Silberner, Edmund: Moses Hess als Begründer und Redakteur der Rheinischen Zeitung –> AFS Band 4 (1964)  5-44

Zusammenfassung:

Beschreibung der seit Juli oder August 1841 von Moses Hess gesetzten Aktivitäten zur Gründung der “Rheinische Zeitschrift”, sowie die weitere Entwicklung der Zeitung bis zu ihrem Verbot März 1843.  Äußerst spannende Geschichte, in der die “Bekehrung” Engels zum Kommunismus durch Hess vorkommt, Hessens Korrespondenzen aus Paris über die dortigen kommunistischen Bewegungen, Marxens erste journalistischen Gehversuche sowie seines Ernennung zum leitenden Redakteur im Oktober 1842.

Man darf ohne Übertreibung sagen, daß Hess seine Hauptaufgabe an der Rheinischen Zeitung im Einschmuggeln kommunistischer Ideen sah, was jedoch nicht leicht war, denn sämtliche Mitarbeiter des Blattes waren damals Gegner des Kommunismus. Abgesehen davon, wachte die Zensur, und es bestand auch die Gefahr, von anderen Blättern denunziert zu werden. Hess, der einzige, der ihn in sie »eingeschwärzt« hat, mußte also äußerst vor­sichtig vorgehen. Kommunistische Ideen durften nur als »Information« auf­getischt werden, was am leichtesten in der Form von Auszügen aus anderen, vorzugsweise unverdächtigen Blättern geschehen konnte. Auch Rezensionen entsprechender Veröffentlichungen eigneten sich dafür. Nie konnte sich aber Hess in der Rheinischen Zeitung ganz frei über den Kommunismus aussprechen. Oft mußte er sich schon damit zufriedengeben, daß es ihm überhaupt gelang, die Aufmerksamkeit der Leser auf die Wichtigkeit dieses Gegenstandes zu lenken.

Beispiel für Vorgehen Hessens, den Kommunismus “einzuschwärzen”: Eine französische konservative Zeitung veröffentlichte im April 1842 ein ihr zugespieltes Manifest der in Frankreich recht bekannten Gruppe Colins, die sich als Kommunisten betrachteten.

Hess nahm die Gelegenheit wahr, den vollen Text als Zitat aus dem bürgerlichen Blatt zu übernehmen und schreibt dazu, dass aus dem»mitgeteilten Manifeste der Kommunisten« zu ersehen sei, daß dieselben nicht gerade rohe und ungebildete Proletarier unter ihren Anhängern zählen; daß man ihnen das Bewußtsein über das, was sie wollen, sowie über ihr Verhältnis zum Be­stehenden, nicht absprechen kann; daß sie mithin nicht, wie dies bisher geschehen ist, ignoriert oder mit einigen hochtrabenden Redensarten, wie Leute, die ins Irrenhaus gehören, abgefertigt werden dürfen. Der Kommunismus ist das Pro­dukt, wie es scheint, aller jener Sozialtheorien, die bald unter dem Namen Saint-Simonismus, bald unter dem Namen Fourierismus u.s.w. mehr oder weniger Anhänger, sowohl unter den Gebildeten als unter dem Volke, hatten. Er ist, wie groß oder klein auch die Zahl seiner Anhänger jetzt sein mag, jedenfalls eine historische Erscheinung, die wohl gewürdigt zu werden verdient. Die Bedeutung einer neuen Lehre darf überhaupt nicht nach der Zahl ihrer Bekenner, sondern nur nach ihrem innern Gehalte gemessen werden. Wer weiß übrigens, wie viele Bekenner eine neue Lehre zählt, die noch keinen Boden in der Gegenwart hat, die im schneidendsten Gegensatz zur äußeren Wirklichkeit steht und deren An­hänger daher, wie dies in dem Manifeste mit dürren Worten ausgesprochen ist, ihre Ansichten nicht öffentlich zur Schau tragen, wohl aber heimlich durch alle ihnen zu Gebote stehenden Mittel propagieren? Möchte das hier mitgeteilte Manifest diejenigen, die an allem, was soziale Zustände berührt, lebhaften An­teil nehmen – und ihre Zahl ist gegenwärtig, wie wir glauben, auch in Deutsch­land nicht gering — veranlassen, ein Gebiet zu untersuchen, das bis jetzt noch wenig oder gar nicht beleuchtet ist; denn, wie auch das Resultat der Unter­suchung ausfallen mag, die Wahrheit wird jedenfalls dadurch gewinnen.«

Ausgerechnet Marx wandte sich, als er leitender Redakteur geworden war, scharf gegen solche kommunistischen Infiltrationsversuche und gegen andere aus dem Bruno-Bauer-Kreis, den Resten des “Doktorklubs”, wo der “Communismus” gerade zur Modeerscheinung geworden war. Andererseits begann er u.a. durch di eDiskussionen mit Hess angeregt, sich mit den Schriften französischer Socialisten und Communisten, wie Pierre Leroux, den er später “genial” nannte, und aus dem er einiges verwendet hat, auseinanderzusetzen.

Silberner paraphrasiert noch etliche andere Artikel Hessens in der Rheinischen Zeitung.