaucht: “Dürfen wir das überhaupt? Und was werden die Vorgesetzten sagen?” – egal, ob es sich um Angelegenheiten der Bücherei oder um Personalvertretungsaktivitäten handelt. Die Vorgesetzten war nicht immer amused und ohne ihre Funktion als Personalvertreterin wäre sie in all den Jahren schon mehrfach “abgeschossen” worden, wenn die Abteilung nicht einen Aufstand innerhalb der Kolleginnenschaft und auch der Personalvertretung befürchten hätte müssen.
So auch bei der “Schmutzigen Geschichte” (siehe Links), bei der der Abteilungsleiter, dem sie eine Offene Mail geschickt hatte, erbost feststellte: “Generell kann ich Ihrem Schreiben nicht entnehmen, ob mir eine Personalvertreterin oder eine Büchereileiterin schreibt.”

Im Augustin-Interview nimmt sie nur kurz Bezug auf diese Auseinandersetzung, indem sie von Entscheidungen der Vorgesetzten berichtet, die sie nicht mittragen könne:

“Die „Ausbeutung der Putzfrauen“ sei so eine Entscheidung. Berichtet Hirsch mit funkelnden Augen. (Und man kann sich dabei ungefähr ausmalen, wie sie der einst mächtigen Stadträtin die Stirn bot.) Es sei eine Frechheit, mit wie wenig Geld die Schwächsten in der Hierarchie abgefertigt werden: „Gerade von einer Stadt wie Wien sollte man etwas Anderes erwarten.“

Nächstes Jahr wird Maria Hirsch wieder für die Personalvertretung kandidieren – Bibliothekarin und Personalvertreterin, eine untrennbare Einheit.


Gedämpftes Leben mit gewaltigem Echo

Beim Löschen von nicht ausgeführten Entwürfen ist mir dieser untergekommen, in dem ich eigentlich nur den Hinweis von Netbib  auf einen langen, gut gemeinten Artikel anläßlich der Pensionierung einer offenbar überaus verdienten Bibliothekarin wiedergebe. Aber es ist zu schön :-)

Harfensolo aus der Stille

Bibliothekarinnen leben gemeinhin ein Leben im Stillen, ihre Bewegungen gedämpft von den vielen Büchern.


Reden und reden lassen

Via Library Mistress, aus der Policy on Library Personnel Practices der American Library Association zum

Workplace Speech:
Libraries should encourage discussion among library workers, including library administrators, of non-confidential professional and policy matters about the operation of the library and matters of public concern within the framework of applicable laws.

… schafft zwei, drei viele Bibliothekarinnen-Blogs zum Beispiel :-)


Bücherei ohne Regale

Im aktuellen Geo wird gefragt: “Was werden wir morgen lesen? Die digitale Kulturrevolution und was sie verändern wird”. Es wird unter anderem auch ein Bild der Bücherei in Alaverdi in Armenien gezeigt, wo die Digitalisierung noch nicht mit voller Wucht hereingebrochen ist, sondern auf bewährte Muskelkraft und uraltes Bibliothekarinnengedächtnis vertraut wird.


 
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