Ein Klassiker des Marxismus war er nicht

Share

“Vor und nach dem 5. März, in den schmerzerfüllten Tagen der Beisetzung des Großen und Weisen, wurde das Radioprogramm von Johann Sebastian Bach beherrscht. Seiner Musik wurde so ungeheuer viel Platz eingeräumt wie nie jemals zuvor. Langsam, erhaben und in durchsichtiger Klarheit floß die Musik aus allen Lautsprechern unserer Baracke (…)

Es war unfassbar: In dieses gigantische, so klug erdachte und geplante System hatte die eigenwillige Hand des Todes eingegriffen. Jeder war daran gewöhnt gewesen, daß hochgestellte Persönlichkeiten nur auf höchstpersönlichen Befehl des Genossen Stalin starben. Und nun plötzlich das… Nein, wirklich -, das hatte etwas Skandalöses an sich, fast etwas Anstößiges

So sollten feierliche Klänge von Johann Sebastian Bach mithelfen, das wankende Bild des Erhabenen zu stützen.

Jewgenia Ginsburg, Gratwanderung, 416, 418

Und ich richte
an unsere Regierung
die Bitte:
Verdoppelt,
verdreifacht
an diesem Grabstein die Wachen.

Jewgenij Jewtuschenko, “Den Erben Stalins”

“Ein Klassiker des Marxismus war er nicht.” Walter Ulbricht

Share

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.