Was noch so im Februar war, damals.

Der Februar ’56 ist zwar schon eine Weile her, doch liegen bei mir noch etliche Nachrichten aus dieser Zeit herum, das wird sich hiermit ändern:

Die Chefdolmetscherin der sowjetischen Besatzungsmacht wurde von den Russen in ein beschlagnahmtes Haus im vierten Bezirk eingewiesen. Nach dem Abzug der Russen meldete sich der frühere Hauptmieter dieser Wohnung. Er zog ein, sie hatte Vertrag mit Russen und verlangt, dass Österreich diesen Vertrag anerkennt. 

Renault 5 CV schaut aus wie Dauphine. 

Erster Tag Musterung: 15.000 wollen zum Bundesheer. Waffen und Gerät für den Jahrgang 1937 sind bereit. 30.000 modernste Infanteriegewehre, dazu noch eine unbekannte Zahl von sowjetischen Maschinenpistolen lagern in den „Augmentations-Depots“, den Waffen- und Bekleidungskammern. Jede Infanteriekompanie wird neun leichte MGs, und jedes Bataillon mit sechs- bis neun PAK-Geschützen ausgerüstet werden können. Für die Artillerie sind 10.5- und 15-Zentimeter-Geschütze vorgesehen. 

Das Europäische Forum Alpbach 1956 steht unter dem Generalthema „Evolution und Revolution“. 17.8.-6.9. 

Christl J., 12, Hauptschülerin der Wittelsbach-Schule hat auf der ganzen Linie gesiegt: ihre Klage gegen den Magistrat auf Ersatz des ihr in der Schule gestohlenen Mantels hatte die Folge, dass die Gemeinde stillschweigen Schadenersatz, Zinsen und Kosten des Prozesses bar auf den Tisch legte. 

Die Ferien des Monsieur Ulot ab morgen in der Urania.  

Bulganin macht an USA Angebot eines Freundschaftspaktes und will Großbritannien und Frankreich darin einschließen. 

Der kommunistische Weltgewerkschaftsbund, der seine Europazentrale seit 1951 in Wien hat, wurde vom Innenministerium aufgelöst.: 1. Überschreitung des statutenmäßigen Wirkungskreises, 2. Gefährdung der staatlichen Interessen Österreichs, 3. Der Verein entspricht den rechtlichen Bestimmungen seines Bestandes nicht mehr. Angeblich gehe aus polizeilichen Unterlagen die subversive Tätigkeit des Vereins hervor.  

Eine freche Herausforderung der internationalen Arbeiterschaft: Helmer „untersagt“ WGB-Tätigkeit. Mit diesem Bescheid hat Helmer in beispielloser Weise die Millionen Arbeiter aller Kontinente herausgefordert, die dem Weltgewerkschaftsbund angehören. Ein Liebesdienst für die Dollarmilliardäre – Ein Versuch der Unterhöhlung unserer Neutralität. Schärfster Protest im Namen von 85 Millionen Arbeitern. 

Wegen Zusammenarbeit mit dem Feind während der Kriegsgefangenschaft in Nordkorea wurde der USA-Soldat William Banghart zu 15 Jahren Zuchthaus und unehrenhafte Entlassung aus der Armee verurteilt. 

Die Zukunft hing an einem Hauswartposten. „Ich fahre jetzt und zahl den Zins. Abends sind wir wieder daheim“, sagte der Hilfsarbeiter Leopold Vieh, 28, zu seiner Frau, zog den grauen Mantel an, stellte den Kragen hoch und nahm die eineinhalbjährige Gaby auf seinen Arm. Die Tür eines Hauses im 4. Bezirk fiel ins Schloss. Die 32jährige Frau des Leopold, Gabriele, nahm ihre Näharbeit wieder auf. Jetzt ist es endlich so weit. Der Leopold fährt in die Gumpendorferstraße hinüber und bezahlt dort einem Hausherrn einige tausend Schilling. Und ab 1. Mai werden dann die Gabriele und der Leopold mit ihren Kindern den neuen Hauswartposten antreten können. Das Leben hat wieder einen Sinn. Es war doch gut, dass die Gabriele Vieh ihre alte Wohnung um 20.000 S verkauft hat. Gemeinsam mit dem Leopold hat sie um 16.000 S schon Möbel gekauft. Für die neue Wohnung.
Dort drüben in der Gumpendorferstraße, die Wohnung mit dem Hauswartposten. Dort fährt also der Leopold jetzt hin, zahlt den Betrag und kauft damit die Anwartschaft auf den Hauswartsposten. Die Stunden vergehen. Die Nacht kommt. Leopold Vieh und die kleine Gaby sind noch immer nicht zu Hause. Es wird den beiden doch nichts zugestoßen sein? Gaby war bei einer Freundin abgegeben worden. Leopold blieb verschwunden. Acht Tage später haben sie ihn gefunden. Sie haben ihn herausgeholt aus einem Salzburger Nachtlokal, wo er in einem „illustren“ Kreis die Summe für den Hauswartposten schon in Alkohol umgesetzt hatte. Dass er und ein ebenfalls flüchtiger Zimmermannsgehilfe, der wegen Diebstahls gesucht wird, mit 50-Schilling-Noten ihre Zigaretten anzündeten, wurde ihnen zum Verhängnis. Eine schuldlose Mutter und ihr Kind stehen auf der Straße.
 
Strassenbahner vor dem Rathaus
Strassenbahner vor dem Rathaus
        

Straßenbahner stellen Ultimatum. Gemeinde soll bis Donnerstag alle Repressalien zurücknehmen.

Betrunkener „kapert“ Straßenbahnwagen.

Sie wollten stürmen. Das Wachzimmer Kaisermühlen wollten Freitag etwa 30 Rowdies stürmen, die dagegen „protestiert“ hatten, dass die Polizei zwei ihrer randalierenden betrunkenen „Spezis“ wegen Sachbeschädigung festgenommen hatte. Das Überfallskommando intervenierte erfolgreich.

Funkstreife wird verstärkt. 5000 Einsätze in 3 Monaten. Seit dem 23. November wurden in 100.000 Fahrtkilometern über 5000 Amtshandlungen durchgeführt. Ab März werden daher drei neue Funkstreifengruppen in den Dienst gestellt. Damit fahren statt sechs nun neun Autos. Im Sommer auf zwölf.

Geführt von ihren Hunden erschienen gestern Montag Dutzende Kriegsblinde im „Grauen Haus“. Als Zeugen gegen den seinerzeitigen Angestellten Franz Haufek, der den Verband um 22.000 Schilling geprellt hatte. Das Geld hat er in einer Nacht im Casino Baden verspielt.

Die Bergbauern können nicht mehr weiter!“ telegrafierten Montag 209 Zillertaler Bauern dem Landwirtschaftsminister. Und forderten eine sofortige Milchpreiserhöhung. Die Sozialisten schlugen eine neue Schnapssteuer vor, um den Milchpreis zu stützen.

England schafft die Todesstrafe ab. Unterhaus ist gegen den Galgen. Innenminister warnte vor Rüstungswettlauf zwischen Polizei und Gangstern. „Ich kann versichern“, sagte Innenminister Lloyd-George, „dass während der letzten Jahre kein Unschuldiger gehenkt wurde. Dagegen ist es der Todesstrafe zu verdanken, dass die Verbrecher in Großbritannien niemals Waffen tragen. Wenn man die Todesstrafe abschafft, muss man die Polizei bewaffnen, und ein verheerender Rüstungswettlauf zwischen Polizisten und Verbrechern beginnt.“

Eden will den Henker beibehalten. Innenminister Lloyd-George gab bekannt, die Regierung denke nicht daran, drei rechtskräftig zum Tode Verurteilte wegen des zur Behandlung stehenden Gesetzesentwurfes zu begnadigen.

Der Henker will nur noch Bier ausschenken. Britanniens Scharfrichter trat zurück. Seine Erkenntnis: Frauen sind weitaus mutiger als Männer.

Müder Henker ohne Ruhe. Albert Pierrepoint hat sich zur Erholung an die Riviera gerettet, weil die Leute massenweise in sein Gasthaus gekommen seien und ihn angestarrt hätten.

Entmannung von Sexualverbrechern auch bei uns?

Milch-Ultimatum bis 1. März befristet. Die Bauern gegen Preisdiktatur.

Wiens Stimme für Schundeinfuhrverbot fehlt.
Ist Jonas bereit, von der Regierung das Einfuhrverbot zu verlangen? Dieser Schund kommt aus Westdeutschland, und der Invasion wurden durch die Liberalisierung die Tore geöffnet.
Auf dem letzten Städtetag hatte Bamberger in einem großangelegten Referat erschütternde Einzelheiten über die Auswirkungen der Schundinvasion berichtet: Versuchsweise wurden einer Klasse Aufsätze mit dem Thema „Einen Tag als …“ (hier konnten die Schüler ihre Idealfigur einsetzen) gegeben. Zauberer, Tod, Tarzan, Millionär, Mörder und so weiter.

Prof. Bamberger zitierte einige Stellen aus diesen Aufsätzen:
„… dem anderen würde ich den Mund zubinden und knebeln, später auf einen Turm aufhängen…“,

„… alle Damen täte ich mir holen und in eine Kammer sperren, später würde ich sie ins Wasser werfen, damit sie dann ertrinken…“,
„… einen Menschen täte ich verkehrt aufs Kreuz nageln und den Bau aufschlitzen. Die Herzen der Menschen täte ich mir in einer Laubhütte aufhängen…“,
„… ich täte andere Schiffe überfallen, ausrauben, die Leute als Sklaven verkaufen oder sie als Ruderer aufs Schiff nehmen. Jeden Tag täte ich die Leute mit der Hundepeitsche schlagen lassen…“
So schreiben Kinder im Schulalter! Und wie es weitergeht, haben wir gerade in der letzten Zeit an den grauenhaften Verbrechen Jugendlicher erlebt. Die Wiener Landesregierung aber schweigt und tut so, als ginge sie die Sache nichts an.
 

Unfassbarer Faschingsscherz: „Jesus stieg vom Himmel“

Ein Mann liebt gefährlich. Mit Robert Taylor, Eleanor Parker ab morgen: Elite, Flotten, Kolosseum.

Sie richten sichs wieder. 1000 Schilling mehr für Volksvertreter.

Abgeordnete wollen nicht mehr, als sie ohnehin schon haben. Pittermann bei WdU, die beantragen wollen, dass keine Gehaltserhöhung, SP auch dagegen.

Bundesbahn: Ab 1957 nur noch Polstersitze.

Vorstoß in den Weltraum: in den nächsten zwei Jahren.

Die Zwillinge Otto und Erich verbrannten in einer am Stadtrand von Wien gelegenen Bretterhütte. Das Unglück wäre nicht geschehen, wenn die Familie Gschwendner eine menschenwürdige Wohnung bekommen hätte.

Mit Hilfe von Gammastrahlen kann man schon heute das Auswachsen der Erdäpfel auf Monate verhindern oder beschleunigen.

Mordwaffe: Kaltes Bad im Freien.

Der Minister „weint“ auf dem Flugplatz. Funkstreife rettet Drimmels Romreise. Aktentasche zuhause vergessen. Die drei Männer der Funkstreife Berta wagten ihr Leben: nach einer Rekordfahrt von insgesamt 23 Minuten hielt der Wagen mit knirschenden Bremsen auf dem Flughafen.

Wohnungsamt hat noch keine Pläne. Enttäuschte Jungsozialisten demonstrieren gegen „Bonzenherrschaft“. Versammlung unter freiem Himmel vor Wohnungsamt in Bartensteingasse. Podest aus Schnee. Jeder konnte reden.

Währing. Parkbank als Schlafstelle eines Unterstandslosen. Sonntag, um 4 Uhr klopfte es an der Tür des Polizeiwachzimmers in der Mühlfeldgasse. Der diensthabende Beamte öffnete. Draußen stand ein junger Mann, schlecht gekleidet und halb erschöpft. „Bitte, lassen S mich hinein…“ stammelte er. Er gab an, dass er unterstandslos ist und sich die Füße erfroren haben dürfte. Der Beamte ließ den Obdachlosen in den warmen Raum, gab ihm warme Socken und verständigte die Rettung.

Der Weiße ist kein Effendi mehr. Helmuth Andics berichtet über seinen Trip zwischen Grinzing und den Pyramiden: „Allerdings, sprach die Sphinx“

Ungarns Gänse spielen mit in dem Streifen „Ich denke oft an Piroschka“, dessen Außenaufnahmen in der Pußta kürzlich beendet wurden.

Elektronengehirn

Das „Elektronengehirn“ als Dolmetscher. Die Laborantin schreibt einen englischen Text aus einem Lehrbuch der Mathematik mit einer Schreibmschinentastatur ab. Während sie noch schreibt, beginnt der Schreibapparat neben ihr zu rasseln und – ähnlich wie ein Fernschreiber – einen beschriebenen Papierstreifen mit der russischen Übersetzung des Textes auszuspeien. Dieses Zauberkunststück vollbringt die sowjetische Elektronen-Rechenmaschine „BESM“, die ein ganzes Stockwerk in einem Gebäude einnimmt. In wenigen Sekunden übersetzt sie einen einfachen englischen Satz ins Russische, wobei einfache Regeln der Grammatik beachtet, die Wortstellung, wo nötig, geändert, und bei mehrdeutigen Wörtern die richtige
Übersetzung ausgewählt wird. Sie ist auch imstande, logische Probleme zu lösen, wenn ihr die Aufgaben und das Arbeitsprogramm entsprechend in Ziffern verschlüsselt eingeführt werden – und nach grammatikalischen Regeln übersetzen, ist schließlich ein gesetzmäßiger Vorgang. Da „Elektronengehirn“, das bis zu 8000 Rechenoperationen in der Sekunde durchzuführen vermag, wird dabei nicht einmal mit voller Kapazität ausgenützt. Die Schwierigkeit bestand nur darin, das Wörterbuch und die grammatikalischen Regeln entsprechend zu verschlüsseln. Diese Aufgabe hat ein Kollektiv von Mathematikern und Sprachwissenschaftlern in mehrjähriger Arbeit gelöst.

Österreich „säubert“ CSR. Piratenstück an der Grenze. Kleinkrieg am Eisernen Vorhang hält an. Freitags wurden 50 österreichische Arbeiter auf österreichischer Seite des zugefrorenen Neusiedler Sees verjagt, die dort Schilf schnitten. Nun wurde ein österreichischer Schneepflug samt Besatzung von den tschechischen Grenzern kurzerhand „requiriert, um die Volksdemokratie zu säubern. Allerdings nur vom Schnee.

Über 1 Milliarde Spareinlagen bei der Zentralsparkasse der Gemeinde Wien. Ein Zeichen des Vertrauens.

Fortgesetzter Neutralitätsbruch Amerikas. Ernste Warnung der Iswestija. Amerikanische Flugzeuge dringen systematisch in den österreichischen Luftraum ein.
Mit schmutzigen Hetzballons an Bord benutzen diese Flugzeuge unrechtmäßig den Luftraum über Österreich, um in die Tschechoslowakei und in Ungarn einzudringen, wo sie ihr „Gut“ abwerfen.

Österreichisches Fernsehen überträgt aus Deutschland Faschingsausgabe der Quizsendung „Wer gegen wen – ferngesehen“ mit Kuhlenkampff

Polarluft in Europa kann abgeschafft werden. Der bekannte sowjetische Hydrotechniker Ingenieur A. Markin berichtet in der Zeitschrift „Nowyj Mir“ von einem aufsehenerregenden Projekt, durch welches das Klima des Polarbeckens erheblich gemildert werden soll, was eine völlige Klimaänderung Ostsibiriens und Nordwestamerikas zur Folge hätte und auch Europa von dem Einströmen der gefürchteten kalten Polarluftmassen befreien würde: Beringstraße soll durch einen 85 km langen Damm abgesperrt werden, dessen mittlere Breite nur etwa 40 Meter betragen würde.

Blick in neue Bücher: Bruno Frei: Mit eigenen Augen. Packende Reportagen 1932-1955. – Otto Horn: Das Wiener Probejahr. Der junge österreichische Autor versucht, das ganze große Kunterbunt der Nachkriegszeit einzufangen und zu zeigen, wie verschieden die Menschen mit dem Leben fertig werden. – Konstantin Lokotkow: Treue. Eine junge Ehe droht zu zerbrechen. Während der Mann seine Erfüllung nur in der Arbeit findet. Zentralbuchhandlung. Arbeiterbuchhandlung.

Man darf hoffen, dass die Zeit nicht fern ist, die Wärme und das Licht der Wüsten direkt in elektrischen Strom zu verwandeln.

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