Hirten und Hüter

Der Kronenzeitungskardinal Christoph Schönborn befasste sich gestern am „Gut-Hirten-Sonntag“ mit dem Joh 10,1-10, welches gerappt so klingt:

“Wer durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe.
Ihm öffnet der Türhüter.
Ich bin die Tür, wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden.”

O.k., Jesus, der da zitiert wird, offenbart sich als Tür. Und der Hirt? Bevor der Kardinal das beantwortet, bringt er noch ein Geschichtlein zum Zuhören:

“Der Nachbarbauer kam mit seiner Herde vorbei, blieb eine Weile bei unserem Gottesdienst im Freien, und dann zogen Hirte und Herde weiter. Wir waren alle sehr bewegt von dieser Begegnung, die uns das Gleichnis vom guten Hirten und seiner Herde so anschaulich nahebrachte. Ja, es war wirklich so, wie Jesus sagt: Die Schafe hörten auf die Stimme des Hirten (der übrigens auch Christoph heißt).“

„Wen meint Jesus mit dem Hirten?“, fragt Christoph (der andere Christoph, nicht der Hirt. Das heißt nicht der haptische, sondern der geistige Hirt. Der Hirt des Hirten also) rein rhetorisch.
Seine indirekte Antwort, dass Petrus zum „Oberhirten“ gemacht wurde und nach ihm den Job die Päpste machen, ist altes Kirchenlatein. Die Unterhirten sind demnach die Bischöfe und die Pfarrer agieren dann als Unterunterhirten, wie die Unterbombenobiwerfa bei Karl Kraus. Aber der Hirten sind mehrere, wie uns Christoph der Hirt mitteilt: nämlich alle, „die Verantwortung tragen: im Staat, in der Wirtschaft, auch in der Familie.“

Nun wissen wirs also: Wer nichts zu reden hat, ist ein Schaf, die anderen sind alle Hirten und die Tür ist Jesus.
Aber, verdammt noch mal, wer ist der Türhüter?

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