Nicht von Religiosität zermalmt

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Hab heute in der Fachbereichsbibliothek Katholische und Evangelische Theologie einen verlängerten Vormittag verbracht. Sehr angenehme Bibliothek, gut ausgeleuchtet, erhebliche Anzahl an Leseplätzen und sehr übersichtlich beschriftet. Das 2. Untergeschoß mit den Gewölben und den mittels großer Kurbeln zu bewegenden Bücherregalen hat überhaupt was Eigenes.

Gleich bei meinem ersten Kurbeln stieß ich auf Widerstand und dachte erschrocken, dass ich jemanden eingeklemmt hätte, doch es war nur ein Hocker.

Rollregal (Beispiel)
Rollregal (Beispielfoto)

Als ich aber später selber zwischen den Regalen stand und nahe ein Bewegungsgeräusch hörte, sah ich das Schicksal des Hockers auf mich zukommen. Aber zum Glück war es die übernächste Reihe, wo jemand vor sich hin kurbelte, sodass mein Leben vorläufig doch nicht zwischen christlichen Regalen endete.
Beeindruckend war die Reihe der alten Patristikausgaben in Originalsprache. So viele riesige Gedankengebäude, so viel Kasuistik und Sprachkunst für – nichts. Oder um es mit Foucault zu sagen, “Wahrheitsmanifestationen”, die gerade dann nötig wurden (und werden), wenn es sich um Unwahres oder zumindest um solches handelt, das nicht per se als wahr vorausgesetzt werden kann. Allerdings, wenn man die alte Volksweisheit hernimmt, dass wer schreit und schimpft, unrecht hat, dann sind die in diesen schönen alten Schwarten enthaltenen christlichen Schimpfkanonaden und Verdammungen gegen Abweichler und Anders- bis Nichtgläubige sogar eine tatsächliche, wenn auch gegenläufige Wahrheitsmanifestation. Ich glaub, ich werde in dieser Bibliothek noch viel Spaß haben ;-)

 

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