Postfaktisch – Tomasz Konicz über das aktuelle Emblem verdinglichten Bewusstseins

Hat mir die gesetzlichen Feiertage erhellt, nicht nur dieser hier zitierte Ausschnitt, sondern der gesamte Artikel von Tomasz Konicz in Telepolis:

“Das Adjektiv postfaktisch ist in sich selbst widersprüchlich: Hier beklagt gerade das verdinglichte Bewusstsein unbewusst diese ihm innewohnende Tendenz zur ideologischen Instrumentalisierung verdinglichter Fakten.

Dies gilt einerseits für die neoliberalen “Sachzwänge” und den korrespondierenden Sachzwangdiskurs, mit denen etwa die Agenda 2010 durchgesetzt wurde – und die nur bei Ausblendung der Widersprüche, Krisenprozesse und der historischen Bedingtheit des Kapitalismus als solche wahrgenommen werden können. Zwänge, die von “Sachen”, von Dingen, verursacht werden – auch dies ist ein Paradebeispiel für eine Sprache der Verdinglichung, die ja nur auf den realen Fetischismus der kapitalistischen Gesellschaft verweist.

Und selbstverständlich hat auch Sarrazin in der 2010 ausgebrochenen Sarrazin-Debatte die durch diese Agenda-Politik ausgelöste Prekarisierung und Pauperisierung breiter Bevölkerungsschichten als ein Ding, als ein Faktum wahrgenommen – und nicht etwa als Folge eines durch innerkapitalistische Widersprüche angetriebenen gesellschaftlichen Prozesses der sozialen Exklusion. Um dieses – aus dem sozialen und historischen Kontext herausgelöste – Faktum einer wachsenden Unterschicht in Deutschland bildete sich, vermittels der Sarrazin-Debatte, ein Morast aus sozialdarwinistischer und rassistischer Ideologie, der als Initialzündung der neuen deutschen Rechte diente.”

Nicht nur in diesem Zusammenhang der Hinweis auf ein von mir größtenteils noch ungelesenes Buch des selben Verfassers, welches auf meinem Schreibtisch liegt: Tomasz Konicz: Kapitalkollaps. Die finale Krise der Weltwirtschaft

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