… nicht von der Lektüre marxistischer Klassiker

Beim sehr empfehlenswerten Benjamin Kunkel: Utopie oder Untergang. Ein Wegweiser für die gegenwärtige Krise dieses Zitat vom noch zu lesenden Fredric Jameson: Spätmarxismus. Adorno oder Die Beharrlichkeit der Dialektik gefunden:

“Selbst in einer völlig post-modernisierten Ersten Welt wird es junge Menschen geben, die ihrem Temperament und ihren Werten nach genuin links sind und einer Vision von radikaler gesellschaftlicher Veränderung folgen, die durch die Normen einer am Geschäft orientierten Gesellschaft unterdrückt wird. Die Dynamik eines solchen Engagements leitet sich nicht von der Lektüre der ‚marxistischen Klassiker’ her, sondern entstammt der objektiven Erfahrung gesellschaftlicher Wirklichkeit sowie der Art und Weise, in der eine einzelne Ursache oder Problematik, eine spezifische Form der Ungerechtigkeit, nicht vollständig aufgeklärt oder beseitigt werden kann, ohne dass schließlich das ganze Gewebe der ineinandergreifenden sozialen Ebenen zu einer Totalität zusammengezogen wird, die dann den Eingriff einer Politik der gesellschaftlichen Transformation erforderlich macht.”

Diese scheinbare Priorisierung utopischen Bewusstseins vor Theorie stellt Kunkel mit der ihm eigenen Ironie an den Beginn des letzten Abschnitts “Wegweiser fürs Weiterlesen”, in dem noch ein paar tausend Seiten zum Lesen bis man alt wird, empfohlen werden. Aber zum Glück gibt es ja die jungen Menschen, die vorerst keine “marxistischen Klassiker” brauchen, um mit der Revolte zu beginnen ;-)

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