“Bestandskontrollen statt Wegwerfmodell” – Der Stadtrat antwortet auf den Protestbrief der “IG-Autorinnen Autoren”

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In der Zeitschrift “Autorensolidarität” Nr. 2/2011 wird die Antwort des zuständigen Stadtrats Oxonitsch auf den Protestbrief “Aktion Besenrein” der “IG-Autorinnen Autoren” unter dem Titel “Bestandskontrollen statt Wegwerfmodell” abgedruckt. Neben allgemeinen Floskeln, die mal nicht so genau hinterfragt werden sollen, ist eine Botschaft klar zu erkennen: So wie es sich der Bibliothekarische Leiter der Büchereien vorstellt, geht es nicht!

Statt:

“Reduzierung des Bestands anhand bibliothekarischer Standards auf 1000-1500 Medieneinheiten/30 m2”,

welches, wie in “Heillose Flucht nach hinten” ausgerechnet wurde, in konsequenter Umsetzung die Abschreibung des halben Medienbestandes der Büchereien nach sich gezogen hätte, heißt es nun in der Antwort des Stadtrats Oxonitsch:

“Nur wenn (…) ersichtlich wird, dass ein bestimmtes Medium über fünf Jahre hinweg kein einziges Mal entlehnt worden ist, ist aus fachlicher Sicht eine Reduktion – z.B. Von 15 auf 5 Exemplare durchaus gerechtfertigt. So wird zwar die Gesamtanzahl einzelner Medien geringer, die Titelvielfalt verringert sich dabei aber keineswegs. Überdies wird für jede einzelne Zweigstelle – nach der Gesamtbeurteilung – nochmals individuell geprüft, in welchem Ausmaß eine Bestandsreduktion sinnvoll umgesetzt werden kann. (Hervorhebung hinzugefügt)

Damit ist klar, was getan hätte werden sollen und was nun zu tun ist:

  • Analyse des Gesamtbestands der Bücherei-Zweigstellen, Bestimmung jener Medien, welche insgesamt über dem Bedarf vorhanden sind.
  • Erst dann konkrete Abschreibeempfehlungen an die einzelnen Zweigstellen, bei gleichzeitiger Sicherstellung dieser Medien auf festgelegten Standorten; hier empfiehlt sich eine Sachgruppen-Konzentration entlang bereits vorhandener Bestandsschwerpunkte in einzelnen Zweigstellen.
  • Aufbau und Pflege eines “Archivbestandes” – ein jahrzehntelanger Wunsch der BibliothekarInnen, für den sich ganz besonders und unter wechselnden Leitungen Stefanie Wukovitsch (bereits in Pension) und Niki Hamann (bereits ergraut) eingesetzt haben und der nun mit der sogenannten “Bücherei der Raritäten” verwirklicht werden soll. Raum für 20.000 Bücher ist vorhanden, das für diese Zusatzaufgabe notwendige Personal nicht.
  • Aufgrund der Analyse und Bereinigung des Gesamtbestandes können dann die Stärken und Schwächen in den einzelnen Sachgruppen faktengestützt eruiert und eine systematische Bestandserneuerung in Angriff genommen werden.
  • Dazu braucht es einen “Masterplan“, in dem die thematischen Schwerpunkte in den Zweigstellen und in den Stützpunktbüchereien festgehalten sind.

Die derzeit vorhandenen Auswahl- und Ankaufsinstrumente entsprechen nicht mehr dem aktuellen Bedarf und sollten dringend angepasst werden, damit diese Aufgaben rasch, transparent und ohne bürokratische Schranken durchgeführt werden können.

Im Rohkonzept sind, wie berichtet, nur ein dubioses Ziel und eine kurzschlüssige Vorgehensweise angegeben. Die Lektoratsleitung übt sich in frommen Empfehlungen, ohne einen Gedanken an ein Globalkonzept zu verschwenden. Wenn, wie geplant, diese Neustrukturierung des Medienbestandes teilweise vom Lektorat ausgelagert und den geplanten und von den BibliothekarInnen heftig kritisierten Regionalleitungen überantwortet wird, dann wird sich an der Situation der Überfrachtung mit einzelnen Titeln bei gleichzeitig empfindlichen Lücken nichts ändern. Ohne eigenes Zweigstellenreferat geht es nicht! Denn die derzeitige Vorgehensweise, dass die Bücher-Auswahllisten für die Zweigstellen so nebenher von den Hauptbücherei-Colleges erstellt werden, erzeugt gerade solche Bestandsungleichgewichte (Überangebot und Lücken), die jetzt auszugleichen sind. Das bewundernswerte Engagement der Colleges und die oftmals bewiesene Bereitschaft, auf Zweigstellenwünsche zu reagieren, stößt nämlich auf enge Grenzen, solange das jeweilige Sachgruppenkontingent ausschließlich aus den Entlehnzahlen ermittelt wird. Damit reproduziert sich die derzeitige Situation immer wieder, weil Medien nur dorthin fließen können, wo es bereits entsprechende Medien zur Auswahl gibt und Lücken sich vergrößern, weil keine attraktiven Titel nachkommen können. Durch Selbsteinkäufe der Zweigstellen ist das nicht in den Griff zu kriegen, wie sich erwiesen hat.

Man sieht, es gibt eine Menge Aufgaben für die Büchereien, für die Leitung, für das Lektorat und für die BibliothekarInnen. Dazu ist es notwendig, dass sich alle an einen Tisch setzen und gemeinsam überlegen, was und in welcher Reihenfolge getan werden soll.
Anderswo passierts, daher so mal als Slogan:

Die Wiener Büchereien sollen Brandenburg werden!

“Die Mitarbeiter von 21 Büchereien haben in den vergangenen Monaten an einem Pilotprojekt teilgenommen. Sie überlegten, was ihre Bibliotheken künftig leisten sollten. Gestern überreichten sie in Potsdam Kommunalpolitikern ihre Ergebnisse: 30 bis 40, manchmal gar 60 Seiten lange Entwicklungskonzepte.
Um diese Konzepte zu entwerfen, hatten die Bibliothekare Unterstützung von einem Qualitätsmanagementberater. Die Bibliothekare analysierten ihre Einzugsgebiete und Zielgruppen und setzen sich messbare Ziele. Jetzt hoffen sie, dass die Politik ihre Konzepte umsetzt.”

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