Gestaltungsfeldarbeit bis der Padrone kam – Dschungelcamp II

Wir haben die verschwitzten BibliothekarInnen vor der Mittagspause verlassen und begegnen ihnen am frühen Nachmittag wieder. Nunmehr geht es um die Gestaltung der “Gestaltungsfelder”:

Gestaltungsfelder

Diese “Gestaltungsfelder” sind das Ergebnis der Befragung von BibliothekarInnen durch die erste Organisationsberatungsfirma. Sie sind in der Ausschreibung für den nunmehrigen “Organisationsprozess” als zu erfüllende Aufgaben definiert. Die Vormittagsarbeit der drei Arbeitsgruppen wurde den entsprechenden “Gestaltungsfeldern” zugeteilt.
Dabei fällt auf, dass “3) Verortung der Büchereien” durch Hakerl als bereits bearbeitet  angeführt wird, und auch “10) Führung / Management /Kommunikation” – also zwei der wichtigsten und ungelösten Fragestellungen.  Darauf wird noch zu achten sein.

Als “Leitfrage”  wurde den nun gebildeten Kleingruppen zu den obigen fettorange gedruckten Themen dies mitgegeben:

Leitfrage

Die Ergebnisse der Kleingruppen-Prioritätensetzung:

Kleingruppe 1: Reparaturen plus Modernisierungsaktivitäten:

  • Leitsystem innen und außen
  • Raumklima
  • Raumgestaltung für KundInnen und MitarbeiterInnen (Raumausnützung, Gestaltung)

 Kleingruppe 2: Regionalisierungen

  • Regionalleitungen
  • Kompetenzen und Verantwortlichkeiten der Regionen – zentral, regional?
  • Welche Vorteile/Nachteile bringt eine Regioneneinteilung und für wen?

 Anmerkung: hier wurde offenkundig getrickst, um die wesentliche Frage, ob die Büchereien überhaupt eine “Regionalisierung” brauchen, nicht als oberste Priorität zu haben. Wie aus dem Protokoll zu entnehmen ist, erhielt diese Fragestellung die meisten Punkte, aber die Kompetenzen-Fragestellung wurde aus zwei Fragen gespeist und erhielt dadurch ein höheres Ergebnis durch anzunehmende Doppelnennungen. Der erste Punkt, “Regionalleitungen” steht überhaupt ohne Punktereferenz da.

Die Tatsache, dass die Personalvertretung früher strikt gegen eine „Regionalisierung“ als weitere Hierarchisierungsstufe mit zusätzlichen Aufgaben bei vermindertem Personal eingetreten ist und auch unter der KollegInnenschaft die Ablehnung aus guten Gründen zu überwiegen scheint, wurde durch diese Vorgehensweise ausgehebelt, um den erklärten Willen der Leitung, “Regionalisierungen” einzuführen, auch umzusetzen.

Kleingruppe 3: Arbeitszeiten und Öffnungszeiten

  • NutzerInnenwunsch nach Sonntagsöffnungszeiten (Samstags auch in Stützpunktbüchereien offen)
  • Keine Ausweitung der Öffnungszeiten ohne Personalaufstockung (Politische Entscheidungsträger)
    • Reduktion der Öffnungszeiten bei gleichbleibendem Personal.

Aus der Punkteverteilung ist klar zu entnehmen, dass die Bediensteten einer weiteren Ausweitung der Öffnungszeiten ohne Personalausgleich (wie bei HB und Stützpunktbüchereien geschehen) nicht zustimmen würden.

Kleingruppe 4: Optimierung von Prozessen

Hier wurde nicht explizit gereiht, sondern Bestandsaufnahme der „Ressourcenfresser“ in der täglichen Arbeit gemacht: Ringleihe und Büchereinstellung, Veranstaltungsorganisation, Bürokratie des Medienerwerbs und der aufgeblähte Kontrollapparat (3fache Dienstplanführung z.B.). 

Kleingruppe 5: Gebührengestaltung

Soweit aus den thematischen Zuordnungen zu entnehmen ist, wird das bestehende Jahresgebührenmodell allgemein akzeptiert. Dabei aber die Frage nach dem Willen der Politik gestellt (Welchen Anteil am Budget müssen die Büchereien „hereinbringen“?)

Kleingruppe 6: Standorte (Anm.: = Zweigstellen)

  • Politischer Wille/Auftrag
  • Personalressourcen
  • “Kassasturz” – Bedarfserhebung

Anm.: Die Grundfrage, ist die Stadt bereit, in ein adäquates Büchereisystem für Wien zu investieren oder nicht, wird in dieser Reihung nur indirekt und unentschieden wiedergegeben. Die Formulierung einer Forderung “Wir müssen offensiv sein, wir brauchen bessere Büchereien” wurde nur mit einer geringeren Punkteanzahl versehen und kam deshalb nicht in die Reihung.

Wenn man diese Ergebnisse mit den Anforderungen in der Ausschreibung vergleicht, dann scheint noch ein weiter Weg in diesem “Organisationsprozess” zu sein. Nicht zuletzt auch deshalb, weil sich etliche Fragestellungen im Zuge der Bearbeitung gehörig überschneiden und zum Teil verwischen bzw. zu verschwinden drohen.
Weiters ist von Anfang an unklar geblieben, in welchem Verhältnis dieser enorme Arbeitsaufwand zu den realen Umsetzungmöglichkeiten steht.
Aber vielleicht bringt der End- und Höhepunkt der “Messe der Gestaltung” eine Klärung, werden sich manche gefragt haben. Denn angekündigt und auch gekommen ist…

 

der Stadtrat

und seine Botschaft lautete in etwa: ihr könnt Visionen haben, so viel ihr wollt, euch selber optimieren, dass es nur so kracht, das ist alles schön und alles gut, weil es gibt weder mehr Personal noch mehr Budget.

 

Drei Wochen später war BüchereileiterInnentreffen

und es wurde den BibliothekarInnen von der Leitung mitgeteilt,

dass die Regionalisierungen nunmehr angedacht würden und pro Region nicht nur ein Regionalleitungsfunktion geschaffen werde, sondern jede Region mit einer Bücherei zusätzlich am Samstag zu öffnen habe. Aber alles nur angedacht. Ein solches Andenken gibt es seit Jahrzehnten und wie man es hin und her wenden will: Dass all dies ohne Personalaufstockung zu geschehen habe, hat dankenswerterweise der Stadtrat klipp und klar gemacht.

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