Sennett, Tuchmann und die Wiener Büchereien

Vom Facebook-User “Büchereien – ein Anlass zur Unruhe” ist zu lesen:

Es herrscht Ruhe im Land der Büchereien

Seit gut einer Woche ist nichts zu vernehmen. Nach seiner Stellungnahme gegenüber den Medien, bei der nur zu hoffen ist, dass sie falsch wiedergegeben wurde, schweigt sich der Bibliothekarische Leiter der Büchereien aus. Er sagt nichts zur schriftlich vorgenommenen Konzeptkritik eines Mitarbeiters der Büchereien. Er sagt nichts zu der Kritik an seinen Äußerungen durch die Personalvertretung. Auch die versprochene Präzisierung des Büchereikonzeptentwurfs bleibt aus. Ganz zu schweigen [sic!] von einer Einladung an die MitarbeiterInnen, gemeinsam über die Zukunft der Büchereien nachzudenken. “Bücherei 2020” etwa, oder bescheidener, “Bücherei 2015“; oder nimmt er an, dass den MitarbeiterInnen zu ihrer Arbeit nichts einfällt?

Möglicherweise befürchtet er aber auch die Situation, die unlängst Richard Sennett in der “Zeit” (13/2001, S. 56) unter dem Titel “Schlauer, als der Chef erlaubt. Die Mächtigen sind selten die Klügsten: Trotz moderner Kommunikationsmittel wird wertvolles Wissen häufig vergeudet ” geschrieben hat:

“Auch in meiner Erforschung der Arbeitswelt bin ich immer wieder zur selben Einsicht gelangt: Die Fähigkeiten der Menschen an den Arbeitsplätzen sind weitaus größer als das, was Institutionen oder Firmen aus diesem Potenzial machen. Hinzu kommt: Gerade in relativ liberal und demokratisch geprägten Ländern wirkt die Ungleichheit als ein »schrecklicher Vereinfacher«, weil sie effektive Kommunikation und Zusammenarbeit verhindert. Das ist vor allem der Fall, wenn die Fähigkeiten eines Menschen seinem Platz in der Hierarchie nicht entsprechen – wenn der Angestellte mehr weiß oder besser mit Menschen umgehen kann als sein Vorgesetzter. Diese Art von Ungleichheit hat verheerende Folgen, weil sich die Untergeordneten unverstanden fühlen und grollen, während die Oberen die Bescheidwisser spielen, um ihre Autorität geltend zu machen.”

Interessant dabei ist, dass gleichzeitig an einem Leitbildentwurf gebastelt wird, in dem so wunderbare Sätze stehen werden wie:

Unsere Wertschätzung der KollegInnen und der Organisation manifestiert sich in Solidarität und Loyalität innerhalb der vorgegebenen Strukturen. Wir tragen zur Gestaltung eines guten und fairen Arbeitsklimas bei, indem sie einander mit Respekt und Toleranz begegnen. Dabei haben wir auch Vorbildfunktion für unsere MitarbeiterInnen.

Allerdings soll das Leitbild nur für die BüchereileiterInnen gelten, offenbar nicht für die Leitung, womit wir wieder bei der Torheit der Regierenden sind, was ja im Grunde nur der Negativausdruck des von Sennett gewählten Titels für ein und den selben Sachverhalt sein dürfte.

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