medien

Gesellschaftliche Leistungen für private Gewinnmaximierung

Läßt sich sich sehr nett am Zukunftspapier (PDF) der SPÖ nachverfolgen, welches dieser Tage im Rahmen einer parlamentarischen Enquete als Teil der 2020-Kampagne vorgestellt wurde. Der Weg zum “Digitalen Wohlfahrtsstaat” wird als eine Art dialektischer Dreischritt präsentiert: Erstens mit öffentlichen Mitteln Infrastruktur schaffen, dann dem “freien” Markt überlassen und hernach, für den nächsten Innovationsschub diesen “freien” Markt bezuschussen, damit gesellschaftlich gewünschte Grundversorgung - hier mit IT - halbwegs gewährleistet werden kann.

“Die Liberalisierung des Mobilfunks in Österreich war zweifelsfrei ein großer Erfolg. Sowohl die Durchdringung als auch die Preisentwicklung haben die Ergebnisse gezeitigt, die man durch die Liberalisierung erreichen wollte.[...]
Im ländlichen Raum kann der Ausbau moderner IKT-Infrastruktur nicht kommerziell erfolgen.

(…) sind weitere hohe Investitionen in den Infrastrukturausbau der Breibandnetze notwendig.

(…) In der Vergangenheit wurde mit großem direktem und indirektem finanziellem Einsatz der öffentlichen Hand die bestehende Infrastruktur geschaffen. Dies fand vor allem im Bereich der Post- und Telekominfrastruktur sowie der ÖBB und Energieversorgungsunternehmungen statt.
Im Rahmen der Ausgliederung der Post- und Telegrafenverwaltung wurden große Teile dieser Investitionsgüter und geschaffenen Werte an marktorientierte Gesellschaften übertragen.

(…) Notwendigkeit, mithilfe öffentlicher Mittel eine moderne IKT-Infrastruktur flächendeckend bereitzustellen und dem Stand der Technik entsprechend auszubauen. Die dafür erforderlichen hohen Investitionskosten sind nicht in kurzer Zeit am Markt zu erwirtschaften.”

Auf das Thema im Titel Bezug nehmende Stellen wurden fett gekennzeichnet


Minimale Rahmenbedingungen für Qualitätsjournalismus

Das Elend der Debatte um ARD und ZDF « Stefan Niggemeier

“Die Verlage müssen von der (ohnehin schon reduzierten) Mehrwertsteuer befreit werden, Google muss verboten oder zur Zahlung von Lizenzgebühren verpflichtet werden, ARD und ZDF müssen das Internet verlassen, das Zitatrecht muss drastisch eingeschränkt, das kostenlose Anbieten von Informationen untersagt und die Gratis-Kultur im Internet insgesamt vernichtet werden — dann, ja dann könnten die Verlage vielleicht, möglicherweise, wenn das Wetter stimmt, in der Lage sein, auch in Zukunft Qualitätsjournalismus anzubieten, und womöglich sogar im Netz. Sonst können sie für nichts garantieren.”

Auch der Rest des Artikels ist mehr als lohnend und eine Labsal angesichts der verlogenen Kampagne der Verlage zum Killen frei verfügbarer Inhalte im Internet. So zieht Niggemeier angesichts der von den Verlagen genannten Rahmenbedingungen für einen “Wenn-dann-vielleicht-Qualitätsjournalismus” den richtigen Schluss:

“Vielleicht merken Print- und Privatfernsehlobbyisten gar nicht, dass sie damit den öffentlich-rechtlichen Sendern eine neue Legitimationsgrundlage schaffen.
Denn wenn das Geschäft mit der Information für private Medien wirklich so schwierig ist, gibt es für den Staat zwei Möglichkeiten, um dafür zu sorgen, dass seine Bürger gut informiert werden. Die eine ist die, alles dafür zu tun, um den Verlagen und Privatsendern das Leben zu erleichtern, in der Hoffnung, aber ohne Gewähr, dass es reicht. Die andere ist die, die öffentlich-rechtlichen Sender zu stärken und ihnen ein Leben in der digitalen Welt zu erlauben.”


Loyal-verdient

Vor einiger Zeit hat sich die Kultur/Medien-Gewerkschaft mit jener der Gemeindebediensteten zusammengeschlossen. Die Hoffnung, dass dies eine günstige Auswirkung auf Grammatik und Stil gewerkschaftlicher Stellungnahmen haben könnte, hat sich bislang zwar nicht erfüllt, doch zu originellen Wortkombinationen reicht es allemal, wie in der Stellungnahme des Betriebsrats angesichts des Umgangs mit dem von Wrabetz geschassten Dr. Buchner zu lesen ist:

Skandalöser ORF-Hinauswurf des loyal-verdienten Dr. Buchner

Hernach werden einige Details im Umgang mit dem Loyal-Verdienten präsentiert, welche eine ziemlich miese Betriebs- und Leitungskultur im ORF zeigen, die zu Recht angeprangert gehört. Wenn Betriebsrat Fiedler in seinem offenen Brief aber damit schließt:

“Alles in allem eine Vorgangsweise, die an die dunkelsten Kapitel europäischer Geschichte erinnert”

so stutzt man, bei aller Solidarität mit dem zu Unrecht Entlassenen, doch und fragt sich, ob es nicht gerade für Gewerkschafter angebracht wäre, sich über die politische Verhältnismäßigkeit ihrer Aussagen Gedanken zu machen.
Würde sagen, höchste Zeit, dass in dieser Gewerkschaft auch KIVlerInnen kandidieren, wozu bei den gemeinsamen Gewerkschaftswahlen von Gemeindebediensteten und den Angehörigen von Kunst-Medien-Sport-freie Berufe Gelegenheit ist :-)


Das Lächeln der Fischi und die Träume des Pum

1

Es war ein extrem schweres Rennen.
Die sich darauf einstellen konnten, sind vorne.
Ich habe mich nicht optimal eingestellt und es nicht entsprechend umgesetzt.
Aber du kannst halt nichts erzwingen.
Ich habe dann gekämpft, dass ich schön über dem Ski bleibe,
das war mein größtes Problem.

Aber wenn du oben schon einen Fehler machst,
oder nur fährst und schaust,
bist du nicht dabei.

Gerade im Speedteam ist der Schuss nach hinten losgegangen.
Das tut mir auch für das Umfeld leid.
Für uns alle ist es eine Überraschung, dass es so in die Hose gegangen ist.
Wir müssen uns hinsetzen und das genau analysieren.
Wie hat “Fischi” das gemacht?

2

Alpin-Direktor Hans Pum lehnte an einem Zaun. Bleich.
So etwas habe ich mir in meinen schlimmsten Träumen nicht erwartet.
Österreicher werden abgeworfen,
Und das summiert sich dann.
Was für ein Albtraum.

Lächeln war woanders zuhause.
Gold-Fischi frisst sie alle.

3

Im Super-G waren wir ein starkes Team, leider ist es nicht aufgegangen.
Und er schüttelte den Kopf.
Unsere Burschen wollten es erzwingen, sie sind mit der Brechstange gefahren.
“Fischi” will sich die Weltcup-Kugel geben.


Quellen: Zweite Medaille für Svindal und MillerRückschlag statt zurückgeschlagen | kurier.atÖSV-Alpinchef Pum: “Keine Trainerdiskussion” | kurier.atDie bitterste Stunde bei Olympia - ÖSV erlebte Debakel > Kleine ZeitungSuper G der Damen - derStandard.at › Sport


Welcher Dolm hat Keynes in den Zug gesetzt?

Die ÖBB als “Dolm der Woche” zu nominieren, ist angesichts der laut gewordenen Absicht, Stückgut künftig von der Schiene auf die Straße zu befördern, eine durchaus zutreffende Wahl.
Nur, wie kann jemand auf die Idee kommen, Keynes, dessen Name nicht ganz zufällig mit der Theorie staatlichen, gesamtwirtschafltichen Handelns verknüpft ist, angesichts der Zustände in der ÖBB zu einem Marktradikalen werden zu lassen?
Bevor er in einen Zug der ÖBB eingestiegen ist, hat er zuvor noch eine der Züge der britischen Privatbahnen benutzen müssen, die nach der Verluderung des Schienennetzes und dem Bankrott der hauptverantwortlichen Betreibergesellschaft wieder teilweise unter staatliche Kontrolle gestellt wurde. Eventuell ist er auch über die Schweiz gefahren, wo die staatliche Schweizer Bahn schon vor Jahren ein ambitioniertes Ausbau- und Komfortverbesserungsprojekt der Bahnen in die Wege geleitet hat. Wenn Keynes dann, sagen wir in Wien ankommt, kommt er vielleicht zum Schluss, dass sich die ÖBB gerade zwischen diesen beiden Extremen befindet und noch eine Chance für eine menschenfreundliche Bahn bestünde, wenn die politisch Verantwortlichen gemeinwirtschaftliche und menschenfreundliche Interessen verfolgen würden. 
Der Vorschlag “Zurück auf die Straße” stammt immerhin von der Unternehmensberatungsfirma Roland Berger, die in ihren Expertisen stets geneigt war, staatliches Handeln einzuschränken und gemeinwirtschaftliche Aufgaben unter privatwirtschaftliche Optimierungsinteressen zu subsumieren. Eine solche Firma auf die ÖBB loszulassen, heißt nichts anderes, als dem Marktradikalismus freien Lauf zu gewähren - und das Ergebnis hat nicht enttäuscht.
Wenn die ProduzentInnen des “Dolms der Woche” gaghalber unbedingt einen Ökonomen in den Waggon setzen wollten, dann wäre eher Friedrich August der passende gewesen, der am Ende der Fahrt vielleicht seiner Markthörigkeit abgeschworen hätte - was ich aber nicht glaube.


Falter der Woche: Nüchtern

Die anderen ungeputzten Sauschädel, die ich diesmal tüchtig schmähen und ausschimpfen will, produzieren weniger Abgase, sind aber mindestens genauso vertrottelt. Allein schon, wie sie - eingeschweißt in ihre stinkige Radfahrerkluft - auf ihren blöd zu schmal oder zu breit bereiften, gepäckträgerlosen Scheißrädern balancieren, um während einer Rotphase auch ja keinen ihrer vollkommenen verblödeten Füße auf die strunzdumme Straße stellen zu müssen, sieht dermaßen bescheuert aus, dass man sie von ihren verfickten Fahrrädern fotzen könnte. (Nüchtern betrachtet. (Falter 41/09 S. 34)

Für solche Sätze verzeiht Falterleidender viel :-)


Was unterscheidet FALTER und HEUTE?

Fast alles, wäre die gängige Vermutung, wenn, ja wenn es im Falter nicht ein kleines widerständiges Ideologiedorf gäbe, an dem die Zeitläufte abprallen, wie einstens die Römer im generischen Dorf der starken Männer und wo der Bezahl-Falter sich auf dem selben Dorfplatz wiederfindet wie das Gratisblatt:

Heute:

Appell der Kindergärtner: 3056 Pädagogen wollen mehr Geld
… jeder zweite Kindergärtner fordert …

Falter:


Bücherverbrennung und Abschaum

“Bücher mit Brennwert” übertitelt Günter Traxler einen Beitrag seiner Kolumne “Blattsalat” und berichtet von einem erstaunlichen Wertmaßstab, der in “Heute”, der U-Bahn-Gratiszeitung an Bücher angelegt wird. (”Heute” wird von der Schwiegertochter des Kronenzeitungs-Dichands herausgegeben und hat sowohl vom Outfit als auch vom Inhalt her ziemliche Ähnlichkeit mit dem Blatt des Schwiegerpapas).

Für alle Fans von Bücherverbrennungen hat der “Krone”-Abschaum “Heute” am Freitag moralische Qualitätskriterien für die Beurteilung von Neuerscheinungen vorgelegt, bei denen der Geist möglicher Leser im Sinne der Blattlinie nicht belastet wird, weil es zu einer Lektüre erst gar nicht zu kommen braucht. In der Rubrik Die besten Bücher dieser Woche wurden nach diesem neuen System gerade rechtzeitig vor Beginn der Heizperiode drei Werke präsentiert, aus denen, wenn schon nicht Leser, so doch Nutzer einen Gewinn ziehen sollten, den sich die Autoren nicht träumen ließen.

Nummer eins: Gefühlsmensch Wolfgang Schüssel schüttet sein Herz aus - und berichtet über politische Fakten … Spannung auf 392 Seiten, gebunden, 727 Gramm schwer - das ergibt einen Heizwert von 3,1 kWh. So viel wie 1,5 Kilo Holz (waldfrisch). [...]

Erstaunlicherweise warfen etliche Standard-Poster dem Verfasser der Kolumne vor, sich seinerseits eines schmähenden Vokabulars zu bedienen, weil er vom “Abschaum” der Krone geschrieben hatte.
Und unversehens wurde ich in einen kleinen dummen Disputer wickelt:

bob langer

also krone abschaum heute
ist eher die sparache derer die selber bücher verbrannt haben
ob das was in heute steht abschaum ist weiß ich nicht, aber die nehmen wahrsheinlich pressefreiheit über diese bücher so zu schreiben in anspruch wie hr. traxler zum schreiben über heute.
ob er sich nicht damit disqualifiziert, indem er diese SPRACHE selber benutzt die er im selben beitrag verurteilt.
ziemlich hippocritic würde ich sagen
wer richtet, der wird gerichtet werden.
gell hr traxler…..wenn sie solche masstäbe anlegen, müssen sie sich dieselben auch gefallen lassen.
denn alle sind gleich, oder etwa nicht? traxler ist gleicher als gleich?

haftgrund

“abschaum” ist, wie onkel wiki gerne mitteilt, das, was bei eiweißhaltigen flüssigkeiten beim kochen auftritt und, ehe es sich mit dem rest bindet, abgeschaumt wird.
ein nicht uninteressantes bild zum verhältnis vaterkrone und schwiegertochterheute.
dann gibt es noch “abschaum der welt”, eine selbststilisierung der apostel durch paulus.
und natürlich als ausdruck fürs pöbelhafte.
dass traxler mit mehrfachbdeutungen spielt, macht u.a. die qualität seiner beiträge aus.
manchen standardpostern, die quasi mit schaum vorm mund auf die eine ihnen geläufige bedeutung reagieren, würde eine intensivere nutzung des informationsangebots, welches das internet bietet, vielleicht dazu verhelfen, ihre argumente ein wenig schaumgebremster ins forum zu blasen.

bob langer

ah ja
werden sie als kampfposter nach wörtern bezahlt?
viele
worte, kaum inhalt, wenn sie auf mein posting antworten, rechne ich
damit, dass sie auf meinen inhalt antworten und keine abhandlung über
ein verwendetes wort.
aber anscheinend langts nicht dazu, oder ist nicht redaktionslinie, sich mit der aussage meines posts auseinanderzusetzen?
und abschaum hat hr. traxler verwendet, ich habe es nur wiederholt. also was?
und
wenn ich ihr aufgeregtes post so lese, vermute ich bei ihnen eher
schaum vorm mund um hunderte zeichen wegen 8 buchstaben abzusondern….

haftgrund

das winzige stückchen inhalt Ihres beitrags habe ich behandelt. tut mir leid, mehr ist nicht drinnen für Sie.


Lenin, Thurnher und das Parasitieren

Lenin hat bekanntlich davon gesprochen, dass Elektrifizierung plus Sowjetmacht Kommunismus ergebe. Der Falter-Chefredakteur stellt eine ähnliche Gleichung auf:

“Digitalisierung und Deregulierung sind Kinder eines Zeitgeists, sie erschienen zugleich und zuerst in den USA, wo ihnen neokonservative Ideen und Neuerungsfreude den Weg bereiteten.”

Was dem einen der Kommunismus, ist dem anderen ein ebenso schwammiger “Zeitgeist”, der sich aus Finanz- und Medienkrise, aus “Googels Oligopol” und schlechtem Journalismus zusammenwhirlt und im Eigentlichen erst durch die Gleichsetzung von technischer Innovation (Digitalisierung) und politischer Macht (Neoliberalismus) seine Dynamik im Thurnherrschen Gedankenpool zu entwickeln vermag.
Das Ergebnis ist erschreckend:

“Finanzinvestoren, die nicht auf journalistische Kultur Wert legten, sondern auf maximale Rendite”

Dieser aktuelle Befund deckt sich mit den Gedanken eines anderen Autors über die Macht und den Einfluss moderner Medien sowie der Dominanz wirtschaftlicher Aspekte gegenüber den Belangen der Literatur und der Kunst:

“Ein Buch ist Verlegern nichts als eine Kapitalanlage. Je besser ein Buch ist, desto weniger Aussicht auf Absatz hat es.”

Soweit wie dieser Autor, der die Zeitungsredaktionen auch noch als ein Nest von Lügnern und Intriganten bezeichnet, die ihre mediale Macht skrupellos nutzen, geht Armin Thurnherr nicht, doch auch er sieht den seriösen Journalismus in Gefahr:

“Gratisblätter kommen mit Miniredaktionen aus,”

Das ist schlimm genug, doch das Schlimmste kommt erst:

“das Suchmaschinen-Oligopol Google parasitiert überhaupt bloß an dem, was andere publizieren”

Und hier treffen Lenin und Thurnher wieder zusamm’: Hier das oligopolistische Google, dort der monopolistische Kapitalismus mit seinem parasitären, verfaulenden Wesen.

Warum also nicht vom Google-Imperialismus sprechen, dessen Parasitismus bereits auf den Printbereich überschwappt? Denn wie anders ist etwa ein Zitatelexikon zu bewerten, als ein in Buchform gegossener Parasit fremder Geistesfrucht?

Doch wie es in der Russischen Revolution die Sowjets gegeben hat, gibt es heute die Betreiber von Websites, die nicht gewillt sind, sich als Wirtskörper des Googleparasiten missbrauchen zu lassen! Mit widerständiger List und mit raffinierten Tricks gelingt es ihnen immer wieder, nicht auf den Ergebnislisten des Oligopols aufzuscheinen! Auf dass dieser verfaulen möge!

Aus einer anderen Welt dagegen sind folgende Sätze über ein Medium, welches unser Printmediumherausgeber weiterhin nicht ernstzunehmen bereit ist:

“Das Internet hebt den Journalismus auf eine qualitativ neue Ebene. Online müssen Texte, Töne und Bilder nicht mehr flüchtig sein. Sie bleiben abrufbar und werden so zu einem Archiv der Zeitgeschichte. Journalismus muss die Entwicklungen der Information, ihrer Interpretation und den Irrtum mitberücksichtigen, also Fehler zugeben und transparent korrigieren.
Das Internet entlarvt gleichförmige Massenware. Ein Publikum gewinnt auf Dauer nur, wer herausragend, glaubwürdig und besonders ist. Die Ansprüche der Nutzer sind gestiegen. Der Journalismus muss sie erfüllen und seinen oft formulierten Grundsätzen treu bleiben” (Internet-Manifest)

Ob Thurnher verstehen würde, warum diesmal er den FOLM kriegt und nicht sein Klenk?

Der andere Autor mit dem kritischen Blick auf die Medienlandschaft ist übrigens Balzac und der Befund stammt aus “Verlorene Illusionen” und handelt von den Zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts.


Klenks Recht Unsinn zu schreiben

will Peter Pilz in seinem Blogbeitrag vom 16.9. nicht in Frage stellen.

Der Unsinn findet sich sowohl im Falter als auch in Klenks Blog. Er beginnt mit dem Vergleich der Tätigkeit der Parlamentarier im U-Ausschuss mit einer Einrichtung im Wien des 18. Jahrhunderts, die durch publikumswirksame Tierquälerei Gewinne machte:

“Der U-Ausschuss als Wiener Hetztheater
Die Debatte über die Kontrolle der Justiz entgleist
Das Wiener Hetztheater erlebt seine Renaissance. Diesmal werden Staatsanwälte von Politikern in der öffentlichen Arena des U-Ausschusses gejagt.”

Und er endet mit Zeilen, an denen eigentlich nur stimmt, dass der Autor ein Interview mit der Justizministerin gemacht hat;

“Zum ersten Mal ist es der Legislative also gelungen, durch öffentlichen Druck in ein laufendes Strafverfahren einzugreifen. ‘Es ist ein Wahnsinn, wie hier Stimmung gegen Staatsanwälte gemacht wird’, sagt auch Justizministerin Claudia Bandion-Ortner (siehe Interview, Seite 10).”

Falls man dieses streichelweiche Geplaudere als ein Interview bezeichnen möchte.

Jedenfalls stellt P.P. fest:

“Florian Klenk selbst schreibt derweil Unsinn. Er konstruiert eine ‘Hetze’ gegen die Staatsanwälte, weil wir in offene Verfahren eingreifen würden. Klenk hat den Ausschuss geschwänzt. Es wurden ausschließlich abgeschlossene Verfahren behandelt. Einem Staatsanwalt wurde die Chance gegeben, seine Aussage rechtzeitig zu korrigieren. Wir haben ihm damit ein Verfahren wegen falscher Zeugenaussage erspart.”

Und vielleicht sollte sich Florian K., der sinngemäß schon mal festgestellt hat, dass die Parlamentarier nicht reif genug für eine Kontrolle der Staatsanwaltschaft seien, die folgenden Sätze mal durch den Kopf gehen lassen. Wobei zu hoffen ist, dass er das im letzten Satz formulierte Recht fürderhin nicht über Maßen in Anspruch nimmt:

“Die parlamentarische Kontrolle ist ebenso wichtig wie die Kontrolle durch die Medien. So wie der Falter seriös über Missstände in der Justiz berichtet, so werden wir hier weiter seriös untersuchen. Klenks Recht, ab und zu Unsinn zu schreiben, werden wir dabei nicht in Frage stellen.”

Zu einem faltereigenen FOLM reicht es aber diesmal nicht. Der ist in dieser Falterausgabe (38/09) Chefsache.


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