Meinungen aus den Büchereien

Einerseits dürfte die Ablehnung des “Lektorats mit der Messlatte”, also die zwanghafte Bestandsreduzierung in den Büchereien, unter den BibliothekarInnen ziemlich einhellig sein, andererseits sind dazu geäußerte Meinungen oft stark resignativ gefärbt. Zudem gibt es keine offene Diskussion im internen Mailverteiler, sondern vorwiegend mündliche Stellungnahmen oder persönliche E-Mails.
Anonymisierte Beispiele daraus:

Es soll ja abgeschrieben werden um mehr Platz für die lieben Kleinen zu gewinnen, aber auch leere Regale lassen sich nicht ohne Rollräder verschieben. Von einer Neumöblierung der Büchereien war aber bisher nie die Rede, sollte auch dafür Geld vorhanden sein?

Natürlich ist kein Geld dafür vorhanden. Falls die leeren Regale abgeholt werden, gäbe es häßliche Flecken auf den zumeist doch recht abgetretenen Böden und in den engeren Büchereien weiterhin nicht viel mehr Platz.
Ausnahmen sind Büchereien wie jene im Donauzentrum, bei denen nach der vorgerechneten Abschreibquote ein Minusbestand bestünde.
Im übrigen ist es auch bislang in allen Büchereien möglich gewesen und wurde auch so gehandhabt, dass regelmäßige Klassenbesuche und Kinderveranstaltungen stattfanden und stattfinden.
In manchen Büchereien ist eben mehr Platz, in anderen ist es eher eng, was aber dem Vergnügen, wie ich es oft und oft erlebt habe, keineswegs Abbruch tut.
Die Behauptung, dass für Leseförderung in den Büchereien mehr Platz benötigt werde, ist eine “Schutzbehauptung”, wie es die Richterin Sonja Arleth in ihrer Urteilsbegründung bezüglich der Aussagen von Soko-Leiter Zwettler, gegen den inzwischen u.a. wegen wissentlicher Falschaussagen ermittelt wird, sehr vorsichtig bezeichnet hat (doch dies nur nebenbei).
Und natürlich ist auch kein Geld vorhanden für die Umgestaltung der historischen Räumlichkeiten der ehemaligen ArbeiterInnenbüchereien in den Gemeindebauten des Roten Wiens zu Eventpalästen.

Eine andere Stellungnahme weist darauf hin, dass die geplanten Bestandsreduzierungen auf dem Papier durchaus von Erfolg gekrönt sein könnten:

“Wie wir wissen, sind Zahlen für den Bibliothekarischen Leiter nur Schall und Rauch, er jongliert damit wie ein ungeschickter Zauberlehrling, nennt eine, lässt die andere fallen, nennt eine andere, lässt die eine fallen, verheddert sich in seinem eigenen Rechenwirrwarr –  egal, am Ende des Weges winkt der Erfolg –  bei einer stark reduzierten Medienzahl können sogar bei sinkender Besucher- und Entlehnzahl und reduziertem Medienbudget die Umsatzquote, die Absenzquote und die Erneuerungsquote steigen. Großer Applaus auf den Logenplätzen.”

Was könnte die Leitung der Büchereien tun?
Ich denke das, was in zahlreichen Büchern, die noch in den Regalen der Büchereien stehen, zu lesen ist: sinnvolle Meinungsbildung erfolgt von unten nach oben und in die Breite, Entscheidungen vor allem in Content-Institutionen wie den Büchereien, in denen die Belegschaft von vornherein eine hohe Identifizierung mit den Berufsinhalten mitbringt, sollen als Abschluss eines Diskussionsprozesses und nicht als Dekret getroffen werden. Eine Leitung soll sich nicht davor scheuen, einen Fehler zuzugeben und zu korrigieren.
Und schließlich: Büchereien sind eine öffentliche Angelegenheit und geht auch die Öffentlichkeit etwas an, die BüchereibenützerInnen und die Nochnicht-BenützerInnen.
Noch sind diese klugen Bücher in den Regalen.

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