Wenn man von Etienne Cabet, Heinrich Heine, Pierre Leroux und Ludwig Feuerbach absieht, dann waren die HauptakteurInnen vor und in der 1848/49-Revolution altersmäßig sehr nahe beisammen. Nichtsdestrotrotz gab es innerhalb dieser faktisch Gleichaltrigen Lehrer-Schüler-Verhältnisse, sowie Befreiungen aus diesen plus entsprechend angriffiger Polemiken. Die dabei oftmals anzutreffende Schärfe der Auseinandersetzung scheint in manchen Fällen umgekehrt proportional zur Bedeutung der inhaltlichen Differenzen zu sein, zumal gelegentliche diametrale Positionswechsel von Kontrahenten keine Beendigung des Streits nach sich ziehen, sondern umso verbissener der neue Standpunkt gegen den früher eigenen geführt wird.
Ein Beispiel dafür sind die Marxengelschen Attacken gegen den sogenannten „Wahren Sozialismus“, besser gegen die mit diesem Etikett bedachten Gegner. Bekanntlich kam Moses Hess in diesem Fall zu der zweifelhaften Ehre, für etwas gescholten zu werden, was er nicht mehr vertrat bzw. so nie vertreten hatte, wie ihm vorgehalten wurde – von solchen, die nur wenige Wochen zuvor selber den ihrer Kritik entsprechenden „Wahren Sozialismus“ vertreten hatten – so als wollten sie das Vorbild von F. W. Bernsteins Wahrspruch abgeben: „Die schärfsten Kritiker der Elche / waren früher selber welche.“

Eine Tabelle (leider nur als Bild) soll das Alter wesentlicher AkteurInnen jener Revolutions- und Vorrevolutionszeit vergleichen. Moses Hess kannte fast alle von ihnen persönlich oder hatte publizistisch mit ihnen zu tun.
Nach und nach sollen einige dieser Begegnungen genauer dargestellt werden. Neben den Beziehungen zu Marx und Engels scheinen mir jene zu Heine, Leroux, Feuerbach und Herzen ebenfalls von besonderem Interesse zu sein und werden je nach Zeit und Lust noch behandelt.

Als Orientierungshilfe ist unten noch das Lebensalter zu drei entscheidenden Zeitpunkten angegeben.

1830: hier gibt es eine Altersgrenze zwischen jenen, welche die Julirevolution in Frankreich bzw. die Berichte über diese bereits bewusst erleben konnten und deren weitere politische Entwicklung sich direkt aus den Erfahrungen aus dieser Revolution ergab. So nahm Hess mit seinen 18 Jahren, in einer intensiven Rousseau-Lesephase begriffen, die Revolution als Zügelung des Übermuts von Monarchen wahr, bekannte sich in einem Brief aber – noch – zur Konstitutionellen Monarchie. Für die Jüngeren wie Marx (12), Herwegh und Grün (13) sowie für Engels (10) war 1930 wohl nicht direktes Erleben, sondern nur als Referenz von politischer Literatur vorhanden, welche schon zuhauf da war, als sie politisiert wurden.

1840 scheint das Jahr des Paradigmenwechsels gewesen zu sein, als die demokratischen, republikanischen Bewegungen, insbesondere die Junghegelianer, wahrnahmen, dass Demokratie und Republik nichts ändert an der real existierenden sozialen Ungleichheit. Die vier damals erschienen Bücher – Pierre-Joseph Proudhon: Qu’est ce que la propriété? (Was ist Eigentum?), Etienne Cabet: Voyage en Icarie (Reise nach Ikarien), Louis Blanc: Organisation du travail (Die Organisation der Arbeit) und Moses Hess: Europäische Triarchie schlugen, wie hier zu lesen ist, wie ein Blitz ein.
Merke gerade, dass ich Louis Blanc, der 1848 kurz Minister war, in der Auflistung vergessen habe. Er ist 1811 geboren und war beim Erscheinen seiner Schrift 29 Jahre alt. Nachzutragen sind auch noch der illustre Adelbert von Bornstedt (1807), der Mitarbeiter im Pariser „Vorwärts„, Herausgeber der „Brüsseler Zeitung„, zeitweiliger preussischer Konfident und zusammen mit den Herweghs an der „Deutschen Legion“ zur Unterstützung  Friedrich Heckers beteiligt; und  natürlich auch Louis-Auguste Blanqui (1805), welcher noch in der Pariser Commune 1871 eine Rolle spielt; und sicher noch etliche andere.

1848 als Referenzjahr dürfte selbsterklärend sein.

Dass nur drei Frauen bislang vorkommen, entspricht in keiner Weise der realen Bedeutung von Frauen im Vorfeld und während der Revolutionen. Dies hängt nicht nur mit männerorientierter Geschichtsschreibung zusammen, sondern auch mit der Bewertung von Ereignissen in ihrer Relevanz für die Revolution. Im Unterschied zu der traditionellen Revolutionsgeschichtsschreibung, für die Hungerrevolten vor 1848 zu den vorkapitalistischen Revolten zählen, weist Ahlrich Meyer in „Die Logik der Revolten“ den Subsistenzunruhen von 1846/47 in Frankreich den Charakter „moderner“, das heißt in ihrem Wesen antikapitalistischer Bewegungen zu. Denn sie nehmen nicht nur oft von den Märkten ihren Ausgang, sondern bestehen ebenso in Überfällen auf Transportfahrzeuge mit Lebensmitteln. Lebensmittel, welche aus Spekulationsgründen den regionalen Märkten entzogen werden. In all diesen Kämpfen sind Frauen an vorderster Stelle anzutreffen und die Gegner nicht mehr ausschließlich lokale Ausbeuter, wie etwa in der Weberrevolte 1844; zunehmend wird der Kampf gegen das kapitalistische System der Lebensmittelspekulation selbst geführt.
Da diese Rebellionen zumeist in  ländlichen  Gegenden oder Kleinstädten erfolgten, wurden sie in Paris nicht in ihrer Bedeutung wahrgenommen, womit auch die Quellenlage schechter ist als von Ereignissen, die in der Hauptstadt stattfanden.

In diesem Zusammenhang sei auf Akteure eines Umbruchs. Männer und Frauen der Revolution von 1848/49, insbesondere auf Band 2 hingewiesen, in denen etliche Porträts Frauen der Revolution gewidmet sind.

Abschließend zur Illustration über die Rolle der Frauen in den Revolten vor der Revolution ein kurzer Abschnitt aus Ahlrich Meyers „Die Logik der Revolten“.

Banden wütender Frauen

Wie schon bei den Aufständen im Departement Maine-et-Loire treten jetzt, wo sich die Subsistenzunruhen über große Teile Frankreichs auszubreiten beginnen, die Aktionsformen der Frauen am deutlichsten hervor. Sobald Frauen ihre Kampfe selbständig führen, erscheinen sie in der Presse als Furien (femmes furieuses). Eine solche Bande von wütenden Frauen und jungen Mädchen versucht am 25. November im Hafen von Boulogne (Pas-de-Calais), die Verladung von Kartoffeln zu verhindern, um sie sich anzueignen, denn auch dies Ersatznahrungsmittel der Armen ist inzwischen knapp und teuer geworden. Es kommt zum Handgemenge zwischen den männlichen Ordnungskräften und den Frauen, die nun ihrerseits die Frauen der Matrosen um Hilfe rufen: sie drängten die Männer zurück und riefen: „Wenn man uns angreifen sollte, dann rächt uns!“

An verschiedenen Orten des Departements Dordogne übernehmen Frauen die Kontrolle der Marktvorgänge und der Steuererhebungen beim Getreidehandel und bedrohen potentielle Preistreiber und Spekulanten. So in Mussidan (28. November) und in Perigueux, wo am 2. Dezember mehrere Gruppen von Frauen und Kindern die Überwachung bis in die Hauser der Käufer fortsetzen um sicherzustellen, daß das Getreide aus der Halle in die örtlichen Bäckereien gelangt. Gelegentlich halten sich die Ehemänner zur Verstärkung bereit, aber die Initiative zum Handeln geht doch offenkundig von den Frauen aus. So auch in Verdun, wo eine beträchtliche Anzahl von Frauen, bewaffnet mit Knüppeln und Besenstielen und unterstützt von einigen Männern, am 30. November ein Getreidefahrzeug gewaltsam in die dortige Markthalle umzulenken versuchen; oder in Lencloitre (Vienne), wo am 4. Januar 1847 eine Herabsetzung des Kornpreises erzwungen werden soll: die Frauen machten sich daran, die Säcke aufzuschneiden, so daß der Marktplatz nach kurzer Zeit mit Getreide übersät war.