Souveränität, Stil und Gelassenheit nach den Zeiten des “großen europäischen Bürgerkriegs”

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Anlässlich des Besuches der deutschen Kanzlerin in Griechenland beginnt Bernd Ullrich in der Zeit 2012/42 (PDF) unter dem Titel “Kreuz mit Haken” recht dramatisch:

Am 6. April 1941 um 5.15 Uhr haben deutsche Truppen Griechenland angegriffen. Am 9. Oktober 2012 um 12.11 Uhr landete die deutsche Kanzlerin in Athen. Was haben diese beiden Ereignisse miteinander zu tun? Um es klar, deutlich und europäisch allgemein verständlich auszudrücken: nichts, nothing, rien, nada, niente, nic, hiçbir şey, τίποτα.

Nach den vielen, leicht ins Hysterische kippenden Verneinungen stellt er fest, dass die Griechen zwar durchaus Kritik an den Wohltaten Deutschlands üben dürften, aber “dass dabei immer wieder Bilder aus der Vergangenheit bemüht werden” – das sei zu viel. Glücklicherweise reagierten die Deutschen dem gegenüber mit “Souveränität, Stil, Gelassenheit”. Aber nicht alle:

Umso rätselhafter erscheint es, dass auch Teile der deutschen Eliten von ihren Landsleuten mehr und immer noch mehr europäisches Engagement im Namen der Vergangenheit, als Lehre aus der Geschichte verlangen. Dieses Argument ist nicht nur absurd, weil es einen Rückfall in die Zeiten des großen europäischen Bürgerkriegs …nicht geben wird.

Offenbar sind für einen, wenn man Wiki glauben darf, 1960 Geborenen die Lehren der Geschichte noch nicht so recht angekommen. Aber immerhin war Bernd Ullrich schon über 20, als Ernst Nolte diesen unsäglichen Begriff des “Europäischen Bürgerkriegs” aufwärmte und damit eine Relativierung des Nationalsozialismus’ in die Wege zu leiten versuchte, was Mitte der 80er Jahre bekanntlich den Historikerstreit auslöste.

Bernd Ullrich widerlegt durch seinen Rückgriff auf diesen braunstichigen Begriff  im Handumdrehen die vielen “neins” im ersten Absatz: solange ein deutscher Journalist den Angriff Nazideutschlands auf Griechenland und andere Länder, sowie die darauffolgende Ausrottungspolitik als Teil eines “großen europäischen Bürgerkriegs” begreift, solange bleibt der Zusammenhang bestehen.

Im übrigen ist bekannt, dass die vielen Milliarden an Griechenland nicht zuletzt den deutschen Banken zugute kommt, die deswegen nicht um die Kredite bangen müssen, welche Griechenland aufgenommen hat, um u.a. massenhaft Kriegsgerät von deutschen Firmen zu erstehen. Dafür darben Griechen möglicherweise nicht so gern. Es mangelt ihnen wohl an “Souveränität, Stil, Gelassenheit”.

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