“Die Büchersammlungen haben sich übrigens verschlechtert. “


Grad gefunden in “Die neue Weltbühne. Wochenschrift für Politik, Kunst, Wirtschaft.” 1937/21, 20. Mai 1937. Liest sich teilweise ziemlich aktuell:

Deutsche Universitätsbibliotheken
Im Januar-Februarheft des »Zentralblatts für Bibliothekswesen« finden wir eine (von Wolf von Both verfasste) Besprechung des »Jahrbuchs der deutschen Bilbliotheken für das Jahr 1936«. Sie zeigt die Entwicklung der Staats- und Universitätsbibliotheken in den letzten Jahren. Die Benützung der Bibliotheken, die bis 1932 ununterbrochen stieg, ist seit der Machtergreifung der Nazi allerorten zurückgegangen. Both entschuldigt das mit dem Sinken des Hochschulbesuchs. Aber das könnte nur für die Hochschulbibliotheken gelten, nicht für die andern staatlichen Büchersammlungen. Indes zeigt sich auch bei den Universitätsbibliotheken ausser der absoluten eine relative Abnahme der Benützung. 1932 wurden die sechzehn Universitätsbibliotheken von 37.000 Studenten (45 Prozent der Immatrikulierten) in Anspruch genommen, 1934 von 23.000 Studenten (nur noch 40 Prozent der Immatrikulierten). Vor dem Krieg, vor der Krise und vor der Verarmung der Mittelschichten haben die Studenten mehr Bücher gekauft, heute muss sich der Student die Lehrbücher in den Bibliotheken entleihen. Aber er tut es nicht…
Die Büchersammlungen haben sich übrigens verschlechtert. Wenn Herr Goebbels für die Verbreitung seiner Propagandaliteratur im In- und Ausland so viel Geld braucht, muss oben bei den Studienbibliotheken geknausert werden. Both sagt allerdings, mit einiger Resignation, die Bibliotheken hätten in den Geschäftsjahren 1933/34 und 1934/35 „ihren Stand im grossen und ganzen halten” können. Aber bei näherer Betrachtung der von Both wiedergegebenen Statistik erkennt man, dass die Nazi-Herrschaft für die grossen öffentlichen Bibliotheken im allgemeinen (nicht nur für die Universitätsbüchereien) weit weniger aufgewendet hat als die Weimarer Republik. Bei den Universitätsbibliotheken ist allerdings der Niedergang besonders deutlich. Der Gesamtaufwand der zehn preussischen Universitätsbibliotheken ist von 1933 bis 1935 von 770.000 auf 710.000 Mark gesunken, bei den dreizehn ausserpreussischen von. 1,065.000 auf 718.000 Mark! Einzig die berliner Staatsbibliothek zeigt eine gewisse Erhöhung des Aufwands.
Bei einer solchen Schrumpfung der Budgets können die Bibliotheken ihren Aufgaben nicht mehr nachkommen, was auf die wissenschaftliche Ausbildung der jungen Generation zurückwirken muss: „Die Mittel reichen bestenfalls für das Wichtigste. Monographien können nur begrenzt, Antiquaria so gut wie garnicht angeschafft werden. Für ausländische Erwerbungen kommen fast ausschliesslich das Beschaffungsamt und der deutsch-ausländische Bücheraustausch, mit sehr verminderten Mitteln, auf.”

Kommentar

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