1. Von der Arbeit und vom Genuß.

1. Was heißt arbeiten?
Ein jedes Umwandeln der Stoffe für das Leben der Menschheit heißt arbeiten oder wirken, schaffen, hervorbringen, erzeugen, produziren, handeln, thätig sein, kurz: leben; denn in Wahrheit arbeitet Alles, was da lebt, wie denn auch in Betreff des menschlichen Lebens nicht nur Kopf und Hände, sondern auch alle andern Glieder und Organe des menschlichen Körpers die Stoffe, welche sie von Außen empfangen, für das Menschenleben umwandeln, z.B. der Mund, indem er den empfangenen Stoff für den Magen, dieser wiederum, indem er das Empfangene für das Blut verarbeitet u.s.w., d. h. jedes Organ des menschlichen Körpers, wie jedes Glied der menschlichen Gesellschaft, produzirt für das Ganze oder arbeitet, schafft, indem es nur zu konsumiren, zu genießen scheint, und genießt wiederum sein eignes Leben, indem es nur für das Ganze zu arbeiten oder zu produziren scheint. Diese Harmonie von Arbeit und Genuß findet aber nur im organischen oder im organisirten Leben statt, nicht im unorganisirten, wie wir sogleich sehen werden.

2. Welche Arten von Arbeit gibt es?
Organisirte und unorganisirte. Mit andern Worten: es gibt freie Thätigkeit und gezwungene Arbeit oder Zwangsarbeit.

3. Was ist freie Thätigkeit und was ist gezwungene Arbeit?
Freie Thätigkeit ist Alles, was aus innerm Antriebe, Zwangsarbeit dagegen Alles, was aus äußerm Antriebe oder Noth geschieht. Erfolgt die Arbeit aus innerm Antriebe, so ist sie eine Lust, die den Lebensgenuß fördert, eine Tugend, die ihren Lohn in sich selbst trägt. Erfolgt sie dagegen aus äußerm Antriebe, so ist sie eine Last, welche die Menschennatur erniedrigt und erdrückt, ein Laster, welches nur um schnöden Sündenlohn ausgeübt wird, so ist sie Lohn- und Sklavenarbeit. Der Mensch, welcher den Lohn für seine Arbeit außerhalb seiner selbst sucht, ist ein Sklave, der für fremde Zwecke thätig ist, eine leblose Maschine, welche getrieben wird.

4. Welche von beiden Arbeiten versteht man heutzutage unter Arbeit?
Die gezwungene Arbeit.

5. Wie heißt gegenwärtig die freie Thätigkeit?
Sie heißt entweder Genuß oder Tugend.

6. Was versteht man heutzutage unter Genuß?
Das Leben nach gewissen sinnlichen Neigungen, ohne Rücksicht auf die ganze Menschennatur.

7. Was versteht man heutzutage unter Tugend?
Das Leben nach gewissen geistigen Neigungen, ohne Rücksicht auf die ganze Menschennatur.

8. Können wir heutzutage unserer ganzen Menschennatur gemäß thätig sein oder unser menschliches Leben wahrhaft genießen?
In keiner Weise. — Fast jede Thätigkeit wird in unsrer Gesellschaft nicht aus dem innern Antriebe unsrer Menschennatur, nicht aus Lust und Liebe zur Arbeit, sondern aus einem äußern Antriebe, in der Regel aus Noth oder des Geldes wegen verrichtet.— Andrerseits sind jene Lebensthätigkeiten, welche wir aus innerm Antriebe verrichten, jene, die wir Genuß oder Tugend nennen, so beschaffen, daß sie dem wahren Lebensgenuß der Menschennatur noch mehr schaden, als dies durch die Zwangsarbeit geschieht. — Die Unmäßigkeit in der Befriedigung gewisser sinnlicher und geistiger Lebensthätigkeiten, diese Unmäßigkeit, welche nicht der Menschennatur entspricht und zu welcher der Mensch sich jetzt nur hingezogen fühlt, weil seine Natur nicht ganz entwickelt, sondern unterdrückt wird, sie verursacht, daß alle freie Lebensthätigkeit der jetzigen Menschen einen unmenschlichen oder thierischen Charakter annimmt. So wird das Trinken zum Saufen, der Gattungsakt oder die Geschlechtsliebe zur ausschweifenden Wollust, das Ausruhen von anstrengenden Arbeiten zur Trägheit, die Gelehrsamkeit zur Pedanterie, die Sehnsucht des Herzens nach höherem Leben zur Frömmelei, die Tugend zur Selbstpeinigung u. s. w. — Alle die sinnlichen sowohl wie die geistigen Neigungen arten nur deßhalb in Unmäßigkeit aus und werden zur Sucht, weil nicht die ganze menschliche Natur entwickelt, vielmehr unterdrückt und ausgeartet ist. — Die Sucht aber macht sich auf Kosten aller andern Neigungen der menschlichen Natur geltend Und würdigt den Menschen zum Thier herab, das auch nur einseitige Triebe hat.

9. Ist es möglich, daß alle Menschen ihrer Natur gemäß leben und wirken?
Es ist nicht nur möglich, sondern das Gegentheil wäre unmöglich, wenn die menschliche Natur in allen Menschen entwickelt und nicht durch die gesellschaftlichen Verhältnisse gewaltsam unterdrückt würde.

10. Welche Arten von Arbeit sind in einer Gesellschaft möglich, wo die menschliche Natur in allen Menschen entwickelt wird und wo jeder Mensch alle seine Fähigkeiten anwenden kann?
In einer solchen Gesellschaft ist keine andere als die freie Thätigkeit möglich.

11. Welche Arten von Arbeit sind in einer Gesellschaft möglich, wo weder die Menschen vollständig entwickelt, noch auch die entwickelten menschlichen Kräfte angewendet werden können?
In einer solchen Gesellschaft ist nichts Anderes, als Zwangsarbeit, Müßiggang, Genußsucht und falsche Tugend möglich.

12. Können in unsrer heutigen Gesellschaft alle menschlichen Kräfte entwickelt und die entwickelten Kräfte angewendet werden?
In keiner Weise. Wir sind gehemmt sowohl in unsrer Entwicklung, wie in der Anwendung unsrer Fähigkeiten und Kräfte. Eine allgemeine Erziehung und Bildung, so wie der Austausch und Gebrauch unsrer Kräfte, ist in unsrer Gesellschaft unmöglich. Die meisten Kräfte des Menschen bleiben unentwickelt und die entwickelten werden in der Regel unterdrückt. Das Leben der Menschen in der heutigen Gesellschaft ist daher meistens in gezwungene Arbeit, Entsagung und Genußsucht getheilt. Hier schwelgt man, dort darbt man; bald drückt der Mangel, bald der Überfluß den Menschen zum Thier herab.

13. Warum ist in der heutigen Gesellschaft die Entwickelung und die Anwendung unsrer menschlichen Kräfte unmöglich?
Weil wir uns gegenseitig zu Sklaven machen, indem wir uns oder, was dasselbe ist, alle unsre menschlichen Kräfte kaufen und verkaufen.

2. Von dem Gelde und der Knechtschaft.

14. Was ist Geld?
Es ist der in Zahlen ausgedrückte Werth menschlicher Thätigkeit, der Kaufpreis oder Tauschwerth unseres Lebens.

15. Kann die Thätigkeit der Menschen in Zahlen geschätzt werden?
Die menschliche Thätigkeit ist eben so wenig, wie der Mensch selbst, zu bezahlen; denn die menschliche Thätigkeit ist das menschliche Leben, dieses aber kann durch keine Summen Geldes aufgewogen werden; es ist unschätzbar.

16. Was ist der, welcher für Geld verkauft werden kann oder sich selbst für Geld verkauft?
Wer verkauft werden kann, ist ein Sklave, und wer sich selbst verkauft, ist eine Sklavenseele.

17. Was müssen wir aus dem Dasein des Geldes schließen?
Wir müssen das Dasein der menschlichen Sklaverei daraus schließen, denn es ist selbst das Zeichen der menschlichen Sklaverei, weil es der in Zahlen ausgedrückte menschliche Werth ist.

18. Wie lange noch werden die Menschen Sklaven bleiben und sich mit allen ihren Fähigkeiten für Geld Preis geben?
Sie werden es so lange, bis jedem Menschen die Mittel, welche er bedarf, um in menschlicher Weise leben und wirken zu können, von der Gesellschaft geboten und verbürgt werden, damit der Einzelne nicht mehr nöthig hat, sich alle diese Mittel auf eigne Faust zu verschaffen und zu diesem Zwecke seine Thätigkeit zu verkaufen, um dafür andrer Menschen Thätigkeit zu kaufen. Dieser Menschenhandel, diese gegenseitige Ausbeutung, dieser sogenannte Privaterwerb, kann durch kein Dekret, er kann nur durch Bildung der kommunistischen Gesellschaft aufgehoben werden, in welcher Jedem die Mittel geboten werden, seine menschlichen Fähigkeiten zu entwickeln und anzuwenden.

19. Ist in der kommunistischen Gesellschaft das Dasein des Geldes möglich oder denkbar?
Eben so wenig, wie das Dasein der menschlichen Sklaverei. Wenn die Menschen sich nicht mehr mit ihren Kräften und Fähigkeiten gegenseitig zu verschachern nöthig haben, dann brauchen sie auch ihren Werth nicht mehr nach Zahlen zu schätzen, nicht mehr zu zählen und zu bezahlen. An die Stelle des in Zahlen geschätzten menschlichen Werthes tritt alsdann der wahre, unschätzbare menschliche Werth — an.die Stelle des Zinsenwuchers das Wuchern der menschlichen Fähigkeiten und Lebensgenüsse — an die Stelle eines feindseligen Konkurrenzkampfes mit unehrlichen Waffen ein harmonisches Zusammenwirken und edler Wettkampf — an die Stelle des Einmaleins: Kopf und Herz und Hände freier, thätiger Menschen.

3. Vom Vermögen und von der Freiheit.

20. Was ist Vermögen?
Vermögen nennen wir die Früchte der Natur und Erzeugnisse der Arbeit, die als Mittel zum menschlichen Leben, zur menschlichen Thätigkeit dienen.

21. Kann der Einzelne ohne Mitwirkung seiner Nebenmenschen und der Naturkräfte Vermögen schaffen?
Nein; der einzelne Mensch mit allen seinen Kräften, Fähigkeiten und Mitteln ist selbst nur ein Erzeugniß der Natur und der menschlichen Gesellschaft; er vermag für sich allein als Vereinzelter Nichts, kann daher noch viel weniger vereinzelt ein Vermögen hervorbringen. Der Mensch kann nur im Zusammenhang mit der Natur und der Menschheit leben und wirken.

22. Wer bringt also das Vermögen hervor?
Die Natur und die menschliche Gesellschaft.

23. Sind die Früchte der Natur Eigenthum eines einzelnen Individuums?
Nein, sie sind Gemeingut der Gesammtheit.

24. Sind die Erzeugnisse der menschlichen Gesellschaft Eigenthum eines Einzelnen?
Nein, sie sind Eigenthum der Gesellschaft.

25. Was ist der, welcher die Erzeugnisse der Gesellschaft und die Früchte der Natur für sich allein sammelt und aufhäuft?
Er ist ein Räuber; er entzieht der Gesellschaft, was ihr angehört und worüber sie im Interesse Aller schalten und walten muß. Er ist ein Mörder; denn indem er seinen Nebenmenschen die Mittel raubt, ohne welche sie nicht leben und wirken können, raubt er ihnen damit zugleich das Leben oder die Freiheit.

26. Wie nennen und wofür halten wir heutzutage einen solchen Raubmörder, der seinen Nebenmenschen die Früchte der Arbeit entzieht?
Wir halten ihn für einen reichen Herrn, vermögenden Mann, Eigenthümer oder Besitzer.

27. Was ist in der kommunistischen Gesellschaft Eigenthum des Einzelnen?
Der verbürgte Besitz dessen, was er zu seinem Leben und Wirken bedarf.

28. Wird in unsrer heutigen Gesellschaft den einzelnen Menschen dasjenige verbürgt, was sie zu ihrem Leben und Wirken bedürfen?
Es wird ihnen nur der Besitz dessen verbürgt, was sie sich unter gewissen gesetzlich bestimmten Formen äußerlich aneignen und gegenseitig entziehen, was sie nämlich durch Sklavendienst oder Lohnarbeit, durch Erbschaft, Zinsenwucher, Glücksspiel, Börsenspiel, Schacher und gesetzlichen Betrug zufällig erwerben.

29. Kommen die einzelnen Menschen durch diesen Erwerb zum Besitz dessen, was sie zu ihrem Leben und Wirken bedürfen?
Das Elend, die Unwissenheit und thierische Versunkenheit Derer, die in Müßiggang schwelgen, und Derer, die erwerben, betrügen und Sklavenarbeit verrichten, geben hierauf die Antwort.

30. Wird demnach in unsrer Gesellschaft Jedem das Seinige verbürgt?
In keiner Weise.

31. Kann denn aber ohne verbürgtes Eigenthum von bürgerlicher Freiheit die Rede sein?
Ohne verbürgtes Eigenthum können nur Willkür und Despotismus herrschen.

32. Was ist Freiheit?
Frei ist dasjenige Wesen, welches seiner eigenen Natur keinen Zwang anzuthun braucht, sondern seiner Natur gemäß leben und wirken, sein Wesen ungehemmt bethätigen kann.

33. Kann der Mensch in unserer Gesellschaft seiner Natur gemäß leben und wirken?
Er muß seiner Natur stets Zwang anthun. Bald kann er seinen Wissenstrieb, bald seinen Kunsttrieb, bald seinen Trieb zu mechanischer Arbeit, bald seinen Appetit, ja, seinen Hunger und Durst und seine ersten körperlichen Lebensbedürfnisse nicht befriedigen.

34. Wodurch wird den Menschen ihre Freiheit und ihr wahres Eigenthum oder ihr Vermögen wirklich verbürgt?
Dies geschieht zunächst durch die Erziehung.

35. Was ist unter Erziehung zu verstehen?
Erstens die körperliche Ausbildung, welche die Grundlage zu jeder weitern Ausbildung ist. Sie fängt schon im Mutterleibe an. — Zweitens die allgemein menschliche Bildung in öffentlichen Erziehungsanstalten, wo die Keime zu jeder menschliehen Tugend und Fähigkeit gepflanzt und gepflegt werden. — Aus dieser Pflanzschule werden die Zöglinge in diejenigen Wirkungskreise eingeführt, zu welchen sie besondere Lust und vorherrschendes Talent zeigen. Hier wir die gesellschaftliche Erziehung des Menschen vollendet.

36. Was muß ferner geschehen, um allen Menschen ihr wahres Eigenthum und ihre Freiheit zu verbürgen?
Das gesellschaftliche Vermögen darf nicht von Einzelnen erworben und dem Zufalle überlassen, es muß verwaltet und Jedem das Seinige zuertheilt werden.

37. Nach welchen Gesetzen muß das gesellschaftliche Vermögen verwaltet, der Produktenaustausch geleitet werden?
Nach den Gesetzen der menschlichen Natur und ihrer Bedürfnisse.

38. Ist es der menschlichen Natur gemäß, daß ein Mensch wie der andere, oder daß Jeder stets in gleicher Weise thätig ist?
Es ist im Gegentheil der menschlichen Natur gemäß, daß die freie Thätigkeit oder der Lebensgenuß bei dem Einen nicht wie bei dem Andern, auch bei einer und derselben Person nicht stets gleich, sondern sehr verschieden ist.

39. Ist es der menschlichen Natur gemäß, daß alles Vermögen gleich vertheilt werde, so daß Alle gleiche Mittel zu ihrer Thätigkeit, zu ihrem Leben erhalten?
Es ist im Gegentheil der menschlichen Natur gemäß, daß die Mittel zum Leben oder zur Thätigkeit verschieden vertheilt werden, so daß Jeder stets diejenigen Materialien erhält, deren er zu seiner jedesmaligen Lebensthätigkeit bedarf.

40. Werden keine Übelstände daraus erfolgen, daß die Freiheit allein die Thätigkeit bestimmt?
Wenn alle Menschen menschlich erzogen, wenn ferner in Jedem die besondern Fähigkeiten ausgebildet sind, und wenn endlich auch Jedem die Mittel geboten werden, um seine Fähigkeiten anzuwenden,, dann hat sich die menschliche Gesellschaft nach den Gesetzen ihrer Natur organisirt, dann ist sie ein lebendiger Körper, in welchem jeder Theil allseitig ausgebildet und mit dem Ganzen organisch verwachsen ist, daher ohne Noth und Zwang seine Funktionen aus innerm Lebenstriebe verrichtet.

4. Von dem Übergange zur kommunistischen Gesellschaft.

41. Können unsere heutigen Menschen sogleich eine kommunistische Gesellschaft einrichten?
Sie können nur die Vorarbeiten zur kommunistischen Gesellschaft machen.

42. Welche Vorarbeiten haben wir zu verrichten?
Wir haben vor alln Dingen der heutigen Gesellschaft ihr Elend und ihre Bestimmung zu einem bessern Dasein ins Bewußtsein zu rufen, damit der Wunsch nach menschlichen Zuständen, der Wunsch, aus dieser Sklaverei, in welcher wir uns befinden, heraus zu kommen, in der Mehrzahl der Menschen rege wird. Dann aber, wenn sich keine Macht mehr mit Erfolg den Verbesserungen widersetzen kann, müssen wir erstens die nutzlosen Staatseinrichtungen, welche die Kräfte der Menschen im Solde des Despotismus vergeuden, abschaffen; ferner, die Steuern so vertheilen, daß, je größer das Geldvermögen, desto mehr Prozente auch als Steuer entrichtet werden. — Einestheils durch die Ersparnisse in den bisherigen Ausgaben, anderntheils durch die vielfach vermehrten Einnahmen, welche sowohl mittelst der Vermögenssteuer, wie mittelst wesentlicher Veränderungen im Erbrecht erzielt werden, wird die Gesellschaft in Stand gesetzt, eine wahrhaft menschliche, gleiche, allgemeine und unentgeldliche Erziehung ins Leben zu rufen, den Boden nach und nach anzukaufen, große Werkstätten zu gründen und Jedem, der Lust hat, Arbeit zu geben.

43. Ist es nöthig, das jetzige Eigenthum, das Geld, durch ein Dekret abzuschaffen?
Es ist nicht nöthig und auch nicht möglich; die jetzigen Eigenthumsverhältnisse werden sich allmählig zu kommunistischen umgestalten, wenn die so eben angedeuteten Maßregeln ergriffen werden. Das Geld verliert in demselben Maaße seinen Werth, als die Menschen an Werth zunehmen. Der Werth der Menschen steigt nothwendig bis zur Unbezahlbarkeit und der Unwerth des Geldes sinkt nothwendig zur gänzlichen Werthlosigkeit herab in dem Maaße, als die Organisation der Gesellschaft, welche von der Verwaltung ins Werk gesetzt wird, um sich greift und die Lohnarbeit verdrängt, in dem Maaße ferner, als die jüngere Generation, welche gesellschaftlich erzogen und ausgebildet wird, heranwächst und alle die gesellschaftlichen Arbeiten verrichtet. —Nachdem die angegebenen Maßregeln ergriffen worden sind, wäre längstens ein Menschenalter hinreichend, um auch die letzte Spur von den gegenwärtigen Eigenthumsverhältnissen aus der Gesellschaft zu entfernen. — Dagegen müßte eine gewaltsame und plötzliche Aufhebung der jetzigen Eigenthumsverhältnisse nothwendig schlechte Früchte tragen. Ein vernünftiges Eigenthum setzt eine vernünftige Gesellschaft, und diese setzt wiederum gesellschaftlich gebildete Menschen voraus, so daß an eine plötzliche Umgestaltung des unorganischen Eigenthums in organisches nicht zu denken ist. —

44. Welche Veränderungen muß das Erbrecht in der Übergangszeit erleiden?
Die, welche gesellschaftlich gebildet werden, so wie Die, welche in die neue gesellschaftliche Organisation treten, haben keine Erbschaft nöthig, weshalb deren Erbschaft der Gesellschaft zufallen kann. Außerdem ist eine allgemeine Erbschaftssteuer nach den oben angegebenen Grundzügen der Vermögenssteuer einzuführen.

45. Ist keine Auswanderung der Vermögenden zu befürchten, wenn die gesellschaftliche Reform ins Werk gesetzt wird?
Mit dieser Auswanderung hat es keine Noth; denn erstens wird die gesellschaftliche Reform, von welchem Lande sie auch zunächst ausgehen mag, sich rasch über die ganze civilisirte Welt verbreiten, so daß die Vermögenden nur zu uncivilisirten Völkerschaften auswandern könnten, wozu sie schwerlich Lust haben werden. Zweitens sind die Maßregeln, welche unsrer Ansicht nach ergriffen werden müssen, gar nicht dazu geeignet, die Vermögenden zur Auswanderung zu veranlassen, da eine noch so große Vermögenssteuer sie doch immer im Besitze des bei Weitem größern Theiles ihres Vermögens beläßt. Drittens könnten aber auch die Volksvertreter nöthigen Falls geeignete Mittel ergreifen, um dergleichen Auswanderungen zu verhüten oder unschädlich zu machen. Endlich ist der Schaden, der durch die Auswanderung der Kapitalisten entstehen könnte, jedenfalls sehr unerheblich; denn was ihre Personen betrifft, so sind sie in der Regel Müßiggänger, abgesehen davon, daß die Gesellschaft jetzt ohnehin keinen Mangel, sondern Überfluß an Menschen hat; und was ihr Vermögen betrifft, so kann der Gesellschaft höchstens einiges Metallgeld entzogen werden, was kaum zu beachten ist, nachdem das wahre Vermögen das falsche zu ersetzen beginnt.

5. Von der Ehe.

46. Ist das gegenwärtige Geschlechtsverhältniß zwischen Mann und Weib der menschlichen Natur gemäß?
Es ist der menschlichen Natur gemäß, daß der Jüngling ein einziges Mädchen und das Mädchen einen einzigen Jüngling liebt, und daß sie sich in der Regel diese ausschließliche Liebe bewahren.

47. Wodurch entstehen jetzt die unglücklichen Ehen und die Ausschweifungen in der Liebe?
Durch die gewaltsame Unterdrückung der Liebe, welches die beiden Geschlechter zu unmenschlichen, thierischen, ja zu unnatürlichen Ausschweifungen in der Liebe treibt. Durch die Eigenthumsverhältnisse, welche das Weib ins tiefste Elend stürzen und es sogar zwingen, seinen Leib für Geld Preis zu geben.

48. Welches Band soll in der kommunistischen Gesellschaft Mann und Weib ehelich vereinigen?
Die gegenseitige Liebe.

49. Wodurch erfolgt die Auflösung der Ehe?
Sie erfolgt, wenn keine gegenseitige Liebe mehr vorhanden ist.

50. Werden keine Übelstände im Umgange der beiden Geschlechter daraus entstehen, daß die Liebe allein das eheliche Band knüpft?
Es werden keine Übelstände daraus entstehen; denn die menschliche Natur sinkt nur dann zur thierischen herab, wenn sie gewaltsam unterdrückt wird. Sonst ist, wie gesagt, die Ehe der menschlichen Natur gemäß, weshalb die wahre Ehe erst im Zustände der Freiheit herrschen wird, während sie jetzt nur ein Deckmantel der Unzucht ist. Die Übelstände aber, welche jetzt in Betreff der Eigenthumsverhältnisse und der Kindererziehung sich erheben würden, wenn die Liebe allein das eheliche Band knüpfte, können nicht in einer Gesellschaft entstehen, wo das Eigenthum und die Erziehung der Jugend nicht mehr dem Zufalle oder der Willkür der Einzelnen überlassen werden.

6. Von der Religion.

51. Welche Religion sollen wir Alle bekennen?
Die Religion der Liebe und Menschlichkeit.

52. Wo ist das Zeugniß dieser Religion?
In der Brust aller guten Menschen.

53. Ist diese allgemeine Menschenreligion eine unchristliche?
Nein, sie ist vielmehr die Erfüllung der christlichen Religion.

54. Was ist das Ziel des Christenthums?
Die Glückseligkeit aller Menschen durch Liebe, Freiheit und Gerechtigkeit.

55. Warum hat das Christenthum sein Ziel noch nicht erreicht?
Weil es bis jetzt sein Ziel noch nicht klar erkannte, sondern sich das, was es wünschte, glaubte und hoffte, bildlich vorstellte.

56. Was ist der Glaube des Christenthums?
Der Glaube an das bittere Leiden der menschlichen Gattung.

57. Unter welchem Bilde stellen sich die Bekenner des Christenthums die Menschengattung vor?
Unter dem Bilde des gekreuzigten Menschensohnes.

58. Ist der Glaube der Christen Wahrheit?
Er ist Wahrheit, so lange die menschliche Gattung wirklich leidet und sofern man das Wesentliche der christlichen Vorstellung erfaßt.

59. Darf der Christ hoffen, daß die Leiden der Menschheit einmal aufhören werden?
Ja, diese Hoffnung ist sogar ein Theil seiner Religion.

60. Unter welchem Bilde stellt er sich die bessere Zukunft der Menschengattung vor?
Unter dem Bilde der himmlischen Freuden in der Gottseligkeit. Wir werden aber diesen Himmel auf Erden haben, wann wir nicht mehr in der Selbstsucht, im Hasse, sondern in der Liebe, in der einigen Menschengattung, in der kommunistischen Gesellschaft leben.

61. Sind wir böse von Geburt an?
Nein, wir werden böse durch die schlechte Gesellschaft, in welcher wir leben.

62. Ist die christliche Gesellschaft, die christliche Welt, eine schlechte? Ja, diese Welt ist, wie das Christenthum selbst verkündet, schlecht und verwerflich.

63. Wie heißt das schlechte Wesen der Welt, wogegen das Christenthum stets eiferte?
Es heißt: Geld.

64. Ist der Fürst der Welt, der Böse oder der Teufel, vor dessen Verführung das Christenthum warnt, wesentlich etwas Anderes, als dieser verfluchte Mammon, den wir unsern Schatz nennen?
Nein, nichts Anderes. Aber die Christen, welche sich Alles in Bildern vorstellten, hatten sich auch das verfluchte Geldwesen unter dem Bilde des Teufels vorgestellt.

65. Ist die Hölle etwas Anderes, als die Erde unter der verfluchten Geldherrschaft?
Nein, sondern diese Erde ist die wahre, wirkliche Hölle.

66. Unter welchem Bilde stellt sich das Christenthum das wahre, wirkliche Leben vor?
Unter dem Bilde Gottes im Himmel.

67. Ist Gott im Himmel etwas Anderes, als die Liebe?
Nein, nichts Anderes.

68. Was geht aus der Liebe hervor?
Die ganze Schöpfung oder das Weltall, welches ewig und unendlich, unermeßlich, wie die Liebe ist.

69. Ist die Schöpfung etwas Unveränderliches, etwas sich stets Gleichbleibendes?
Nein, die Liebe schafft vielmehr fortwährend, und wo sie nicht wirksam, da ist Alles in der Auflösung begriffen.

70. Was ist Leben?
Die Liebe selbst, welche Alles gattet und zeugungsfähig macht.

71. Ist unser Gott, in welchem wir leben und weben und sein möchten, etwas Anderes, als die menschliche Gattung oder die in Liebe vereinigte Menschheit?
Nein, nichts Anderes.

72. Warum glaubten wir bisheran, daß der Teufel in uns, in der Welt, und daß unser Gott nicht in uns, nicht in der Welt, sondern im Himmel sei?
Weil wir selbst bisheran nicht in unserm Gotte, nicht in unsrer Gattung, nicht in der Liebe lebten, sondern in der Trennung und Feindschaft. Die Liebe hatte uns verlassen und wir waren in der Auflösung begriffen, darum glaubten wir, unser Gott sei außer uns und jenseits dieser schlechten Welt, der Teufel aber sei in uns, in dieser Welt, das Weltwesen selbst. Unser Glaube war, wie gesagt, kein Irrthum; er war im Wesentlichen Wahrheit. — So wie wir uns aber vereinigen und im Kommunismus leben werden, ist die Hölle nicht mehr auf der Erde und der Himmel nicht mehr jenseits der Erde, und Alles, was uns im Christenthum prophetisch und phantastisch in Aussicht gestellt worden, geht in der wahrhaft menschlichen Gesellschaft nach den ewigen Gesetzen der Liebe und Vernunft vollständig in Erfüllung.