Back to the Roots, kurz verweilend

wallat2Ohne besonderen Grund beginnt das Jahr via Zeitschrift grundrisse mit uralten, ungelösten Fragen. In diesem Fall sind es linke Bolschewismuskritiken, aus denen und ihren Aporien heute vermutlich mehr zu lernen ist, als zu den Zeiten ihrer Entstehung. Hendrik Wallat hat sich in “Staat oder Revolution. Aspekte und Probleme linker Bolschewismuskritik” die Aufgabe gestellt, die Ansätze wesentlicher Proponenten linker Kritik am real existierenden Leninismus darzustellen und deren Grenzen auszuloten. Besonders verdienstvoll ist die Einbeziehung heute weniger bekannter Autoren/Akteure wie Otto Rühle und vor allem der zeitweilige Volkskommissar für Justiz, Issak Steinberg, ein Linker Sozialrevolutionär, der die bolschewistische Politik aus ihrem Innersten kannte – und als einer der ganz wenigen Rechten oder Linken Sozialrevolutionäre oder Menschiwiki von den Leninisten nicht umgebracht werden konnte, weil er rechtzeitig emigrierte.

Wenn Wallat Kronstadt als Höhepunkt der libertären Revolte innerhalb der Russischen Revolution ansah und durch deren Zerschlagung zugleich als Schauplatz der Konterrevolution bezeichnete, an dem der Sieg der neuen, im Kostüm der Revolution auftretenden Herrschaft manifest wurde, so vergisst er nicht auf die Komplementärform der Konterrevolution:

Wenn in Russland die konterrevolutionäre Inversion der Revolution stattfand, so in Deutschland der paradigmatische Verrat der Revolution durch den Reformismus: die rechte, durch und durch nationalistische und staatstreue Sozialdemokratie als Bewahrerin der bürgerlich-kapitalistischen Ordnung, Hand in Hand mit jenen Kräften, welche die Ursprungselemente des Faschismus abgaben. Die faschistische Reaktion siegte nicht erst 1933, sondern startete ihren blutigen Siegeszug schon 1918, die Revolution als den konsequenten Antifaschismus niederwerfend und mögliche Alternativen zum Bolschewismus vernichtend: der Anteil der Sozialdemokratie an dieser geschichtlichen Katastrophe wird von ihren Epigonen bis heute verdrängt und als Erfolgsgeschichte umgedeutet.” (S,.254)

Ich denke, das ist eine recht guter Orientierung für 2013 und dem zu erwartenden Revoluzzer- & Reformgewäsch, das auf uns zukommen wird.

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