Protest der BibliothekarInnen nach Stellungnahme ihres Leiters

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Der ORF hat dankenswerterweise über den “Offenen Protestbrief der IG Autorinnen Autoren” berichtet und dem Bibliothekarischen Leiter der Büchereien Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben. Dessen Aussagen haben allerdings zu Empörung unter den BibliothekarInnen der Wiener Büchereien geführt, die den Eindruck gewinnen mussten, dass sie und ihre Arbeit durch ihren Vorgesetzten desavouiert würden.
Hier die Reaktion der KIV-Personalvertreterinnen der Büchereien:

“Erfreulicherweise haben sich die IG AutorInnen des Themas der Büchereien Wien und seiner geplanten radikalen Veränderungen angenommen und den zuständigen Stadtrat darüber informiert, was wirklich passieren soll.

Nun die Antwort, die die Bibliothekarische Leitung dem ORF gegeben hat: “Wir müssen nachholen, was über Jahre nicht wirklich gemacht wurde”, wird Herr Mag. Feigl zitiert – doch jede und jeder von uns weiß, dass wir alle gewissenhaft gearbeitet haben – auch was das Abschreiben von Büchern betrifft.
Es trifft eher das Gegenteil zu: die letzten Jahre waren eine Erfolgsgeschichte für die Büchereien Wien: Medienbestand, Qualität, Ausleihzahlen und Freundlichkeit und vieles andere mehr sind toll, dass uns in keiner Weise nachzusagen ist, dass wir etwas “nicht wirklich gemacht” haben.

Dieser Satz ist zweierlei: einmal suggeriert er, dass die MitarbeiterInnen der Büchereien Wien nicht ordentlich gearbeitet hätten und zweitens, dass die Büchereien keinen ordentlichen Bestand aufwiesen – beides ist nachweislich (statistisch) falsch und darauf ist sachlich ruhig und deutlich hinzuweisen.”

Damit dürfte die Stimmung unter den BibliothekarInnen der Wiener Büchereien gut zum Ausdruck gebracht worden sein. An der Leitung liegt es nun, darauf mit einem entsprechenden Gesprächsangebot zu reagieren.

Im Anschluss an die Stellungnahme der PersonalvertreterInnen schrieb eine Kollegin, dass sie gewünscht hätte, wenn eine sinnvolle interne Kommunikation stattgefunden hätte, denn

“Aus der KollegInnenschaft kamen viele sachliche und berechtigte Fragen und Einwände, auf die von Seiten unserer Leitung nicht eingegangen wurde.
Jetzt ist das ganze in den Medien, und die Stellungnahme (so richtig zitiert wurde – wurde richtig zitiert?) klingt nicht sehr überzeugend (es geht ja nicht um kaputte oder 10 Jahre alte Computerbücher) und wertet die Arbeit aller BibliothekarInnen ab.”

Eine weitere Reaktion gab es in der Fragestunde des Gemeinderats, in welcher der zuständige Stadtrat auf eine diesbezügliche Frage mit diesen Worten reagierte:

Zur Zusatzfrage betreffend Büchereien hob Oxonitsch hervor, dass moderne Büchereien Buchbestände immer zu aktualisieren hätten. Eine Bücherei sei kein Archiv, man schaffe Platz für junge AutorInnen und stelle überzählige Exemplare unter anderem Schule zur Verfügung.

Damit gibt es bereits die dritte oder vierte offizielle Begründung für die Massenabschreibung von Büchern in den Büchereien: Platz für junge AutorInnen!

Was aber fehlt, ist eine offene und breite Diskussion über die Aufgaben der Büchereien im nächsten Jahrzehnt sowie darüber hinaus und welche Maßnahmen dafür geeignet sind. Es wäre nun an der Zeit, eine solche zu führen.

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