A. Nassehi: Unterkomplexes Linkenbashing und rechter Dialog

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Hat mir heut ein wenig das Frühstück verhagelt:

linksrechtsnassehi

Angefangen von dem dummen, immer wieder auf sehr rechten Seiten zu findenden Titelspruch des Artikels als auch von der, sagen wir mal, recht unterkomplexen Beschreibung linker Theorie wie folgt:

“Eine linke Perspektive tut so, als könne man eine Gesellschaft wie ein Objekt behandeln, das man verändern kann, weil man Einsicht in deren Gesetzmäßigkeiten hat. Linke Theoretiker wundern sich immer darüber, dass zum Beispiel das sogenannte Proletariat, das es in der Form gar nicht mehr gibt, keine Einsicht in seine eigene objektive Lage hat.”

An diesem Mann scheint die linke Diskussion der vergangen zwanzig, dreißig und mehr Jahre spurlos vorbeigegangen zu sein. Zutreffend ist die Beschreibung vielleicht für das extrem dogmatische Segment der Linken, das grad noch in den 50ern und in homöopathischen Größenordnungen bei K-Gruppen in den 70ern anzufinden war. Mit linker Theorie hatte beides nichts zu tun. Dass Nassehi für seine Behauptung, linkes und rechtes Denken seien keine Alternativen mehr, als einziges Argument nur unterkomplexe Analysen beider Lager anführt und im übrigen dann doch einen Unterschied zugibt, entspricht etwa dem, was er selber bei anderen diagnostiziert, einem “Muddling-through”, sich argumentativ durchzuwursteln, egal welche Einwände es gibt, wie etwa der von der Interviewerin Lisa Nimmervoll, die zurecht auf Griechenland und der Politik der Syriza verweist.

Weiß nicht, ob Nassehis Buch “Die letzte Stunde der Wahrheit” ein wenig komplexer ist. Habe es mir situationselastisch gerade aus der Bibliothek entliehen. Interessant ist, dass das letzte Kapitel eine Diskussion mit dem extrem rechten Götz Kubitschek wiedergibt. In seiner Gazette triumphiert Kubitschek angesichts der Übernahme rechter Rhetorik vom derzeitigen Herausgeber des einst linken Kursbuches:  

“Das Buch liegt nun vor, und der Briefwechsel hat darin einen zentralen Sitz. Denn meine eigene Argumentation kann dort anknüpfen, wo Nassehi selbst ein zentrale, rechtsintellektuelle Wirklichkeitsbeschreibung übernimmt: Viele Entscheidungsträger reden links und leben rechts. Nassehi hat das beispielsweise in einem Interview mit dem DeutschlandradioKultur vor zweieinhalb Jahren bereits geäußert und nun in seinem Buch zu einem wichtigen Strang gemacht.” [fettformatierung von mir]

Fein, da finden sich ja die Richtigen zusammen, scheint es. Fehlen darf übrigens auch nicht die obligate Wehleidigkeit wegen eines angeblichen Mundtodmachens eigenständiger Meinungsäußerungen:

“Ich bin Armin Nassehi dankbar, daß er unseren Briefwechsel in sein Buch aufgenommen hat. Er teilt ja meine Position nicht, aber es war und ist lehrreich, die Sichtweise des anderen verstehen zu wollen. Und ich kann eines sicher sagen: Nassehi weiß, wie komisch es ist, daß einem in einem Land wie dem unseren die Veröffentlichung eines solchen Briefwechsels Mut abverlangt. Wir werden also aufs Neue sehen, wieviel Normalität in diesem Land unter der Kruste der Denk- und Dialogverhinderung ruht.”

Lustig dabei die gleichzeitige Verhöhnung Nassehs durch Kubitschek, indem er “Kruste der Denk- und Dialogverhinderung” mit einem Nasseh als einen dieser Verhidnerungsfraktion Angehörenden kritisiert. Möglicherweise verhindern letzlich mentale Inkompatibilitäten zwischen “Kursbuch” und “Sezession” hier einen querfrontalen Höhenflug? Nix Genaues weiß man nicht.

Buchtipp: Zwei grundlegende Bücher zum Thema links-rechts, von Nassehi in seinen Anmerkungen übrigens nicht erwähnt. Bibliographie hat das Buch nicht, wahrscheinlich, weil es zu peinlich wäre, wie wenig Titel außer seinen eigenen angeführt werden:

 

 

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