Dschungelcamp für BibliothekarInnen

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Diese Juni-Woche begann mit zwei heißen Tagen. 35° wurden in manchen Zweigstellen gemessen, unter 30° blieben nur wenige. Denn seit Jahrzehnten beschäftigt sich der Dienstgeber nicht mit den Arbeitsbedingungen in Hitzeperioden, wenn man von der Abschaffung des Hitzeausgleichs absieht.
Also schwitzten die BibliothekarInnen vor sich hin und hofften auf den Mittwoch, den 19. Juni. Denn für diesen Tag blieben die Stützpunktbüchereien geschlossen und auch die Verwaltungsstunden der anderen Büchereien entfielen. Es fand nämlich die

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statt. Als Ort für diesen “gemeinsamen Meilenstein im Organisationsentwicklungsprozess” wurde das für Exerzitien und Bildungsprogramme errichtete Kardinal-König-Haus neben der Konzilgedächtniskirche in Lainz gewählt. Möglicherweise kam da bei manchen die Vorstellung eines kühlen Kirchenschiffes auf und die Hoffnung: statt schwitzen – diskutieren; statt Kreislaufprobleme – proaktive Sesselkreise; statt Kontrollen und Weisungen – “Neugier und Offenheit”.
Doch das Bildungszentrum ist zwar, wie es auf deren Homepage heißt, technisch ausgezeichnet ausgestattet, klimatisierte Räume werden aber nicht erwähnt. Es wäre von den Organisationsverantwortlichen auch zu viel verlangt gewesen, bei einem Termin um die Sommersonnenwende an die Möglichkeit heißer Tage zu denken und daher geeignete Seminarräume für einen vielstündigen Arbeitsprozess zu suchen. Eine Messe ist kein Paradies.

Also fühlten sich die BibliothekarInnen bei gefühlten 40° “wie daheim” an diesem dritten Schwitztag der Woche.

Sie erfuhren nun, warum sie zusammengekommen waren,

Messe der Gestaltung

was sie sie zu erwarten hätten,

Ziele für den Tag

und was von ihnen erwartet würde

Haltung

Nachdem nun alle Bediensteten Haltung angenommen hatten, wurden ihnen am Vormittag die Ergebnisse der drei Arbeitsgruppen präsentiert, für die in diesem Frühjahr immerhin an die zwei Arbeitsjahre hineingebuttert worden waren.
Die Ergebnisse lagen in schriftlicher Form vor und wurden auch referiert sowie mithilfe des Punkterlnverteilens diskutiert:

AGs

Aus den Protokollen der AG1 „Verbindlicher Entwicklungsrahmen – Vision
ist eine breite und kritische Diskussion zu entnehmen, in der auch internationale Vergleiche angestellt und Planungen für die Zukunft eingefordert sowie Mängel offen benannt wurden. Vieles davon ging im Verlauf der Formulierung der geforderten „Leitsätze“ leider verloren, da das Resultat

Büchereien sind für alle offen; kompetent; vielfältig; Treffpunkte; dort, wo sie gebraucht werden; bieten Orientierung

nur in allgemeinster Form die Aufgaben des Büchereiwesens nennt. Wesentliche und für die Rahmenbedingungen der Büchereien entscheidende Themen wie die Zukunft der Zweigstellen und die Positionierung der Büchereien im Gesamtsystem des Magistrats, waren zwar diskutiert, „aber nicht zu Ende gebracht“ worden.

In der
AG2 “Kern- Zusatzgeschäft & Berufsbild verlief der Prozess ähnlich.
Vielen Überlegungen und Diskussionen steht am Ende eine “Aufgabenclustermatrix” gegenüber, welche einzelne Büchereitätigkeiten mit einem aus dem deutschen “Berufsbild 2000” entnommenen “Kompetenzkatalog” verknüpft und den verschiedenen Verwendungsgruppen (A/B/C/Hilfskräfte) zuordnet.
Was dabei auffällt, ist eine starke Hierarchisierung, die im starken Gegensatz zu den realen Verhältnissen und Erfordernissen steht, z.B.:

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Hiezu gab es in der Diskussion viele kritische Anmerkungen, in denen die Aufgabendifferenzierungen nach formaler Vorbildung zurecht als diskriminierend und entsolidarisierend bezeichnet sowie in der Praxis als nicht durchführbar erklärt wurden, z.B.:

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Die AG 3 „Personalauswahl und Unterstützungsangebote stellte ihre Präsentation unter dem Titel: „Herausforderungen, jetzt und in Zukunft – Unser Beruf ist vielfältig, bleibt vielfältig und verändert sich ständig.

Als Ziel der Arbeitsgruppe war “die Aufbereitung von Entscheidungsgrundlagen für die Steuerungsgruppe und die Messe der Gestaltung” definiert worden. Als nächster Schritt wurde “die Agenda” bestimmt: “Zunächst ein Zukunftsbild entwerfen, danach den Status quo betrachten und anschließend erste Schritte Richtung Zukunftsbild ableiten“.
In diesem Sinn entstand ein Katalog von Herausforderungen, Belastungsmomenten für das Personal und angedachte Lösungsmodellen, welche eine recht gute Orientierung für weitere Schritte bieten. In der folgenden Diskussion ergaben sich zahlreiche weitere Aspekte und unterschiedliche Zugänge, auf die noch später eingegangen werden wird.

 

Damit schloss der Vormittag im Seminarhaus der Lainzer Pfarre. Und damit schließt dieser Bericht aus einer Serie, die man gut “Liturgie einer Subjektivierung” nennen könnte.

Für den Nachmittag waren Kleingruppen geplant und schließlich die Diskussion mit dem für die Büchereien verantwortlichen Stadtrat, sowie der ehemaligen Abteilungsleiterin und der Bereichsleiterin.
Dieser Nachmittag verlief recht bewegt und endete mit einer Überraschung. Darüber demnächst mehr.

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siehe auch: Externe Heimsuchung 
Wiener Büchereien – weitere Schritte.
Gestaltungsfeldarbeit bis der Padrone kam – Dschungelcamp II

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