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Thurnhers Goebbels’ und Apfls Finkelstein

Gut gemeint ist nicht immer gut erwischt. Wenn Armin Thurnher zu Recht vorschnelle Vergleiche mit Begriffen oder Gestalten des Nationalsozialismus für bedenklich hält - weil sie letztendlich aus dem Subtext heraus eine verharmlosende Wirkung entfalten, so hat er im letzten Falter mit einer solchen Kritik am Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde, Ariel Muzicant, arg daneben getroffen:

“Wenn der Präsident der Kultusgemeinde, zu Zeiten selbst Opfer antisemitischer Schmähungen, meint, der Autor der ehemaligen Haider- und nunmehrigen Strache-Sprüche sei eine Art Goebbels, dann trifft das ebenfalls nicht. Man soll den Verharmlosern nicht dadurch entgegentreten, dass man sie ins Maßlose aufbläst. Ein skrupelloser, wendiger Propagandist ist noch kein Massenmörder”

Gerade in jenem Interview, auf das sich Thurnher bezieht, hat Muzicant besonders sorgfältig differenziert, wie jederzeit nachgelesen werden kann und eben nicht den rechtsextremen Sprücheschreiber als Goebbels bezeichnet, sondern auf die Frage:
“Stimmen Sie dem Wiener Bürgermeister zu, der die Methoden der FPÖ mit denen der Nazis verglichen hat?” geantwortet:

“Ja, das kann man sagen. Und wenn ich den Herrn Kickl (Herbert, Generalsekretär der FPÖ, Anm.) höre, erinnert mich dieses Gehetze und die Sprache an Joseph Goebbels.”

Es macht - und darauf legt in anderen Kommentaren der Chefredakteur des Falter immer wieder höchsten Wert - einfach einen Unterschied aus, ob man jemanden mit einer Person identifiziert (“sei eine Art Goebbels”) oder ob man bestimmte Methoden miteinander vergleicht. Letzteres haben Muzicant und auch Häupl zurecht und zutreffend getan.
Übrigens, warum kritisiert Thurnher in diesem Zusammenhang nicht auch den Bürgermeister?

Eine Seite weiter vermeint Stefan Apfl eine Lanze für die Redefreiheit brechen zu müssen: er verwahrt sich dagegen, dass die Israelitische Kultusgemeinde und andere Organisationen gegen einen geplanten Vortrag Norman Finkelsteins auf der Uni Wien protestierten und daraufhin die Uni Wien plötzlich keinen Saal frei gehabt hätte.
“Warum ist das höchst bedenklich?” fragt Apfl und behauptet in der Folge, das Finkelstein ein “umstrittener, aber anerkannter Historiker” sei.
Gerade das ist er aber nicht. Seine Bücher werden von Fachhistorikern als generell unwissenschaftlich und im Detail als mit falschen Behauptungen gespickt eingeschätzt, und er selber als gehaltloser Polemiker angesehen, mit dem kein ernsthafter wissenschaftlicher Diskurs möglich sei. Mehrfach und im Detail belegt wird darauf hingewiesen, dass Finkelstein in seinen maßlosen Anwürfen und relativierenden Argumentationsketten antisemtische Klischees bediene, die natürlich - und eben nicht zufällig - die Rechtsextremen dazu veranlasst, ihn mit offenen Armen zu empfangen.
In den USA ist er schon lange kein Thema mehr, im deutschsprachigen Raum wurde er eine zeitlang durchs Feuilleton aufgeblasen, heute ists, außer in rechtsextremen Kreisen, auch eher ruhig um ihn geworden.
Wenn nun kritisiert wird, dass ein Auftritt an der Uni diesem Provokateur und Relativierer eine nicht zustehende (wissenschaftliche) Reputation bringen würde, dann ist dies für mich nachvollziehbar. Die Behauptung des Falter-Redakteurs, dass im Falle Finkelstein das freie Wort nicht zugelassen würde, und damit “Finkelsteins provokanten Thesen Recht” gegeben würde, ist eine Frechheit.
Erstens hat sich umgehend ein anderer Vortragsort gefunden, aber eben nicht im universitären Rahmen und zweitens wird Unsinn auch dann nicht wahrer, wenn er nicht überall gesagt werden kann.

Es macht nicht sehr froh, dass sich sogar bei Redakteuren des Falters, die erwiesenermaßen nichts mit dem rechten Scheiss am Hut haben, argumentative Muster einschleichen, die die Sache schwächen, für die sie eigentlich eintreten.


FOLM der vorigen Woche: Stefan Apfl

ist noch nachzutragen. Trotz harter Konkurrenz (des Herausgebers Männergschichten, diesmal mit der hardcore-Variante Fleischhacker bettelten schier drum) und trotz der Tatsache, dass es im Laufe der Woche  Trittbrettfahrer des hier genannten Folms (= Falters Eigendolm) - sonder Zahl gegeben hat, für die Falterwoche 5/09 hat es Stefan Apfl für seinen Artikel “Die Islamlehrer” letztendlich souverän geschafft.

Zweifellos stinkt es im Bereich der organisierten religiösen Indoktrination (nicht nur aber gegenwärtig wohl besonders) der kleinen Muslimkinderchen Länge mal Breite; und dies ist sicher einer näheren Betrachtung wert.  Daher ist es auch gut, sich mit einer Studie auseinanderzusetzen, in der versucht wird, den Indoktrineuren auf die Schliche zu kommen.

Und es ist auch gut, dies journalistisch zur Diskussion zu stellen, ohne dass die Hintergründe, die Machtkämpfe, die singulären Interessen etc. noch genauer bekannt sind. Oft ist es ja nur ein kleiner dummer Funke, der den Steppenbrand der Erkenntnis in Gang setzt, wie der alte Vorsitzende einst bemerkte, als er sich eine anqualmte.

Dass so ziemlich alle an höheren Wesen orientierten Gemeinschaften von Kutten-, Kittel-, Kopftuch- und Kaftanträgern im jeweiligen Inner Circle durchwegs aus einer Bande von sozial defizitären, intellektuell reduzierten, dafür in heuchlerischer und demagogischer Hinsicht überaus begabten Psychoheinis besteht - dafür gibt es ein paar tausend Jahre Fallstudien genug, das muss nicht extra bewiesen werden.
Dass sie weiterhin, wenn auch mit Abstrichen, immer noch so viel Macht haben, ist durchaus Anlass zur Unruhe; wenn durch mangelnde Integrationsprozesse den Kinderverführern der islamischen Fraktion viel zu viele Möglichkeiten gegeben werden, ihren gespenstigen Einfluss in die Zukunft hinein auszuüben, umso mehr.

Dann aber seriös und die Zusammenhänge im Auge behaltend:

  • Alleine aus den vom Falter-Redakteur gebrachten Zitaten  (Fragestellungen+Schlussfolgerungen) sind erhebliche Zweifel angebracht, ob diese Studie tatsächlich wissenschaftlichen Ansprüchen genügt bzw. als Diskussionsansatz brauchbar sein kann.
    Wie sich inzwischen gezeigt hat, wird die Skepsis gegenüber der Methode nicht nur von den sich angegriffen Fühlenden geteilt.
    Vom Falter-Autor wäre als Minimum zu erwarten gewesen, dass er die unklaren und Missverständnisse geradezu herausfordernden Fragestellungen zumindestens als solche bezeichnet und sie nicht als die ultimativen Gretchenfragen präsentiert.
  • Ein genauerer Blick auf die Art der Zusammenfassung und der vom Studienautor daraus gezogenen Schlussfolgerungen bringt einiges Hanebüchenes zutage, das von einem Artikelschreiber, der über “Die Islamlehrer” schreibt, zumindestens markiert werden sollte.
  • Ein Blick auf eventuell vorhandene einschlägige Studien in anderen Ländern mit einem Vergleich der Ergebnisse wäre nützlich und seriös gewesen. Vermutung: egal wer und zu welchem politischen Thema im Einzelnen befragt wird, vom Ergebnis her scheint ein gesättigter Bodensatz von plusminus 25% Antidemokraten/Antisemiten/Rassisten/natural Faschos  etc. zu bestehen. Ob Moslembrüder oder Piusschwestern, Windischgarstener Landpfarrer oder Mariahilfer Tschadorfeschisten  befragt werden “stinken tun sie alle”, wie in etwa der Große Heine mal so treffend befunden hat.
  • Die Reduktion auf ein Religionsunterrichtsproblem bzw. auf ein Problem des Lehrkörpers blendet völlig aus, dass die Macht der Religion umgekehrt proportional zur Intensität von Integrationsangeboten  wächst oder sinkt. Damit werden die in Österreich politisch Verantwortlichen für den skandalösen Umgang mit den Zuwanderern elegant exkulpiert. Und wie man sieht, haben diese das Hölzerl auch dankbar aufgenommen und pflustern sich jetzt mächtig maßnahmenpaketlich auf. Der BM von Wien scheint hier am schnellsten und widerlichsten reagiert zu haben, wenn ich nicht irre.
  • Und schließlich diese Kombination von raunendem Untergang-des-Abendlandes-Stil, wie sie ehemalige Presse(chef)redakteure gerne pflegten mit Michael-Jeanneeistischen Abgeschmacktheiten,  die schon öfters unangenehm aufgefallen ist.

Im aktuellen Falter winkt schon der nächste Folm für den selben Autor: Im Rahmen einer ziemlich abstrusen Zusammenfassung von Reaktionen auf seinen Artikel hält er überdies noch ein Plädoyer für die Beibehaltung des staatlich finanzierten Religionsunterrichts, der von allen Menschen, die guten Willens sind, seit jeher als unvereinbar mit der Trennung von Staat und Kirche angesehen wird:

“Ethikunterricht kann die Perspektive von Gottsuchenden erweitern. Den lebendigen Austausch zwischen Religion und Gläubigen außerhalb von heiligen Räumen kann er nicht ersetzen.”

Vor 20 Jahren wäre jemand mit einer solchen Aussage wohl noch mit nassen Fetzen aus der Falterredaktion …


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