Protokoll der Unmenschlichkeit – war damals, könnte heute sein.

1938, nach dem Einmarsch Nazideutschlands in Österreich waren neben den deutschen nunmehr auch die österreichischen Juden aufs Höchste gefährdet, was sich für die Internationale Gemeinschaft als Flüchtlingsproblem darstellte. Der Umgang damit erinnert bis in Wortgebrauch an heute.

Aus der überaus lesenswerten Rosenbergbiographie von Ernst Piper:

„Die amerikanische Regierung schlug deshalb eine internationale Konferenz vor, die vom 6. bis 14. Juli 1938 in Évian stattfand. Schon in der Einladung hieß es unmissverständlich, dass es keinem Land zugemutet werden könne, mehr Flüchtlinge als bisher aufzunehmen, Gleichwohl suchte man nach Wegen, die Auswanderung aus Deutschland und Österreich zu erleichtern. Die Konferenz wurde zu einem sensationellen Fiasko.

Conferenceofevian

Der britische Vertreter erklärte, die Territorien des Commonwealth seien bereits übervölkert, und ohnehin für Europäer ungeeignet,

England selbst ebenfalls dicht besiedelt. Zudem verbiete die gegenwärtige Arbeitslosigkeit die Aufnahme von Flüchtlingen.

Der Repräsentant Frankreichs sagte, sein Land werde tun, was es könne, wobei sich herausstellte, dass das nichts war.

Die Niederlande wollten immerhin jüdische Flüchtlinge aufnehmen, allerdings unter der Bedingung, dass zum Ausgleich die jetzt im Land vorhandenen Flüchtlinge es zuvor verließen.

Australien war gegen jede Einwanderung von Flüchtlingen, denn das Land habe bisher kein Rassenproblem, und das solle auch so bleiben.

Kanada verwies auf die wirtschaftliche Depression,

die Lateinamerikaner auf die hohe Arbeitslosigkeit.

asylAm Schluss schuf man ein ständiges Komitee für Flüchtlingsfragen, das man aber vorsichtshalber nicht mit Kompetenzen oder finanziellen Mitteln ausstattete, so dass nicht die Gefahr bestand, dass es Erfolge erzielte.
Die Konferenz war ein enormer Propagandaerfolg für die Nazis, denn es zeigte sich vor aller Welt: Niemand wollte die in Deutschland verfolgten Juden bei sich aufnehmen.“ S. 429f.

Rezension zum Buch Ernst Piper, Alfred Rosenberg. Hitlers Chefideologe: http://www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-7371