Wie auf der Facebook-Seite “Wiener Büchereien – Ein Anlass zur Unruhe” berichtet wird, stehen etliche Büchereien unmittelbar vor einer Halbierung ihres Buchbestands. Bei den restlichen Büchereien sind es “nur” 20%, 30%, 40%, die aus den Regalen raus müssen. Diese Berechnung gilt nur, wenn man die Vorgaben der Leitung nicht ganz ernst nimmt – denn nach dieser müsste der gesamte Buchbestand mit Ausnahme der entliehenen Medien abgeschrieben werden – siehe die Analyse von Peter Sagerschnig.
Das heißt, die oben angeführte Abschreibequote ist extrem niedrig angesetzt, weil nur vom nichtentliehenen Buchbestand ausgegangen wird.
Von den unterschiedlichen Begründungen der Leitung für diese barbarische Aktion überzeugt nur jene, die sie nicht nennt: “It’s the economy, stupid” – im Grunde geht es nur darum, die Umstellung der restlichen 32 Zweigstellen auf RFID-Verbuchung möglichst kostenminimierend abzuwickeln. Den meisten dieser Zweigstellen bringt die Umstellung vorerst nur erheblichen Aufwand – es müssen alle Medien neu beklebt und einzeln an das System angehängt werden. Ein Aufwand, der angesichts der katastrophalen Personalsituation nicht zu verantworten ist.
Um diesen Aufwand daher zu verringern und die Kosten der Umstellung (das dazu notwendige Transponder-Etiketten-Material ist immer noch sehr teuer) zu senken, ist es aus bürokratisch-unbibliothekarischer Sicht am Effektivsten, wenn möglichst wenig Bücher zu behandeln sind. Was also auf einer Seite an Aufwand verringert wird, erhöht sich auf der anderen Seite, bei den Abschreibevorgängen.
Die Hoffnung, dass nach der Umstellung für BüchereibenutzerInnen und BibliothekarInnen das Service flotter und das Handling angenehmer wird, kann mal ruhig fahren gelassen werden.
Denn der Verbuchungsvorgang wird keineswegs optimiert. Erstens, weil bei den meisten Zweigstellen weiterhin nur die Thekenverbuchung möglich sein wird, da kein Platz für Selbstverbuchungsgeräte vorhanden ist; und zweitens weil der Geschwindigkeitsvorteil, der bei dieser “Stapelverbuchung” behauptet wird, nur bei Büchern eintritt. Bei CDs, DVDs und CD-ROMs ist dieses System, wie inzwischen jahrelange Erfahrungen gezeigt haben, deutlich langsamer und fehleranfälliger als das alte Barcode-System.
Was mit diesen Riesenaktionen tatsächlich erzielt wird, ist eine Erleichterung des Verbuchungsvorgangs in den großen Zweigstellen und der Hauptbücherei, weil es dann nur noch RFID- und keine Barcode-Verbuchungen mehr gibt. In jenen Zweigstellen, die jetzt bereits Rückgabe-Selbstverbuchung praktizieren (soweit ich weiß, machen dies bislang nur Philadelphiabrücke, BZ Simmering und Erdbergstraße), können dann die LeserInnenströme auf diese Geräte umgeleitet werden. Was für die BenutzerInnen angesichts der Fehlerrate bei audivisuellen Medien nicht immer ein reines Vergnügen ist.
Aber damit gibt es zumindest eine virtuell-fiktive Personalersparnis, was eine schon lang geplante und zum Teil schon vorweg praktizierte Reduktion des Personalstands dieser Büchereien nach sich ziehen wird.
Den Büchereien ist wieder einmal nichts zu teuer, wenn es um die Einsparung von Dienstposten geht.
Da haben die Büchereien Wien eine Leitung, und man hat das Gefühl, die wissen nicht was sie wollen bzw. sie identifizieren sich nicht mit den Inhalten ihrer Institution…
sie kommen ja gar nicht dazu nachzudenken, weil es ja gilt, die Wünsche der Abteilungsleitung vorauszuahnen.
Irgendwie muss RFID ja gepusht werden, komme was wolle. Ohne Rücksicht auf Verluste. RFID wird ja schon lange als Allheilmittel propagiert. Naja nicht der erste Irrweg…
… und Lügen pflastern diesen Weg, für und für …