Manche mögens heiß – die Wiener Büchereien

An einem Tag wie heute ist es ganz gut, sich des bis gestern heißesten Tages im Juni zu entsinnen, was am Montag, 18. Juni, der Fall war. So um 10 Uhr knallte die Sonne bereits recht aggressiv auf einen nieder, die Temperaturen dürften schon jenseits der 30° gewesen sein, als ich die Trafik betrat und im ersten Moment einen Kälteschock erlitt, im zweiten Moment mich aber in einem angenehmen Raumklima befand und nur ungern wieder ins glühendheiße Freie trat. Die nächste Station war die Bücherei, und wieder wurde der Körper in einen Schockzustand versetzt, der aber anhielt: in der Bücherei war es noch heißer als draußen.

Da die Büchereiräume übers Wochenende unbehelligt von Lüftungsaktionen der Sonne preisgegeben gewesen waren, erfüllte neben der Hitze auch eine erhebliche Muffigkeit den Raum. Einige LeserInnen standen mit ihren Medien in einer Reihe angestellt, eine Bibliothekarin verbuchte mithilfe der erst kürzlich installierten RFID-Verbuchung. Wozu immer wieder ein Hin- und Herschieben der Medien nötig war und gelegentliche Korrekturen und neues Erfassen. Der zweite PC hatte gerade seinen Geist aufgegeben, die andere Bibliothekarin telefonierte mit dem EDV-Referat – ihrem Gesicht war anzusehen, dass die Botschaft von dort nicht erfreulich war, da half auch mehrmaliges auf den Boden kriechen und Schalter ein und aus kippen nichts – außer einer Steigerung der Schweißausbrüche. Inzwischen war eine Schulklasse von der Kinderbücherei im ersten Stock herunter gekommen, rotbackige und schweißtriefende Kinderleins mit zu entlehnenden Büchern in der Hand. Was dank der Halbierung der Ausleihegeräte eine erhebliche Wartezeit nach sich zog. Der erste Stock, wo auch die Sachbücher aufgestellt sind, ist übrigens noch um einiges wärmer als das Erdgeschoß und die Luft noch muffiger. Dank der zahlreichen menschlichen Körper gab es überdies ein luftfeuchtigkeitsmäßiges Dschungelfeeling.

Nachdem ich meine Bücher zurückgegeben hatte, kühlte ich mich in der Straßenbahn – höchstens 30° – soweit ab, dass der Temperatursturz beim Eintritt in die mit Klimaanlage versehenen Arbeiterkammerbibliothek nicht gar so krass erschien. Nach kurzer Aklimatisierung konnte ich einen angenehmen Nachmittag verbringen.
Die Situation in der oben geschilderten Bücherei ist ziemlich gleich mit der in einer Menge anderer Büchereien in Wien, auch relativ neu erbauten bzw. rundum erneuerten.

In etlichen dieser hitzegeschädigten Büchereien wäre bereits durch einfache und nicht sonderlich teure Maßnahmen einiges zu verbessern. Was auch schon oft versprochen wurde in den letzten Jahrzehnten. In anderen könnte nur eine Klimaanlage Abhilfe schaffen. Doch das Geld wird anderswo benötigt. War dieser Tage nicht das Donauinselfest?

Der erste Ferienmontag morgen wird übrigens erfahrungsgemäß einer der stärksten Rückgabe- und Ausleihetage des Jahres. Der Wetterbericht prophezeit für diesen Tag 35° in Wien. Vielleicht erreichen einige Büchereien diesmal die 40° Innentemperatur? Weil manche mögens ja wirklich heiß.

Diese Zeilen wurden übrigens am Sonntag im angenehm temperierten Zeitschriftenlesesaal der Nationalbibliothek geschrieben.

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