Wie sich die Wiener SPÖ eine Bücherei krallt.

Und das geht so: in einem Bezirk wird der bislang recht grindige Platz im Zentrum saniert. Was vorher uninteressant war, wird plötzlich attraktiv. Auch der Standort, der dort seit eh und je befindlichen und erfolgreichen Bücherei wird damit aufgewertet. Es ist zu erwarten, dass daher die Besuche stärker steigen werden.
Dieses Potential erkennen auch die SPÖ-Organisation “Kinderfreunde“, die im Innenhof des zur Bücherei gehörenden Gebäudekomplexes einen Indoor-Spielplatz betreiben. Auch die, sagen wir mal, der SPÖ überaus nahestehende Volkshochschule im Bezirk zeigt Interesse.
Nur sind keine Lokalitäten mehr frei auf diesem Platz.
Doch der Bezirk ist ein Bezirk mit SPÖ-Mehrheit. Er ist auch der Stammbezirk des Bürgermeisters und des für die Büchereien zuständigen Stadtrats. Dieser Stadtrat ist seit wenigen Tagen auch der Bundesvorsitzende des Vereins der Kinderfreunde
Die besten Vorausssetzungen also für eine amikale Lösung:

  1. Die Bücherei hat künftig nur noch zwei statt vier Tage offen.
  2. In der Schließzeit wird das Lokal von Volkshochschule und Kinderfreunde benutzt.
  3. Dafür müssen einige Regale und damit die darin befindlichen Medien dran glauben.
  4. Eine Buchrückgabeklappe wird auch installiert.
  5. Kostet ein weiteres Regal.
  6. Der bisherige Buchbestand wird auf Kinderbücher und Erwachsenenromane eingeschränkt.

Genannt wird das Ganze “Bücherei-Sharing”. Das bisherige Team der Bücherei wird zusätzlich auch noch die zweite Bücherei im Bezirk betreuen, eine andere Form von “Sharing”. Genannt wird diese Hin- und Herhüpferei des Teams “Pilot-Projekt”. Die Leiterin hat den Auftrag, ein “Regional-Konzept” zu erstellen. Eines zur Abwicklung der Büchereien zugunsten von Parteieinrichtungen?
Denn ganz klar wurde auch mitgeteilt: Wenn die LeserInnen aufgrund der reduzierten Öffnungstage weniger werden sollten, werde die Zweigstelle endgültig gesperrt.

So geht das.

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Volltext Kulturgeschichte: 15. In Leipzig. Bakunin. Born, Stephan: Erinnerungen eines Achtundvierzigers. Berlin, Bonn 1978, S. 89-93.