Volkswirtschaftsfrömmigkeit und das Backrohr der Wirklichkeit

Aus Dath/Kirchner “Implex” 616f. (lesbarer gemacht):

  1. Gegessen wird, was auf den Tisch, nämlich auf den Markt kommt. 
  2. Nur Experten wissen, wie es gekocht wurde.
  3. Wer sich nicht durch die Geschichte der Volkswirtschaftsfrömmigkeit1) samt Klassik, Neoklassik, Grenznutzentheorie, Ordoliberalismus, Spieltheorie und Humpelpumpel gefressen hat, ist nicht berechtigt, auch nur festzustellen, daß der Vorstand der Deutschen Bahn nicht weiß, daß man Leute im Sommer nicht in den Waggons von Fernzügen backen darf, im Winter nicht auf verschneiter Strecke stehenlassen muß, wenn man ein bißchen weniger knapp plant.
  4. Denn es geht nicht um Wissen, es geht um Glauben: Man soll schlucken, daß Märkte effektiv sind, eine Theorie, die seit ihrer Erfindung mehr Augenschein gegen sich hat als die abwegigsten Erwartungen esoterischer Sektie­rer.
  5. An der dennoch eisern festgehalten wird, durch die schlimm­sten Engpässe hindurch, weil sie zwar keine Wahrheit ausdrückt, aber Interessen bedient.
  6. Und daß jedesmal, wenn alle diese Wahnvorstellungen ihre Fadenschei­nigkeit wieder an der Wirklichkeit Schiffbruch erleiden sehen, wieder irgendeine Intervention lästiger Staaten. Demokratien, Verwaltungen, kurz: öffentlicher Einrichtungen, die zu privatisieren man versäumt hat, die Schuld trägt. 
  7. Die Manichäer waren Opportunisten dagegen; keine Nachricht kann die Selbstgewißheit der Gläubigen er­schüttern, sie sind im Recht, sie sind humorlos, sie sind unbelehrbar!
 

1) Zur “Volkswirtschaftsfrömmigkeit” bringen Darth und Kirchner einen Einschub, den ich wegen der besseren Lesbarkeit hier extra und gekürzt bringe:

Was „Verwissenschaftlichung von Erzeugung und Handel” genannt wird und sonstige Tatsachen der „knowledge economy” sind genau die akkumulationsförderlichen, verkehrsformenprägenden Faktoren der wirtschaftlichen Entwicklung, für deren hinrei­chende Aufschlüsselung Marx in den Grundrissen drei, vier Absätze braucht.

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