Nachrichten, die kommen und gehen

Heute ist zwar schon Mariä Lichtmess, aber ich will doch noch etliche Splitter aus dem Jänner 1956 anbringen. Nicht ganz bunt gemischt aber doch ohne erkennbare Gliederung. Die beiden Plakate stammen natürlich aus 56 und sind in der Wienbibliothek gefunden worden.

1956-orangen

Wenn Wahlen Feuer auslösen

Ein Polizist sah am Dienstag gegen 5.30 aus dem 4. Stock des Eiffelturms, in dem eine Fernsehstation untergebracht ist, Flammen zucken. Wenige Minuten später rasten Löschmannschaften heran. Da das Bedienungspersonal der Aufzüge seinen Dienst erst um 7 Uhr antritt, mussten die Feuerwehrleute mit 15 kg schweren Löschgeräten am Rücken die 1710 Stufen hinaufhasten. Als sie oben ankamen, war es zu spät: Die Televisionsstation war völlig ausgebrannt. Die Techniker meinten, indirekte Brandursache seien die französischen Wahlen gewesen. Die Anlage war nämlich wegen der Verkündung der Wahlergebnisse über Nacht in Betrieb gewesen, was zu einer Überhitzung und schließlich zu einem Kurzschluss geführt haben dürfte.

Der streikende Gast

Vollen Erfolg am ersten Streiktag trugen die Arbeiter und Angestellten des Wiener Hotel- und Gastgewerbes davon. Vor dem Nobelhotel Sacher hatten sich Sreikposten aufgestellt. Als es in einigen Betrieben zu Streikbruchversuchen kam, bestetzten die Streikenden in voller Ruhe und Ordnung sämtliche Plätze in den betreffenden Lokalen. Die von einzelnen Unternehmern zu Hilfe gerufene Polizei fand keinen Grund zum Einswchreiten.

Rapid und die Fremdenlegionäre

Ihr eindrucksvollstes Erlebnis hatten die Rapidler in Sidi Bel Abbes, wo sich die größte Delegation französischer Fremdenlegionäre befindet. Das derzeit dort stationierte 6000 Mann starke Regiment besteht zu fast 80 Prozent aus Österreichern und Deutschen. Die Rapidler sahen, wie die Fremdenlegionäre wohnten. Sie konnten auch die Legionäre während zweier Tage im Dienst und in der Freizeit beobachten. Im Legionärsmuseum sind viele interessante Dinge ausgestellt. Zumeist Beutestücke, wie Fellachenschwerter und andere Waffen, welche seit vielen Jahren von den Rebellen gebraucht werden

Sportklub und der Löwe

Beim Abschied von Äthiopien wurde den Spielern des Wiener Sportklubs exotische Tiere als Geschenk angeboten. Unter den interessanten zoologischen Gaben gab es auch eine Antilope und einen jungen Löwen. Nach längeren Beratungen haben sich die Hernalser dazu entschlossen, den jungen Löwen als Geschenk anzunehmen. Ein besonderer Käfig für den Löwen ist derzeit nicht notwendig, da der junge König der Wüste erst drei Wochen alt ist. Vorläufig kann man sich kein netteres Tier vorstellen, denn der Bursche ist lammfromm und hört auf den Namen Bimbo.

Schmuggelfußballer

In geradezu aufreizender Weise haben zwei Spieler der österreichischen Fußballnationalmannschaft ihre Berufung in das Nationalteam missbraucht, um in Budapest Schmuggelgeschäfte zu tätigen. Zu Ehre der Tausenden von reinen Amateursportlern bedarf es einer Feststellung: Nicht jeder Sportler ist ein Fußballer; nicht jeder Fußballer ist ein Scheinamateur und nicht jeder Vertragsspieler ist ein Schmuggler. Noch sind die Vorfälle bei Vereinsspielen im Ausland mit dabei getätigtem Schmuggeln von Feuerzeugen, Opium usw. in unliebsamer Erinnerung.

Gesetzlose Zone Fußgängerstreifen

Es ist nur der Disziplin der Fußgänger und der Kraftfahrer zu danken, dass Fußgängerstreifen auch an ungeregelten Kreuzungen wirksam sind. Gesetzliche Verpflichtung zu ihrer Respektierung besteht keine – höchstens für die Fußgänger, wenn man die Stelle im Kraftfahrgesetz, dass Fußgänger die für sie bestimmten Straßenteile zu benützen und die Verkehrsflächen auf dem kürzesten Weg zu überqueren haben, so auslegen soll.
London und Moskau geben hier das Beispiel: Das Gesetz verpflichtet die Kraftfahrer, die Fußgängerstreifen zu respektieren. Auf dem Streifen hat der Fußgänger Vorrang, sonst das Fahrzeug. In London gibt es noch eine zusätzliche Bestimmung: bei einem Unfall auf dem Streifen ist der Kraftfahrer automatisch schuldig, auf den anderen Teilen der Straße der Fußgänger.

Praterstern nach amerikanischen Methoden

Amerika ist das einzige Land mit großer Verkehrserfahrung und hat dank umfangreichen statistischen Unterlagen brauchbare Berechnungsmethoden für den Verkehrsbau entwickelt. Selbst England macht derzeit noch Versuche mit künstlichem Verkehr auf Kreisverkehrsplätzen, ohne allerdings zu anderen Resultaten zu kommen als Amerika. Das ist der Grund, warum man heute nur nach den amerikanischen Methoden im Straßenverkehr aufbauen und eine Beurteilung von Bauwerken nach Maß und Zahl durchführen kann. Daher wurden auch die Berechnungen für den Verkehrskreis Praterstern nach amerikanischen Methoden durchgeführt.

Südtiroler Platz entschärft, Straßenbahn unterirdisch

Die Gürtelfahrbahn einschließlich der Straßenbahngeleise wird in einen Tunnel unter die Favoritenstraße verlegt. Der 118er wird also diesen neuralgischen Punkt des Wiener Verkehrs unterirdisch passieren. Übrigens bereut man es jetzt schon, dass man beim beim Umbau des Matzleinsdorfer Platzes gespart hat und nicht seinerzeit die Straßenbahn ebenfalls in die Unterführung verlegte: Nun wird hier zum zweitenmal gearbeitet werden müssen, um den bestehenden Straßentunnel zu vergrößern

Autostraße über das Meer der Wiener

„Wenn es gelingt, Esterhazysche Gründe für den Bau einer Schilffabrik am Neusiedler See freizubekommen, dann könnte das Projekt des Dammes, der Autostraße über den Neusiedler See Wirklichkeit werden“ erklärte NR Franz Strobel, Landesrat der burgenländischen Landesregierung und Konsulent der Esterhazyschen Güter im Burgenland.
Neben der Fremdenverkehrsattraktion, die dieser sechs Kilometer lange Damm zwischen Illmitz und Mörbisch darstellen würde, geht es in erster Linie um die Regulierung des Wasserhaushaltes des Neusiedler Sees, von welcher nicht zuletzt die Existenz seiner Bewohner und die wirtschaftliche Kapazität des Burgenlandes abhängt. Der Damm wird ungefähr zwei Meter über dem Wasserspiegel aufragen und gegen Norden wegen des starken Eisschubes sehr flach angelegt sein. Eine Autostraße wird vierspurig über diesen Damm geführt werden.
Ungeahnte wirtschaftliche Möglichkeiten würden sich durch eine generelle Regulierung des Wasserhaushaltes ergeben: Die Gemüseversorgung von Wien mit Salat, Paradeisern, Majoran und Gurken könnten allein durch das Burgenland gedeckt werden.

Verkehrspolizisten in Zivil

Vom 1. Februar an werden in Wien Verkehrspolizeibeamte in Zivilkleidung Dienst machen, die die gleichen Vollmachten wie uniformierte Sicherheitswachebeamte haben. Diese Neueinführung soll dazu dienen, den Straßenverkehr noch wirkungsvoller als bisher zu überwachen. Autowildlinge sollen nicht mehr das Gefühl haben: “Jetzt drah i auf, jetzt siecht mi eh kaner!”

Im Zickzackkurs übern Rennweg

Völlig alkoholisiert preschte der 52jährige Chauffeur Franz Doleschal mit seinem Lastwagen über den Rennweg, überholte einen stadtwärts fahrenden Zug der Linie 71 regelwidrig auf der linken Seite. In diesem Augenblick kam ein Gegenzug heran! Obwohl der Fahrer den im Zickzackkurs fahrenden Wagen, der mit großer Geschwindigkeit auf ihn zukam, sofort bemerkt hatte und bremste, konnte ein Zusammenprall nicht vermieden werden. Das Lastauto streifte den Triebwagen, wobei er die Seitenwand aufschlitzte. Die Fahrgäste sagten übereinstimmend aus, sie hätten gemeint, der Zug würde in die Luft gesprengt . Aufbau und Ladefläche des Autos wurden dabei total zertrümmert, trotzdem raste der Betrunkene weiter und prallte gegen ein Personenauto, das unmittelbar am Gehsteig geparkt hatte. Dieses Auto wurde durch die Wucht auf den Gehsteig geschleudert. Als nächstes Opfer rammte der Amokfahrer einen Radfahrer. Erst 100 Meter nach dem ersten Zusammenstoß konnte der verbrecherische Lenker sein Fahrzeug anhalten, hinter sich ein Trümmerfeld. Die zersplitterten Balken des Holzplateaus wurden über die ganze Fahrbahn zerstreut. Verbogenes Blech, Drahtseile und Lehmspuren blieben zurück. Als der Lenker aus dem Wagen gestiegen war und sich sein Fahrzeug besehen hatte, stellten ihn die Passanten – es hatte sich eine riesige Menschenmenge angesammelt – empört zur Rede. Um die erregte Menge zu zerstreuen und den Amokfahrer sicher wegbringen zu können, musste das Einsatzkommando ausrücken.

Exhumierung Eins

Mit Unterstützung der österreichischen Behörden sind bei Pöttsching im Burgenland die Gebeine des im Jahre 1919 an der Grenze zwischen Österreich und Ungarn getöteten führenden Funktionärs der Ungarischen Räterepublik Tibor Szamuely aufgefunden und exhumiert worden. Nach dem Zusammenbruch der Ungarischen Räterepublik hatte der Volkskommissär für Heerwesen der Räteregierung Tibor Szamuely, der bis zuletzt den Widerstand gegen die Übermacht geleitet hatte, von ungarischen Faschisten gehetzt, die damalige österreichische Grenze zwischen Sauerbrunn und Wiener Neustadt erreicht. Beim Übergang über die Leitha fand Szamuely, ein treuer Schüler Lenins und beispielgebender Kommunist, am 3. August unter Umständen den Tod, die bis heute nicht voll geklärt sind. Die österreichischen Grenzwächter behaupteten damals, er habe Selbstmord versucht. Beweise dafür liegen nicht vor. Tödlich verwundet wurde er in das Militärlazarett Lichtenwörth (Wr. Neustadt) gebracht und starb dort kurz nach seiner Einlieferung. Im geheimen wurde die Leiche dann über die ungarische Grenze geschafft und von einem ungarischen Grenzgendarmen auf einem Feld bei Pötsching im jetzigen Burgenland eingegraben. Der Gendarm, der damals eine genaue Zeichnung über die Lage des Grabes machte lieferte die Unterlagen für die Suche nach den Gebeinen Tibor Szamuelys. Die Witwe Szamuelys hält sich gegenwärtig in Wien auf.

Exhumierung Zwei

Drei Tage wühlten sie in burgenländischer Erde: Die Witwe des ehemaligen Volkskommissars für Heerwesen in der Räteregierung Bela Kuns, Tibor Szamuely, genannt der „Rote Henker“, zwei Legationssekretäre und einige Angestellte der ungarischen Gesandtschaft in Wien sowie 18 Arbeiter aus Pöttsching und Sauerbrunn, die eigens für die Grabungen aufgenommen worden waren. Sie suchten nach den Gebeinen des Kommunistenführers, der sich nach dem Sturz der Räteregierung auf der Flucht nach Österreich in der Kanzlei der Grenzwache an der Leithabrücke zwischen Pöttsching und Wiener Neustadt erschossen hatte. Das Skelett wurde in einem Akazienwald gefunden. In braunes Packpapier eingewickelt wurden dann die sterblichen Überreste des Kommunistenführers in einem schwarzen Diplomatenwagen nach Wien gebracht. Von hier werden die Gebeine nach Budapest transportiert, wo Szamuely noch nachträglich ein Staatsbegräbnis und ein Mausoleum erhalten soll.

Frauen könnten besser aussehen

Die meisten Arbeiterfrauen haben sich selbst gegenüber noch immer das gleiche Vorurteil, dass sie bis vor nicht allzu langer Zeit ihren Wohnungen gegenüber hatten. Sie lassen sich gehen, sie machen zu wenig aus sich, sie geben sich zu früh auf. Gewiss: eine Arbeiterfrau ist kein Luxusgeschöpf. Sie steht an der Maschine, sie führt den schweren Haushalt, sie bringt außerdem noch Kinder zur Welt. Davon wird man naturgemäß nicht jünger und frischer. Aber eine Zimmer-Kuchl-Wohnung muss keine Elendswohnung sein. Und ebensowenig muss eine Arbeiterfrau vor dem Staub, der Plage und der Zeitnot kapitulieren. Mit einigem Willen und wissen ist es nicht notwendig, jeden kosmetischen Defekt anstehen zu lassen. “Soziale Kosmetik” könnte ebenso erschwinglich organisiert werden wie “Soziale Wohnkultur”. Unsere Frauen und Mädel könnten viel dazu beitragen, Österreich die Atmosphäre eines modernen Landes und unserem Wien das äußere Aussehen einer Weltstadt zu geben.

Karl Renners Lehr-Dichtung und die Wahrheit

Renner war als Prosaschriftsteller ein Großdeutscher, er bleibt es auch als Lyriker; er war es vor der Nazizeit, in der Nazizeit und nach der Nazizeit. Renners Nachfolger haben uns nun auch noch Renners posthumes Großdeutschtum, in Versen, konserviert. Renner widmete sein Buch “unseren Naturforschern”. Jedoch ist kaum zu befürchten, dass sie es lesen werden. Was Renner als “Naturbild” popularisiert, ist aus sechster bis siebenter Hand von Popularisierungen bezogen.
„Der Sonnenball gebar aus sich Planeten:
Rund vor zweitausend Millionen Jahren
Ins Dasein ist die Erde auch getreten,
Ein Feuerball, wie ihre Ahnen waren.“

Und über Kant und Friedrich 2. Verfasste Renner wahrhaft buchenswerte Verse:
„So sei’s gesagt, obschon in Ehrfurcht bloß,
dass von zwei Herrschern mein Gesang berichte!
Zwei Könige, gewaltig, übergroß
an Lebenswerk und geistigem Gewichte.
Gebar zu gleicher Zeit der deutsche Schoß…“

Olympiade in Cortina

Die Reklame läuft in Cortina auf Hochtouren. Der letzte Schrei auf diesem Gebiet nennt sich „Spitlight“, auf gut deutsch Spuklicht. Riesige große Lichtreklame wird mit einem kanonenähnlichen Apparat auf Felswände oder Wolkendecken projiziert. Sollte jedoch die wünschenswerte Wolkendecke nicht vorhanden sein, wird eine Rakete in den finsteren Nachthimmel abgeschossen. Es bildet sich ein großer Wolkenpilz, und das Spiel mit den Ankündigungen der verschiedenen Firmen kann von neuem beginnen.

Im Kolosseumkino in der Nußdorferstraße werden mittels eines Philips Mammutprojektors Fernsehübertragungen von den Olympischen Spielen auch für einen größeren Personenkreis geboten. Der Präsident des Internationalen Olympischen Comitees, Brundage, bezeichnete das Zustandekommen einer gesamtdeutschen Mannschaft als großen Sieg des Olympischen Sportes.

Cortina – Stadt in Angst, in Angst vor der Sonne, in Bangen um Schnee. Jagd auf grünen Einbahnpiste.

Orgien der Irrenwärter?

“Man hat in Österreich andere Moralvorstellungen als bei uns in England”, sagten die Irrenwärter von Chester und informierten die Anstaltsleitung, dass sie nicht mehr bereit seien, mit ihren unmoralischen österreichischen Kollegen – Irrenwärter, Köchinnen und Krankenpflegerinnen – zusammenzuarbeiten. Der Grund: Die Bediensteten der Anstalt wohnen in zwei Baracken, nach Geschlechtern getrennt. Allabendlich findet in der Frauenbaracke eine Fernsehvorführung statt, bei der auch die Männer zuschauen dürfen. Die meisten Österreicher aber, so sagen ihre englischen Kollegen, interessieren sich dabei für ganz andere Dinge als für das Fernsehen. Im dunklen Raum feiern sie während der Vorführung “Orgien”. Und einmal wurde sogar eine Österreicherin in der Männerbaracke aufgestöbert. Und zu Weihnachten haben die Österreicher reichlich viel Wein getrunken. Kommentar einer Krankenpflegerin aus Wien: “Vielleicht benehmen sich einige unserer Mädchen etwas unenglisch. Aber etwas wirklich Unanständiges habe ich nie gesehen.” Der Anstaltsdirektor plant: getrennte Räume für Österreicher und Engländer, Kauf eines eigenen Fernsehapparates für die Männerbaracke, Bewachung des Frauentraktes durch eine eigene “Hausmutter”, Verwandlung des Nachtarztes in einen Sittenpolizisten, der Kontrollbesuche in den Schlafzimmern machen muss. Schauplatz des Ganzen ist ein Irrenhaus.
Eine junge im Irrenhaus beschäftigte Österreicherin gab zu, dass im Fernsehraum geküsst worden sei. Daran hätten sich aber die englischen Krankenschwestern sehr lebhaft beteiligt. Also sind die Österreicher gar nicht so schamlos und zum Ausgleich die englischen Angestellten – zumindest deren weiblicher Teil – gar nicht so prüde, wie ursprünglich angenommen werden konnte.

Anonymes nacktes Wesen

Statt einer Ballnacht: Besuch im Meidlinger Theresienbad. Noch ist man in Mantel und Hut, ein zivilisiertes Etwas, das eine Aktentasche trägt und auf einen ganz bestimmten Namen hört. Hat man aber erst die Stufen des langgestreckten und schön gegliederten Baues hinter sich, befindet man sich erst einmal in der hohen Glashalle mit der algengrünen Decke und hat an der Kassa für sechs Schilling und fünfzig Groschen seine Karte in Empfang genommen, dann wird man bald ein anonymes, nacktes Wesen sein, von dessen äußerer Aufmachung nicht viel mehr übrigbleibt als ein bißchen Dampf, eine feuchte Nebelwolke falscher Schamhaftigkeit.

Frau Sopherl im Bananenwald

Wenn die Mestizen in den großen Plantagen Brasilien oder Westindiens die grünen Früchte in die langen Kisten verpacken, dann notiert der Großhändler in Wien schon die nächste Bestellung. Dann leeren sich die weißgetünchten Zellen in den Reifeanlagen, dann rollen die letzten gelben Bananenstämme – bis zu 40 kg schwer – hinaus auf die Märkte. Drei Wochen schwimmen die grünen Bananen in Kühlzellen auf den großen Frachtern unverpackt über den großen Teich. Ab Hamburg rollen sie dann in Thermowagen der Bundesbahnen nach Berlin, nach Stockholm oder nach Wien. 80.000 Bananen reifen zur Hochsaison zwischen Februar und Juni in den Bananenzellen. In rund acht Tagen ist aus den grünen Früchten ein leuchtend gelber Bananenstamm geworden, rollen die Galgen auf den Stahlrahmen heran und der Bananenmeister schwingt die gebogene Klinge des Spezialmessers.

Wer ist Sanitzers Schutzengel?

Was weiß Sanitzer und wer ist ihm verpflichtet? Seit einem Monat ist nun der Gestapochef und Kriegsverbrecher Sanitzer, der von einem österreichischen Volksgericht zu lebenslänglichem Kerker verurteilt wurde, auf freiem Fuß. Welchen Grund hat Helmer, den Gestapomörder zu decken? Nach dem Attentat auf Hitler 1944 wurde auch Helmer verhaftet. Im Unterschied zu den anderen Verhafteten ging er nach wenigen Tagen frei. Vielleicht ist hier auch der Schlüssel zum Fall Starhemberg zu sehen. Weiß Sanitzer zu viel?

“Aktion der Menschlichkeit liquidiert das Grauen des KZ”

Eine neue Initiative des Ing.-Figl-Hilfswerkes – In den nächsten Tagen werden von Wien aus an die bedeutendsten Zeitungen in fast allen europäischen Ländern lange Listen abgesendet werden, auf denen die Namen und Personaldaten von rund 3500 ausländischen Widerstandskämpfern verzeichnet sind, die in der Umgebung von Wien während der Kriegsjahre in Konzentrationslagern umgekommen sind und hier begraben wurden. Damit erreicht eine Aktion des Ing.-Figl-Hilfswerkes und ihres Leiters J. Trachtulec ihren Höhepunkt, die ein neues Ruhmesblatt in der von segensreichen Tagen ausgefüllten zehnjährigen Geschichte dieses Hilfswerkes darstellt.

Der getroffene Teetopf

Im Verlauf einer temperamentvollen Auseinandersetzung eines Ehepaares wurden von diesem einige Küchengeräte als Wurfgeschosse verwendet. Der Luster wurde beschädigt, das Radio umgeworfen und andere Einrichtungsgegenstände von ihrem Platz gerückt. Eines der Geschosse traf einen Teetopf, der auf dem Gasherd stand. Das Wasser ergoss sich über die Flamme und löschte sie, worauf Leuchtgas unverbrannt ausströmte. Das Ehepaar legte sich nach Beendigung des Streits zur Ruhe und verlor kurz darauf das Bewusstsein. Gegen zwei Uhr früh betrat der 21jährige Herbert Kren das Wohnhaus und spürte Leuchtgasgeruch. Er ging von Tür zu Tür und stellte fest, dass der Geruch aus der Wohnung des Ehepaares N. drang. Kren weckte die Hausbesorgerin, die sofort den Gashaupthahn sperrte, worauf Kren die Wohnungstür öffnete und die beiden bewusstlos auf einem Diwan liegend fand. Noch ehe die Rettung eintraf, stellte Kren Wiederbelebungsversuche an, die Erfolg hatten.

Heldentum nach Ladenschluss

Schildern Sie, wie Sie durch die Maschen des Stacheldrahtes geschlüpft sind. Wir suchen das ergötzliche Erlebnis am Rande einer keineswegs immer ergötzlichen Zeit. Wöchentlicher Preis 500 Schilling. Gesamtsieger komplette Europareise. Kinokarte von Heldentum nach Ladenschluss ist der Einsendung beizulegen.

Nackte Sirenen

Nackte Sirenen vor dem Eisernen Vorhang. Grenzzwischenfall im Burgenland. Ungarische Soldaten waren auf österreichischem Boden gewesen. Es gab einen Lokalaugenschein von österreichischen und ungarischen Behördenvertretern. Ungarischer Offizier hatte eine Erklärung „Sehr einfach, bitta schön: Ungarischer Soldat ist auch nur Mensch. Die Frauen baden hier, wo die Pinka die Grenze bildet, immer nackt im Fluss. Meine Leute laufen dann zu ihnen, aber die Mädel locken sie immer weiter ins Land hinein.“
Sicherheitsdirektor Schwarz: „Auch Mitte Oktober, bei vier Grad ober Null? Außerdem leben wir Gott sei Dank in einem Lande, in dem man sich auf jeden Fall einen Badeanzug leisten kann.“
Die Verhandlungen wurden dann bei stärkeren Getränken in Szent Gotthard in Ungarn fortgesetzt. Um halb elf Uhr vormittags begann man, um ein Uhr nachts trennte man sich. Ohne Ergebnis natürlich.

Gangstermethoden bei der Wochenschau

Was hat die “Fox” noch in Österreich zu suchen? Der Sprecher der Austria-Wochenschau stellte den Einzug Österreichs in die Völkergemeinschaft der UNO als amerikanisches Verdienst hin, als Sieg der amerikanischen über die sowjetische Politik, wobei jeder wusste, dass amerikanische Obstruktion diese Aufnahme bislang verhinderte.

Ideologie und Märchen

Zum erstenmal seit zehn Jahren erscheint jetzt in der Sowjetzone eine ungekürzte, unverfälschte Ausgabe der Märchen der Brüder Grimm. Noch vor fünf Jahren durfte in der Zone niemand die Forderung nach einer Neuauflage der deutschen Märchen erheben. Den Märchenbänden wurde eine von einem SED-Professor geschriebene Interpretationsanleitung beigegeben. Ihre Grundtendenz besagt, dass alle Träume vom besseren Leben, die das Volk in seine Märchen gelegt hat, in der Sowjetunion bereits zur Wirklichkeit geworden seien. So heißt es über das Märchen vom “Wasser des Lebens”, in dem ein heilkräftiger Zaubertrank eine Rolle spielt: “Das Wasser des Lebens ist das in den Staudämmen, Bewässerungsanlagen und Kraftwerken den Menschen dienstbar gemachte Wasser der großen Flüsse, wodurch Wüsten und unfruchtbare Steppen sich in fruchtbare Äcker und blühende Felder verwandeln und Krieg und Hunger nicht mehr der Schrecken der Menschen sind. Der sowjetische Schriftsteller A. Koshewnikow nennt deshalb seinen neuen Roman über die Fruchtbarmachung der Steppen von Kyss-Tass “Wasser des Lebens”.” Beim Märchen von der Wunderhirse wird zur Wissenschaft von den hohen Getreideerträgen im Land des Sozialismus. Die Hirse hilft der Roten Armee zu ihren völkerbefreienden Siegen. Das Märchen wird wahr.

Der Unglücksbote von Wien

Er ging zu Wiener Familien und erzählte ihnen, ein Angehöriger sei schwer verletzt ins Spital eingeliefert worden. 17 Personen fielen ihm auf diesen Schwindel herein und gaben ihm Trinkgelder zwischen fünf und zehn Schilling. Wie er dem Gericht erzählte, war er kurz vorher aus der Haftanstalt entsprungen und brauchte Geld. Dass er sich nebenbei als Heiratsschwindler betätigte und einer Landwirtstochter 1000 S und Kleider entlockte, gab er gleichfalls zu. Der Unglücksbote von Wien fasste 21 Monate schweren Kerkers aus

Hang zum Stehlen

Margarete S. begab sich nach einem Kinobesuch in ein Floridsdorfer Kaffeehaus, hängte ihren Mantel an einen Kleiderhaken und machte ihre Bestellung. Im Verlauf des Abends spielte sie auch einige Stücke am Klavier. Inzwischen erschien der ihr bekannte, sichtlich angeheiterte Josef Neumaier, und bat die Frau, ihm am Klavier sein Lieblingsstück vom “Schweren Fuhrmann” vorzuspielen. Margarete S. kam seinem Wunsch nach. Als das Klavierspiel beendet war, hatte der Mann das Lokal verlassen, aber auch der Mantel war verschwunden. Der Schöffensenat war der Auffassung, dass dem Angeklagten ein Hang zum Stehlen inne wohne, dem er bei jeder ihm günstig erscheinenden Gelegenheit unterliege, und verurteilte ihn somit als Gewohnheitsdieb zu 13 Monaten schweren Kerkers.

Zu viele Filme in Österreich

1955 waren in Wien 472 Filme erstaufgeführt worden, in Deutschland 492. Dort zählt man 5430 Kinos, Österreich nur 1163. Das Ungesunde eines so übermäßigen Filmangebots wird daran ersichtlich, dass den USA mit 17.000 Kinos nicht mehr als 400 Filme zur Verfügung stehen und in der Sowjetunion etwa 140 Filme bei 6000 Lichtspieltheatern. Dem österreichischen Film geht es nicht sehr gut, dafür aber lassen wir alle Filmprodukte herein, die irgendwann und irgendwo in der Welt hergestellt wurden. Von den 472 Filmen kamen 237 aus den USA, 97 aus Westdeutschland, 29 aus Frankreich und Italien, 24 aus Österreich. Nicht jeder Film kann wirtschaftlich restlos ausgewertet werden.

Österreichischer Film gestohlen

Deutsche Film-Exportzeitung schießt den Vogel ab. In ihrer Dezembernummer zeigte sie als Titelbild Johanna Matz in dem Mozart-Film „Reich mir die Hand mein Leben“ ohne Hinweis darauf, dass dies ein Film aus Österreich sei.

Ausverkauf deutschsprachiger Schauspieler

Nach Cornell Borchers, O.W. Fischer, Marianne Koch (Cook), Helmut Käutner kommt nunmehr als fünfter Hollywood-Aspirant Curd Jürgens zu einem Vertrag mit der Universal International. Zu diesem Zweck begab er sich am 14. Jänner in Begleitung seiner Frau Eva Bartok auf dem Luftwege nach den Staaten. Da sich auch die Managerin von Curd Jürgens nach Los Angeles begibt, ist anzunehmen, daß der Ausverkauf an deutschsprachigen Darstellern fortgesetzt werden soll.

Heiße Debatten bei Frucht ohne Liebe

Der Columbia-Film „Frucht ohne Liebe“ behandelt das Thema der künstlichen Befruchtung. Dieser Umstand war Anlaß heißer Debatten im Arbeitsausschuß der FSK, wo eine Minderheit gegen die erste erfolgte Freigabe berief und die Entscheidung dem Hauptausschuß überantwortete. Nunmehr hat der Hauptausschuß die Freigabe des Streifens neuerlich bestätigt.

Engele mit Teufelsfrisur

Ein neues Gesicht im deutschen Film: Nicole Berger. Obwohl sie ihre langen blonden Haare opferte und sich eine Teufelsfrisur, wie man in Paris sagt, zulegen musste, blieb sie ein zauberhaft ätherisches Geschöpf.. Auch dann, als Käutner seine Schlusszene drehte und ihr die Maskenbildner eine „geschorene Perücke“ zum Zeichen der Schande über den Kopf zog. Manche waren mit diesem Schlussbild nicht einverstanden. „Die Leute werden das abstoßend finden!“ Käutner steht auf dem Standpunkt, dass nicht alles im Film schön sein muss, weil auch im Leben nicht alles schön ist. Für Jugendliche verboten und sogar für hartgesottene Film- und Presseleute ziemlich deftig. Nicole Bergers Partner Maximillian Schell holt in Kürze bei Jean-Louis Barrault bisher versäumten Schauspielunterricht nach.

Neue Zeitschrift „Wort in der Zeit“

Als bedenkliches Symptom sei vermerkt, daß „Wort in der Zeit“ in Memoriam Thomas Mann eine Druckseite widmet, mit dem peinlich-krampfhaften Versuch, den großen Humanisten zum „geistigen Erbe Schopenhauers“, zum Vorkämpfer von Mythos und Legende umzuinterpretieren. Es ist unverkennbar, daß die Zeitschrift von Professor Henz (wie kaum anders zu erwarten) ohne an eine bestimmte Richtung gebunden zu sein, jener nicht ganz neuen Zeitströmung dient, die von der „Zerstörung der Vernunft“ (Lukacs) ein vertieftes Lebensgefühl erwartet. Von zeitgenössischen Romanciers werden Doderer und Saiko kritisch (und mit unveröffentlichten Proben) vorgestellt. Josef Nadler (ausgerechnet) redet der Jugend zu, dem Buch als Setzer oder Verkäufer zu dienen, wenn schon nicht als Autor. Von Alexander Lernet-Holenia wird eine Rede über ein ebenso abseitiges wie zufälliges Thema abgedruckt.
Österreich ist reicher, vielgesichtiger, bunter als das Schattenspiel des katholischen Existenzialismus. Wer Österreich sagt, kann sich nicht auf die Heroldsche Verlagsbuchhandlung beschränken. Nach dem Durchblättern der ersten beiden Hefte der österreichischen Literaturzeitschrift „Wort und Zeit“ gewinnt man den Eindruck, daß bei diesem Wort sowohl die Zeit wie Österreich zu kurz gekommen sind. Der Platz für eine wirklich österreichische, wirklich zeitbewußte, wirklich repräsentative Literaturzeitschrift ist immer noch unbesetzt.

Gentleman der Partei

Der Gentleman der Kommunistischen Partei, der Grazer Generalssohn , mit einer Gräfin verheiratet, in seinen Musestunden ein feinsinniger Lyriker und Übersetzer so „dekadenter“ Dichter wie Verlaine und Baudelaire -, dieser Ernst Fischer, den die Kommunisten überall dort vorschoben, wo sie den Bürgerlichen ihre Salonfähigkeit beweisen wollten…

Im Ländle trauern die Moralaposteln

Den Vorarlberger Sittenwächtern bleibt nichts erspart. Kaum, dass sich die Öffentlichkeit über die Aufdeckung des bisher größten österreichischen Homosexuellen-Skandals beruhigt hatte, wird nun bekannt, dass ein Prozess gegen die noch in Haft befindlichen 127 Personen gar nicht so einfach sein wird. Im ganzen Ländle gibt es keinen einzigen Saal, der diese Masse von Angeklagten fassen könnte. Von den Zeugen gar nicht zu reden. Die Vorarlberger Gesellschaft bis tief in die Grundpfeiler erschüttert.

Keine Sühne

Die Freigabe seines als Pfand beschlagnahmten Besitzes beantragte am Freitag der ehemalige Großadmiral Dönitz beim deutschen Verwaltungsgerichtshof, weil er nie zuvor zur Zahlung eines Sühnebetrages verurteilt wurde.

Edda Göring will Cranach-Gemälde aus dem Nachlass ihres Vaters. Stadt Köln hatte das Bild auf dessen Verlangen „schenken“ müssen. Bild befindet sich in München. Bayern weist auf Richterspruch hin, in dem Görings eingezogenes Vermögen Bayern zugesprochen wurde. Köln klagt und die 17jährige Tochter Görings läßt ankündigen, dass sie gegen den Gewinner des Prozesses das Bild einklagen werde

Antisemitismus im Nationalrat

Entschädigungsgesetz für Verfolgte entfesselte Sturm. Das „Hilfsfondsgesetz“, das Mittwoch als einziger Punkt auf der Tagesordnung des NR stand, entfesselte wilde Szenen. „Dieses Gesetz sieht vor, dass den politisch und rassisch Verfolgten Staatsbürgern im Ausland im Laufe der nächsten zehn Jahre 550 Millionen zahlt“ [sic!] Der Berichterstatter bezeichnete das Gesetz als „karitative Maßnahme“, Einzelgänger Dr. Stüber entfesselte einen Sturm, als er erklärte: Die österreichische Regierung hat vor dem Judentum kapituliert“. Zurufe von allen Seiten: „Sie sind noch immer ein Nazi! Schämen Sie sich!“
Dr. Stüber wandte sich dann persönlich an Abg. Altenburger: „Sie Schmeißfliege des Parlaments, geben Sie erst Ihre NS-Möbel zurück …“ Schimpforgien folgten.
Fazit: kein erhebendes Beispiel für die Schulkinder, die auf der Galerie des Hauses Demokratie erleben sollten.
Dr. Gredler (WdU) sagte: „Das Leid ist unteilbar. Wir lehnen das Gesetz ab, solange nicht auch alle übrigen Kriegsopfer gleich entschädigt werden.“

Steht ein neuer Hitler vor der Tür?

Am 2. Jänner war es dem Papierhändler Pierre Poujade geglückt, 51 Sitze in der franz Nationalversammlung zu erobern. Eine Figur, die man gestern noch mit einem Lächeln, … war plötzlich zu einem Faktor geworden, mit dem man rechnen musste. Alfons Dalma hat dieses Phänomen untersucht und seine Schlüsse sind in der neuen Serie „Steht ein neuer Hitler vor der Tür?“ zu lesen.

Deutschlands Poujade heißt Strasser. Nach dem Muster des Franzosen Poujade will der einstige Kampfgenosse Hitlers und spätere Führer der „Schwarzen Front“, Dr. Otto Strasser, binnen sechs Wochen eine Partei gründen, deren Programmpunkt Nummer 1 heißt: Abschaffung der Steuern.

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