Historische Alternativen

Share

Bei Simon Dubnow im zweiten Band seiner “Weltgeschichte des jüdischen Volkes” eine pointierte Einschätzung über das Erscheinen und Agieren einer neuen jüdischen Sekte im damaligen politischen Umfeld gefunden: 

weltgeschichtedubnowcoverbd2

Am Vorabend der Agonie Judäas vernahm das aufgewühlte Volk drei Losungsrufe:
Die Zeloten riefen ihm zu: “Wappne dich mit dem Schwerte, um den Staat zu erretten!”
Die Pharisäer sagten: “Bewaffne dich geistig, um die Nation auch nach dem Untergange des Staates retten zu können!”
Die Christen aber sagten: “Entwaffne dich, laß sowohl das Schwert des Zeloten wie den geistigen Schild des Pharisäers fahren, denn es gilt weder um den Staat noch um die Nation zu kämpfen, sondern einzig und allein um die religiöse Erlösung jeder einzelnen Seele.”
(…)
Zu derselben Zeit, als der Verkünder des persönlichen Glaubens, Jesus, am Kreuze verblutete und seine Bekenner unter Nero ausgerottet wurden, bluteten an Tausenden von römischen Kreuzen in Jerusalem und Galiläa die zu Tode gemarterten Kämpfer um die Freiheit Judäas, die Zeloten. Der Todesschrei des gekreuzigten “Heilands” der menschlichen Seele ertönte mitten im Stöhnen der zerfleischten Nation und angesichts der Kreuzesqualen ihrer heldenhaften Söhne, der Heilande der Volksseele, der Seele einer lebendigen und zum Leben entschlossenen Nation.
Wessen Kreuz soll nun heiliger sein, wessen Heldentat ist eher durch die Glorie geistigen Heroismus verklärt? Wer will entscheiden, wo mehr Heldenmut an den Tag gelegt wurde – auf Golgatha oder an den Mauern des belagerten Jerusalem, das von den das Golgathakreuz Vergötternden im Augenblick der Gefahr im Stich gelassen wurde?

Share

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.