Hegel ist nicht über die „Germanische“ Welt als Epoche machende hinaus gegangen, obgleich er keineswegs die Geschichte zu „antizipieren“ brauchte, um die gleiche Berechtigung aller weltgeschichtlichen Rassen in der neuesten geschichtlichen Phase anzuerkennen. Hegel sah diese in der religiösen Reformation schon dem Prinzipe nach angebahnt; sie wurde es aber wirklich erst durch die politische Revolution, welche nicht von der Germanischen, sondern Romanischen Welt ausging, und ihre welthistorische Bedeutung gerade im Sturze der letzten germanischen Rassenherrschaft, und in der dadurch erst zur Geltung gekommenen Gleichberechtigung aller geschichtlichen Nationalitäten hatte. Natürlich konnte bei solcher Auffassung die dialektische Entwicklung des objektiven Geistes nicht zum Abschluss kommen, nicht über denselben hinausgegangen werden zum absoluten Geiste, zur Idee der Gleichberechtigung aller wiedergeborenen Nationalitäten. Erst die Französische Revolution hat die durch den Geist vermittelte moderne Nationalität ins Leben gerufen. Weder die Deutsche Reformation, welche von der politisch-sozialen, nach dem Scheitern des Bauernkriegs, ganz abstrahieren musste, noch auch die Englische Revolution konnte sich vom Christlich-Germanischen Mittelalter ganz befreien, in welchem das abstrakt Allgemeine als christliche Idee noch unvermittelt neben und ausser dem ebenso abstrakt Particularen der feudalen Welt bestand. Dass aber selbst die Deutsche Philosophie noch nach der Französischen Revolution, oder vielmehr während ihres Kampfes, mit dieser Schranke behaftet blieb, lag eben in der zeitlichen Parteistellung des Deutschen Volkes, welches zuerst ohne historische Berechtigung gegen die Romanische Revolution reagierte und von derselben besiegt wurde, später aber mit einem vorübergehenden Rechte die Übergriffe der Franzosen abwehrte und seinerseits wieder siegte. Dieser letztere Sieg hatte nicht nur in der Politik und Literatur, in der Religion und Kunst, sondern auch in der Philosophie eine Überhebung des Christlich-Germanischen Elementes zu Wege gebracht; eine oscillierende Bewegung zwischen Revolution und Reaktion, welche durch die scheinbare Anerkennung der Nationalitäten von Seiten eines despotischen Imperialismus noch keineswegs ihren Schwerpunkt gefunden hat, sondern nur durch ein freies Volk finden kann, welches in der Freiheit und Gleichberechtigung aller Völker auch die seinige zu wahren suchen wird. — Hat so ein Teil der Hegeischen Philosophie ihre Schranke an der Zeit, in welcher sie entstand und über welche die Geschichte schon teilweise hinausgegangen ist, vollständig aber erst noch hinauszugehen hat: so ist andererseits die ganze Hegel’sche Philosophie, ihre dialektische Methode selbst mit der Schranke aller spekulativen Philosophie behaftet, ihren Gegensatz, die Erfahrungswissenschaften noch unvermittelt neben und ausser sich zu haben. Dadurch kann sie weder der Natur überhaupt (dem kosmischen und organischen Leben), noch dem Naturelement des sozialen Lebens, den Nationalitäten, gerecht werden, welche mit ihrem Vernunftsinstinkte als Fortsetzung des organischen Lebensprozesses eine eben so grosse Rolle im Plane der weltgeschichtlichen Entwickelung der Menschheit spielen, wie der tierische Instinkt als Fortsetzung desselben Lebensprozesses in der Entwickelung der tierischen Spezies.