Die Falter-Redaktion hat wieder mal Lernbedarf offenbart. Denn sich zu wundern, dass ein rassistischer Mörder Mitglied einer italienischen Faschistengruppierung ist, die sich nach Ezra Pound nennt, zeigt offenbar Defizite im Geschichtswissen. Dass Ezra Pound weniger wegen seiner Dichtkunst, sondern wegen seines rabiaten Antisemitismus und seiner Mussolini-Unterstützung als Idol italienischer Faschisten passt, sollte sich eigentlich auch bis zur Falter-Redaktion herumgesprochen haben, die, wenn man den Räsonnements ihres Chefredakteurs folgt, sowas wie der Prototyp von Qualitätsjournalismus ist. Da heißt es aber noch fleißig Geschichte lernen, vielleicht mal mit diesem Link anfangen. Und dann weiter googeln, vielleicht hierher, ehe man so eine unsägliche Notiz verfasst. Kostet nur ein paar Minuten und eine Peinlichkeit bleibt erspart.
Social Media ist nicht sozialistisch. Die Kronenzeitung auch nicht.
Wird der Kanzler bald selbst twittern, Frau Feigl?
fragte der letzte Falter des Jahres.
Die Antwort hat gute Chancen, bei den Sprüchen des Jahres mitzumischen:
Dass der Kanzler selbst twittert, ist vorerst nicht geplant. Was wir aus dem Rummel rund um Facebook außerdem gelernt haben? Dass Social Media leider nicht sozialistisch ist.
Was in der realen Welt das Aufsehen um die Tölpelhaftigkeit von “Parteisekretariat und -poster plakatieren online” war, wird in den Augen der Parteifrau also zum Rummel in so einem Netzwerk halt. Aus dem sie “außerdem” gelernt hätten (was hat wer denn noch gelernt???) , was nicht zu lernen ist, sondern nur zum Begreifen: dass auch in der Social-Media-Welt da draußen hohe Steuergeldzuwendungen nicht den gewünschten Erfolg haben müssen. Bei der Kronen-Zeitung war es seinerzeit zwar noch ein inseratengestützter Anfangserfolg gewesen, als diese den maximal mittelmäßigen Wohnungsstadtrat zum Kanzler pushte, erfolgreicher, als es einst mit der inzwischen untergegangenen Sonne Kärntens versucht worden war. Dass aber gleichzeitig der Ehemann der dann Kanzlersprecherin gewordenen Angelika Feigl in der Kronenzeitung kräftig auf die SPÖ einhieb, war Part of the Game. Es ging ja nicht um den Einsatz für eine bestimmte Politik, sondern nur für ein bestimmtes Face. Durch temporäre Unbotmäßigkeit (auch der Krone-Konkurrenz in Gestalt von Österreich-Leader Fellner, dem Schulhaberer des Kanzlers, wurde kräftig Steuergeld reingeschoben) erlitt Faymann dann aber kronenseitig kräftige Zurückstutzungen und im Kanzleramt wurde die Sprecherin ins hintere Glied geschoben, auf einen Sozialversorgungsposten sozusagen. Weil das so unhübsch klingt, nannte man es im Parteihaus wohl einen Sozial-Medien-Versorgungs-Posten. Möglicherweise durch einen Hörfehler glaubte die ehemalige Sprecherin wohl, dass hier eine Aufgabe für sie warte und begann zu twittern. Eigentlich eröffnete sie für ein halbes Jahr nur einen Twitteraccount und schwieg zumeist vor sich hin. Aber dann kam der Weltspartag, (oder war es der Staatsfeiertag?) und am Ende erschien Wernher the Facemann in all seiner ungehübschten Peinlichkeit . Doch statt mit Parteigenossen hatte er es mit Spöttern zu tun. Der Rest ist digital.
Was wir außerdem gelernt haben? Dass es für die Faymanns und Feigls ein Glück ist, dass weder Social Media noch die Welt sozialistisch sind. Und die SPÖ keine sozialistische Partei. Ist.
Bibliothekar musste ins Gefängnis
Nach dem Verbot der vor und während der Revolution von 1848 entstandenen Arbeiterverbrüderungsvereine in Sachsen gründeten die Webergesellen Carl Gottlob Stöckl und Friedrich Hasselhuhn um 1850/51 in Glauchau eine “Erholungsgesellschaft”, um unter dieser legalen Vereinsbezeichnung die verbotene Tätigkeit der Arbeiterverbrüderung illegal weiterzuführen. Vermutlich verbarg sich hinter dieser “Erholungsgesellschaft” eine Gemeinde des in den letzten Zügen liegenden Kommunistischen Bundes.
Am 18. Juni 1851 fand bei Gottlieb Stöckl eine Hausdurchsuchung statt, die offenbar belastendes Material gefunden hat. Denn in einem Prozess in Glauchau wurden Stöckl und die weiteren Mitglieder des ehemaligen Bezirkskomitees der Arbeiterverbrüderung – die Webergesellen Bernhard Herden aus Langenbielau, Christian Zimmermann und Ludwig Fritzsche – sowie der Bibliothekar der Erholungsgesellschaft Adrian Heller zu drei- bis vierzehntägigen Gefängnisstrafen verurteilt; Herden und Zimmermann wurden aus Sachsen ausgewiesen. Die Erholungsgesellschaft bestand bis mindestens Ende 1851.
Quelle: Herwig Förder: Der Bund der Kommunisten. Dokumente und Materialien Bd. 2 S. 756f.
Ideen auf dem Markt (2)
Wie im vorigen Artikel, Ideen auf dem Markt, berichtet wurde, sind die “Idea-Stores” nunmehr als geistiges Strandgut auch an die Stadt an der Donau angeschwemmt worden und sollen einer teilamputierten Bücherei als Konzept übergestülpt werden. Mit dieser dankbaren Aufgabe ist die Leiterin dieser Bücherei beauftragt worden, was mangels eines generellen Konzepts für die Wiener Büchereien zwar einen Ritt über den Bodensee darstellen würde, aber heutzutage eher durch einen Flug nach London und retour zu bewerkstelligen ist. Dort sollte sie die Idea Stores vor Ort studieren, konzeptionell für die Bücherei Schuhmeierplatz adaptieren und kommenden Dienstag in der Jahresendversammlung der Wiener BibliothekarInnen präsentieren.
Die bauliche Substanz der Londoner und der Ottakringer Einrichtungen wurde im vorigen Artikel gezeigt. Aber auch der Vergleich der räumlichen Bedingungen im Inneren ist ein Bild wert:

Und schließlich scheint auch die Benutzbarkeitsdauer eine gewisse Rolle für den Erfolg zu spielen. Bei der Darstellung der Öffnungszeiten konnten jene der Ottakringer Bücherei platzsparenderweise in die Anzeigetafel der Londoner eingepasst werden:

Man sieht, die Voraussetzungen für die Verpflanzung von Idea-Stores-Ideen ins schöne Ottakring sind nahezu ideal.
Was kann also von den Idea-Stores-Ideen in Wien gelernt werden?
Beispiel regionale Vernetzung mit anderen Einrichtungen. Eine solche gibt es seit Anfang der 80er-Jahre in der Siedlungsbücherei Am Schöpfwerk. Die vor Ort wirkenden sozialen, kulturellen Einrichtungen hatten sich zu einem Regionalteam zusammengeschlossen, welches rasch und unbürokratisch bei der Bewältigung der erheblichen sozialen Probleme in der neu erbauten Siedlung am Stadtrand reagieren konnte. Die Bücherei fungierte sozusagen als neutraler Boden und diente unter anderem als Informationsrelais, als Veranstaltungsort für Bürgerversammlungen. Nach zehn erfolgreichen Jahren wurde diese Zusammenarbeit mit dem Antritt eines neuen Büchereileiters gekappt. Nach dem Schöpfwerker Modell hatte sich auch in einem anderen Bezirk, in Margareten, eine solche Regionalplattform gebildet, in der die Bücherei ebenfalls sehr aktiv und erfolgreich tätig war. Nach einigen Jahren erfolgte durch einen Wechsel in der Büchereileitung und durch Personalreduktion ein Rückzug aus dieser bis dahin sehr erfolgreichen Gemeinwesenarbeit.
Beispiel Zusammenarbeit mit anderen Bildungseinrichtungen. In der Margaretner Bücherei gab es den Versuch, mit der nahe gelegenen Volkshochschule zusammenzuarbeiten. Wurde von dieser aber nicht goutiert, da diese in der Bücherei eine Konkurrenz zum VHS-eigenen Buchladen und Skriptenverkauf sah.
Weiters gibt es einige Büchereien, die mit einer Volkshochschule im selben Gebäude logieren. Von einer Zusammenarbeit ist nichts bekannt. In der neuen Simmeringer Bücherei ist allerdings eine solche geplant. Angesichts der personalen Unterbesetzung dort sind die Erwartungshaltungen in dieser Hinsicht aber gering.
Beispiel attraktives Gebäude mit großem Medienangebot. Findet man in Wien in der 2003 neu gebauten Hauptbücherei. Errichtet an der Grenze zwischen “feineren” Innenbezirken und den erheblich weniger feinen Außenbezirken, hat sie einen großen Anteil an der Revitalisierung des Gürtelbereichs, ist Anziehungspunkt für die unterschiedlichsten Bevölkerungsschichten mit einem hohen Anteil an jugendlichen MigrantInnen, nicht zuletzt wegen der frei zugänglichen “Computergalerie”. Es gibt zahlreiche Bildungs- und Fortbildungsangebote und andere Initiativen, welche entsprechend den Bedürfnissen und den Anforderungen immer wieder adaptiert werden. Das ehrgeizige und qualitativ hochwertige Veranstaltungsprogramm hat die Gürtelbücherei innerhalb weniger Jahre zu einem der wichtigsten Kulturangebote werden lassen.
Auch für andere Aktivitäten der Idea-Stores lassen sich entsprechende, in Wien bereits verwirklichte, Beispiele finden. Dass manches wieder eingestellt wurde, liegt einerseits am weitgehenden Desinteresse des den Büchereien überstülpten Beamtenapparats, was jede nicht ausdrücklich von oben anbefohlene Initiative als Luxus erscheinen läßt, und andererseits an den zwei wesentlichen Dingen: Geld und Personal. Also eigentlich nur an einem: Das lächerlich geringe Budget für die Wiener Büchereien. Da laufen sich Engagement und Ideen früher oder später tot. Verschärft wird diese Situation durch eine Leitung, die sich nur noch als Befehlsempfänger und -weitergeber verstehen darf und von der das ruhig Halten der Belegschaft und politisch gut verkaufbare Büchereiperformance verlangt werden. Und nicht zuletzt die Bereitschaft, sich öffentlich zum Tölpel zu machen, indem Vorgaben der politischen Ebene (was in Wien die Parteisekretariate der SPÖ bedeutet) wie die Öffnungszeitenreduzierung der Ottakringer Bücherei zugunsten von Parteieinrichtungen als bibliothekarische Entscheidungen verteidigt und mit Mascherl wie “Idea Stores” behübscht werden.
Womit wir wieder beim Thema sind, das wir nie verlassen haben.
Ideen auf dem Markt
Wie bereits mehrfach berichtet, wurden der sehr gut frequentierten Bücherei im Herzen Ottakrings im letzten Sommer Hals über Kopf die Öffnungszeiten halbiert. Anfangs hieß es, dass diese Maßnahme wegen Entspannung der Personalsituation gesetzt worden sei und es ohnehin leicht erreichbare Büchereien in der Nähe gebe; dann wurde behauptet, dass die Verminderung des Angebots der Leseförderung diene und schließlich erwuchs aus der Teil-Schließung ein “Pilotprojekt”: “Idea Store” heißt das neue Wort, welches seit anfang der Nuller-Jahre etliche Zeit als Running Hype in der nach griffigen Projekten gierenden Bibliothekengemeinde herum gereicht wurde.
Hier einige Beschreibungen und Eindrücke zu den Idea-Stores:
Die „Idea Stores“ gelten als bislang ehrgeizigster Versuch in Großbritannien, mit kulturellem Engagement den Kampf gegen Arbeitslosigkeit, Jugendkriminalität und Gewalt aufzunehmen. Und die „Idea Stores“ gelten als mögliches Exportmodell –auch in deutschen Metropolen wie Berlin könnte sich das Ideenkaufhaus bewähren.
Idea Stores (Les) – Notice bibliographique | enssib
Die Idea Stores sind aus dem Wunsch heraus entstanden, Bibliothek und Weiterbildungszentrum in einem Londoner Stadtteil, dessen kontrastreiche Bevölkerung diese Orte wenig besuchte, zusammenzulegen. Dank einer Strategie zur Rückeroberung der Besucher, die in einer Suche der besten Standorte, architektonisch ansprechender Auswahl und einem breiten Öffnungsausmaß, in kulanten Vorschriften – Geräusche und Verzehr von Getränken und Nahrung sind gestattet -, in dem Wunsch, alle Gruppen zu empfangen und in der Vermehrung der Dienstleistungen und angebotenen Aktivitäten zum Ausdruck kommt, sind sie auf einen sofortigen und beeindruckenden Erfolg gestoßen.
Die “Idea-stores” sind ein großartiges Konzept aus London! Sie sind eine Mischung aus Bibliothek und Gemeindezentrum. Sie bieten Bildung nicht nur in Form von Büchern, sondern auch Fortbildungen, Aktivitäten, Kurse für die Anwohner und für jedes Alter an. Errichtet und entwickelt wurde das Konzept für soziale Brennpunkte und es soll besonders Bürger mit migrantischen Hintergrund ansprechen und ihnen eine Teilhabe am öffentlichen Leben ermöglichen. Die vier idea-stores, die es bisher gibt, sind von vier verschiedenen Architekten entworfen worden.
… und jede Menge Bibliotheken | LIS TRAVELER
Die sogenannten Idea Stores existieren erst seit wenigen Jahren: Der erste Store wurde 2002 eröffnet, mittlerweile gibt es vier Einrichtungen dieser Art. Grundidee des vor rund 10 Jahren vorgelegten Konzepts war es, traditionelle Bibliotheksdienstleistungen aufzugreifen sowie zu modernisieren („library renewal“) und diese mit lebenslangem Lernen („lifelong learning“) und einer ausgeprägten Arbeit in den lokalen Communities („community renewal“) zu verbinden.
Idea Stores aus der Nähe : MBI Blog
Mein erster Eindruck verblüffte mich ein wenig – Canary Wharf ist ein Büroviertel, ausschließlich aus Glasfassaden hochgezogener Bürotürme bestehend. Was tut also eine öffentliche Bibliothek hier? Inmitten dieses fast schon surrealen Ambientes (im unterirdischen Bereich dieses Viertels wimmelte es nur so von grauen und schwarzen Anzügen, es waren Tausende.
Die Bibliothek gefiel auf den ersten Blick: sehr modern, sehr transparent. Rund 1/3 der Gesamtfläche war Internet-Arbeitsplätzen gewidmet, ich zählte rund 40 Geräte. Interessant war auch, wer dort Platz genommen hatte: die Grau- und Schwarzanzüge. Bei meinem Rundgang durch die Bibliothek fand ich dann doch noch eine zweit Gruppe vor – Mütter mit ihren Säuglingen. Offenbar ein regelmäßiges Treffen, denn jeder schien jeden zu kennen.
Aus dem Obigen und aus zahlreichen übers Googeln abfragbaren Quellen lassen sich für das Gelingen dieses Büchereikonzept folgende Voraussetzungen ausmachen:
- Großes, geräumige Gebäude mit beeindruckender Architektur;
- Umfangreiches und attraktives Medienangebot für die zu erwartenden BenutzerInnen;
- Großzügige Öffnungszeiten, möglichst rund um die Uhr;
- Keine künstlichen Hemmschwellen und sehr lockere Benutzungsordnung;
- Ein ausreichend vorhandenes und “open minded” Personal, mit hoher sozialer Kompetenz und Belastbarkeit;
- Vernetzung mit regionalen und überregionalen Einrichtungen;
- Jederzeit adaptierbare Bildungsangebote vor Ort;
- Hochwertiges und auf die vielfältigen Erwartungen angepasstes Veranstaltungsprogramm;
- Die Bereitschaft, auf neue oder neu erkannte Bedürfnisse flexibel zu reagieren;
- Entsprechend hohes Budget.
Wenn diese Bedingungen erfüllt sind, dann wird wohl jede Bücherei in jedem Stadtteil jeder Stadt der Welt ein Erfolg. Egal welches ideologische Konzept dahinter steht. Beim “Ideas-Stores-Konzept” sind in diesem Zusammenhang eindeutig kommodifizierende Transformationsschritte auszumachen, wie:
- die Mischfinanzierung durch Öffentliche Gelder und private Sponsoren (Handelsketten);
- Prekäre Anstellungsverhältnisse (nur Jahresverträge);
- Verzicht auf bibliothekarische Kompetenz zugunsten “sozialer” ;
- “Markenname” Idea-Stores statt Public Library aus Marketinggründen;
Wenn man die Ideologie beiseite läßt, dann bleibt aus all dem eine ambitionierte Bücherei übrig, wie es sie in der ganzen Welt in den Ländern mit hochentwickelten Büchereisystemen gibt. Das ist immerhin einiges wert. Allerdings scheinen die ideologischen Elemente nicht nur Beiwerk zu sein, sondern dürften für eine geänderte Haltung zum öffentlichen Büchereiwesen stehen, wie für die Tony-Blair-Jahre nicht untypisch. So ist eine Mischfinanzierung in einem Land, dessen Büchereien bislang vollständig durch Öffentliche Gelder finanziert wurden, ein Einbruch marktorientierter Interessenslagen. Über die Ökonomisierung von Bildungseinrichtungen gibt es inzwischen eine recht zahlreiche (kritische) Literatur. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass sich die Privaten bei schlechterer Wirtschaftslage wieder zurückziehen. Ironischerweise ist in Großbritannien die Finanzierung weniger durch die Privaten gefährdet, sondern durch die Ausrichtung der Olympiade durch Großbritannien, was die Öffentlichen Kassen leer räumt. Ganz zu schweigen von der inzwischen hereingebrochenen Finanzkrise. Dass prekäre Arbeitsverhältnisse schlecht zu Tätigkeiten im Öffentlichen Auftrag passen, ist das eine. Dass sie immer mehr auch im Öffentlichen Dienst eine Rolle spielen, das andere, wie zuletzt hier zu lesen war. Aber auch hier. Der Verzicht auf bibliothekarische Kompetenz hat inzwischen zu Beschwerden der BenutzerInnen geführt, die Auskunft über die von ihnen gesuchte Literatur wollen und keine Animation. Hier soll in einigen “Idea-Stores” bereits reagiert worden sein und BibliothekarInnen wieder eine Anstellungschance bekommen. Das Orientieren auf den “Markennamen” irritierte viele BenutzerInnen, die nach wie vor in eine Bibliothek gehen wollen und nicht in einen verwechselbaren “Store”. Ideas hin oder her.
Abschließend zwei Absätze aus einem Aufsatz, in dem der Frage nachgegangen wurde, wie sich die “Idea-Stores” heute präsentieren. Als Fazit ist daraus zu entnehmen, dass es weiterhin gute Büchereien sind, aber einiges von den hohen Erwartungen zurückgenommen werden musste. Und dass die propagierte Leitidee der Herstellung von Chancengleichheit durch dieses Büchereikonzept heute, angesichts der veränderten politisch-sozialen und ökonomischen Verhältnisse, eigentümlich antiquiert wirkt:
“… the Idea Stores represent a moment where the market and the state seemed able to work together to regenerate, in a flush of growth, the impoverished inner cities. The architecture of the Idea Stores fused the civic and the commercial, but their imitators are almost all in the commercial rather than the public sector.”
“Architecture doesn’t, alone, solve social problems – and the idea that a façade can be ‘egalitarian’ shows a confusion between form and content. But the visual language of public buildings is an important statement of the value that the state places in a community.”
Doch nun zurück an den Anfang. Eine Kollegin wurde also nach London geschickt, um aus der Fülle der Idea-Stores-Ideen zu schöpfen und für Ottakringer Verhältnisse zu adaptieren.
Um die Größenverhältnisse nicht aus den Augen zu verlieren, hier eine Bildmontage von London und Ottakring:

Dieses Bild wollen wir bei der Fortsetzung, Ideen auf dem Markt (2), im Auge behalten.
Wenn das Prekariat in den Büchereien tanzt
nach acht guten und spannenden Jahren bei den Büchereien Wien verabschiede ich mich mit Ende Februar … Ich möchte mich bei euch/Ihnen allen sehr sehr herzlich für die großartige Zusammenarbeit der letzten Jahre bedanken, und habe mir fest vorgenommen, den Veranstaltungen der Büchereien zumindest als Besucherin treuzubleiben…
schrieb Anfang des Jahres eine Kollegin, die vom Bibliothekarischen Leiter der Büchereien mehr oder weniger sanft hinausgebissen worden war. Glücklicherweise arbeitete gerade eine sehr fähige Praktikantin in der Hauptbücherei, die auch auf Grund ihrer bisherigen Berufserfahrung für den Bereich Veranstaltungen und Öffentlichkeits eine optimale Nachfolgerin war.
Und tatsächlich erfolgte die Mitteilung, dass diese neue Kollegin, die auch in der MitarbeiterInnenzeitung entsprechend vorgestellt wurde, die Agenden der gekündigt habenden Mitarbeiterin übernommen habe. Wunderbar.
Nun erfahren die Büchereibediensteten, dass diese Mitarbeiterin nach zehnmonatiger Tätigkeit für zwei Monate pausieren müsse, da sie nur als “Hilfskraft” eingestellt sei und für diese es bekanntlich eine solche Zwangspause gibt.
Womit nun offiziell ist, dass für die Wiener Büchereien die Aufgabenstellung “Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungen” partiell Hilfskraftstatus hat. Was die finanzielle und arbeitsrechtliche Einstufung betrifft. Die geforderte Leistung ist natürlich eine hochwertige und ist auch erbracht worden. In nächster Zeit aber eben nicht, wie das Referat Veranstaltungen/Öffentlichkeitsarbeit mitteilt:
ich bitte euch daher, alle mails ab ende dezember bis anfang märz nur mehr an mich zu schicken, da nur mehr ich da sein werde.
bitte euch bei der gelegenheit auch gleich um geduld, da ich mit sicherheit alles nicht in der von euch gewohnten zeit schaffen werde können.
Was eine Frage aufwirft, welche ein sozialdemokratischer Personalstadtrat in einer anderen, aber letzlich vergleichbaren Situation dereinst tatsächlich gefragt hatte:
“Wenn die Arbeit in den Büchereien auch von [niedriger Eingestuften] geschafft wird, dann werden wir halt alle … runterstufen!”
Also: Wer in den Büchereien tanzt als nächster den Prekariatstanz?

Der kommunistische Agitator, ein neu gewonnener Kommunist und der Kanonenredakteur
Heute geriet ich durch die Schließzeit der Bibliothek quasi in einen Cliffhanger. Ich war bei meiner Lektüre ungefähr bei diesen Inhalten angekommen:
… wir sprachen über die Zeitfragen, und er schied von mir als allereifrigster Kommunist.
schrieb der Eine in einem Brief. Der frisch zum Kommunisten gewordene Andere besuchte wenige Tage danach einen gerade zum Chefredakteur Gekürten, von dem an diesem Tag ein Artikel erschienen war, in dem es u.a. hieß:
Wir haben die feste Überzeugung, daß nicht der praktische Versuch, sondern die theoretische Ausführung der kommunistischen Ideen die eigentliche Gefahr bildet, denn auf praktische Versuche, und seien es Versuche in Masse, kann man durch Kanonen antworten, sobald sie gefährlich werden,
Als der Jungkommunist, nichts ahnend von diesem Artikel, dem Redakteur von seinen revolutionären Plänen erzählte, holte er sich eine unglaublich kalte Schulter.
Die Frage lautet nun natürlich: Bleibt der junge Kommunist weiter ein solcher? Wird der Redakteur auch in Zukunft mit Kanonen auf Massen schießen wollen, wenn sie praktische kommunistische Versuche anstellen? Wird der eingangs erwähnte kommunistische Agitator weiterhin erfolgreich sein? Und wie geht die Geschichte weiter?
Für Neugierige gibt es Schlagwörter, die dann einfach zuzuteilen sind ;-)
Dass der Kanzler selbst twittert, ist vorerst nicht geplant. Was wir aus dem Rummel rund um Facebook außerdem gelernt haben? Dass Social Media leider nicht sozialistisch ist.