Der letzte Monatsbericht

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“Anfangs April 1945 löste sich die nationalsozialistische Stadtverwaltung auf, eine Dienststelle nach der anderen stellte gruber-schuttihre Arbeit ein, darunter auch die Städtischen Büchereien” berichtet Heimo Gruber in seinem Buch “Bücher aus dem Schutt. Die Wiener Städtischen Büchereien 1945-1950”. Eine der Bibliothekarinnen hinterließ nach ihrer Flucht eine bemerkenswerte Nachricht, die “auf makabre Weise korrektes Beamtentum und ungebrochene nationalsozialistische Etikette … vereinte”:

“Da ich erst heute um 6 Uhr abends von der NSV (=Nationalsozialitische Volkswohlfahrt) die Verständigung erhalten habe, daß um 10 Uhr abends ein Auto für die zu Evakuierenden am Saarplatze bereit stehen wird, konnte ich eine Meldung nicht früher erstatten.
Dem Monatberichte liegen bei:
1. Eine Bestätigung der Zentralsparkasse der Gemeinde Wien, Zweiganstalt Döbling, über die Abgabe der Handkasse. Das abgeeführte Geld wird morgen Mittwoch, 4.4. bestätigt werden.
2. Die Schlüssel zur Bücherei erliegen beim Hauswart meiner Wohnung, 19., Iglaseegasse 4.
3. Neun Leserzettel von im März neueingetretenen Lesern konnten dem Monatsberichte nicht beigegeben werden. Sie erliegen noch in der Bücherei. (In der Tischlade links in einem Briefumschlag).
Ich wünsche noch allen das Beste zu ihrem Wohlergehen.
Heil Hitler!
Emma Blaschke”

Das geschah heute vor 70 Jahren.

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