Für Moses Hess fand sich lange kein öffentliches Erinnerungsmerkmal in seiner Geburtsstadt Bonn. Er stand zwar schon lange auf einer Liste für Straßenbenennungen, aber das war es auch schon. Im Jahr vor der Wiederkehr seines 200. Geburtstages (2012) wollten Bonner Bürger sicher gehen, dass bis zu diesem Zeitpunkt eine entsprechend ehrende Benennung erfolge. Sie wandten sich in persönlichen Gesprächen an Bonner Abgeordnete und benutzen auch öffentliche Foren, um dieses Anliegen zu propagieren.
So schrieb Herr Alfred Kerger an Stadtrat Jürgen Repschläger, Linke:

am 21.6.1812 wurde in Bonn der deutsch-jüdische Philosoph und Schriftsteller Moses Hess geboren. Er gehörte zu den Frühsozialisten und war ein Vorläufer der Zionisten.
M.E. wäre es dringend angebracht, dass anläßlich seines 200sten Geburtstages im Jahre 2012 eine Straße in seiner Heimatstadt nach ihm benannt würde.
Werden Sie sich als sozialistischer Abgeordneter im Bonner Stadtrat für dieses Anliegen einsetzen ?

Die Antwort klang sehr vielversprechend:

vielen Dank für diese Idee, die ich gerne aufgreifen werde. Ich freue mich sehr, dass Moses Heß, ein Vordenker der sozialistischen Utopie, nicht ganz in Vergessenheit geraten ist. Bereits gestern ist das gleiche Anliegen von anderer Seite an mich herangetragen worden. Spannend ist ja vor allem auch die Auseinandersetzung zwischen Heß und Karl Marx über den richtigen Weg zur Emanzipation der europäischen Juden. Leider haben sich die Beiden über diese Frage heillos zerstritten. Historisch bedeutsam wäre es, die Bonner Straße, in der Heß aufgewachsen ist, nach ihm zu benennen. Doch die alte Judengasse existiert nicht mehr. Heute ist dort die „Berliner Freiheit“, bzw die Rampe, die zur Kennedybrücke führt. Leider kein attraktiver Ort zu Ehren von Moses Heß. Wenn Sie eine Idee für eine geeignete Straße haben, so teilen Sie mir dies doch mit. Ich werde mich auf jeden Fall für eine Ehrung zum 200sten Geburtstag von Moses Heß einsetzen. [Link]

Eine um einen konkreten Vorschlag erweiterte Anregung schrieb Herr Alfred Kerger auch an den Oberbürgermeister Jürgen Niemptsch:

am 21.6.1812 wurde in Bonn der deutsch-jüdische Philosoph und Schriftsteller Moses Hess geboren.
Hat die Stadt Bonn die Absicht, Moses Hess zu seinem 200sten Geburtstag im nächsten Jahr in würdiger Form zu gedenken ?
Bekanntlich wurde Moses Hess in der ehemaligen Bonner Altstadt in der Judengasse 807 geboren. Könnte die Stadt Bonn sich vorstellen, einen Teil des Erzbergerufers in Moses-Hess-Ufer umzubennen, nämlich denjenigen Abschnitt, wo sich auch das Synagogendenkmal befindet, d.h. zwischen Kennedybrücke und Josefstraße ? [Link]

Hiezu kam keine Antwort.

Herr Wolfgang Hendrik Deuling stellte schließlich den Bürgerantrag,

den Teil des Erzberger Ufers, der sich von der Josefstraße bis zur Kennedy-Brücke erstreckt, in Moses-Hess-Ufer umzubenennen.

Als Begründung wird angeführt:

Moses Hess wurde am 21. Januar 1812 in Bonn geboren und zwar in dem ehemaligen Judenviertel der Stadt Bonn – dort, wo sich heute das Hotel Hilton befindet und die am 9. November 1938 zerstörte Synagoge der jüdischen Gemeinde stand.
Moses Hess ist einer der größten Söhne der Stadt Bonn und seit 1985 in der Warteschlange für Straßenbenennungen.
Moses Hess war ein führender Wegbereiter des Sozialismus und der Sozialdemokratie sowie der geistige Gründungsvater des Staates Israel.
Es ist an der Zeit, dass sich die Stadt Bonn zum 200. Geburtstag an Moses Hess durch Benennung einer Straße an diesen großen Sohn der Stadt Bonn und des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen erinnert und ihn durch eine Straße im ehemaligen Judenviertel ehrt.
Die Stadt Bonn ehrt sich damit auch selbst.

In dem Bürgerantrag wird weiters die Verbindung mit einem Projekt der Stadt Bonn zur Erinnerung an die Bonner Bücherverbrennung hergestellt:

Die Schriften und Bücher von Moses Hess wurden am 10. Mai 1933 in Bonn und 20 weiteren Städten in Deutschland verbrannt und/oder geächtet.
Der Rat der Stadt Bonn hat – wie Ihnen bekannt – im Juli 2010 beschlossen, zur Erinnerung an die Bonner Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 auf dem Bonner Marktplatz ein Mal zu errichten. Insofern schließt sich der Kreis mit einem zukünftigen Moses-Hess-Ufer.

Der Antrag wurde angenommen und Moses Hess sowie Bonn durch eine Moses-Hess-Straße geehrt.


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