Das religiöse Gespräch zum Wochenende

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ZEIT: Wie können Sie über Sachen nachdenken, die unsichtbar sind?

Lisa Randall: Ich kann eine Gleichung aufschreiben.

ZEIT: Das klingt ziemlich abstrakt.

Randall: Wenn Sie an Gott denken, obwohl Sie ihn nicht sehen können, wie stellen Sie sich ihn dann vor?

ZEIT (Max Rauner): Fragen wir mal meinen Kollegen Tobias Hürter, der ist Christ.

ZEIT (Tobias Hürter): »Du sollst dir kein Bild machen«, sagt das Alte Testament.

Randall: Na also. Nur in der Wissenschaft erwarten Sie, dass es von allem ein Bild gibt. Wie sieht aber die Liebe aus? Es gibt so viele Dinge, für die wir kein Bild haben. Tobias, Sie hätten mir gleich sagen sollen, dass Sie religiös sind.

ZEIT (Rauner): Sein Vater ist Priester.

ZEIT (Hürter): Ja, katholischer Priester.

Randall: Wie geht das denn? Ist er verheiratet?

ZEIT (Hürter): Ja.

Randall: Aber er ist doch katholisch.

ZEIT (Hürter): Als er meine Mutter kennenlernte, hat er beim Papst um seine Entlassung aus dem Klerus ersucht. Aber Priester ist er geblieben. Das kann nicht einmal der Papst so einfach zurücknehmen. Denn die Priesterweihe ist ein Sakrament und unumstößlich – im Gegensatz zu wissenschaftlichen Theorien.

ZEIT (Rauner): Sind Sie eigentlich getauft?

Randall: Ich bin jüdisch, aber wir waren nie religiös. Und Sie?

ZEIT (Rauner): Ungetauft.

ZEIT (Hürter): Gut, dass wir das geklärt haben.

 

aus: Die Zeit 19/2012 S. 58

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