nach Edmund Silberner

21. Januar 1812 Moses Hess in Bonn, Judengasse 807, geboren als Sohn des Kaufmanns David Hess und seiner Frau Helene geb. Flörsheim.
1816 oder 1817 Der Vater übersiedelt nach Köln, läßt aber Moses bei den Großeltern in Bonn, um ihm eine traditionelle jüdische Erziehung zu ermöglichen
1825 Die Mutter stirbt am 28. November. Hess kommt zum Vater nach Köln, setzt eine Zeitlang das Talmudstudium fort und arbeitet dann im Kontor des Vaters.
Etwa 1828 Hess löst sich vom orthodoxen Judentum.
1837 3. Juni: Immatrikulation an der Universität Bonn; stud. phil. bis einschließlich Wintersemester 1838/39.
Oktober: Hess‘ erste gedruckte Schrift „Die heilige Geschichte der Menschheit. Von einem Jünger Spinozas“ erscheint in Stuttgart im Verlage von Hallberger.
1841 Ende Januar: Hess‘ anonymes Werk „Die europäische Triarchie“ erscheint in Leipzig im Verlage von Otto Wigand.
Sommer: Vorarbeiten zur Gründung der „Rheinischen Zeitung“.
Ende August oder Anfang September: Hess‘ Begegnung mit Karl Marx.
1842 1. Januar: Die „Rheinische Zeitung“ beginnt zu erscheinen in Köln; Hess Redakteur bis Dezember.
Anfang Oktober: Hess gewinnt Friedrich Engels für die Sache des Kommunismus.
Dezember: Hess begibt sich nach Paris als Korrespondent der „Rheinischen Zeitung“.
1842 oder 1843 Hess lernt Sibylle Pesch, seine künftige Lebensgefährtin,kennen.
1843 Januar bis März: Korrespondenzen für die „Rheinische Zeitung“. Verbindungen mit deutschen und französischen Kommunisten und Sozialisten in Paris.
>April bis Juni: Mitarbeit an dem von Julius Fröbel in Zürich herausgegebenen „Schweizerischen Republikaner“.
Mitte Mai bis Anfang August: Besuch in Köln. Kontakte mit Karl Grün und Hermann Püttmann.
Juli: Die „Philosophie der Tat“ und andere Artikel von Hess erscheinen in „Einundzwanzig Bogen aus der Schweiz“, herausgegeben von Georg Herwegh im Verlage des Literarischen Comptoirs in Zürich und Winterthur.
9. August: Hess trifft mit Arnold Ruge in Paris ein.
August bis Dezember: Berichte für die „Kölnische Zeitung.“
Oktober bis März 1844: Hess verkehrt mit Marx, Heine, Herwegh und Ewerbeck.
1844 Anfang Januar: Hess schreibt „Briefe aus Paris“ für die Ende Februar in Paris erscheinenden „Deutsch-Französischen Jahrbücher“. Sein Anfang 1844 verfaßter und ebenfalls für die „Deutsch-Französischen Jahrbücher“ bestimmter Aufsatz „Über das Geldwesen“ erscheint erst anderhalb Jahre später.
Anfang März: Hess kehrt nach Köln zurück und ist dort im Kommunistischen Verein tätig.
Dezember: Hess‘ Artikel „Über die Not in unserer Gesellschaft und ihre Abhilfe“ erscheint im „Deutschen Bürgerbuch für 1845 , herausgegeben von H. Püttmann im Verlage von Leske in Darmstadt
Ende Dezember: Der Pariser „Vorwärts“ bringt Teile des „Kommunistischen Glaubensbekenntnisses“ von Hess.
1845 Februar: Hess hält kommunistische Vorträge in Elberfeld.
Mai 1845 bis Juli 1846: Hess redigiert in Elberfeld und dann von Belgien aus den „Gesellschaftsspiegel. Organ zur Vertretung der besitzlosen Volksklassen und zur Beleuchtung der gesellschaftlichen Zustände der Gegenwart“.
Etwa Mitte Juni: „Die letzten Philosophen. Von M. Hess“ erscheinen in Darmstadt im Verlage von C. W. Leske.
Spätsommer: Hess‘ Schrift „Über das Geldwesen“ erscheint in den von H. Püttmann herausgegebenen „Rheinischen Jahr- büchern zur gesellschaftlichen Reform“ (Bd. 1, Darmstadt, im Verlage von C. W. Leske).
August oder Anfang September: Hess begibt sich nach Brüssel.
September 1845 bis etwa Februar/März 1846: Hess verkehrt mit Marx und Engels, macht Übersetzungen für die geplante Bibliothek der ausländischen Sozialisten und arbeitet an der „Deutschen Ideologie“ mit.
1846 Frühling: Hess in Verviers. Absage an Marx‘ „Partei“.
Etwa Mitte 1846: Hess kehrt nach Köln zurück, wo er kommunistische Propaganda treibt.
Sommer: Hess‘ „Kommunistisches Bekenntnis“ erscheint im zweiten Bande der von H. Püttmann in Bellevue bei Konstanz herausgegebenen „Rheinischen Jahrbüchern zur gesellschaftlichen Reform“.
Ende Dezember: Hess verläßt Köln.
1847 Anfang Januar bis August: Kommunistische Tätigkeit in Paris. Polemik gegen Ruge in der „Deutschen-Brüsseler- Zeitung“.
September 1847 bis März 1848: Hess in Brüssel. Mitglied des Bundes der Kommunisten, Vizepräsident des Deutschen Arbeitervereins, Mitbegründer der Association dömoeratique.
Oktober bis November: Hess veröffentlicht „Die Folgen einer Revolution des Proletariats“ in der „Deütschen-Brüsseler-Zeitung“. Zuspitzung der Beziehungen zwischen Hess und Marx.
1848 Hess wird heftig im „Kommunistischen Manifest“ angegriffen. Marx bricht mit Hess.
April: Hess versucht in Köln die Rheinische Zeitung neu zu begründen.
Mai 1848 bis April 1849: Hess in Paris. Einer der führenden Mitglieder des Deutschen Vereins; kämpft für die deutsch-französische Verständigung; korrespondiert für die „Frankfurter Oberpostamts-Zeitung“ und (von Mai bis November 1848) für die „Kölnische Zeitung“.
1849 Etwa Mitte April bis September: Hess pendelt hin und her zwischen Paris, Genf, Basel und Straßburg.
Anfang Oktober bis April 1850: Hess in Zürich.
1850 Februar bis April: Hess verfaßt seine „Briefe an Iscander [Herzen]“.
April 1850 bis Ende 1851: Hess in Genf. Leiter der dortigen Gemeinde des Bundes der Kommunisten (Fraktion Willich-Schapper).
Etwa Mitte 1850: „Roter Katechismus für das deutsche Volk“.
1851 Januar bis Juni: Hess veröffentlicht eine Artikelreihe im „Populairc“, die er im Sommer desselben Jahres als Broschüre „lugement dernier du vieux monde social“ in Genf erscheinen läßt.
19. Dezember: Der Vater stirbt. Hess erbt vierzehntausend Taler.
1852 Ende Januar bis August: Hess in Lüttich.
22. April: Der Oberprokurator zu Köln erläßt einen Steckbrief gegen Hess.
21. Mai: Ehevertrag mit Sibylle Pesch unterzeichnet.
August: Infolge des Druckes der preußischen Regierung wird Hess aus Belgien ausgewiesen.
September 1852 bis mindestens Ende Februar 1853: Illegaler Aufenthalt in Antwerpen.
1853 Spätestens August: Hess in Paris.
Winter 1853/54: Hess besucht naturwissenschaftliche Vorlesungen.
1854 Frühling: Hess in Marseille.
1855 Juni: Hess‘ erster naturwissenschaftlicher Aufsatz erscheint in der Pariser „Revue“.
1856 Hess setzt seine Mitarbeit an der „Revue philosophique et
religieuse“ fort.
1857-1858 Aufsätze in der „Revue philosophique
Jahrhundert“ und „Die Natur“.
1858 4. November: Hess tritt der Freimaurerei bei.
1859 Hess beginnt an der Augsburger „Allgemeinen
Zeitung“ mitzuarbeiten. Die Genfer „Esperance“ veröffentlicht ihre erste
Korrespondenz von Hess.
1860 7. Juni: Die Augsburger „Allgemeine Zeitung“ druckt ihren
letzten Bericht von Hess.
13. Juni: Die „Esperance“ bringt ihren letzten Artikel von
Hess.
Sommer: Hess verläßt Paris in unbekannter Richtung.
Zweite Hälfte des Jahres 1860: Hess beginnt sein Werk „Rom
und Jerusalem“ zu schreiben.
Herbst: Hess in London.
1861 Januar: Amnestie in Preußen.
Etwa Mitte Februar: Hess kehrt nach Preußen zurück.
Spätestens Anfang April: Fertigstellung des ersten Entwurfes von „Rom und Jerusalem“.
11. Oktober: Hess beginnt mit Heinrich Graetz zu korrespondieren.
1862 22.Februar: Die Philosophische Gesellschaft zu Berlin ernennt Hess zu ihrem auswärtigen Mitglied.
Etwa Ende März bis etwa Ende Juni: Hess zu Besuch bei Graetz in Breslau.
Mitte Juni: „Rom und Jerusalem, die letzte Nationalitätsfrage“.
Briefe und Noten. Von M. Hess“ erscheint in Leipzig im Verlage von Eduard Wengler in einer Auflage von 1500 Exemplaren. Das Buch verkauft sich schlecht: Im ersten Jahre nach der Veröffentlichung werden kaum 160 Exemplare abgesetzt.
November: Polemik gegen Ludwig Philippson.
1863 Januar: Streitschrift gegen Abraham Geiger.
Frühling: Hess unterbricht „aus politischen Gründen“ seine „jüdisch-patriotischen Bestrebungen“ (BW, S. 512).
23. Mai: Die konstituierende Versammlung des Allgemeinen
Deutschen Arbeitervereins zu Leipzig ernennt Hess zum Bevollmächtigten in Köln.
Juni bis November: Hess treibt Propaganda für den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein. Er veröffentlicht die Broschüren: „Rechte der Arbeit“ (Frankfurt am Main. In Kommission bei Reinhold Baist. 1863) und „Über sozialökonomische Reformen“ (Hamburg, J. E. M. Köhlers Buch- und Steindruckerei, 1863).
Ende November oder Anfang Dezember: Hess verläßt Köln und begibt sich nach Paris.
1863 bis 1870 Exil in Paris
1864 Januar: Wiederaufnahme jüdischer Tätigkeit. Hess‘ Artikelreihe „Lettres Sur la mission dTsrael dans l’histoire de l’humanite“ beginnt in den „Archives israelites“ zu erscheinen.
21. März: Hess tritt der Loge „La Renaissance“ bei.
12. November: Johann Baptist von Schweitzer bittet Hess um regelmäßige Berichte für das neu zu schaffende Organ des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins „Der Social-Demokrat“.
15. Dezember: Hess beginnt am „Social-Demokrat“ mitzuarbeiten.
1865 Januar: Das „Bulletin de l’Alliance israelite universelle“ ver-
zeichnet Hess als Mitglied dieses Vereins.
Juli: Besprechungen der Grä6n Hatzfeldt mit Hess in Paris. Hess verfaßt eine „Warnung“ gegen Johann Philipp Beckers Reorganisationsplan des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins.
21. Juli: Hess schreibt seine erste Korrespondenz für die Chicagoer „Illinois Staats-Zeitung“.
Oktober: Graetz besucht Hess in Paris.
Dezember: Hess verläßt die Freimaurerei.
1866 Hess setzt seine Mitarbeit an dem „Social-Demokrat“, der „Illinois Staats-Zeitung“ und den „Archives israelites“ fort. Er arbeitet an der französischen Übersetzung des 3. Bandes der „Geschichte der Juden“ von Graetz; er verfaßt den postum erschienenen „Dialogue d’outre-tomoe entre Heinrich Heine et Louis Boerne sur la question allemande“.
1867 20. Januar: Auf mehrfach an sie ergangene Anfragen teilt die Redaktion des „Social-Demokrat“ mit, Hess in Paris habe eine Kandidatur zum Konstituierenden Norddeutschen Parlament abgelehnt.
Februar: Hess protestiert im „Social-Demokrat“ gegen das Erfurter Programm („Durch Einheit zur Freiheit“), veröffentlicht sein „Letztes Wort zur deutschen Frage“ und zieht sich vom Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein zurück.
15. März: Die „Archives israelites“ bringen Hess‘ Aufsatz „Projet de colonisation de la Terre Sainte“.
Frühling: „Sinai et Golgotha ou les origines du judaisme et du christianisme, suivi d’un examen critique des evangiles anciens et modernes. Par H. Graetz, professeur au Seminaire israelite de Breslau. Traduit et mis en ordre par Maurice Hess“ erscheint in Paris im Verlage von Michel-Levy freres.
Juli: Hess zu Besuch in Köln.
27. November: Victor Schily berichtet an Marx, Hess sei bereit, an der französischen Ausgabe des ersten Bandes des „Kapital“ mitzuarbeiten.
1868 29. März: Das Wiener „Arbeiter-Blatt“ veröffentlicht die erste Korrespondenz von Hess.
Juni: Hess in Köln.
Sommer: Hess beginnt für die „Rheinische Zeitung“ zu schreiben.
6. bis 13. September: Hess vertritt die Sektionen Basel und Köln
auf dem 3. Kongresse der Internationalen Arbeiterassoziation in Brüssel.
September/Oktober: Der von J. Ph. Becker in Genf redigierte „Vorbote“ bringt Hess‘ ausführlichen Bericht über den 3.
Kongreß der Internationalen Arbeiterassoziation in Brüssel.
1869 Frühling: „Die religiöse Revolution im XIX. Jahrhundert. Von Francois Huet. Aus dem Französischen nebst Einleitung und Anmerkungen, von M. Hess“ erscheint in Leipzig im Verlage von Ch. E Kollmann.
Mai: „La Haute Finance et l’Empire. Par Maurice Hess“ erscheint in Paris im Verlage von Armand Le Chevalier.
6. bis 12. September: Hess vertritt die Sektion Berlin auf dem 4. Kongresse der Internationalen Arbeiterassoziation in Basel.
2. Oktober: Der Pariser „Reveil“ bringt den gegen Bakunin gerichteten Artikel von Hess: „Les Collectivistes et les Com
munistes. Du Congres de Bäle“.
6. Oktober: Hess‘ erste Korrespondenz im Leipziger „Volks-
staat“.
1870 19. März: „Der Volksstaat“ beginnt Hess‘ Artikelreihe „Die soziale Revolution“ zu drucken
19. Juli: Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges. Hess‘ journalistische Tätigkeit für den „Volksstaat“, die „Rheinische
Zeitung“ und die „Illinois Staats-Zeitung“ bricht plötzhch ab.
August oder Anfang September: Hess wird aus Paris ausge-
wiesen; er begibt sich nach Brüssel.
1871 Januar bis März: Hess veröffentlicht antipreußische Artikel in „Le Peuple beige“ und „Internationale“.
Etwa zweite Märzhälfte: „Une Nation dechue. Coalition de tous les peuples contre l’Allemagne prussifiee. Par Maurice Hess“ erscheint in Brüssel im Verlage des „Peuple beige“.
Dezember: Hess kehrt nach Paris zurück.
1872 Hess nimmt seine naturwissenschaftlichen Studien wieder auf und arbeitet an seiner „Dynamischen Stofflehre“.
1873 bis 1875 Hess ist fast ununterbrochen kränklich
1873 Mai: Hess‘ letzter Artikel „Ein charakteristischer Psalm“ er-
scheint in der „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft
des Judentums“.
Sommer: Hess beendet den ersten Band seiner „Dynamischen Stofflehre“.
Oktober: Hess beginnt an dem zweiten Bande seiner „Dynamischen Stofflehre“ zu arbeiten.
1874 Hess bemüht sich vergeblich, einen Verleger für den ersten Band seiner „Dynamischen Stofflehre“ zu finden.
1875 Anfang März: Hess erleidet einen Schlaganfall mit nachfolgen der halbseitiger Lähmung.
6. April: Hess stirbt nach längerem Leiden um acht Uhr früh in seiner Wohnung Rue Doudeauville 79.
7.April: Zivile Leichenfeier des Verstorbenen in Paris. Es sprechen Charles Fauvety im Namen der französischen Demokratie, Karl Hirsch im Namen der deutschen Sozialdemokratie und Paul Kersten im Namen des deutschen Proletariats.
8. April: Hess wird auf dem alten jüdischen Friedhofe zu Deutz am Rhein in aller Stille beerdigt.
1961 Am 9. Oktober 1961 wurden seine sterblichen Überreste nach Israel überführt und auf dem Friedhof des ersten Kibbuz in Kinneret am See Genezareth beerdigt.